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Es kehrt Alltag ein. – Mehr oder weniger

Jó estét aus Budapest!
Seit meinem letzten Blogeintrag ist wieder ein Monat vergangen und der ein oder andere fragt sich wahrscheinlich, ob mein Leben hier so eintönig verläuft, dass sich ein kleines Update nicht lohnt. Aber eher das Gegenteil ist der Fall. Meinen Plan, wenigstens alle zwei Wochen einmal einen neuen Blogeintrag zu schreiben, habe ich inzwischen erfolgreich begraben. Denn dafür hat mir in den letzten Wochen die Zeit gefehlt, was ich zu Anfang meiner Arbeit an der Grundschule in der Újlak-Straße ehrlich gesagt nicht erwartet hätte.

Doch inzwischen habe ich mich so weit in den Schulalltag eingelebt, dass ich von den Lehrerinnen und Lehrern immer öfter aufgefordert werde, doch mal neue Spiele mit den Kindern zu spielen, deutsche Lieder mit ihnen zu singen, einen neuen Themenbereich aus dem Buch zu erschließen oder gleich eine komplette Stunde vorzubereiten. In sechzehn Klassen mit je zwei Gruppen ein ganz schöner Batzen Arbeit. Auf Deutsch auf jeden Fall machbar, auf Ungarisch aber ein schlecht planbares Unternehmen, denn die Kommunikation mit den Schülerinnen und Schüler soll – und kann – nur auf Deutsch stattfinden. Hier muss man dann schon sehr häufig in den kreativeren Bereich gehen, oft ist es mit Umschreibungen auch nicht getan und man greift als letztes Mittel zur pantomimischen oder zeichnerischen Darstellung.
Solche Situationen, in denen ich dann doch versuche mit den Kindern Ungarisch zu sprechen, sorgen immer wieder für Lacher und werden danach auch gerne in anderen Klassen und im Lehrerzimmer brühwarm weitererzählt. Sehr beliebt sind die Vokabeltests bei denen ich die ungarischen Vokabeln – meist in drei oder vier Anläufen – vorlese, und die Kinder die deutsche Übersetzung schreiben.

Neben der Unterrichtsvorbereitung ist mein zweites „Projekt“ nun das Namenlernen, was sich auch schwieriger gestaltet als erwartet, da die meisten Kinder im Unterricht sowohl mit ihrem richtigen Vornamen, als auch mit ihrem Spitznamen oder einer eingedeutschten Form des Namens angesprochen werden. Deshalb kommt es ziemlich oft vor, dass ich nicht auf Anhieb erkenne, dass Tamás, Tamáska, Tommi und Thomas ein und dieselbe Person sind.
Was neben meinen amateurhaften Bemühungen in ungarischer Kommunikation ebenfalls auf Begeisterung stößt, sind deutsche Lieder. Egal ob „Alle meine Entchen“ inklusive einer selbst ausgedachten Choreographie in der Ersten und Zweiten oder etwas von Sido in der Siebten und Achten. Alles, was ein wenig von den Texten in den Deutschbüchern abweicht, wird begeistert angenommen und die Kinder stürzen sich vor allem auf Umgangssprache und neue Ausdrücke, die sie durch mich kennenlernen.
Seitdem sie zum Beispiel erfahren haben, dass man im Volksmund auch Kohle anstatt Geld sagt, ist plötzlich nur noch vom „Kohle einsammeln“ oder „Taschen-Kohle von den Eltern bekommen“ die Rede. Hier muss man dann doch ab und an einhaken und ein wenig zurückrudern. Aber an sich ist diese Wissbegierde ja etwas positives und ich kann mich glaube ich wirklich glücklich schätzen, dass, bis auf einige Ausnahmen, fast alle Kinder wirklich gern Deutsch lernen. Schwer vorstellbar, wie ich mit einer einhundertprozentig unmotivierten Gruppe auch nur Kommunizieren könnte, geschweige denn unterrichten.

Ebenfalls im Moment in Arbeit sind die Anfänge einer kleinen Brieffreundschaft zwischen einer fünften Klasse hier in Budapest und einer Vierten aus meinem Nachbarort in Deutschland, sowie zwischen einer vierten ungarischen Klasse und einer dritten Klasse an meiner ehemaligen Grundschule. Dafür habe ich in diesen Klassen in den vergangenen drei Wochen praktisch ununterbrochen an achtundvierzig Steckbriefen geschrieben und gebastelt – die müssen nun nur noch eingescannt und verschickt werden. Das habe ich jetzt aber erst einmal auf die lange Bank geschoben, denn heute ist der erste von fünf lang ersehnten Ferientagen.
Am letzten Wochenende habe ich bereits die Hauptstadt unseres Nachbarlandes Kroatien, Zagreb, mit zwei weiteren Freiwilligen erkundet. Es war ein relativ spontaner Urlaub, zu dem wir uns auch erst am Dienstag entschieden hatten. Am Freitagnachmittag ging es nach der Arbeit dann mit dem Bus los und nach gerade einmal fünf Stunden Fahrt kamen wir am Abend an. Der Zagreb-Trip war auch meine erste Hostel-Erfahrung. Mein Fazit dazu: Ein sehr interessantes Erlebnis, von der ich auch froh bin, sie gemacht zu haben. Allerdings würde ich nicht sagen, dass ich hier so schnell einen Wiederholungsbedarf sehe. Zagreb selbst ist eine sehr schöne Stadt, in der man, wie ich finde, nicht wirklich merkt, dass dort eine Million Menschen leben. Die kleinen Gassen, die mal bergauf, mal bergab verlaufen, die vielen kleinen Treppen, die altmodischen Häuser, in denen sich oft die Geschäfte von Schmuckhandwerkern, kleine Souvenirshops oder urige Cafés befanden und der Blumen-, Obst- und Gemüsemarkt gaben der Stadt eher einen heimischen und ländlichen Charakter. Sobald man den innersten Kern der Stadt dann aber verließ, verschwand auch wieder dieses Gefühl und man fühlte sich doch wieder in die osteuropäische Großstadt versetzt.
Doch auch kulinarisch hat Kroatien einiges zu bieten, so kamen wir eben nicht darum herum, einmal originale Ćevapčići und Štrukli zu essen. Wobei Štrukli ein typisches zagreber Gericht ist, dass sich schwer beschreiben lässt. Aber ich will es mal versuchen: Es handelt sich dabei um einen Teig, den man dünn ausrollt und mit Eiern, Salz, Käse und Schmand füllt. Alternativ gibt es das Ganze auch in gesüßter Variante mit Zimt und Apfel oder mit Pflaumen. Man kann anschließend wählen, ob man seinen Štrukli gekocht oder gebacken haben möchte. Über die gekochte Variante wird dann noch ein für uns undefinierbares Pulver gestreut. Wir haben beides probiert, tendieren aber zur gebackenen, süßen Variante.
Genauso schnell wie wir am Freitag angekommen waren, ging es dann aber auch am Montagmorgen wieder zurück nach Budapest. Als wir dort die Donau überquert haben, hatte ich wirklich das Gefühl, wieder Zuhause zu sein, ein sehr gutes Gefühl, wie ich finde.

Auch was das Sightseeing innerhalb Ungarns angeht gibt es Fortschritte zu verzeichnen: Zu meinem Geburtstag habe ich von den anderen Freiwilligen in Budapest einen Ausflug zum Schloss Gödöllö geschenkt bekommen. Und wer mich kennt, der weiß, dass ich mich darüber wirklich sehr gefreut habe! (An dieser Stelle noch einmal ein großes Dankeschön!)
Nach Gödöllö sind wir dann vor drei Wochen gefahren. Und ich kann jedem der nach Budapest fährt nur einen Ausflug in die beschauliche Kleinstadt empfehlen. Egal ob man sich für Schlösser und Geschichte interessiert, oder nicht. Im Schlosspark lassen sich auch so entspannte Stunden verbringen.
Um gleich bei schöner Natur zu bleiben: Vor vier Wochen war ich außerdem zum ersten Mal auf der Margaretheninsel, einem kleinen Fleckchen Grün mitten in Budapest, genauer gesagt mitten in der Donau. Zu erreichen über die Margarethenbrücke. Von dort hat man nicht nur einen wunderschönen Blick über die Donau, es finden auch jede Menge Programme, wie etwa Theaterspiele, Impros und Konzerte statt. Außerdem kann man dort sehr interessante Leute treffen, wie etwa einen Schweden, der einem mit seiner Schaufensterpuppe die christliche Religion näherbringen möchte :D.

Und auch in den nächsten Tagen geht es mit Natur weiter:
Nach unserem Wochenend-Trip nach Kroatien steht bereits der nächste Kurzurlaub vor der Tür: denn am Ende der Woche fahre ich – diesmal mit meiner Gastfamilie – über Pécs in die 750-Seelen-Gemeinde Bikal. Die geringe Zahl der Einwohner ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich noch nie von diesem Ort gehört hatte. Laut meiner Gastmutter ist Bikal vor allem für seine Thermalbäder und die Landschaft rundherum bekannt und größtenteils unter Ungarn ein beliebtes Reiseziel. Ich bin also mehr als gespannt 😊

Das war es dann erst einmal wieder von mir! Der nächste Eintrag lässt hoffentlich nicht so lange auf sich warten!

Und bis dahin:
Szia,

eure Carolin

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