Halbzeit

Da ich mich zeitlich gesehen jetzt etwa auf halber Strecke meines Aufenthaltes hier in Argentinien befinde, dachte ich mir, es wäre ein guter Zeitpunkt, einen Blick darauf zu werfen, wie sich die Dinge entwickelt haben.

Mit der Arbeit bin ich weiterhin sehr zufrieden, auch wenn momentan sehr viel zu tun ist. Ich freue mich schon auf meine Aufgabe, nächste Woche beim Tag der offenen Tür, für den schon alle am Vorbereitungen treffen sind, mit meiner Kamera das Fest dokumentieren zu dürfen. Weiterhin gebe ich viel Nachhilfe, vor allem in Gruppen und auch unser Theaterstück nimmt nun endlich Form an. Heute waren es sonnige 26 Grad und wir trafen uns um Text zu üben und die Kulissen zu Malen. Dabei aßen wir Kekse und tranken Mate. Gladis, Deutschkoordinatorin und meine Ansprechpartnerin, lacht inzwischen nur, wenn sie mich mit einem Matebecher in der Hand sieht und fügt dann die Bemerkung hinzu „eine echte Matera“. Und tatsächlich, Mate ist für mich hier nicht mehr wegzudenken. egal ob als wärmendes Getränk, wenn es hier mal wieder unablässig regnet oder einfach nach einer Siesta weil es so gut schmeckt, das Getränk ist Teil meines Alltags geworden. Aber genug von Mate geredet.

        

Für mich hat sich vor etwa einer Woche eine neue Wohnmöglichkeit ergeben, worüber ich überaus glücklich bin. In meiner Casita, ein kleines Häuschen, obwohl, naja wohl eher eine Art Gartenhäusschen, habe ich mich nicht mehr besonders wohlgefühlt und es wäre gelogen zu behaupten, dass alles okay war. Dadurch, dass es in letzter Zeit so viel geregnet hatte und hier eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit herrscht, war viel angeschimmelt, als ich von meinem Seminar in Rosario, von dem ich gleich noch berichten werde, zurück kam.

Jetzt wohne ich also bei einer Familie, die super entspannt ist und in deren Haus ich mich sehr wohl fühle. Paula, mit der ich bereits befreundet war, hatte mir, als sie erfahren hat wie es um meine Wohnsituation steht, netterweise angeboten, bei ihr und ihrer Familie einzuziehen. Über diese Gastfreundschaft habe ich mich natürlich unglaublich gefreut. Ich kann so die argentinische Kultur noch besser kennen lernen und hoffentlich auch noch mein Spanisch verbessern. Apropo, die klischeehafte Vorstellung, dass man in Argentinien viel Fleisch ist, kann ich nach zweieinhalb Monaten, in denen ich bisher „normal“ für mich selbst gekocht habe, nun bestätigen. Mittags, abends, Fleisch. Na gut nicht immer, aber seit ich hier bin gab es genau zwei Mal vegetarisches Essen. Mein Fleischkonsum ist also drastisch gestiegen. Aber eigentlich kann ich mich nicht beklagen, denn das Essen ist wirklich lecker. Was mein Spanisch angeht, fällt es mir relativ schwer einzuschätzen wie gut ich denn jetzt tatsächlich sprechen kann. Aber da ich, als ich hier ankam, kaum die Sprache beherrschte, bin ich recht zufrieden, dass ich mich mittlerweile an Konversationen beteiligen kann und nicht hilflos bei aufkommenden Fragen, sowohl mit Freunden, also auch beim Einkaufen bin. Trotzdem gilt für mich, verstehen ist einfacher als Sprechen, daher werde ich versuchen noch etwas aktiver zu lernen.

Bevor das Seminar anfing, nutzte ich die Gelegenheit noch einmal für ein paar Tage nach Buenos Aires zu gehen und die riesige Stadt beeindruckte mich erneut. Diesmal führte mich mein Weg in das Museo Nacional de Bellas Artes“, zu dem bunten, aber mir persönlich zu touristischen „Caminito“ im Stadtteil la Boca und in einige schöne Cafés unter anderem in das „La poesia“ in San Telmo. In diesem Stadtteil wohnte ich auch und hatte das Glück, in der WG zwei Freiwilliger schlafen zu dürfen, die gerade vereist waren. In Buenos Aires traf ich auf Lisa, Karo und Sophia, drei andere Freiwillige, mit denen ich anschließend auch nach Rosario fuhr.

        

Auf dem Seminar nutzen wir die Chance uns auszutauschen, unseren Aufenthalt etwas zu reflektieren und etwas über die Geschichte des Landes zu lernen. Inhaltlich befassten wir uns mit den „Mapuche“ einem indigenen Volk, das heute mit vielen Vorurteilen, Diskriminierung und dem Überleben ihrer Kultur zu kämpfen hat. Wir sprachen außerdem über die „desaparecidos“, Menschen die während der letzten Militärdiktatur spurlos verschwanden und besuchten ein Museum, das sich damit befasst. Viele historische Begebenheiten sind, obwohl sie schon Jahre zurückliegen, ein wichtiger Bestandteil der argentinischen Kultur und mir persönlich haben einige Informationen eine andere Sichtweise auf das Land gegeben. In meinem nächsten Blogeintrag werde ich daher zunächst einmal etwas ausführlicher über die „desaparecidos“ berichten.

In Rosario machten wir außerdem einen kleinen Ausflug auf das „monumento de la bandera“,  von dem man eine wunderbare Sicht über Rosario hatte und es war tatsächlich ein wenig traurig, als wir alle wieder unsere Wege in verschiedene Städte gingen.

                            

Mein letzter Stopp, bevor es zurück nach Montecarlo ging, war Córdoba, eine Stadt in der ich mir sehr gut vorstellen könnte, einige Zeit zu verbringen. Groß, aber nicht zu groß, dazu kreativ und jung da dort viele Studenten leben. Trotzdem entschlossen Lisa, Sophia, Laurens und ich uns einen Tag raus aus der Stadt in das nahgelegene Alta Gracia zu fahren. Bei wunderschönem Sonnenschein spazierten wir durch das kleine Dörfchen, genossen die Sonnenstrahlen bei einem Mittagessen am See und besuchten das ehemalige Wohnhaus von „Che Guevara“, welches heute als Museum fungiert.    

        

 

Zurück in Montecarlo, hat sich vor allem durch meinen Umzug ein neues Kapitel ergeben, für mich persönlich fühlen sich momentan fünf Monate Aufenthalt genau richtig an. Meine Befürchtung ich könnte mich hier langweilen ist endgültig Geschichte und auch wenn ich mich auf Zuhause freue, bin ich froh darüber, hier zu sein und all diese Erfahrungen machen zu dürfen. Ich freue mich wenn ihr auch einen Blick in meinen nächsten, diesmal nicht persönlichen Blogeintrag werft. Bis dahin!

 

 

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