Lebenszeichen

Die Beine sind mit Mückenstichen übersäht, kleine Sommersprossen finden sich auf meinem Gesicht wieder, ein leichter Schnupfen lässt meine Stimme nasal klingen und der Sonnenbrand auf meinem Rücken macht jedes Anlehnen zu einer schmerzhaften Angelegenheit. Das Deutschcamp in Misiones von YFU, in dem Hanna und ich Mitte Januar freiwillig als Teamer gearbeitet haben, der brasilianische Dschungel, sowie die eisigen Busklimaanlagen haben ihre Spuren hinterlassen.

In dem Hostel eines wunderschönen Strandorts Brasiliens namens Bombinhas teilen wir uns ein Zimmer mit 10 Argentinierinnen; ein kleines Stück ‘Heimat’ im fremden Land.
Mein letzter Blogeintrag liegt zwei Monate, 3 überquerte Ländergrenzen und viele verschiedene Gefühlslagen zurück. Es ist so einiges passiert.

Angefangen bei meinen zwei großen Reisen; denn bei den Sommertemperaturen in San Juan lässt es sich über Januar und Februar nicht in – im Gegensatz zu den Reisebussen – unklimatisierten Klassenräumen lernen, geschweige denn lehren.

Somit schwand ich fort und durfte zuerst über etwa einen Monat Buenos Aires, Santiago de Chile und Valparaíso besser kennenlernen. Die Reise wurde geprägt von interessanten Begegnungen, Straßenhundattacken, unkontrolliertem Himbeereiskonsum, wunderschönen Stadtpanoramen und Strandpromenaden, Schwierigkeiten an der chilenischen Grenze und vielen verrückten Enkelkind-Erzähl-Geschichten.
Weihnachten und Neujahr verbrachte ich also im Nachbarland. Trotz des glamurösen Feuerwerks am Hafen in Valparaíso fühlte es sich für mich nicht an, wie ein Neustart; schliesslich liegt der meine etwa 5 Monate zurück und nennt sich nicht ‘Silvester’, sondern ‘Argentinien’.

Valpo

Internationale Freunde im Lieblingshostel in Santiago

Etwa die Hälfte meiner Mitfreiwilligen reist schon in wenigen Tagen ab. Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, wie ich damit zurechtkommen würde bald Abschied nehmen zu müssen von all dem hier, doch beim Gedanken daran wurde mir übel. Klar habe ich schon genug erlebt, um Dutzende dicke Bücher mit aufregenden Inhalten zu füllen und trotzdem habe ich das Gefühl, dass noch so viel fehlt.

Buenos Aires

Die erste Zeit war wie ein einziges Festival; man ist irgendwie hektisch von Act zu Act gerannt, hat viele Eindrücke gesammelt, insgesamt viel erlebt aber letztendlich war es wie eine kleine, abgesonderte Wunderzeit, in der man sich befand. Nun freue ich mich auf ein wenig mehr Beständigkeit nach meiner Brasilienreise. Ich freue mich, meinen argentinischen Alltag wieder zu erleben, denn der gefällt mir ziemlich super. Ich freue mich, wieder die unmatschigste Paprika aus dem Gemüseregal des Händlers an der Ecke rauszusuchen, an der Eisdiele auf meinem Weg zur Schule vorbeizugehen und am Abend meinen Stoffbeutel mit einer dickgefüllten Mappe seufzend in mein Zimmer zu schmeißen, nach unten in die Küche zu gehen und das schon kaltgewordene Uniessen zu lauten Gesprächen zu verzehren.

Jetzt bin ich aber noch ein wenig auf dem Festival und tanze zu meiner Lieblingsband, entschuldigt bitte!

Hanna und ich auf einem buchstäblichen Festival

Dieser Artikel hat 3 Kommentare

  1. Hey Cathy, wieder haben wir deinen Reisebericht schon beinahe ungeduldig erwartet und natürlich sofort neugierig und sehr intetessiert gelesen. Das Warten hat sich gelohnt. Danke! Auch dieser Eintrag ist so fesselnd und beeindruckend, dass sich automatisch die passenden Bilder einstellen. Nun bist du schon ein halbes Jahr auf einem fernen Kontinent, hast dich ganz allein sofort nach dem Abi aufgemacht um in einer fremde Kultur, zu arbeiten, zu helfen, zu lernen und zu lehren. Chapeau, Anerkennung und Respekt dafür. Wir hoffen sehr, dass deine interessanten Reportagen auch andere junge Leute begeistern und zur Nachahmung anregen. Weiterhin ganz viel Glück und Erfolg wünschen dir Ralf und Louisa

  2. Schreib echt mal ein Buch wenn du zeit hast. Oder zumindest mal längere Artikel ahahah

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