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Von Vorweihnachtszeit, Kurztrips, Kochkünsten und einem ersten Abschied

Einer meiner Vorsätze für das neue Jahr ist es gewesen, regelmäßig ein kleines Update für meinen Block zu verfassen. Doch wie das so ist mit den Vorsätzen…

Nach drei Monaten ohne, nun endlich mal ein neuer Beitrag:

In den vier Wochen vor Weihnachten habe ich Budapest noch einmal anders kennengelernt, nämlich weihnachtlich beleuchtet und geschmückt und einige Tage lang auch eingeschneit. Ich habe mich über den komplett überfüllten Weihnachtsmarkt auf dem Vörörmarty-tér gekämpft und dabei versucht, ein wenig vorweihnachtliche Atmosphäre aufzunehmen, was sich in einem Stimmenhagel aus bestimmt einem Dutzend Sprachen etwas schwierig gestaltete. Umso erleichterter war ich dann, als ich meine Weihnachtsgeschenke von den Weihnachtsmärkten in Szentendre, Salzburg und Budapest zusammen hatte.

Der Weihnachtsmarkt in Salzburg.

Blick aus dem Mirabell-Schlossgarten in die Salzburger Innenstadt

Salzburg bei Nacht

Budapester Weihnachtsmarkt

die weihnachtlich geschmückte Váci-utca

Kurz vor Weihnachten haben wir eine kleine Weihnachtsfeier veranstaltet, bei Kari Zuhause in Újhartyán

Die Nikolaus-Feier der 1e in der Schule

Mit einem schweren Koffer habe ich dann einige Tage vor Weihnachten die Reise nach Hause angetreten. Da es einige Tage vorher angefangen hatte, in Ungarn und in Deutschland zu schneien, hatte ich mich schon auf das Schlimmste eingestellt, doch weder Fluggesellschaft noch Deutsche Bahn haben mich im Stich gelassen und ich kam pünktlich am 19. Dezember Zuhause an.
Nach den Weihnachtsfeiertagen „musste“ ich mich dann – zugegebenermaßen mit etwas gemischten Gefühlen – wieder auf den Weg nach Budapest machen. Da wurde mir wieder einmal bewusst, dass es für mich die absolut richtige Entscheidung war, in einer Gastfamilie und nicht allein zu leben. Es war einfach ein tolles Gefühl, am Flughafen abgeholt und zurück in einen Alltag „hineingeworfen“ zu werden, der sich im Grunde durch meine Abwesenheit nicht wirklich verändert hatte.

Budapest im Winter – dieselbe Perspektive habe ich schon Anfang Oktober einmal fotografiert. Meiner Meinung nach schöner im Frühherbst als im Winter 🙂

Silvesternacht auf der Margareten-Brücke. Eigentlich hätte man an dieser Stelle einen schönen Blick auf Buda-Seite der Stadt, man könnte die Zitadelle und vielleicht noch ein Stück des Parlaments sehen. In der nebeligen Silvesternacht war das jedoch nicht möglich

Ich würde generell sagen, dass sich für mich inzwischen der Alltag soweit eingespielt hat, dass ich mir im Augenblick gar nichts anderes vorstellen könnte:
In der Woche verbringe ich die Vormittage in der Schule (wo ich langsam aber sicher die Namen aller Schüler und Kollegen lerne) und nachmittags fahre ich meist ins Stadtzentrum.
Am Montag- und Mittwochabend habe ich seit Anfang Dezember nun immer anderthalb Stunden Ungarisch-Sprachkurs. Mein Plan ist es, an diesem Kurs auch bis zum Ende meines Auslandsjahres teilzunehmen, denn inzwischen habe ich nicht mehr so häufig das Gefühl, dass Ungarisch ein Buch mit Sieben Siegeln, eine nicht zu erlernende Sprache auf einem Level mit Chinesisch, ist.
Jetzt habe ich gut reden; wenn ich das nächste Mal über meinem Kursbuch und den Hausaufgaben brüte, werde ich das wahrscheinlich nicht wiederholen…

Ich gehe davon aus, dass die meisten, die diesen Eintrag lesen, ohnehin schon wissen, dass ich einen Verlängerungsantrag für meinen Freiwilligendienst gestellt habe und dieser auch bewilligt wurde. Mit anderen Worten: Deutschland sieht mich auch die nächsten Monate nicht so schnell wieder 😊

In den letzten Monaten habe ich viel von Ungarn und seiner Umgebung gesehen, im Dezember war ich mit meiner Gastfamilie in Salzburg und Szentendre, zu Januarbeginn mit Sophie, Annika und der leider etwas erkälteten Kari in Bratislava und wenn es nach mir geht, kann es in den nächsten Monaten auch so weitergehen!

Der Marktplatz in Bratislava. Da das Stadtzentrum so klein ist, befinden sich wichtige repräsentative Gebäude oft in den selben Straßen wie Restaurants und Souvenir-Shops: Rechts der zu sehenden Gebäude befindet sich – im zweiten Stock über einem Café – die griechische Botschaft, auf der linken Seite des Platzes die französische Botschaft.

Außerdem werde ich nicht allzu lange „alleine“ bleiben, denn für die kommende Zeit haben sich schon einige Besucher angekündigt, auf die ich mich auch schon sehr freue.
Oft genug erwische ich mich dabei, dass ich mich schon nicht mehr als Tourist in Budapest sehe – sondern mich viel öfter über Touristen aufrege, ob in den überfüllten U-Bahnen oder auf irgendwelchen überfüllten Plätzen.
Es ist schon eigenartig, wie schnell mich sich irgendwo beinahe wie zu Hause fühlen kann – obwohl man nicht einmal die Sprache beherrscht.
Umso mehr freue ich mich darauf, all denen, die mich besuchen kommen, ein Stück von meinem neuen, zweiten Zuhause zu zeigen und ihnen andere Seiten von Ungarn und von Budapest zu zeigen, die man als einwöchiger Tourist unmöglich entdecken kann und von außen erst recht nicht sieht.

Doch trotz der ganzen Schwärmerei gibt es eines, mit dem ich mich einfach nicht so recht anfreunden kann und das ist die traditionelle ungarische Küche.
Dank meiner Gastfamilie brauche ich ja in keine Restaurants gehen, um originale ungarische Gerichte probieren zu können. Dass Ungarn immer mit Paprika in Verbindung gebracht wird, kann ich nur zum Teil verstehen: Zwar wird sehr viel mit Paprika gewürzt, doch ist der tatsächliche Konsum des Gemüses an sich wahrscheinlich nicht so viel höher als in Deutschland.
An dieser Stelle steht eigentlich eher ein anderes Wort, das einen überall hin verfolgt: Tejföl. Schmand.
Klingt erst einmal nicht besonders spannend, aber ihr wäret erstaunt, wo man Tejföl überall finden kann: In Aufläufen – klar. Auf dem traditionell ungarischen Lángos – nachvollziehbar. Aber auf einer ganz normalen Pizza im Restaurant? Auf Broten in der Schulmensa? Als „Dip“ für Pommes? Um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Diese kleine Tejföl-Abhängigkeit spiegelt sich auch in den Geschäften wider: Eigentlich unterscheidet sich ein Lidl oder Aldi hier nicht von den Filialen in Deutschland. Bis darauf, dass sich das Regal für Molkereiprodukte einige Meter länger zieht, und sich auf dieser zusätzlichen Fläche die verschiedensten Packungen Tejföl in allen Größen stapeln – den man übrigens auch in handlichen Eimern kaufen kann.

Am Samstag war ich zum Schwaben-Ball, dem Abschlussball der Achtklässler an Deutschen Nationalitätenschulen, eingeladen. Darauf habe ich mich schon sehr gefreut. Und auch hier war ich gespannt auf das Essen, denn das sollte laut meinen Kollegen typisch schwäbisch sein. Glücklicherweise gab es ein alternatives Menü für alle, die es mit Schweinebraten, Knödeln und anderem deftigen Essen nicht so haben.
Tradition ist es, dass die Schüler der achten Klassen auf diesem Ball typische Tänze der deutschen Minderheit in Ungarn tanzen, darauf bereiten sie sich schon seit einigen Monaten in der wöchentlichen Tanzstunde in der Schule vor. Außerdem tragen die Mädchen weiße Kleider.
Ich habe eine meiner Schülerinnen gefragt, wo man denn so viele weiße festliche Kleider finden kann und habe erfahren, dass sich die Mädchen Brautkleider aus Brautmodegeschäften für diesen besonderen Anlass leihen. Da wird man beinahe neidisch!

Im Gegensatz zu anderen Grundschulen gibt es an meiner Schule allerdings nur einen einzigen Ball und nicht mehrere. Stattdessen ist dann dessen Besuch für mich ein weiteres besonderes Ereignis während meiner Zeit hier.
Genauso wie der Empfang in der Botschaft am Tag der Deutschen Einheit, oder auch der Opernbesuch am letzten Wochenende, der ein Geburtstagsgeschenk für Kari gewesen war. Auch wenn die Vorstellung an sich von mir keine 10/10 Punkte bekommt war schon der Kauf der Karten im Opernhaus von Budapest, einem Renaissance-Prachtbau, ziemlich beeindruckend. Da das Gebäude in diesem Jahr renoviert wird, fand die Vorstellung an einem anderen Ort statt, trotzdem hat es sich sehr gelohnt.

Opernvorstellung: Inszenierung von Verdis „Simon Boccanegra“

Der botanische Garten in Budapest. Die Außenanlagen sind im Winter vielleicht nicht all zu sehenswert, die Palmenhäuser dafür umso mehr.

Nun brechen also in der nächsten Woche die letzten Tage mit der „Budapest-Crew“ an, was danach kommt, weiß ich selbst noch nicht so genau. Einige kleine Fähnchen sind bereits gesteckt: Die schon erwähnten Besuche aus Deutschland, ein kleiner Urlaub in Frankreich und eventuell ein Familien-Wochenend-Urlaub.
Wenn ich so darüber nachdenke, ist also doch schon einiges geplant und ich bin mir ziemlich sicher, dass die nächsten Monate in derselben Lichtgeschwindigkeit vergehen werden, wie die vergangenen sechs es taten…

So viel erst einmal von mir.
Bis zum nächsten Blogeintrag!

Szia,
eure Carolin (oder Carolka, wie ich von meiner Gastfamilie genannt werde. Es wäre ja ein Unding, wenn ich keinen typisch ungarischen Spitznamen hätte 😊 )

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