Cómida emocional

Das Abendessen heute war anders. Und das, obwohl augenscheinlich alles so wie immer war – ich bin mit einem meiner Mitbewohner in die Unikantine gegangen, um Essen für unsere WG abzuholen. Als ich jedoch am Tresen stand und die Mitarbeiter der Kantine gefüllte Zucchini (hier die berühmtberüchtigte zapallito), Salat und Steaks in unsere Tupperbehälter füllten, wurde ich etwas sentimental.

Später auf der Terasse unseres Hauses dann warf ich irgendwann während des Essens ein: „Hoy es una comida emocional para mí“ (in Deutsch: Heute ist ein emotionales Essen für mich).
Ich erklärte, dass es dieses Gericht auch bei meinem ersten Essen in der Unikantine von San Juan gab.
Obwohl es wahrscheinlich nicht das perfekteste Spanisch war, haben mich meine Mitbewohner verstanden. Wie auch sonst immer.
Nach einem sentimentalen Seufzer entgegnete meine mexikanische Mitbewohnerin: „Bei meinem ersten Essen hier gab es Polenta“ und alle verzogen synchron die Miene. Auch ich. Die Polenta hier war scheußlich. Alle lachten.

Seit etwas mehr als einem Monat bin ich nun hier und fühle mich jeden Tag wohler. Alltägliche Hindernisse können ohne große Schwierigkeiten bewältigt werden, da die Sprachbarriere beachtlich geschrumpft ist. Es reicht mittlerweile für das Ausdrücken jeglicher Bedürfnisse, Einkäufe gehen fast ohne Schwierigkeiten über die Bühne und auch den Schüler*innen muss ich nun nicht mehr alles vom Deutschen ins Englische übersetzen, sondern finde meistens direkt das spanische Wort, wenn sie eine Vokabel nicht verstehen.

Mit dem Unterrichten werde ich immer wärmer – man gewinnt an Selbsvertrauen, spricht ungehemmter vor den Schülern. Denn ganz am Anfang ist es doch etwas befremdlich gewesen, auf der anderen Seite zu stehen, wenn man vor 5 Monaten noch selbst die Schulbank gedrückt hat und sich über die seltsam geblümte Bluse der Lehrerin lustig gemacht hat. Nun ist man diejenige mit der komisch geblümten Bluse.
Erstaunlich finde ich, wie stark sich der Unterricht verändern kann, je nachdem, mit welchen Utensilien man arbeitet. Ja, ich freue mich tatsächlich total über die Anschaffung eines White-Board-Markers! Eine der besten Entscheidungen, die ich hier getroffen habe. Ich ertappe mich manchmal dabei, wie sehr ich mich freue, wenn meine alumnos Fragen haben und ich galant mit meinem schwarzen Marker über die weiße, glatte Oberfläche des Boards schweben kann.

Da gibt es aber auch noch weitaus schönere Momente im Unterricht, die mich teilweise extremst an meine eigene Schulzeit erinnern.
Eine Deutschlehrerin meiner Schule: „Troja, das gibt es auch als Film. Kennt den jemand?“
Schülerin: „Ja, Brad Pitt!“
… der Kommentar hätte damals auch von mir kommen können.

Neben dem Unterrichten und dem Essen gehe ich natürlich auch anderen Beschäftigungen nach – schlafen zum Beispiel. An sich keine neue Aktivität, jedoch ist es erfrischend, nun einen zusätzlichen Zeitraum – nämlich in der Siesta zwischen 13 und 17 Uhr – dafür zu haben. Am Wochenende erweitert sich das gewöhnliche Alltagsprogramm durchs Wanderngehen, Schwimmen, Asado am Sonntag und vielem mehr.

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Ich lasse von mir hören, bis zum nächsten Mal und haltet die Öhrchen steif!
 

 

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