Despacito…

Wenn ich bisher mit dem Auto Ländergrenzen überquert habe, war dies meist erst an der nächsten Autobahnraststätte zu merken, weil es dort dann Cafés oder Imbisse gab die ich in meinem Heimatland nicht finden konnte. Doch hier standen wir ersteinmal eine viertel Stunde an der Grenzkontrolle um von Brasilien nach Argentinien zu gelangen. Aus Europa war ich weder das gewöhnt, noch dass wir zwei weitere Male halten mussten und unser Gepäck kontrolliert wurde. Obwohl es nur eine Kleinigkeit war, wurde ich mal wieder an unsere im Vorbereitungsseminar so oft besprochenen Priviliegien Europas erinnert.

Apropo Autofahren, die meisten hier finden dass Anschnallen absolut überbewertet wird, auch wenn mit doppelt so hoher Geschwindigkeit als vorgegeben über die Straßen gerauscht wird. Entspann dich, sagte ich mir, jedoch immer noch im Kopf, dass es gar nicht so unwahrscheinlich wäre einer der hier streunenden Hunden oder Katzen zu erwischen.

Alles etwas entspannter zu sehen, ist wahrscheinlich mit eins der grundlegendsten Dinge die ich hier lernen kann. Als ich Anne, die andere Freiwillige hier, fragte „Und ist schon etwas fürs Wochenende geplant?“ schmunzelte sie nur und sagte „Hier plant man nichts“. Dieser Satz bringt es so ziemlich auf den Punkt. Natürlich hängt es immer ein Stück weit von einem selbst ab, ob und wieviel man sich vornimmt, aber sobald man sich mit anderen Leuten trifft, habe ich bereits die Erfahrung gemacht, dass Gelassenheit und Flexibilität das A und O sind. Auch wenn wir zum Beispiel letzten Sonntag nicht wie gedacht eine Fahrradtour unternahmen, weil wir nicht genügend Fahrräder auftreiben konnten (was mir einen Tag zuvor noch kein Problem zu gewesen schien) fuhren wir schließlich an einen Bach zum Fischen und relaxen und hatten einen wunderschönen Nachmittag.

Obwohl es hier ein kleiner Ort ist und ich mir bei meiner Ankunft nicht vorstellen konnte was ich hier in den nächsten fünf Monaten außer in der Schule zu arbeiten so alles machen sollte, egal ob kreative Workshops, Yoga oder Badminton. um nur die Dinge zu nennen die ich bereits ausprobiert habe, irgendwas kann man hier immer machen, manchmal braucht es nur etwas Geduld. 😉

 

 

3 Comments

  1. Michaela

    Hallo, erstmal großes Lob.! Toll geschrieben. Anne und du bringt bitte etwas Gelassenheit nach Deutschland. Zumindest ein Teil davon..Schreib weiter von Euern Eindrücken und Erlebnissen. Wir sind schon sehr gespannt. Knuddel mir Anne von uns Landsbergern. Viel Spaß Euch beiden!

  2. Emily

    Hihi, als alte kulturweitlerin (ein Jahr in Capiovi und Puerto Rico) kann ich vieles nachvollziehen.
    Anschnallen, wenn die Polizei kommt, sonst wird es teuer 😉

    Und es lohnt sich, nach der Rückkehr etwas von dieser Gelassenheit zu wahren (sie hält leider nicht von alleine). Ich vermisse auch manchmal das ruhige in-den-Tag-hinein-leben, das langsame Gehen und das plötzliche „jetzt machen wir doch was ganz großes aus dem Nix.“

    Disfruta el tiempo! No pasa despacito…

    1. Camie Klein

      Hallo Emily,
      Ich werde auf jeden Fall versuchen etwas von der Gelassenheit mitzunehmen, aber noch ist es ja einige Zeit bis dahin 🙂

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