Brasilien – unerhofft im Paradies gelandet

Wenn du an einem Ort die Qual der Wahl hast, an den Strand oder in die Berge zu gehen, der Caipirinha so stark ist, dass du mit einem gut bedient bist und du das Gefühl hast, noch nie so viele schöne Menschen gesehn zu haben, dann bist du in Brasilien, genauer in Rio.

Ihr werdet es erahnen können, Rio de Janeiro hat mich in seinen Bann gezogen. Genau, ich spreche von der Stadt, von der man schon unzählige Bilder über seinen Fernsehbildschirm hat flimmern sehen. Meistens natürlich von der legendären Copacabana, dem Karneval oder auch, weil mal wieder etwas über die Bandenkriege in den Favelas berichtet wurde.

Ich habe hier nicht den Anspruch, über all das was ich erlebt habe einen lückenlosen Reisebericht zu schreiben, aber vielleicht kann ich euch ein bisschen Appetit auf Brasilien und die großartige Stadt Rio de Janeiro machen, in der ich eine unglaublich schöne Zeit hatte.

Zunächsteinmal, Brasilien ist rießig. Das merkt man schon bei einem Blick auf dei Landkarte, also unmöglch innerhalb von drei Wochen das Land kennenzulernen, aber diesen Anspruch hatte ich auch nicht, als ich mit meinem Handgepäck auf nach Rio machte.

Doch nochmal einen Schritt zurück. Ich wollte schon immer mal nach Brasilien reisen, aber hättest du mir vor einem halben Jahr gesagt, dass ich tatsächlich in Rio an einer Kokusnuss schlürfend am Strand von Ipanema sizten würde, hätte ich dir wahrscheinlich kein Wort geglaubt. Als sich meine Vorstellung etwa zwei Wochen vor meinen Ferien etwas verfestigte, erntete ich viele Kommentare darüber, dass es doch sehr gefährlich sei, alleine als Mädchen durch Brasilien zu reisen. Zunächst war ich etwas eingeschüchtert von all den Erzählungen, was alles passieren könnte und von Worts-Case-Szenarien, die mir zu Ohren kamen. Aber wann ist man Brasilien nochmal so nah wie ich gerade, dachte ich mir und entschloss mich schließlich, meine Reise anzutreten. Zu meiner großen Freude fand ich für die ersten vier Tage einen Travelbuddy, der beziehungsweise die niemand geringeres als Anne war, mit der ich die letzten Monate zusammen gearbeitet und einen großen Teil meiner Freizeit in Argentinien verbracht hatte.

In Rio angekommen, waren wir ziemlich schnell von dieser unglaublichen Stadt beeindruckt und diese Begeisterung ließ auch die weiteren drei Wochen nicht nach. Untergebracht waren wir in einem Hostel, von dem aus wir einen fünfminütigen Fußweg zum Strand von Ipanema hatten. Fettes leben „bem-vindo“! Und schon waren wir im Paradies angekommen. Tagsüber konnte man das leckere Acai (eine Art Eis aus der Acaifrucht) und am am Abend den unglaublichen Sonnenuntergang von der Copacabana genießen. Was mir sofort auffiel war, dass Rio eine unglaublich sportliche Stadt ist. An der langen Promenande die sich von Ipanema bis an die Copacaban zieht, sieht man unablassig Menschen Rad fahren, Joggen oder andere Sportarten betreiben. Besonders Footvolleyball ist überaus beliebt. Gerade Richtung Wochenende ist der Strand voll von Menschen die begeistert Stundenlang spielen. Da ich mein Talent nicht gerade im Fußball sehe, hielt ich mich an das klassische Beachen. Ich spiele zwar nicht bombastisch, aber es hat einfach rießen Spaß gemacht, besonders weil ich immer sehr offen aufgenommen wurde. Dass hier viel Sport getrieben wird, lässt sich außerdem an den perfekt geformten Figuren, die hier gefühlt überdurchschnittlich viele haben, erahnen. Frauen in für uns ungewohnten, aus kaum Stoff bestehedne Bikinihöschen und Männer die oberkörperfrei an der Promenade entlangjoggen, bestätigen mir den Eindruck, der sehr ausgeprägten Körperkultur in Rio. Wer hier mit einem für deutsche “normalen” Bikinihose herumläuft fällt sofort als Touri auf, manchmal machen die Einheimischen aus Rio sogar Scherze über die “Omahöschen” der Europäer, wie mir ein Brasilianer aus Rio scherzend an einem Abend im Hostel erzählte.

Wem das am Strand gehänge dann doch zu viel wird, keine Sorge, Rio hat mehr zu bieten als seine Strände, zum Beispiel den charaktervollen Stadtteil „Santa Teresa“. Mit der Zeit haben sich dort vorallem Künstler angesiedelt. Eine kleine gelbe Bahn fährt durch das Bohemienviertel, an dessen Wände es tolle Grafttis zu bestaunen gibt und Cafés, in denen man das bereits erwähnte, typisch brasilianische, Acai genießen kann. Sehenswert, wenn auch sehr touristisch, sind auch die “Escadaria Selarón” des chilenischen Künstlers Selarón, eine aus über 250 Treppenstufen bestehende Treppe, die aus Fließen aus aller Welt besteht. Sie verbindet die Viertel Santa Teresa und Lapa miteinander.   

 

Lapa, wer in Rio ausgehen möchte und sich die volle Dröhnung an Musik und Drinks geben möchte, ist hier genau richtig. Das Viertel ist bekannt für seine Bars und Clubs, aber auch reihenweise Marktstände die Essen und Trinken verkaufen, findet man hier. Nachdem wir uns einen Drink geschnappt hatten, genauer gesagt einen Caipirinha, in welchen wir am Ende ohne Nachfrage noch einen extra großen Schuss Cachaça eingeschenkt bekommen hatten, überquerten wir die Straße und fanden uns zwischer Sambamusik und tanzenden Menschen wieder. Definitiv beeindruckend dieser Ort, auch wenn es mir persönlich mit der Zeit dann doch etwas zu voll wurde und mich eher die Straßenpartys in den kleineren Gassen in ihren Bann zogen.

Tipp, an alle die irgendwann einmal vorhaben nach Rio zu gehen, “Uber” lässt sich hier wunderbar benutzen und diesen Dienst nahmen wir, gerade wenn es dunkel war, auch regelmäßig in Anspruch. Was nun die Sicherheit Rios angeht, was ja immer ein riesen Thema ist, kann ich nur auf meine persönlichen Erfahrungen zurückgreifen und mir ist nichts glückerlicherweise nichts geschehen. Natürlich sollte man sich an ein paar Dinge halten, wie nicht seine Tasche am Strand unbeobachtet stehen zu lassen, sich Abends nicht alleine in kleinen Gassen rumzutreiben, an den Strand zu gehen oder offensichtlich seine Wertsachen, zu präsentieren. Ich persönlich habe mich in Ipanema und auch Abends wenn ich mit Leuten unterwegs war, nie unsicher gefühlt, habe aber aus Vorsicht trotzdem nicht massenhaft Geld oder meine Kreditkarte mitgenommen. Wie gesagt, das sind meine Erfahrungen und ich kann nicht über andere Orte in Rio bzw. die Erlebnisse anderer sprechen, aber ich denke, dass es gut ist, eine gesunde Vorsicht an den Tag zu legen. Die Kriminalität in Rio existiert, das ist mir durchaus klar, aber ich denke, man kann das Risiko deutlich reduzieren, wenn man etwas aufpasst und sich an gewisse Regeln hält.

Nun zu einer meiner schönsten Erlebnisse in Rio, die Wanderung auf die “Dois Irmãos” (Zwei Brüder) und der anschließende Rückweg durch eine Favela.

Mit dem Motorrad fuhren ein Mädchen, das ich im Hostel kennengelernt hatte, und ich durch die am Berg liegende Favela, ehe wir das letzte Stück zu Fuß gingen. Ich muss dazu sagen, es war die angeblich sicherste Favela Rios, aber ehrlich gesagt, alleine hätte ich mich dort trotzdem nicht zu Fuß durchgetraut. Nicht weil ich das Gefühl hatte, dass an jeder Ecke etwas passieren könnte, sonder ganz einfach, weil ich die Lage nicht einschätzen konnte und zu wenig wusste um das Risiko einzugehen. Der vierzigminütige Aufstieg war durchaus anstrengend, aber es war unglaublich zu realiesieren, wie man sich mitten in Rio wie im Dschungel fühlen konnte. Ich sah sogar einen Tukan und oben auf der Spitze wurden wir mit einer beeindruckenden Sicht über Rio belohnt. Als wir gerade die Aussicht genossen trafen wir den jungen Brasilaniner aus Rio, der Touren während des Sonnenaufgangs, auf diesen Berg anbietete und den ich bereits kannte . Was für ein Glück. Wir liefen gemeinsam zurück, nahmen aber dieses Mal einen anderen Weg. Dieser führte uns durch die Favela, vorbei an wunderschönen Aussichtspunten und einem Kisok an dem wir gemeinsam Acai aßen. Er kannte einige Leute die dort wohnten und so wurden wir auf einen kurzen Besuch in das Haus eines Freundes eingeladen. Ich muss zugeben, dass ich erstaunt war, als in der von außen eher bruchbudenartigen Wohnung ein fetter Fernseher und auch sonst ganz normale Möbel, Bilder und was man eben sonst noch so in deiner Wohnung hat, standen. Viele Leute wohnen hier, weil die Miete so gering ist, erklärte der junge Brasilianer Bernado mir. Er selbst hatte hier auch schonmal gewohnt und war am überlegen wieder herzuziehen, da er sich hier so wohl fühlte. Und tatsächlich, nachdemich einen Einblick in diese Favela bekommen hatte, konnte ich nachvollziehen warum. Das Leben schien wie auf einem Dorf, man kennt sich. Im Gegensatz zu reicheren Vierteln Rios, in denen man möglicherweise nichteinmal weiß, wer sein Nachbar ist und  ein anonymisiertes Leben führt, schien das Viertel voll mit Leben und Menschen die sich kannten. Doch dieser Ort ist immernoch eine Favela. Bernado zeigte uns im Vorbeilaufen eine Wand mit drei Einschusslöchern, einer Wand vor der vor ein paar Jahren ein Mann bei einer Schieserei ums Leben gekommen war. Irgendwie ireal als wir so davor standen. Aber ich denke das ist Rio, ein Paradies, unglaublich facettenreich, das aber auch seine Schattenseiten birgt. Vorbei an tollen Graffitis bis zurück zur Promenade liefen wir zu Fuß und waren gerade noch rechtzeitig im Hostel bevor es dunkel wurde.

So viel als kleiner Eindruck von Rio, der Stadt, die mich von dem was ich bisher gesehen habe, am meisten beeidruckt hat oder wie würde man sagen, ich als meine Lieblingsstadt auserwählen würde. Ich weiß, dass es noch so viel mehr zu erzählen gäbe, aber hierfür, werde ich einfach noch ein paar Bilder für sich sprechen lassen, sonst würde dieser Blogeintrag hier nie enden.

Nun zu den anderen Orten, die ich rund um Rio besucht habe. Ich verbrachte jeweils noch ein paar Tage in Buzios, Paraty und auf der Ilha Grande. In den letzten zwei aufgeführten Orten, hatte ich wieder das Glück, ganz spontan mit Ira, Freiwillige in Cordoba, zusammen zu reisen. Nächte in denen wir uns unter die Sambatanzenden Menschen mischten, mit einem Boot bei Nacht ganz unerverhofft unter dem Sternenhimmel fuhren und so doch noch auf die Ilha Grande gelangten oder ich einen Ausritt in Paraty in die Berge machte, liegen jetzt hinter uns. Und auch an diesen Orten hatten wir Begegnungen mit vielen Menschen, Menschen die uns etwas von ihrer Geschichte erzählten und die unsere Reise bereichert hatten. Ich bin dankbar für diese intensiven und schönen Erlebnisse und hätte mir keinen schöneren Abschluss wünschen können, bevor es für mich ganz bald wieder zurück nach Deutschland geht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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