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Von Vorweihnachtszeit, Kurztrips, Kochkünsten und einem ersten Abschied

Einer meiner Vorsätze für das neue Jahr ist es gewesen, regelmäßig ein kleines Update für meinen Block zu verfassen. Doch wie das so ist mit den Vorsätzen…

Nach drei Monaten ohne, nun endlich mal ein neuer Beitrag:

In den vier Wochen vor Weihnachten habe ich Budapest noch einmal anders kennengelernt, nämlich weihnachtlich beleuchtet und geschmückt und einige Tage lang auch eingeschneit. Ich habe mich über den komplett überfüllten Weihnachtsmarkt auf dem Vörörmarty-tér gekämpft und dabei versucht, ein wenig vorweihnachtliche Atmosphäre aufzunehmen, was sich in einem Stimmenhagel aus bestimmt einem Dutzend Sprachen etwas schwierig gestaltete. Umso erleichterter war ich dann, als ich meine Weihnachtsgeschenke von den Weihnachtsmärkten in Szentendre, Salzburg und Budapest zusammen hatte.

Der Weihnachtsmarkt in Salzburg.

Blick aus dem Mirabell-Schlossgarten in die Salzburger Innenstadt

Salzburg bei Nacht

Budapester Weihnachtsmarkt

die weihnachtlich geschmückte Váci-utca

Kurz vor Weihnachten haben wir eine kleine Weihnachtsfeier veranstaltet, bei Kari Zuhause in Újhartyán

Die Nikolaus-Feier der 1e in der Schule

Mit einem schweren Koffer habe ich dann einige Tage vor Weihnachten die Reise nach Hause angetreten. Da es einige Tage vorher angefangen hatte, in Ungarn und in Deutschland zu schneien, hatte ich mich schon auf das Schlimmste eingestellt, doch weder Fluggesellschaft noch Deutsche Bahn haben mich im Stich gelassen und ich kam pünktlich am 19. Dezember Zuhause an.
Nach den Weihnachtsfeiertagen „musste“ ich mich dann – zugegebenermaßen mit etwas gemischten Gefühlen – wieder auf den Weg nach Budapest machen. Da wurde mir wieder einmal bewusst, dass es für mich die absolut richtige Entscheidung war, in einer Gastfamilie und nicht allein zu leben. Es war einfach ein tolles Gefühl, am Flughafen abgeholt und zurück in einen Alltag „hineingeworfen“ zu werden, der sich im Grunde durch meine Abwesenheit nicht wirklich verändert hatte.

Budapest im Winter – dieselbe Perspektive habe ich schon Anfang Oktober einmal fotografiert. Meiner Meinung nach schöner im Frühherbst als im Winter 🙂

Silvesternacht auf der Margareten-Brücke. Eigentlich hätte man an dieser Stelle einen schönen Blick auf Buda-Seite der Stadt, man könnte die Zitadelle und vielleicht noch ein Stück des Parlaments sehen. In der nebeligen Silvesternacht war das jedoch nicht möglich

Ich würde generell sagen, dass sich für mich inzwischen der Alltag soweit eingespielt hat, dass ich mir im Augenblick gar nichts anderes vorstellen könnte:
In der Woche verbringe ich die Vormittage in der Schule (wo ich langsam aber sicher die Namen aller Schüler und Kollegen lerne) und nachmittags fahre ich meist ins Stadtzentrum.
Am Montag- und Mittwochabend habe ich seit Anfang Dezember nun immer anderthalb Stunden Ungarisch-Sprachkurs. Mein Plan ist es, an diesem Kurs auch bis zum Ende meines Auslandsjahres teilzunehmen, denn inzwischen habe ich nicht mehr so häufig das Gefühl, dass Ungarisch ein Buch mit Sieben Siegeln, eine nicht zu erlernende Sprache auf einem Level mit Chinesisch, ist.
Jetzt habe ich gut reden; wenn ich das nächste Mal über meinem Kursbuch und den Hausaufgaben brüte, werde ich das wahrscheinlich nicht wiederholen…

Ich gehe davon aus, dass die meisten, die diesen Eintrag lesen, ohnehin schon wissen, dass ich einen Verlängerungsantrag für meinen Freiwilligendienst gestellt habe und dieser auch bewilligt wurde. Mit anderen Worten: Deutschland sieht mich auch die nächsten Monate nicht so schnell wieder 😊

In den letzten Monaten habe ich viel von Ungarn und seiner Umgebung gesehen, im Dezember war ich mit meiner Gastfamilie in Salzburg und Szentendre, zu Januarbeginn mit Sophie, Annika und der leider etwas erkälteten Kari in Bratislava und wenn es nach mir geht, kann es in den nächsten Monaten auch so weitergehen!

Der Marktplatz in Bratislava. Da das Stadtzentrum so klein ist, befinden sich wichtige repräsentative Gebäude oft in den selben Straßen wie Restaurants und Souvenir-Shops: Rechts der zu sehenden Gebäude befindet sich – im zweiten Stock über einem Café – die griechische Botschaft, auf der linken Seite des Platzes die französische Botschaft.

Außerdem werde ich nicht allzu lange „alleine“ bleiben, denn für die kommende Zeit haben sich schon einige Besucher angekündigt, auf die ich mich auch schon sehr freue.
Oft genug erwische ich mich dabei, dass ich mich schon nicht mehr als Tourist in Budapest sehe – sondern mich viel öfter über Touristen aufrege, ob in den überfüllten U-Bahnen oder auf irgendwelchen überfüllten Plätzen.
Es ist schon eigenartig, wie schnell mich sich irgendwo beinahe wie zu Hause fühlen kann – obwohl man nicht einmal die Sprache beherrscht.
Umso mehr freue ich mich darauf, all denen, die mich besuchen kommen, ein Stück von meinem neuen, zweiten Zuhause zu zeigen und ihnen andere Seiten von Ungarn und von Budapest zu zeigen, die man als einwöchiger Tourist unmöglich entdecken kann und von außen erst recht nicht sieht.

Doch trotz der ganzen Schwärmerei gibt es eines, mit dem ich mich einfach nicht so recht anfreunden kann und das ist die traditionelle ungarische Küche.
Dank meiner Gastfamilie brauche ich ja in keine Restaurants gehen, um originale ungarische Gerichte probieren zu können. Dass Ungarn immer mit Paprika in Verbindung gebracht wird, kann ich nur zum Teil verstehen: Zwar wird sehr viel mit Paprika gewürzt, doch ist der tatsächliche Konsum des Gemüses an sich wahrscheinlich nicht so viel höher als in Deutschland.
An dieser Stelle steht eigentlich eher ein anderes Wort, das einen überall hin verfolgt: Tejföl. Schmand.
Klingt erst einmal nicht besonders spannend, aber ihr wäret erstaunt, wo man Tejföl überall finden kann: In Aufläufen – klar. Auf dem traditionell ungarischen Lángos – nachvollziehbar. Aber auf einer ganz normalen Pizza im Restaurant? Auf Broten in der Schulmensa? Als „Dip“ für Pommes? Um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Diese kleine Tejföl-Abhängigkeit spiegelt sich auch in den Geschäften wider: Eigentlich unterscheidet sich ein Lidl oder Aldi hier nicht von den Filialen in Deutschland. Bis darauf, dass sich das Regal für Molkereiprodukte einige Meter länger zieht, und sich auf dieser zusätzlichen Fläche die verschiedensten Packungen Tejföl in allen Größen stapeln – den man übrigens auch in handlichen Eimern kaufen kann.

Am Samstag war ich zum Schwaben-Ball, dem Abschlussball der Achtklässler an Deutschen Nationalitätenschulen, eingeladen. Darauf habe ich mich schon sehr gefreut. Und auch hier war ich gespannt auf das Essen, denn das sollte laut meinen Kollegen typisch schwäbisch sein. Glücklicherweise gab es ein alternatives Menü für alle, die es mit Schweinebraten, Knödeln und anderem deftigen Essen nicht so haben.
Tradition ist es, dass die Schüler der achten Klassen auf diesem Ball typische Tänze der deutschen Minderheit in Ungarn tanzen, darauf bereiten sie sich schon seit einigen Monaten in der wöchentlichen Tanzstunde in der Schule vor. Außerdem tragen die Mädchen weiße Kleider.
Ich habe eine meiner Schülerinnen gefragt, wo man denn so viele weiße festliche Kleider finden kann und habe erfahren, dass sich die Mädchen Brautkleider aus Brautmodegeschäften für diesen besonderen Anlass leihen. Da wird man beinahe neidisch!

Im Gegensatz zu anderen Grundschulen gibt es an meiner Schule allerdings nur einen einzigen Ball und nicht mehrere. Stattdessen ist dann dessen Besuch für mich ein weiteres besonderes Ereignis während meiner Zeit hier.
Genauso wie der Empfang in der Botschaft am Tag der Deutschen Einheit, oder auch der Opernbesuch am letzten Wochenende, der ein Geburtstagsgeschenk für Kari gewesen war. Auch wenn die Vorstellung an sich von mir keine 10/10 Punkte bekommt war schon der Kauf der Karten im Opernhaus von Budapest, einem Renaissance-Prachtbau, ziemlich beeindruckend. Da das Gebäude in diesem Jahr renoviert wird, fand die Vorstellung an einem anderen Ort statt, trotzdem hat es sich sehr gelohnt.

Opernvorstellung: Inszenierung von Verdis „Simon Boccanegra“

Der botanische Garten in Budapest. Die Außenanlagen sind im Winter vielleicht nicht all zu sehenswert, die Palmenhäuser dafür umso mehr.

Nun brechen also in der nächsten Woche die letzten Tage mit der „Budapest-Crew“ an, was danach kommt, weiß ich selbst noch nicht so genau. Einige kleine Fähnchen sind bereits gesteckt: Die schon erwähnten Besuche aus Deutschland, ein kleiner Urlaub in Frankreich und eventuell ein Familien-Wochenend-Urlaub.
Wenn ich so darüber nachdenke, ist also doch schon einiges geplant und ich bin mir ziemlich sicher, dass die nächsten Monate in derselben Lichtgeschwindigkeit vergehen werden, wie die vergangenen sechs es taten…

So viel erst einmal von mir.
Bis zum nächsten Blogeintrag!

Szia,
eure Carolin (oder Carolka, wie ich von meiner Gastfamilie genannt werde. Es wäre ja ein Unding, wenn ich keinen typisch ungarischen Spitznamen hätte 😊 )

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Es kehrt Alltag ein. – Mehr oder weniger

Jó estét aus Budapest!
Seit meinem letzten Blogeintrag ist wieder ein Monat vergangen und der ein oder andere fragt sich wahrscheinlich, ob mein Leben hier so eintönig verläuft, dass sich ein kleines Update nicht lohnt. Aber eher das Gegenteil ist der Fall. Meinen Plan, wenigstens alle zwei Wochen einmal einen neuen Blogeintrag zu schreiben, habe ich inzwischen erfolgreich begraben. Denn dafür hat mir in den letzten Wochen die Zeit gefehlt, was ich zu Anfang meiner Arbeit an der Grundschule in der Újlak-Straße ehrlich gesagt nicht erwartet hätte.

Doch inzwischen habe ich mich so weit in den Schulalltag eingelebt, dass ich von den Lehrerinnen und Lehrern immer öfter aufgefordert werde, doch mal neue Spiele mit den Kindern zu spielen, deutsche Lieder mit ihnen zu singen, einen neuen Themenbereich aus dem Buch zu erschließen oder gleich eine komplette Stunde vorzubereiten. In sechzehn Klassen mit je zwei Gruppen ein ganz schöner Batzen Arbeit. Auf Deutsch auf jeden Fall machbar, auf Ungarisch aber ein schlecht planbares Unternehmen, denn die Kommunikation mit den Schülerinnen und Schüler soll – und kann – nur auf Deutsch stattfinden. Hier muss man dann schon sehr häufig in den kreativeren Bereich gehen, oft ist es mit Umschreibungen auch nicht getan und man greift als letztes Mittel zur pantomimischen oder zeichnerischen Darstellung.
Solche Situationen, in denen ich dann doch versuche mit den Kindern Ungarisch zu sprechen, sorgen immer wieder für Lacher und werden danach auch gerne in anderen Klassen und im Lehrerzimmer brühwarm weitererzählt. Sehr beliebt sind die Vokabeltests bei denen ich die ungarischen Vokabeln – meist in drei oder vier Anläufen – vorlese, und die Kinder die deutsche Übersetzung schreiben.

Neben der Unterrichtsvorbereitung ist mein zweites „Projekt“ nun das Namenlernen, was sich auch schwieriger gestaltet als erwartet, da die meisten Kinder im Unterricht sowohl mit ihrem richtigen Vornamen, als auch mit ihrem Spitznamen oder einer eingedeutschten Form des Namens angesprochen werden. Deshalb kommt es ziemlich oft vor, dass ich nicht auf Anhieb erkenne, dass Tamás, Tamáska, Tommi und Thomas ein und dieselbe Person sind.
Was neben meinen amateurhaften Bemühungen in ungarischer Kommunikation ebenfalls auf Begeisterung stößt, sind deutsche Lieder. Egal ob „Alle meine Entchen“ inklusive einer selbst ausgedachten Choreographie in der Ersten und Zweiten oder etwas von Sido in der Siebten und Achten. Alles, was ein wenig von den Texten in den Deutschbüchern abweicht, wird begeistert angenommen und die Kinder stürzen sich vor allem auf Umgangssprache und neue Ausdrücke, die sie durch mich kennenlernen.
Seitdem sie zum Beispiel erfahren haben, dass man im Volksmund auch Kohle anstatt Geld sagt, ist plötzlich nur noch vom „Kohle einsammeln“ oder „Taschen-Kohle von den Eltern bekommen“ die Rede. Hier muss man dann doch ab und an einhaken und ein wenig zurückrudern. Aber an sich ist diese Wissbegierde ja etwas positives und ich kann mich glaube ich wirklich glücklich schätzen, dass, bis auf einige Ausnahmen, fast alle Kinder wirklich gern Deutsch lernen. Schwer vorstellbar, wie ich mit einer einhundertprozentig unmotivierten Gruppe auch nur Kommunizieren könnte, geschweige denn unterrichten.

Ebenfalls im Moment in Arbeit sind die Anfänge einer kleinen Brieffreundschaft zwischen einer fünften Klasse hier in Budapest und einer Vierten aus meinem Nachbarort in Deutschland, sowie zwischen einer vierten ungarischen Klasse und einer dritten Klasse an meiner ehemaligen Grundschule. Dafür habe ich in diesen Klassen in den vergangenen drei Wochen praktisch ununterbrochen an achtundvierzig Steckbriefen geschrieben und gebastelt – die müssen nun nur noch eingescannt und verschickt werden. Das habe ich jetzt aber erst einmal auf die lange Bank geschoben, denn heute ist der erste von fünf lang ersehnten Ferientagen.
Am letzten Wochenende habe ich bereits die Hauptstadt unseres Nachbarlandes Kroatien, Zagreb, mit zwei weiteren Freiwilligen erkundet. Es war ein relativ spontaner Urlaub, zu dem wir uns auch erst am Dienstag entschieden hatten. Am Freitagnachmittag ging es nach der Arbeit dann mit dem Bus los und nach gerade einmal fünf Stunden Fahrt kamen wir am Abend an. Der Zagreb-Trip war auch meine erste Hostel-Erfahrung. Mein Fazit dazu: Ein sehr interessantes Erlebnis, von der ich auch froh bin, sie gemacht zu haben. Allerdings würde ich nicht sagen, dass ich hier so schnell einen Wiederholungsbedarf sehe. Zagreb selbst ist eine sehr schöne Stadt, in der man, wie ich finde, nicht wirklich merkt, dass dort eine Million Menschen leben. Die kleinen Gassen, die mal bergauf, mal bergab verlaufen, die vielen kleinen Treppen, die altmodischen Häuser, in denen sich oft die Geschäfte von Schmuckhandwerkern, kleine Souvenirshops oder urige Cafés befanden und der Blumen-, Obst- und Gemüsemarkt gaben der Stadt eher einen heimischen und ländlichen Charakter. Sobald man den innersten Kern der Stadt dann aber verließ, verschwand auch wieder dieses Gefühl und man fühlte sich doch wieder in die osteuropäische Großstadt versetzt.
Doch auch kulinarisch hat Kroatien einiges zu bieten, so kamen wir eben nicht darum herum, einmal originale Ćevapčići und Štrukli zu essen. Wobei Štrukli ein typisches zagreber Gericht ist, dass sich schwer beschreiben lässt. Aber ich will es mal versuchen: Es handelt sich dabei um einen Teig, den man dünn ausrollt und mit Eiern, Salz, Käse und Schmand füllt. Alternativ gibt es das Ganze auch in gesüßter Variante mit Zimt und Apfel oder mit Pflaumen. Man kann anschließend wählen, ob man seinen Štrukli gekocht oder gebacken haben möchte. Über die gekochte Variante wird dann noch ein für uns undefinierbares Pulver gestreut. Wir haben beides probiert, tendieren aber zur gebackenen, süßen Variante.
Genauso schnell wie wir am Freitag angekommen waren, ging es dann aber auch am Montagmorgen wieder zurück nach Budapest. Als wir dort die Donau überquert haben, hatte ich wirklich das Gefühl, wieder Zuhause zu sein, ein sehr gutes Gefühl, wie ich finde.

Auch was das Sightseeing innerhalb Ungarns angeht gibt es Fortschritte zu verzeichnen: Zu meinem Geburtstag habe ich von den anderen Freiwilligen in Budapest einen Ausflug zum Schloss Gödöllö geschenkt bekommen. Und wer mich kennt, der weiß, dass ich mich darüber wirklich sehr gefreut habe! (An dieser Stelle noch einmal ein großes Dankeschön!)
Nach Gödöllö sind wir dann vor drei Wochen gefahren. Und ich kann jedem der nach Budapest fährt nur einen Ausflug in die beschauliche Kleinstadt empfehlen. Egal ob man sich für Schlösser und Geschichte interessiert, oder nicht. Im Schlosspark lassen sich auch so entspannte Stunden verbringen.
Um gleich bei schöner Natur zu bleiben: Vor vier Wochen war ich außerdem zum ersten Mal auf der Margaretheninsel, einem kleinen Fleckchen Grün mitten in Budapest, genauer gesagt mitten in der Donau. Zu erreichen über die Margarethenbrücke. Von dort hat man nicht nur einen wunderschönen Blick über die Donau, es finden auch jede Menge Programme, wie etwa Theaterspiele, Impros und Konzerte statt. Außerdem kann man dort sehr interessante Leute treffen, wie etwa einen Schweden, der einem mit seiner Schaufensterpuppe die christliche Religion näherbringen möchte :D.

Und auch in den nächsten Tagen geht es mit Natur weiter:
Nach unserem Wochenend-Trip nach Kroatien steht bereits der nächste Kurzurlaub vor der Tür: denn am Ende der Woche fahre ich – diesmal mit meiner Gastfamilie – über Pécs in die 750-Seelen-Gemeinde Bikal. Die geringe Zahl der Einwohner ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich noch nie von diesem Ort gehört hatte. Laut meiner Gastmutter ist Bikal vor allem für seine Thermalbäder und die Landschaft rundherum bekannt und größtenteils unter Ungarn ein beliebtes Reiseziel. Ich bin also mehr als gespannt 😊

Das war es dann erst einmal wieder von mir! Der nächste Eintrag lässt hoffentlich nicht so lange auf sich warten!

Und bis dahin:
Szia,

eure Carolin

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Drei Wochen kunterbunte Karussellfahrt

An sich sind drei Wochen nicht viel Zeit. Und wenn ich so darüber nachdenke, dann fällt mir auch nach langem Grübeln kein Zeitabschnitt ein, in dem sich mein komplettes Leben so schnell so stark verändert hat, wie in der jüngsten Zeit.

Wenn ich mir die letzten drei Wochen vor Augen führe, dann wird mir klar, dass ich in noch nie so viel Umbruch erlebt habe, wie es in den letzten 25 Tagen seit meinem letzten (und ersten) Blogeintrag der Fall war.

Ich sehe mich noch immer gemütlich Zuhause auf dem Sofa sitzen, den Koffer geöffnet aber noch nicht gepackt, wie ich den besagten ersten Blockeintrag schreibe.

Und nun sitze ich hier in meinem kleinen, aber super gemütlichen, pinken Zimmer bei meiner Gastfamilie im siebzehnten Bezirk im Budapester Osten: Mein Koffer ist schon wieder geöffnet, diesmal jedoch ausgepackt und leer, verbannt in die Abstellkammer. Alles ist verstaut, soweit es der Platz eben zulässt. Meine Zimmerwände sind dekoriert und der Kühlschrank bereits ein wenig an mich angepasst (ganz ohne Erdbeermarmelade und Nutella geht es dann doch nicht 😊).

Langsam dreht sich das Karussell in meinem Kopf ein wenig langsamer, die erlebten Eindrücke sammeln sich und ich kann sie für mich sortieren. Mein vorläufiges Fazit für die letzten drei Wochen: Eine jetzt schon unglaubliche Zeit, aber gleichzeitig auch Input pur. Ich fühle mich, wie gesagt, wie in einem Karussell, auf dem ich durch mein Leben rausche. Dabei immer die mir komplett unbekannte Sprache wie eine nie endende Hintergrundmusik im Ohr, die Gesichter immer neuer Menschen, die an mir vorbeirauschen und gleichzeitig auch unzählige andere Eindrücke, die ich noch gar nicht alle sammeln und aufschreiben kann. Ja, in den letzten drei Wochen ist einfach unglaublich viel passiert:

Am 1. September bin ich schon relativ früh morgens mit dem Bus von Rheine in Richtung Hamm gefahren und von dort nach Berlin. In der Hauptstadt, genauer gesagt am Werbellin-See, habe ich mich mit etwa 320 weiteren Freiwilligen auf meine Zeit im Ausland vorbereitet. In Seminaren, Workshops, und den sogenannten „Homezones“ (dessen Mitglieder ich schon ein wenig vermisse) hat uns kulturweit eine ganze Reihe an Tipps, Tricks und Denkanstößen mit auf den Weg gegeben, von denen ich den ein oder anderen auch schon benutzt habe.

In diesen 10 Tagen am Werbellin-See hatte ich persönlich noch das Gefühl, ich würde nur auf eine große Klassenfahrt fahren. Eine Klassenfahrt mit über dreihundert Leuten, die ich noch nie gesehen hatte. Aber das war vielleicht auch der Grund, warum man einfach so schnell Anschluss gefunden hat und man nun das Gefühl hat, man würde einige der Leute schon seit Langem kennen.

Als eine der wenigen hatte ich mich entschieden, schon direkt am 10.09. im Anschluss an das Seminar von Berlin aus nach Budapest zu fliegen (wo ich wahrscheinlich einen der letzten, noch nicht gecancelten Air-Berlin-Flüge erwischt habe…). Die Reise verlief ohne Komplikationen, die Flugzeit war sogar kürzer als vorher angekündigt. Als wir gegen dreiundzwanzig Uhr landeten, erwarteten mich schon meine Gasteltern Zsuzsi und Raul. Obwohl ich nach acht Stunden Flughafen und Flugzeug doch ziemlich erschöpft war, ließen es sich Zsuzsi und Raul nicht nehmen, mir Budapest bei Nacht zu zeigen. Und ich muss sagen, dass ich die Stadt im Dunkeln beleuchtet fast noch schöner finde, als am Tag. Dass mein Handy-Akku um Mitternacht endgültig seinen Geist aufgegeben hatte, war wirklich ein Jammer.

Das ungarische Parlament um Mitternacht, etwa eine Stunde nach meiner Ankunft in Budapest

 

Gegen zwei Uhr am nächsten Morgen erreichten wir dann endlich mein neues Zuhause für die nächsten drei Monate: Eine gemütliche Doppelhaushälfte direkt neben einer Wiese in einer Spielstraße. Mein Schlafzimmer liegt direkt neben der Haustür, deshalb musste ich meine Koffer – zum ersten Mal seit zehn Tagen – nicht noch über irgendwelche Treppen und durch das halbe Haus schleppen. Ich bekam noch in der Nacht eine Kurzeinweisung in Sachen Küchengeräte, Fernseher, Dusche und Alarmanlage. Im Anschluss drückten meine Eltern mir auch direkt meinen eigenen Hausschlüssel in die Hand.

Denn den nächsten Tag verbrachte ich auch direkt alleine Zuhause, da meine Gasteltern arbeiten und meine Gastschwester Karolina und mein Gastbruder Richi in der Schule waren. So hatte ich dann wenigsten Zeit, mich in Ruhe einzurichten und die Küche auszuprobieren, was sich bei einem Touchscreen-Herd und einer Hightech-Mikrowelle als ganz schönes Abenteuer entpuppte.

Als meine Gastmutter dann am späten Nachmittag von der Arbeit kam, bot sich mir auch schon die Gelegenheit, meinen neuen Arbeitsplatz, die Grundschule in der Ujlak utca, zu besichtigen. Denn wie Zsuzsi mir erklärte, war dort an diesem Tag Elternsprechtag und das Gebäude deshalb geöffnet.

Ich hatte mir die Schule immer ein wenig wie meine eigene Grundschule vorgestellt, vielleicht ein wenig größer, da die Grundschulen in Ungarn schließlich bis zur achten Klasse gehen. Was ich dann allerdings besichtigte, stellte sich eher als riesiges, buntes Labyrinth heraus und in diesem Augenblick habe ich mich ernsthaft gefragt, wie ich am nächsten Morgen auch nur den Weg ins Lehrerzimmer im ersten Stock am anderen Ende des Gebäudes finden sollte, ganz zu schweigen von den Klassenräumen.

Mit etwas gemischten Gefühlen machte ich mich deshalb am nächsten Morgen mit meinen Gastgeschwistern auf den Weg. Dabei war mir das morgentliche Prozedere in meiner Gastfamilie direkt sympathisch, da mich das etwas hektische Gerenne direkt an Zuhause erinnert hat. Ein ordentliches Zeit-Management werde ich mir also auch hier nicht direkt zulegen müssen 😉

Kurz vor acht Uhr kamen wir dann in der Schule an und ich wurde im Lehrerzimmer von meiner Ansprechpartnerin Andi in Empfang genommen, mit der ich auch noch einmal einen Rundgang durch die Schule unternahm, und die mir dann meinen ersten provisorischen Stundenplan für meinen ersten und den kommenden Tag erklärte.

Seit dem letzten Mittwoch habe ich nun einen festen Stundenplan, der alle acht Jahrgangsstufen abdeckt. Dazu muss man vielleicht kurz erklären, dass jeder Jahrgang sechs Klassen hat, wobei nur die d- und e-Klassen deutschgeprägten Unterricht haben, und ich deshalb auch nur in diesen Klassen arbeite. In den d-Klassen wir beispielsweise neben Deutsch als erster Fremdsprache auch Mathe, Naturkunde, Geographie, Literatur, Geschichte und Volkskunde auf Deutsch unterrichtet. Und wer nun, wie ich, dachte, dass es im Fach Landeskunde um Ungarn geht, der irrt sich, wird genauso überrascht sein wie ich. Denn im Volkskunde-Unterricht geht es um Deutschland, Österreich, die Schweiz und Liechtenstein. Wer hätte das gedacht?

Neben solchen Dingen erstaunt es mich nach über einer Woche an der Grundschule doch immer wieder, wie gut in allen Klassen Deutsch gesprochen wird. Dabei erwische ich mich zwangsläufig immer dabei, wie ich die Deutschkenntnisse der Schüler hier mit meinen eigenen Englischkenntnissen in deren Alter vergleiche.

Da meine erste Stunde in jeder Klasse eine offene Fragenrunde an mich war, war ich umso verblüffter, dass mir schon die Zweitklässler Fragen in relativ fließendem Deutsch stellten, wie „Wie alt sind deine Geschwister?“ oder „Hast du ein Lieblingsbuch?“. Nachdem ich mich also in den ersten zwei, drei Tagen weder im Klassenraum noch im Lehrerzimmer vor der Bombardierung mit Fragen retten konnte, durfte ich schon am Ende der ersten Woche eine halbe Stunde selbst halten. Ich glaube man kann generell sagen, dass sich die Lehrerinnen sehr auf meine Ideen einlassen und mir vor allem in den oberen Klassen die Möglichkeit geben wollen, möglichst viel mitzugestalten, worüber ich mich natürlich sehr freue.

Neben der Schule habe ich aber auch genügend Freizeit, um ein wenig meine Umgebung auszukundschaften: Deshalb ging es am Samstag auch direkt ins Stadtzentrum, wo ich mich mit einigen anderen kulturweit-Freiwilligen getroffen habe. Und obwohl ich fast zehn Stunden in der Stadt war, reichte die Zeit nur aus, um hier und da ein wenig hineinzuschnuppern, wie etwa in die Váci-utca, die bekannteste Einkaufsstraße Budapests, die Donau-Promenade, den Rosenhügel oder das Vigadó, ein Konzerthaus. In den kommenden Monaten gibt es auf alle Fälle noch eine Menge zu sehen und zu entdecken!

U-Bahn-Station am Vörösmarty-tér

Blick auf das Parlament bei Tag

Treppe in der Eingangshalle des Vigado

Blick auf die Donau von der Panorama-Terrasse des Vidago

Obwohl es, Dank meiner tollen Gasteltern, kaum Verständigungsschwierigkeiten gibt (nicht einmal beim Zahnarzt, den ich auch schon aufsuchen musste), habe ich mir jetzt für die kommende Woche vorgenommen, endlich einen richtigen Sprachkurs zu finden, damit ich wenigstens ein wenig mit den Leuten in ihrer Landessprache sprechen kann!

So viel erstmal von mir. Ihr seht, ich bin nicht nur körperlich gut angekommen, sondern lebe mich hier auch langsam aber sicher ein. Ich denke, ich werde jetzt auch die Zeit finden, ein wenig öfter ein paar Zeilen zu schreiben und ein paar Fotos mit euch zu teilen.

Und bis dahin…

Szia!

Eure Carolin

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Noch 2 Tage…

Soooo… Nun ist es also beinahe so weit:

In 2 Tagen werde ich um diese Uhrzeit schon in Berlin am Werbellinsee sein. Langsam mischt sich in die Vorfreude dann doch auch ein wenig Nervosität. Nachdem ich in den letzten Tagen eigentlich nur damit beschäftigt war, mich von Freunden und Familie zu verabschieden, habe ich mir heute beim Hausarzt meine letzte Impfung abgeholt (Budapest ist liegt zwar nicht am Amazonas, aber sicher ist sicher). Da ich mich noch ein bisschen schonen soll, komme ich nun also endlich dazu, meinen ersten Eintrag zu schreiben. Denn ansonsten steht noch einiges auf meinem Programm, bis dann am Freitag Morgen mein Zug geht: Mein Koffer ist nämlich noch nicht einmal zur Hälfte gepackt. Da ich, glaube ich, als eine der Wenigen in Gastfamilien in Budapest unterkommen werde, müssen auch noch kleine Gastgeschenke gekauft werden, die natürlich auch noch Platz in meinem Koffer finden müssen! Es kommt also noch einiges an Puzzle-Arbeit auf mich zu…

Ja, es ging in den letzten Wochen dann doch alles ziemlich schnell… Als ich die Zusage von kulturweit erhielt, da schien dieses kommende halbe Jahr noch eine Ewigkeit entfernt zu sein, auf meiner To-Do-Liste standen da noch mein Abitur, der Urlaub, Jobben, … Auch als ich meinen Flug nach Budapest gebucht habe, hatte ich eher das Gefühl, ich würde ihn für jemand anders buchen, nicht für mich selbst.

Aber jetzt, wo es nicht einmal mehr 48 Stunden sind, da denkt man doch über das ein oder andere nach, worüber man sich seit der Zusage noch keine Gedanken gemacht hat. Trotzdem überwiegt bei mir definitiv die Vorfreude und die „positive Anspannung“ wenn ich an die kommenden sechs Monate denke. In 10 Tagen bin ich dann endlich in Budapest und werde dann hoffentlich möglichst schnell in meinen Alltag vor Ort hineingeworfen! Immerhin erwartet mich dort, in der neuntgrößten Stadt der EU, ein kleiner – vielleicht auch etwas größerer – Kulturschock für mich als Landei!

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