Bedeutung von zu Hause, Traurigkeit die Sprache nicht zu sprechen, Shakraheilung, Besuch in Galanta, Heilquellen, hohe Tatra

Immer wenn ich durch die Schule gehe rufen mehrere Kinder meinen Namen, winken mir zu oder rennen auf mich zu und umarmen mich. Wenn ich nicht da bin, fragen Sie nach mir. Wenn ich in der Nachbarklasse bin zeigen Sie sich enttäuscht, dass ich nicht in Ihrer bin und wollen wissen wann Ich endlich wieder komme.

Für mich war von Anfang an klar, dass ich nur 6 Monate hier sein werde. Ich habe eine Wohnung, einen Job, Familie und Freunde in Berlin. Meine Zeit hier sollte eine Auszeit sein, ich wollte auch einmal etwas Abenteuerliches erleben. Ein Tapetenwechsel, bei dem sich nicht nur die Tapeten wechseln sondern auch Alles drum herum. Ich wollte etwas Aufregendes, etwas Neues erleben. Ich wollte unbekannte Menschen treffen, reisen, fremde Kulturen kennen lernen, Spaß mit den Kindern in der Schule haben. Das Alles habe ich hier bei meinem FSJ in Bratislava gefunden, und noch viel mehr.

Als ich im November für 2 Wochen in Tschechien, Ungarn und Kroatien war, war ich geradezu froh wieder nach Hause, nach Bratislava zu kommen. Eigentlich habe ich mich hier von Anfang an zu Hause gefühlt, weshalb ich mir die Frage gestellt habe, was „zu Hause sein“ für mich bedeutet. Es bedeutet für mich: Mich sicher zu fühlen. Es bedeutet für mich: Gewollt und geliebt zu werden. Es bedeutet für mich: Nette Menschen um mich zu haben. Es bedeutet für mich: Mich frei entfalten zu können, meine individuellen Bedürfnisse erfüllt zu haben. Es bedeutet für mich: Mich einbringen zu können, gebraucht zu werden. Das Alles habe ich zu Hause in Berlin, und jetzt auch in meinem 2. zu Hause in Bratislava und ich bin so unendlich dankbar. Unendlich Dankbar für: Die vielen netten Menschen die ich getroffen habe, dankbar für jedes lächeln und jede Umarmung meiner Schüler, dankbar für die vielen Menschen die mir geholfen haben und die Geduld mit mir hatten, weil ich die Sprache nicht spreche und dankbar für jede Sauerkrautsuppe, jeden Knödel und jedes Stück Mohnstrudel.

 

Bisher habe ich nur über positive Sachen berichtet, denn es ist alles positiv hier, bis auf eine Sache. Es geht um die Sprache. Ich spreche sie leider nicht. Ich habe mich bemüht, ich habe gelernt, ich habe versucht sie auszusprechen. Manchmal habe ich die richtigen Worte gewusst, wurde aber nicht verstanden. Ich habe es nicht geschafft. Bis auf die wichtigsten Dinge wie: Bitte, Danke, Essen bestellen… kann ich nicht slowakisch sprechen, und das macht mich traurig. Unendlich traurig. Es gibt nichts, worüber ich hier trauriger bin, als über diese Tatsache. Denn nicht die Sprache sprechen zu können, lässt einen verstummen und isoliert. Sicher habe ich mich hier mit vielen Leuten verständigen können. Aber hauptsächlich mit Denen, die englisch oder deutsch sprechen. Katka, die Lehrerin einer meiner Lieblingsklassen spricht nur slowakisch. Wenn ich mir eine Sache wünsche könnte, wäre das für eine Stunde slowakisch sprechen zu können um mich mit ihr zu unterhalten.

 

 

Ende Dezember war ich mit Alexander, einem Freund aus Berlin, in der hohen Tatra gewesen. Leider hatte man uns zwei Tage vorher die Hotelbuchung storniert. Es wurden uns zwar andere Hotels vorgeschlagen, diese waren aber teilweise 60 km von Tatranska Lomnica entfernt. Tatranska Lomnica ist wohl der beliebteste Wintersportort in der Slowakei. So kurzfristig und zur Hauptsaison über Sylvester fanden wir nur 9 km entfernt noch Platz in einem Hotel. Der Ausblick und die Natur entschädigten fur die Unannehmlichkeiten und alle 2 bis 3 Stunden fuhr die Bahn nach Tatranska Lomnica und in andere kleine Orte in der Nähe. Wir hatten sehr viel Glück mit dem Wetter, es war mit -12 Grad wärmer als gedacht und Frau Holle hat es auch gut gemeint, denn es lag sehr viel Schnee. Neben der Straße ist man schnell bis übers Knie eingesunken. Wir waren viel wandern und haben uns die berühmten Eisfiguren in Hrebeniok angeschaut. Am letzten Tag bin ich mit der Seilbahn auf ca. 2000 Meter Höhe nach Skalnaté Pleso gefahren. Bei einem Kaffee habe ich Smaltalk mit einem alten Ehepaar aus Deutschland gehalten, welches ich dort zufällig  traf und die unglaublich wunderbare Aussicht genossen.

 

Schloss und Bären aus Eis (Bären deshalb, weil es in der Slowakei 800 wildlebende Bären gibt)

 

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Gebirgsbach

Skier und Snowboards

Aussicht von unserem Hotel aus

 

Im Januar hat mich Michaela, eine Bio Lehrerin meiner Schule, nach Galanta eingeladen. Galanta ist eine Kleinstadt in der Westslowakei, ca. 50 Km von Bratislava entfernt. Michaela steht jeden Morgen um 4.40 Uhr auf, damit Sie um 8 Uhr in der Schule ist. Ich musste nicht früh aufstehen, denn ich reiste Samstag Mittag an und blieb über Nacht. Zuerst fuhren wir zu einem Feriendorf mit Reiterhof, streichelten die Pferde und tranken Kaffee und Kofola in dem dortigen Café. Nachmittags zeigte Sie mir den Pub ihrer Mutter, welcher gut besucht war. Ich war die Attraktion in dieser Kneipe und fast jeder Besucher setzte sich zu Michaela und mir. Eine Deutsche hatte hier noch nie vorbei geschaut, und so freute man sich sehr über meinen Besuch. Ich wurde viele Dinge gefragt: Ob es mir in der Slowakei gefällt, wie ich die slowakische Sprache finde, was ich so mache, wie es in Deutschland ist… Natürlich haben wir dann zusammen auch ein par deutsche Wörter gelernt, wie: Schnaps, Danke und Auf Wiedersehen. Es war ein sehr lustiger Nachmittag, an dem ich viele nette und sehr herzliche Menschen kennen lernte. Abends gingen wir noch in einem nahe gelegen Restaurant etwas essen und schauten anschließend einen Film zu Hause. Am nächsten Tag zeigte mir Michaela den Stadtpark und danach waren wir bei ihrer Mutter zum Mittagessen eingeladen, denn Diese hatte extra Gulasch gekocht. Ihre Mutter besucht zur Zeit einen Kurs um Meditation und Heiltechniken zu erlernen und bot mir an, eine Shakraheilung bei mir durchzuführen. Ich musste mit geschlossenen Augen im Wohnzimmer stehen, während die Mutter meine Schultern berührt hat und bewusst laut ein und ausgeatmet hat. Sie hat mich mal nach links und mal nach rechts gedreht, nach ein par Minuten durfte ich die Augen wieder öffnen. Sie war schweißgebadet auf Grund der vielen positiven Energie die ich ausgestrahlt habe. Nach 5 Minuten Pause ging es weiter. Ich sollte mich ins Bett legen und  auf bestimmte Punkte auf meinem Körper wurden kleine Steine positioniert. Danach wurde ich zugedeckt und sollte liegen bleiben, bis man mir Bescheid gibt. Ich lag ziemlich lange so da, bestimmt mindestens 20 Minuten. Zwischenzeitlich hob ich zweimal den Kopf um auf die Uhr zu schauen, dabei viel mir ein Stein von meiner Stirn. Schnell legte ich ihn wieder drauf. Als ich wieder „geweckt“ wurde war ich ganz entspannt und wir haben Gulasch gegessen. Michaelas Mutter, eine sehr nette, hilfsbereite und herzliche Frau schenkte mir dann noch diverses Essen und eine Handtasche. Danach fuhr ich wieder nach Bratislava.

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(Michaela und Ich, Ich in Michaelas Lieblingsbaum, Schloss Esterhazy in Galanta)

Letzte Woche war ich nochmal mit Michaela unterwegs gewesen. Wir sind zu einer Therme gefahren um in einem speziellen Becken zu baden, welches nur im Winter auf hat. Es war -4 Grad und das Becken war draußen. Es ist gefüllt mit über 40 Grad heißem thermal Wasser aus Heilquellen in der Nähe. Das Wasser war gelb/grünlich gefärbt und voll von Mineralien die sich auf der Haut ablagerten. Nach dem ich mich an die Kälte an meinem Kopf und die Hitze am  Rest meines Körpers gewöhnt hatte, war es sehr angenehm und entspannend, besonders nachdem ich eine kleine Abkühlung im Kaltwasserbecken genommen hatte. Da es bei der Hitze besonders wichtig ist viel zu trinken, hatte jeder Badegast seine Wasserflasche mit ins Becken genommen.

 

Besuch bei der Schulleiterin, Einkaufsbummel in Wien, Naturkundemuseum, ökumenischer Gottesdienst, Weihnachtsmarkt, Weltall, Sauerkrautsuppe

An einem Sonntag hat mich die Schulleiterin, welche sich wirklich sehr lieb um mich kümmert, zu sich nach Hause eingeladen. Sie wohnt in Vajnory, einem kleinen Vorort von Bratislava und hatte extra ein Festessen für mich gekocht: Huhn, Ente, Serviettenknödel und Rotkohl. Bei einem Verdauungsspaziergang danach zeigte Sie mir ihren schönen Ort und die angrenzenden Felder und Wälder. Nachmittags tranken wir noch zusammen Kaffee und aßen Johannisbeerkuchen, den wir gemeinsam vorher gebacken haben. Es war ein sehr schöner Tag gewesen.

 

Eingeladen wurde ich auch von der Mutter (Isabelle) einer meiner Schülerinnen. Am Kürbistag sind wir auf dem Pausenhof ins Gespräch gekommen und sie hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte mit Ihr und Ihren Kolleginnen am nächsten Tag nach Wien zu fahren. Lust hatte ich natürlich sehr, aber eigentlich hätte ich ja in der Schule unterrichten sollen. Also fragte die Mutter die Schulleiterin, ob ich nicht einen Tag frei bekommen könnte. „Natürlich kann Ulrike frei haben, Sie ist immer so nett und fleißig, da hat Sie sich das verdient“ sagte Diese.  Am nächsten Tag fuhren wir nach Wien. Mit dem Bus oder der Bahn braucht man eine gute Stunde. Isabelle und Ihre Kolleginnen von Siemens können perfekt und Akzent frei deutsch. Sie machen die Abrechnungen für deutsche Mitarbeiter, zum Beispiel von ihren Dienstreisen. Zuerst zeigten sie mir ein wenig die Stadt, danach ging es zum Weihnachtsshopping. Das machen die Drei jedes Jahr zusammen. In Wien war gerade Schlussverkauf und so habe auch ich mir ein neues T-Shirt gegönnt, als Erinnerung an diesen wirklich schönen Tag. Ich habe mich sehr über diese Einladung gefreut und es tat gut sich problemlos auf deutsch unterhalten zu können.

 

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(Ich auf dem Maria-Theresien-Platz)

 

Kurz darauf war ich noch einmal in Wien. Diesmal mit einer 7. Klasse meiner Schule und mehreren Deutschlehrern. Zuerst haben wir das Naturkundemuseum besucht, welches originell aufgebaut und sehr interessant ist. Es gibt viele Stationen wo die Schüler selber experimentieren können: Z.B konnte man an einem Computer schauen, wie man als Steinzeitmensch ausgeschaut hätte. Die Schüler fanden das Museum langweilig und waren schon nach 30 Minuten fertig. Wir brauchten die gesamten geplanten 2h und haben es nicht geschafft Alles ausgiebig anzuschauen. Aber mit 13 Jahren sind Museen halt uncool. Der 2. Programmpunkt, der Besuch des Wiener Weihnachtsmarktes, gefiel den Schülern deutlich besser. Während die meisten Weihnachtsmärkte die ich aus Berlin kenne hauptsächlich aus Ess- und Glühweinbuden bestehen, gab es hier in Wien sehr viele Handwerksstände, was mir gut gefiel. Nach einem Abstecher in einem Wiener Café fuhren wir zufrieden wieder Heim.

(Dinosaurierskelett)

 

Im Dezember fand der traditionelle ökumenische Weihnachtsgottesdienst der Karpaten Deutschen statt.  Unsere Schülerinnen und Schüler waren natürlich auch wieder dabei und haben mehrere deutsche Weihnachtslieder vorgetragen. Danach war ich noch mit einer Lehrerin und ihrer kleinen Tochter auf dem Weihnachtsmarkt, die Weihnachtsbeleuchtung anschauen und Zigana essen. (Fladenbrot mit Nackensteak, Zwiebeln, Paprika und Senf)

(Es möchte immer Jeder ein Selfie mit mir machen :P)

(In der Kirche)

(Weihnachtsmarkt)

 

Die 3. Klassen machen momentan ein Fächer übergreifendes Projekt zum Thema „Universum“. Nachmittags haben die Kinder mich gefragt, ob wir nicht ein Plakat basteln könnten mit den Planeten und Sternen. Ich war völlig unvorbereitet und hatte so gar keine Ahnung, aber zum Glück bin ich ja stolze Besitzerin eines Smartphones mit slowakischer O2 Sim Karte und mobilen Internet. Schnell hatte Google.de ein Foto parat. Daran orientierten wir uns dann, als wir hingebungsvoll unser Plakat gestalteten. Die Jungs der Klasse, welche sich sonst überhaupt nicht für unsere Bastelarbeiten interessieren, kamen irgendwann zu unserem Tisch und kritisierten unser Werk. Die Planeten würden nicht Detail getreu genug aussehen. Die Mädchen entgegneten dann, dass das doch egal sei und überhaupt sei das Plakat ein „deutsches Projekt“ und „deutsche Planeten“ würden wahrscheinlich einfach anders aussehen. Die Jungs, zwar manchmal etwas anstrengend, aber nicht blöd checkten natürlich sofort, dass die Planeten weltweit Gültigkeit besitzen und stichelten weiter. Ich zeigte Ihnen dann das Foto von Google und sie zeigten mir ein Bild aus ihrem Heft. Die beiden Bilder stimmten nicht über ein in Farbe, Form und Größe der Planeten.  Ich habe keine Ahnung welche Abbildung richtig war. Hauptsache wir hatten Spaß und das Plakat sieht gut aus 🙂

 

 

In der Woche vor Weihnachten fand dann das traditionelle Sauerkrautsuppe essen der Lehrerinnen und Lehrer statt. Nach dem Unterricht trafen sich Alle in der Schulküche. Eine 4. Klasse hatte ein kleines Theater Stück vorbereitet: Weihnachten im Bienenstock. Darauf folgte die Rede des Schulleiters und seines Stellvertreters. Anschließend gab es die Suppe. Sie war für mich zwar eher ein Eintopf, aber geschmacklich sehr lecker. Traditionell gehört Sauerkraut, Fleisch, Speck und Pilze hinein. Als Nachtisch gab es ein traditionell slowakisches Dessert: Quarkstrudel mit Kirschen. Strudel ist sehr typisch für die Slowakei. Am liebsten isst man ihn hier mit Mohn, Nuss oder Quarkfüllung.

(Selfie vorm großen Auftritt der Kinder. Ja, ich passe immer sehr gut auf Sie auf 😛 :D)

(Sauerkrautsuppe und Strudel)

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      

 

 

Gedicht Wettbewerb, Pragfahrt, Zwischenseminar, Zagreb, Schüleraustausch, VW

Im November fand der alljährliche Gedicht Wettbewerb des Karpatendeutschen Vereins in Bratislava statt. Der Wettbewerb richtet sich an Schüler/innen der 1. bis zur 9. Klasse und es kann entweder ein Gedicht vorgetragen werden oder ein Prosastück. Alleine in meiner Schule beteiligten sich ca. 50 Kinder, weshalb wir eine „Schulrunde“ durchführten. Die Besten 6 Vorträge, manchmal sagten mehrere Kinder zusammen ein Gedicht auf, durften dann beim Wettbewerb der Karpatendeutschen zum Besten gegeben werden. Die Gedichte wurden hauptsächlich von den Lehrern ausgesucht oder manchmal auch von den Eltern. Auch ich habe für einen Schüler ein Gedicht ausgesucht. Er geht erst in die 1. Klasse und kann fließend deutsch sprechen. „Mein Schüler“ hat dann auch den 1. Preis geholt in der Kategorie „Gedicht“, obwohl er noch nicht lesen kann und das Gedicht innerhalb von 4 Tagen gelernt hat. Er hat mir noch Tage lang total stolz von seinem Erfolg erzählt. Insgesamt waren 3 unserer Schüler unter den Besten 6, eine gute Bilanz. Natürlich bekam jeder Schüler ein kleines Dankeschön: Schokolade und einen Ansteckbutton.

(Die Teilnehmer unserer Schule, Jury)

(Unser kleiner Sieger mit mir)

 

Ein par Tage später ging es für 3 Tage nach Prag auf „Lehrerfahrt“. Diese Fahrt findet traditionell jedes Jahr statt. Ziel ist meistens eine andere europäische Hauptstadt, wie in den letzten Jahren: Budapest, Paris, Rom… und diesmal Prag. Die Fahrt wird von Schulgeldern, worüber die Eltern verfügen, subventioniert. So haben mich die 3 Übernachtungen inklusive Hin- und Rückfahrt, Frühstück, 2 Burgführungen und einer Stadtführung nur 55 Euro gekostet. Ein sehr guter Preis. Die Teilnahme an der Fahrt war freiwillig. Es kamen ca. 60 reiselustige Lehrer/innen, pensionierte Lehrer/innen, Erzieher und Mitarbeiter der Küche mit. Für Viele ist es die einzige „Auslandreise“ des Jahres, oder generell die einzige Reise, da das Gehalt der Lehrer/innen bei ca. 600 Euro liegt und das der Erzieher, Küchenhilfen, Hausmeister… sogar noch darunter. Da keine Deutsch Lehrerin mitfuhr teilte ich mir das Zimmer mit einer Bio Lehrerin, die ich bisher nur vom sehen kannte. Es stellte sich heraus, dass sie nur 4 Jahre älter ist als ich und englisch spricht. Wir verstanden uns super und so verbrachte ich die kommenden 3 Tage mit ihr und 4 anderen Lehrerinnen und Erzieherinnen, denn das Programm war größtenteils frei wählbar. Am Anreisetag nahmen wir an einer Burgführung auf dem Hinweg teil und am folgenden Tag an einer Burgführung kombiniert mit einer Stadtführung in Prag. Alle Führungen waren auf tschechisch, für Slowaken kein Problem, handelt es sich doch ursprünglich um die gleiche Sprache. Ich verstand fast nichts, aber das war auch nicht schlimm, so gab es doch viel zu sehen und zu entdecken.

Die Prager Burg bildet das größte geschlossene Burgareal der Welt und liegt auf dem Berg Hradschin. Heute ist sie die Residenz des Präsidenten der Tschechischen Republik. Wir waren am 17. November dort, dem Nationalfeiertag des Kampfes für Freiheit und Demokratie in Tschechien und auch in der Slowakei. Im Jahr 1939 fanden an diesem Tag Studentenproteste  gegen die deutsche Besetzung der Tschechoslowakei statt. Auch ist der 50. Jahrestag im Jahr 1989, der Auslöser der samtenen Revolution. Samtene Revolution bezeichnet den politischen Systemwechsel der Tschechoslowakei vom Realsozialismus zur Demokratie im November und Dezember 1989. Der Begriff wurde gewählt, weil der Wechsel, der sich innerhalb weniger Wochen vollzog, weitgehend gewaltfrei erfolgte.

 

(Militärparade am Nationalfeiertag)

(Veitsdom auf der Pragerburg: Größtes Kirchengebäude Tschechiens)

(Aussicht vom Viewpoint auf die Stadt)

#prag #prague #praha #karlsbrücke #liebesschloss #lovelovelove
(Liebesschlösser am Ufer der Karlsbrücke)
 
Für mich ging es nach den 3 Tagen nicht zurück nach Bratislava, sondern direkt zum
Zwischenseminar in Ungarn. Dieses fand in Gardonie, in der Nähe von Budapest, statt.
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Gardonie ist ein malerisches Örtchen, welches direkt am Valencer See liegt, dem 3. größten
natürlichen See Ungarns. Da wir am ersten Abend in Budapest das Musical „Fame“ besuchten,
kamen wir erst gegen 2 Uhr Nachts an. Zum Glück begann der folgende Tag für uns erst etwas
später und mit einem ausgiebigen Frühstück. Themen der kommenden Tage waren:
Antiziganismus (Diskriminierung von Sinti und Roma), Flüchtlinge in Europa,
unsere Freiwilligenprojekte, sowie der gemeinsame Erfahrungsaustausch des bisher Erlebten.
(Sonnenuntergang am See)
(Mansplanking)
(Kanal an unserem Haus
(Valencer See)
Aber auch nach diesen 5 Tagen ging es für mich noch nicht wieder nach Hause.
Ich und die meisten anderen Freiwilligen aus der Slowakei und Ungarn hatten beschlossen noch
für ein par Tage nach Zagreb (Kroatien) zu fahren. Wir nahmen an einer Freewalkingtour durch
die schöne Altstadt teil, besuchten den ersten Weihnachtsmarkt des Jahres und schauten uns
das „Museum of Broken Relationships“ an. Dort sind private Gegenstände ausgestellt:
Kleid, Kuscheltier, Beil… die das Ende einer Zwischenmenschlichen Beziehung symbolisieren.

 

 

(Wochenmarkt)

(In der Altstadt)

 

(Weihnachtsbeleuchtung in Zagreb, Silja und ich auf dem Weihnachtsmarkt)

 

Nachdem ich fast 2 Wochen in Tschechien, Ungarn und Kroatien unterwegs war kam ich mit mehreren Stunden Verspätung mit Marvin und Lorenz in Bratislava an. Mitten in der Nacht gegen 1 Uhr. Der Bus fuhr nicht mehr, ich hatte keine Euros mehr im Portemonnaie und die Bankautomaten befinden sich in der abgeschlossenen Wartehalle. Zum Glück wurde Marvin von seinem Gastvater abgeholt und dieser war so nett und fuhr den kleinen Umweg zu mir nach Hause. Nach diesem anstrengenden Trip bekam ich in der Schule großzügiger Weise  den Montag frei. Am Abend ging es dann zur Schulleiterin zum Abendessen, da gerade Schüleraustausch mit Schülern und Lehrern aus Koblenz war. Es gab lecker Raclette. Die kommende Woche war ich dann auch den ganzen Tag mit der Austauschgruppe unterwegs. Wir gingen bowlen, in eine Kletterhalle und besuchten das Ausbildungswerk und die Fertigungshallen von VW Bratislava. Ausbildungen sind in der Slowakei momentan in der Kritik, da sie nur schulisch ablaufen. Die Krankenschwester, der Maler, der Handwerker… besucht hier 3 Jahre eine Berufsschule ohne jemals einen Betrieb, ein Krankenhaus ect. von Innen gesehen zu haben. Die Ausbildungen sind hauptsächlich theoretisch ohne praktische Anwendungen. Zur Standortsicherung und Ausbildung qualifizierter Arbeitskräfte hat VW das Prinzip einer Dualen Ausbildung ins Leben gerufen. Damit sind sie die Einzigen in der gesamten Slowakei, bei denen die praktische und theoretische Ausbildung zeitgleich an einem Ort stattfindet

(Der reichgedeckte Abendbrottisch)

(Schülerinnen und Schüler beim Bowling)

 (Neu eröffnetes Ausbildungswerk)

 (Roboter)

Von den Fertigungshallen durften keine Bilder gemacht werden, aber auch wenn ich nicht wirklich Technik interessiert bin, war es doch beeindruckend die Fertigungsprozesse von Mensch und Roboter aus nächster Nähe betrachten zu dürfen. Abends gingen wir gemeinsam Essen. Da das Austauschprogramm aus EU Mitteln finanziert wurde, musste ich meine Pizza auch nicht selber bezahlen. Das war natürlich sehr praktisch 🙂

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kürbistag, Krakau, Ausschwitz, Weihnachtsbasteln und backen

Ende Oktober haben wir in der Schule den Kürbistag, welcher an Halloween angelehnt ist, gefeiert. Die Schülerinnen und Schüler haben die Klassen mit Kürbissen, Skeletten, Hexen… geschmückt und sich verkleidet. Jeder Schüler hatte zu Hause einen Kürbis gebastelt und am Nachmittag wurden alle Kürbisse auf dem Pausenhof ausgestellt und der beste Kürbis, sowie die am schönsten geschmückte Klasse wurde von einer Jury gekürt. Zuerst zogen die Kinder mit Tröten lauthals um den Block und ins nahegelegene Einkaufszentrum. Nach einer Runde ging es wieder zurück und bei lauter Musik wurde auf dem Pausenhof ausgiebig getanzt und gefeiert. Anschließend bekamen die Kinder in ihrer Klasse einen Beutel mit Süßigkeiten geschenkt.

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(Klasse 3a am Kürbistag, Auswahl an Kürbissen, Umzug ins Einkaufszentrum)

In den Herbstferien war ich mit Lorenz, Marius und Marvin (Kulturweit Freiwillige in der Slowakei) in Krakau. Auf direktem Wege sind es von Bratislava aus ca. 400km bis nach Krakau. Da man nicht direkt fahren kann mit den öffentlichen Verkehrsmitteln mussten wir über Brno (Tschechien) fahren. Aber die fast 8 Stündige Anreise hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn die Stadt hat mir richtig gut gefallen.

(Die schöne historische Altstadt von Krakau)

(Burganlage in Krakau und Aussicht von dort)

Einen Tag waren wir auch in Ausschwitz. Man fährt 1 1/2 Stunden dorthin und auch wieder zurück. Die Führung dauert ca. 4 Stunden. Es war sehr beeindruckend dort: Beindruckend schrecklich. Beklemmend an einen Ort zu sein, an dem Millionen von Juden, Sinti und Roma und Behinderte grundlos und so grausam ermordet wurden. Der Unterschied von Ausschwitz zu anderen Konzentrationslagern ist, dass in Ausschwitz der Großteil der Gebäude erhalten geblieben ist. Ich kann Jedem empfehlen dort einmal hinzufahren. Bei der Führung an der wir teilgenommen haben, hat auch eine junge Frau teilgenommen, welche im Rollstuhl saß. Das gesamte Gelände war mit Kies ausgelegt und es war kein Gebäude ebenerdig. Man musste immer mindestens 5 Stufen erklimmen um in ein Gebäude zu kommen. Für gesunde Menschen kein Problem, wenn man im Rollstuhl sitzt jedoch schon. Und so half ich der Frau jede Treppe rauf und runter. Es fand sich dann auch immer ein netter Herr, der den Rollstuhl trug. Auf Grund meiner Arbeit als Krankenschwester weiß ich, dass es nicht selbstverständlich ist gesund zu sein. Dieser Tag hat mir noch einmal vor Augen geführt wie dankbar man über seine Gesundheit sein sollte und wie dankbar man sein sollte, dass man in Frieden leben darf, ohne Krieg, Verfolgung und Rassismus.

(Baracken und Gedenktafel in Ausschwitz)

Am nächsten Tag wollten wir dann Alle etwas besonders Schönes machen. Deshalb besuchten wir ein Salzbergwerk, welches heutzutage hauptsächlich für Besucher geöffnet ist. Die Wege, die für Besucher zugelassen sind, liegen 70 Meter unter der Erde. Es war sehr beeindruckend welche Infrastruktur dort unten geschaffen wurde: Kilometerlange Gänge, Restaurants, Salzkirche…

(Salzkirche: Die komplette Kirche samt diversen heiligen Bildern und Skulpturen wurde in das Salz gehauen)

(Rad und Holzkonstruktion)

(

(Bergarbeiterfiguren und Salzfass)

 

Im November gab es dann den ersten Schnee in Bratislava. Leider blieb er nicht liegen.

 

In der Schule habe ich dann begonnen mit den Kindern für Weihnachten zu basteln, welches auf großen Zuspruch stieß. Manche Kinder haben dabei besondere Unterstützung benötigt, weil sie nicht gut mit der Schere umgehen können. Natürlich half ich ihnen, als ich realisierte, dass sie es nicht alleine schaffen. Das veranlasste wiederum die Anderen dazu mich darum zu bitten ihren Schneemann auch auszuschneiden. Es war schwer zu erklären, dass ich nicht alle Schneemänner ausschneiden werde, aber irgendwann verstanden die Kinder es.

(Kinder beim basteln, selbst gebastelte Schneemänner und Tannenbäume)

 

In der Klasse 4e habe im beim Kekse backen geholfen. Danach haben wir noch ein wenig die frische Luft genossen und ein obligatorisches Selfie gemacht.

 

Im Februar wird unsere Schule an einer Charity Veranstaltung zu Gunsten herzkranker Kinder teilnehmen. Dafür basteln wir mit allen Klassen Figuren, Karten, Schachteln etc. zum Thema „Liebe“. Ein Teil der Basteleien wird versteigert werden und ein anderer Teil geht an die kranken Kinder direkt, um Ihnen eine kleine Freude zu machen und ein Lächeln zu schenken.

 

Letztens wurde ich zu der Weihnachtsfeier der Klasse 2c eingeladen. Die Kinder hatten ein 30 Minütiges Programm für die Eltern vorbereitet. Es wurden Gedichte aufgesagt, die Weihnachtsgeschichte erzählt und gesungen. Auf slowakisch und auch auf deutsch. Danach gab es ein riesiges Buffet mit Kuchen, Plätzchen und anderen Gebäckspezialitäten.

(Die Kinder warten aufgeregt auf ihren Auftritt, Windbeutel)

 

In der Klasse 3a haben wir Lebkuchen mit Zugerguss verziert. Diese Aktion kam mir ganz recht, denn ich habe hier keinen Ofen um Weihnachtsplätzchen zu backen. Als leckere Alternative habe ich jetzt Pralinen hergestellt.

 

 

 

 

 

 

Besuch, Apfeltag, Geburtstag, traditionelles Entenessen

So langsam häufen sich die Anfragen meiner Freunde bezüglich eines neuen Blogg Eintrages von mir. Ich habe die letzten Wochen so viel erlebt, dass ich die Zeit zum schreiben einfach nicht gefunden habe. Für einen Blogg Eintrag brauche ich mehrere Stunden. Damit ich euch von möglichst vielen Erlebnissen in Bratislava und von meinen Reisen erzählen kann, werde ich versuchen mich jetzt etwas kürzer zu fassen. Mal schauen ob´s klappt 😛

In den letzten Wochen hatte ich gleich 3 mal lieben Besuch aus Deutschland. Zuerst schauten Gabi und Astrid (2 Ärztinnen) in Bratislava vorbei. Die Beiden arbeiten auf der gleichen Station wie ich, wenn ich nicht gerade in der Slowakei kleine Kinder bespaße. 2 Wochen später besuchte mich dann endlich meine Lieblingskollegin und Freundin Gina und letztes Wochenende kam dann noch meine Kollegin Ines vorbei. Alle 4 hatten scheinbar Angst, dass ich hier am verhungern bin und brachten mir gaaaaaanz viele Süßigkeiten mit 🙂 Vielen Dank nochmal dafür!!!

suess                                                                                 (Aber am Verhungern bin ich natürlich nicht. Das Gegenteil ist eher der Fall. So werde ich doch fast täglich mit Süßigkeiten und Kuchen bedacht von der Schulleiterin oder den Lehrerinnen … irgendwer hat halt immer Namenstag.)

Selbstverständlich bin ich mit Allen mehrfach durch die schöne Altstadt von Bratislava geschlendert.

img_20160915_120910_burst001_coverimg_20160915_121423_burst001_cover(Hlavné námestie (Hauptplatz) mit dem Maximiliansbrunnen)

Die Altstadt besteht hauptsächlich aus Cafés, Restaurants, Souvenirläden und Botschaften, wie wahrscheinlich jede Altstadt. Besonders für Bratislava sind verschiedene berühmte Bronzefiguren die überall im historischen Stadtkern verteilt sind. Auch mein Lieblingsladen, eine Bonbon Manufaktur, befindet sich dort. Für mich persönlich das Paradies. Es gibt Hand gemachte Bonbons in allen erdenklichen Geschmacksrichtungen. Diese werden vor Ort, hinter einer großen Plexiglasscheibe, hergestellt. Man kann also dabei zu gucken und gratis einen Bonbon der Sorte probieren, die gerade hergestellt wird.

img_20160929_171951_burst002(Meine Lieblingssorte: Zitrone)

Mit allen Besuchern war ich natürlich auch an der schönen Donau spazieren und habe Bratislava Burg, ein War Zeichen Bratislavas angeschaut.

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(Gabi und Astrid an der Donau mit Blick auf die Ufo Brücke, welche die neueste und  bekannteste Donau Brücke ist in Bratislava.)

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(Burg Bratislava: Der Großteil brannte 1811 ab und wurde erst von 1953 bis 1968 neu aufgebaut. Wenige Mauern der alten Burg, welche aus dem 16. Jahrhundert stammt, sind erhalten geblieben.)

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(Ausblick von Burg Bratislava auf die Donau und Petržalka. Das ist ein Bezirk auf der anderen Seite der Donau. Dort leben 300 000 der 423 000 Einwohner Bratislavas. Damit ist er der Bezirk mit der höchsten Bevölkerungsdichte der Slowakei.)

Mit Gabi und Astrid war ich noch bei „Námestie slobody“. Das ist ein monumentaler Platz mit vielen Grünanlagen und dem größten Springbrunnen in der Stadt. Die eindrucksvolle Architektur der Gebäude um den Platz herum erinnert an die Zeiten des Kommunismus und erweckt Nostalgie.

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Auch das Kriegerdenkmal Slavin haben wir uns angeschaut. Es ist mit seinen 52 Metern das Größte Mitteleuropas und steht auf einem Berg mit dem Blick auf die Burg Bratislava und auch auf den Großteil der Stadt. 6845 Soldaten der Sowjetarmee fanden auf diesem militärischen Friedhof ihre letzte Ruhe. Alle kämpften für die Befreiung von Bratislava während der letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges. Die Stadt wurde schließlich im April 1945 befreit.

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Nach so vielen Besichtigungen muss man natürlich auch an sein leibliches Wohl denken. Und so fanden wir Drei eine schöne Weinbar, sowie den vermutlich besten Burger Laden in Bratislava. Der Burger schmeckte uns so gut, dass wir am nächsten Tag noch einmal dorthin gingen.

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Mit meiner Lieblings Gina war ich, bei schönstem Sonnenschein, bei der Burg Devin. Sie steht auf einem Felshügel über dem Zusammenfluss von Donau und March. Die Burg hat einen unregelmäßigen Grundriss, der dem Burgfelsen angepasst ist. Sie hat für die Slowaken eine wichtige identitätsgebende Bedeutung. In den alt-slawischen Ruinenresten sehen sie ihre Wurzeln als eine der slawischen Nationen, die aus dem Großmährischen Reich hervorging.

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Natürlich war Sightseeing nicht das Wichtigste bei Ginas Besuch. Denn es musste erstmal der wichtigste Klatsch und Tratsch der letzten Monate ausgetauscht werden. Selbstverständlich durfte auch eine kleine Shoppingtour, in einem der teilweise echt riesigen Shoppingcenter in Bratislava, nicht fehlen 🙂

Letztes Wochenende kam dann Ines vorbei. Da ich auf Grund einer fetten Angina etwas geschwächt war, ließen wir es langsam angehen und beschränkten unser Sightseeing hauptsächlich auf die Altstadt. Eine Woche zu vor hatte der Weihnachtsmarkt eröffnet. Er ist ziemlich große und abwechslungsreich, da über den gesamten historischen Stadtkern verteilt. Es gibt viele Handwerksstände, aber natürlich wie immer auch viele Fressbuden: Kartoffelpuffer, Eierkuchen und Kochwurst sind stark verbreitet.

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In der Schule bin ich jetzt des Öfteren im Kinderhort um mit den Kindern zu spielen und zu basteln, dass gefällt mir sehr.

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Jede Klasse sollte einen Drachen basteln. Diesen Drachen habe ich mit der Klasse 3 D gebastelt. Als die Kinder mich sahen, wollten sie unbedingt einen „Deutschen“ Drachen basteln und fragten mich nach den Farben der deutschen Nationalflagge. Sie ließen sich von dieser Idee partout nicht abbringen und so Schlug ich vor, das slowakische Wappen in die deutsche Flagge einzufügen. Die Kinder waren begeistert von dieser Idee und die Schulleiterin auch.

 

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Im Oktober war „Apfel Tag“ an meiner Schule. Solche Aktionstage gibt es hier ca. alle 2 bis 3 Wochen. Sie finden Nachmittags, nach dem regulären Unterricht statt. Die Kinder hatten verschiedene Sachen zum Thema „Apfel“ gebastelt und auch gebacken, welche sie im Foyer an die Eltern verkauft haben. Ich habe den Apfel Tag in der Klasse 2c verbracht. Wir haben Äpfel mit Nelken gespickt und auch einen Apfel aus Papier gebastelt. Fast jede Mutter hatte einen Apfelkuchen gebacken und so standen dann 20 Kinder vor mir Schlange und wollten, dass ich mir ein Stück von ihrem Kuchen nehme. Da ich an dem Tag schon 2 Stück Apfelkuchen gegessen hatte, konnte ich leider nicht von jedem Kuchen probieren, auch wenn ich einige Kinder dadurch etwas enttäuschen musste.

 

Ende Oktober hatte ich Geburtstag. Wie ich schon vorher erfahren habe, ist es in der Slowakei üblich seinen Namenstag mehr zu feiern als seinen Geburtstag. Ich habe dann gleich einmal geschaut wann mein Namenstag ist: Am 8. Mai, leider schon vorbei 😛  Meine Eltern hatten mir ein Paket geschickt, welches pünktlich an meinem Geburtstag ankam und Frau Warganova, meine Ansprechpartnerin und Schulleiterin, hatte mir einen traditionellen Mohnstrudel mit Kirschen gebacken, sowie Blumen und slowakische Schokolade besorgt. Abends ging ich mit Marvin (Kulturweitfreiwilliger) in einer Pizzeria essen.

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Mit den Lehrerinnen und Lehrern habe ich einen Tag später, beim traditionellen Entenessen der Lehrer, auf meinen Geburtstag angestoßen. Ich bekam nochmal slowakische Schokolade, eine kleine Topfpflanze und von Wolfgang das Buch „Der kleine Prinz“, selbstverständlich in slowakischer Sprache, geschenkt.

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Ente mit Rotkohl und Lokse. Lokse werden aus „gepressten“ Kartoffeln und Mehl zubereitet und dann „trocken“ gebraten. Später werden sie mit dem Fett der Ente übergossen. Oft sind sie mit Gänse oder Entenleber gefüllt.

 

 

Wandertag, 1. Einsatz als Schulkrankenschwester, Projekt

Letzte Woche war es endlich so weit: Mein 1. Wandertag stand an. Wohin genau es gehen sollte, dass wusste ich selber nicht so wirklich, nur dass wir morgens um 7 Uhr an der Schule losfahren würden. Am Tag vorher wurde ich deshalb von vielen Lehrerinnen angesprochen und mit guten Tipps bedacht: Zieh warme Schuhe und Kleidung an, nimm etwas zu trinken und zu essen mit, sei pünktlich…. Am folgenden Tag stand ich dann, wie immer putzmunter um 7 Uhr morgens, pünktlich in meinem Daunenmantel eingemummelt an der Schule. Aufgeregt stiegen die Schüler der 4 Dritten Klassen mit mir in den Reisebus. Es war nur 7 Grad kalt und regnete in Strömen. Ich begleitete die Klasse 3a, welche ich schon oft unterrichtet habe und ihre Klassenlehrerin, da diese keinen Erzieher hatten. (Sonst geht immer ein Erzieher/in und ein Lehrer/in pro Klasse mit.) Nach guten 2 Stunden Fahrt kamen wir in Kolárovo einer 10.000 Einwohnerstadt, welche am Zusammenfluss der Waag mit der Kleinen Donau auf der Großen Schüttinsel liegt an. Diese ist eine Flussinsel (bzw. Flussinselgruppe) zwischen der Donau, der Kleinen Donau und der Waag im Südwesten der Slowakei. Auf einer Länge von 84 km und mit einer Breite von 15 bis 30 km bildet die Donau hier ein Geflecht von zahlreichen Mäandern und Seitenarmen. Zwischen diesen Flussarmen liegen ca. 500, mehr oder weniger große, Inseln. Die Große Schüttinsel beginnt bei Bratislava und erstreckt sich über eine Fläche von 1.885 km². Wenn man sie als eine einzige Insel betrachtet, ist sie die größte Flussinsel Europas. Der Bus hielt am Eingang eines Naturschutzgebietes. Leider regnete es auch hier in Strömen, bei Temperaturen deutlich unter 10 Grad. Keine Woche zuvor hatte ich mich noch im Bikini bei 25 Grad und schönstem Sonnenschein am See gesonnt, aber heute wollte das Wetter einfach nicht mitspielen. Wir stellten uns erst einmal Alle unter einem bedachten, aber von allen Seiten offenen Picknickplatz unter und frühstückten. Nachdem wir gestärkt waren, jeder mal pipi war und jede/r Schüler/in seine Sachen eingepackt und die Mütze aufgesetzt hatte, ging es in eine alte Mühle. Dort war es zwar trocken und wärmer als draußen, aber auch nicht wirklich warm. Die Kinder lauschten aufmerksam einer Dame die Ihnen die Funktion der Mühle erklärte. Natürlich wollte jede/r Schüler/in das Mahlwerk dann einmal von innen sehen und natürlich wollte danach auch Jeder ein kleines Andenken: Postkarte, Schlüssel Anhänger, Kugelschreiber, Fingerhut ect. kaufen. Nach dieser guten Stunde war ich total durchgefroren und die kleinen Entdecker auch. Anstatt an fröhlichen Spielen teilzunehmen setzten wir uns dann alle dicht gedrängt in eine Holzhütte und wirklich jeder Schüler trank eine Kofola (koffeinhaltige Kräuterlimonade) und aß eine Tüte Chips. Es war ein ziemliches Durcheinander und dauerte eine Weile bis jeder versorgt war. Während die Kinder aßen bestellten die Lehrerinnen die Reisebusse zurück, weil es einfach zu nass war um irgendetwas draußen machen zu können. So fuhren wir um 11 Uhr 30 schon wieder nach Hause und blieben nicht wie geplant bis 15 Uhr. Es schien aber trotzdem Jeder Spaß gehabt zu haben, denn Niemand meckerte und als wir gingen hörte der Regen tatsächlich für 5 Minuten auf, so dass wir ein Gruppenfoto machen konnten.

img_20161006_113318_burst001_cover                                                                               Klasse 3a

img_20161006_091223_burst001_cover                                                                                    Das Wetter spielte leider nicht mit 🙁

img_20161006_093830_burst004                                                                                          Die Kinder lauschten aufmerksam dem Vortrag in der Mühle.

img_20161006_070742_burst002                                                                                                                              Die Sanitätstasche die ich als Schulkrankenschwester mitschleppen durfte.

Die nächsten Tage habe ich mit den Kindern einer 4. Klasse ein Projekt gemacht zum Thema „Die Top 100 Sehenswürdigkeiten“ in Deutschland. Da wir erst Nachmittags nach der Schule im Kinderhort gebastelt haben, musste ich erst später in der Schule sein. Dadurch verpasste ich auch meinen 1. Einsatz als Schulkrankenschwester, denn der Rettungswagen stand schon vor der Tür, als ich die Schule betrat. Eine Schülerin war im Unterricht umgekippt, da sie laut der Lehrerin zu wenig gegessen hatte, um dem Frauenbild welches alltäglich tausendfach im Fernsehen und in Modezeitschriften publiziert wird zu entsprechen. Die Schülerin hat eine völlig normal schlanke Figur. Zum Glück war es nicht so schlimm. Sie wurde von ihrer Mutter abgeholt und musste nicht ins Krankenhaus. 20 Minuten später, ich nippte gerade an meinem Krümelkaffee, wurde ich dann hektisch zur nächsten Hilfeleistung gerufen. (Krümelkaffee ist hier sehr beliebt, beliebter als Bohnenkaffee und dass, obwohl er nicht unbedingt günstiger ist. Im Supermarkt gibt es immer ein ganzes Regal voll davon mit bestimmt 20 Sorten. Ich teile diese Liebe nicht so ganz, und gehe deshalb  Nahmittags gerne zu Tchibo, wo mein Latte macchiato aus frisch aufgeschäumter Milch und frisch gemahlenen Espressobohnen zubereitet wird :)). Die schwere Tür, die das Foyer von den restlichen Schulräumlichkeiten trennt, war ins Schloss gefallen als die Großmutter eines Kindes noch ihren Finger drin hatte. Der Armen war das ziemlich unangenehm und sie betonte immer wieder, dass es nur ein kleiner Kratzer sei. Für einen kleinen Kratzer hat es aber ziemlich stark geblutet und es stellte sich dann bei genauem betrachten heraus, dass die Fingerkuppe fast komplett abgetrennt war. Ich machte ihr einen Druckverband und sagte ihr, sie solle das Malheure so schnelle wie möglich, im Krankenhaus versorgen lassen. Einen RTW wollte sie nicht und ein Taxi war zu teuer, sie wartete lieber auf ihre Tochter. Ich hoffe der Finger ist wieder „dran“ und der Dame geht es gut. Gott sei dank war es nicht der Finger eines 1. Klässler oder so, dieser wäre vermutlich ab gewesen. Es stellte sich dann nämlich heraus, dass die Tür kaputt war. Sie bremste nicht wie notwendig ab, sondern schlug innerhalb von Sekunden nach dem loslassen mit voller Wucht ins Schloss. Frau Warganova und ich brachten daraufhin mehrere Warnzettel an und stellten einen Tisch vor die offene Tür. Gefahr erstmal gebannt. Am Nachmittag bastelte ich dann mit 6 motivierten Kindern an unserem Projekt weiter. Wir bauten die Burg Hohenzollern und das Schloss Moritzburg nach, um damit an einem Wettbewerb der Deutschen Botschaft in Bratislava teilzunehmen. Also drückt uns bitte die Daumen, denn die 5 besten Projekte werden prämiert! Mir wurde dafür die Klasse der Kunstlehrerin zugeteilt, alles sehr nette und künstlerisch begabte Kinder, nur leider sprachen sie kein/kaum deutsch. Nach einer kurzen Kennlernphase hatten wir aber den Dreh raus, kommunizierten mit Händen und Füßen, auf englisch oder mit dem Google Übersetzer. Letzterer ist gar nicht so schlecht um schnell etwas nachzuschlagen.

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Wie ihr sicherlich erkannt habt ist das erste Schloss Moritzburg und das zweite die Burg Hohenzollern. Sie stehen in der Nähe von Dresden bzw. in der Nähe von Stuttgart und jetzt auch in Bratislava 😛 Bis auf das Krepppapier ist alles aus Recycling Material, wie zum Beispiel: Klopapier- und Küchenpapierrollen, Deckel von Schlagsahnesprühdosen, Medikamenten- oder Pralinenpackungen…

Seid ein par Tagen geht meine Heizung nicht. Bei den warmen Temperaturen bis 17 Grad gestern kein Problem, aber es soll kälter werden. Deshalb habe ich meiner Vermieterin bescheid gesagt, welche irgendeine Einstellung bei sich in der Wohnung verändern wollte. Es hat daraufhin laut gezischt und etwas Wasser ist ausgetreten. Dieses Mal war ich völlig relaxt und nicht zu Tode erschrocken, wie vor ein par Wochen als das Ganze schon mal passierte. Damals beim 1. Maligen einschalten der Heizung in diesem Herbst, als sämtliche Heizungen der Wohnung plötzlich laut zischten, dachte ich die Wohnung würde in die Luft fliegen, da ich nicht auf so etwas vorbereitet war. Naja, Hauptsache es wird jetzt wieder kuschelig warm.

 

3. Otktober, die Karpatendeutschen

„Der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland Joachim Bleicker gibt sich die Ehre, Frau Ulrike Reinhardt zu einem Empfang einzuladen… “  Mit diesen Worten begann meine Einladungskarte, welche auf feinstem, geprägten Papier gedruckt war, anlässlich des Tages der Deutschen Einheit. Selbstverständlich gab ich mir auch die Ehre und erschien in meinem besten Kleid, Stiefeln und einer Handtasche, die nicht wirklich dazu passten, in einem der teuersten Hotels in Bratislava. Ich konnte halt leider nicht alles mitnehmen in die Slowakei und musste Prioritäten setzen. Ich ging gemeinsam mit Wolfgang und Hannah, der Leiterin des Deutsch Unterrichtes meiner Schule dorthin, und traf dort auf die 3 anderen Kulturweit Freiwilligen der Slowakei. Entgegen meiner Erwartungen gab es keine Absperrungen oder Sicherheitskontrollen vor dem Hotel. Auch die Einladungskarte wurde erst im Hotel selber kontrolliert und nicht davor. Wir gingen erst durch die Eingangshalle und gaben unsere Mäntel ab. Alle anderen Besucher sahen total schick und wichtig aus, dann stellten wir uns an einer langen Schlange an um in die 1. Etage zu gelangen, wo wir den Festakt vermuteten. Es ging ziemlich langsam vorwärts. Dieses lag daran wie sich oben angekommen herausstellte, dass Jeder eingeladene Besucher vom deutschen Botschafter und einem wohl ziemlich hohen Militärtypen persönlich mit Handschlag begrüßt wurde. Vor lauter Aufregung sich in so einer gediegenen Gesellschaft aufzuhalten waren unsere Kehlen schon ganz trocken und der freundlich überreichte Sekt, von schicken gut aussehenden Hotelfachangestellten, kam gerade recht. Es gab aber nicht nur Sekt, sondern auch die üblichen Verdächtigen wie Cola, Fanta, Sprite, Apfel- und Orangensaft, Bier, Rot und Weißwein. Nach der kleinen, flüssigen Stärkung und ca. 20 Minuten Wartezeit ging es dann in einem festlich geschmückten kleinen Saal los. Das Militärorchester begann mit einem traurig anmutenden Lied, wie man uns dann sagte, der Nationalhymne der Slowakei. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich sie nicht erkannt hätte, hätte man uns nicht wohlwollend darauf hingewiesen. Zur Wiedergutmachung dieses peinlichen Fauxpas meinerseits, habe ich sie jetzt auswendig gelernt.

Die Hymne der Slowakischen Republik:

Nad Tatrou sa blýska, hromy divo bijú.
Nad Tatrou sa blýska, hromy divo bijú.
Zastavme ich, bratia, ved‘ sa ony stratia, Slováci ožijú.
Zastavme ich, bratia, ved‘ sa ony stratia, Slováci ožijú.

To Slovensko naše posial‘ tvrdo spalo.
To Slovensko naše posial‘ tvrdo spalo.
Ale blesky hromu, vzbudzujú ho k tomu, aby sa prebralo.
Ale blesky hromu, vzbudzujú ho k tomu, aby sa prebralo.

Für Alle die im slowakisch Unterricht nicht aufgepasst haben:

Es blitzt über der Tatra, wild grollen die Donner,
Lasst sie uns stoppen, Brüder, sie werden sicher verschwinden, die Slowaken leben auf.
Diese, unsere Slowakei hat bis jetzt tief geschlafen,
Aber der Donner und die Blitze ermuntern sie, wieder aufzuwachen.

Danach wurde eine mir wohlbekannte Melodie, die deutsche Nationalhymne, gespielt. Es folgte die Eröffnungsrede des deutschen Botschafter in Bratislava (Joachim Bleicker). Dann ergriff Frank Walter Steinmeier, Minister des Auswärtigen in Deutschland, das Wort. Er betonte wie wichtig die slowakische und deutsche Zusammenarbeit in diesen schweren Stunden der EU sei und, dass er sich keinen schöneren Ort als Bratislava vorstellen könne um die deutsche Einheit zu feiern… Ihm folgte eine Rede seines slowakischen Pendants (Miroslav Lajčák). Obwohl alle Reden in englischer Sprache waren, verstand ich fast alles. Scheinbar hat sich mein englisch hier auch etwas verbessert. Mit dem Auftritt einer bekannten Berliner Jazzsängerin, ich hatte noch nie von ihr gehört, begleitet vom Militätorchester wurde dann das Buffet eröffnet. Es gab bürgerliche Küche: Pellkartoffeln, unfassbar leckeres Sauerkraut, zwei verschiedene Sorten Würstchen, gedünstetes Gemüse und mit Ricotta gefüllte Ravioli, sowie diverse Sorten an Backwaren. Zudem gab es ein kleines Salatbuffet mit Lachs und Apfelkuchen mit Vanillesoße zum Nachtisch. Es wurde ein informativer, fröhlicher, lustiger und leckerer Abend. Am nächsten Tag waren wir drei Eingeladenen eine kleine Sensation beim alltäglichen Mittagessen in der Mensa. Viele wollten wissen wie unser Ausflug in die Welt der Schönen und (Einfluss-)reichen denn nun war und diverse Handybildchen davon wurden herumgezeigt.

 

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Am Freitag habe ich zusammen mit einer Lehrerin eine Schülergruppe zu den Karpatendeutschen begleitet, welche alle par Monate zu einem großen Treffen einladen.  Die Lehrerin war schon in das Zielgebäude vorgegangen, als ich mit ein par Nachzüglern im Schlepptau von einer betagten Dame in karpatendeutscher Tracht angesprochen wurde. Ich verstand nur das Wort „Za kasárňou“, aber war mir trotzdem sicher was sie wissen wollte. „Ja, das sind die Kinder der Grundschule Za kasárňou antwortete ich Ihr“ in deutsch. „Mit ich zeige Ihnen wo sie sich umziehen können“ führte sie uns in die Garderobe im 2. Stockwerk. Die Schülerinnen und Schüler hatten für dieses Treffen ein kleines Bühnenprogramm auf deutsch vorbereitet: Es wurde die Geschichte „Der Hase mit der roten Nase“ aufgeführt, gesungen und getanzt. Als Dankeschön für den zuckersüßen, gelungenen Auftritt bekamen die Kinder, die Lehrerin und ich Süßigkeiten und Pralinen geschenkt. Im Anschluss wurde ich der Vorsitzenden des Karpatendeutschen Vereines in Bratislava vorgestellt. Die rüstige, über 90 Jahre alte, Vorsitzende fragte meine Schulleiterin, welche es sich natürlich nicht nehmen lies auch vorbeizuschauen, ob ich denn deutsch sprechen könne. Diese sagte mit stolzgeschwellter Brust: „Sie spricht nur deutsch!“. Das stimmte zwar nicht ganz, denn ich spreche ja auch französisch und englisch, aber das wird hier nicht als so wichtig empfunden. „Französisch“ wird hier kaum auf Schulen angeboten und „Englisch“ verliert in der Slowakei gerade zunehmend an Beliebtheit. Viele Slowaken gehen für ein par Jahre ins Ausland um dort zu arbeiten oder zu studieren. Am Beliebtesten waren immer Österreich, Deutschland und England, letzteres verliert aber dank des Brexits ständig an Wert. Man befürchtet dort keinen Job mehr zu bekommen. Deshalb orientieren sich viele Slowaken jetzt vermehrt am deutschsprachigen Ausland. So waren die Anmeldungen für den Deutschunterricht an meiner Schule ab der 1. Klasse, dieses Jahr zum ersten mal höher, als die für den Englischunterricht. Die 2. Fremdsprache kommt dann ab der 3. Klasse hinzu. In meiner Schulzeit war Geschichte mein Lieblingsfach, jedoch konnte ich mich nicht erinnern, die durchaus wissenswerte Geschichte der Karpatendeutschen dort durchgenommen zu haben. Deshalb versuche ich sie hier einmal mit Hilfe von Wikipedia zusammen zufassen.

Als Karpatendeutsche bezeichnet man die deutschsprachige Bevölkerungsgruppe, die auf dem Gebiet der heutigen Slowakei , sowie im östlichen Karpatenbogen lebten oder noch heute leben. Der östliche Karpatenbogen gehört heute zur Ukraine und wird auch Karpatukraine genannt. Deutsche Siedler haben die Slowakei vom 12. bis zum 15. Jahrhundert besiedelt. Ihren Höhepunkt nahm die Besiedlung im 14. Jahrhundert. Im Gebiet von Bratislava, auf deutsch Pressburg, gab es wohl auch schon etwas früher Deutsche. Sie haben vor allem ältere slowakische Städte (v. a. Pressburg), Markt- und Bergbausiedlungen besiedelt und wurden meist von den Königen als Spezialisten (Handwerker, Bergleute…) angeworben. Ungefähr bis zum 15.Jahrhundert bestand die Führungsschicht aller slowakischen Städte fast ausschließlich aus Deutschen. Die drei Hauptsiedlungsgebiete waren Bratislava und Umgebung, die deutschen Sprachinseln in der Zips (Landschaft in der nordöstlichen Slowakei), sowie das Hauerland (deutsche Sprachinseln in der Mittelslowakei). Die zahlenmäßig größte Gruppe der Deutschen im Habsburger Reich lebte in der Stadt Pressburg, die bis ins 20. Jahrhundert hinein noch mehrheitlich deutsch geprägt war. Bei der Volkszählung im Sommer 1919 waren Deutsche noch die größte Gruppe: Ihr gehörten 36 % der Bürger an, 33 % waren Slowaken und 29 % Ungarn. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges plädierten die meisten Karpatendeutschen für den Verbleib der Slowakei bei Ungarn, danach für eine slowakische Autonomie innerhalb der Tschechoslowakei. Nach 1918 veränderte sich die Situation für die Karpatendeutschen grundlegend, denn mit der Erhebung Pressburgs zur Landeshauptstadt und dem Zustrom an Slowaken wurden sie, trotz Wegzug vieler Ungarn, zu einer Minderheit in der Bevölkerung. In den anderen Siedlungsgebieten ging es ähnlich vonstatten. Die meisten Karpatendeutschen waren bereits vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges aus der Slowakei ins Deutsche Reich geflüchtet oder wurden von den deutschen Behörden evakuiert. Diese war eine Reaktion auf den slowakischen Nationalaufstand im Spätsommer 1944, bei dessen Niederschlagung von den Partisanen Grausamkeiten an Deutschen und von der SS Grausamkeiten an Slowaken verübt wurden. Aus der Zips sind die meisten Deutschen zwischen Mitte November 1944 und Januar 1945 vor der heranrückenden Roten Armee nach Deutschland oder in das Sudetenland evakuiert worden. Die Deutschen von Bratislava wurden im Januar und Februar 1945 nach langen Verzögerungen evakuiert, jene des Hauerlandes flüchteten Ende März 1945 aus ihren Orten. Die Rote Armee erreichte Bratislava am 4. April 1945. Nach dem Ende des Krieges am 8. Mai 1945 ist zunächst etwa ein Drittel der Deutschen nach Hause in die Slowakei zurückgekehrt. Ab dem 2. August 1945 wurde ihnen, zusammen mit den Sudetendeutschen in Tschechien und mit den Ungarn in der Südslowakei die tschechoslowakische Staatsangehörigkeit aberkannt. Sie wurden in Sammellagern interniert. 1946/47 sind schließlich etwa 33.000 Deutsche als Folge des Potsdamer Abkommens aus der Slowakei vertrieben worden, während ca. 20.000 Personen infolge besonderer Umstände in der Slowakei bleiben konnten. Von rund 128.000 Deutschen in der Slowakei im Jahre 1938 sind also 1947 etwa 20.000 (16 %) übrig geblieben. Nach einer Volkszählung leben heute nur noch weniger als 6.000 Deutsche in der Slowakei, die aber wieder sämtliche politischen Rechte genießen. Größtes Problem der deutschen Minderheit ist die Assimilation der mittleren und jüngeren Generationen an das slowakische Umfeld, die in den meisten Fällen so weit geht, dass Sprache und Brauchtum verloren gegangen sind. Es gibt jedoch immer noch zwei karpatendeutsche Dörfer, in denen die Einwohnerschaft noch mehrheitlich deutschstämmig und deutschsprachig ist. Der prominenteste Angehörige dieser Volksgruppe ist der zweite slowakische Präsident Rudolf Schuster, welcher von 1999 bis 2004 im Amt war.

 

Schulleben und Begrüßung der Erstklässler

flag_of_slovakia-svg  slowakisches-doppelkreuz-wappen-der-slowakei-139348                                                                    In jedem Klassenraum hängt hier die slowakische Flagge und das slowakische Wappen.

Im Mittelalter bestand die slowakische Flagge aus zwei horizontalen Streifen in rot und weiß, wobei rot meistens oben war. Die heutige Nationalflagge orientiert sich an der ehemaligen rot-weißen slowakischen Flagge und den panslawischen Farben Weiß-Blau-Rot. Die panslawischen Farben werden heute in den Flaggen der meisten Staaten mit slawischsprachiger Bevölkerungsmehrheit verwendet. Sie wurden gewählt um eine Zusammengehörigkeit der slawischen Völker im Sinne des Panslawismus auszudrücken. Die Farben Russlands waren das Vorbild. Der Zar Peter der Große, beeindruckt und inspiriert von einer Reise in die Niederlande, ordnete diese in einer waagerechten Trikolore an. Da Russland die gleichen drei Farben, in anderer Anordnung, schon vorher verwendet hat geht man davon aus, dass die gleiche Farbgebung zur Flagge der Niederlande wohl rein zufällig ist.

Außerdem gibt es in jedem Klassenzimmer hier ein Waschbecken, was ziemlich nützlich ist, da Frau/Mann hier noch mit Kreide auf der „guten alten grünen“ Tafel schreibt. Daneben hängen an einer Leiste über 20 Haken mit Handtüchern, denn Jeder hat sein Eigenes. Da ich leider kein Eigenes besitze und es ja auch unpraktisch wäre es von Raum zu Raum zu schleppen benutze ich manchmal ein Handtuch der Kinder, bis jetzt hat sich kein Kind beschwert 😛 Die meisten Lehrer und Schüler tragen Hausschuhe/ Latschen in der Schule. Beim Koffer packen in Berlin habe ich bestimmt 5 Minuten lang überlegt, ob ich meine „Keimtreter“ von Arbeit, welche ich selbstverständlich nach JEDEM Dienst ausführlich desinfiziere mitnehmen soll, habe mich aber letztendlich dagegen entschieden, weil ich dachte ich bräuchte sie nicht. Das gleiche gilt für meine Trinkflasche und meine Brotdose, die jetzt einsam in einer Umzugskiste in meinem Keller dahin vegetieren. Auf den Gängen in der Schule stehen Trinkwasserspender, deshalb wäre eine eigene Flasche garnicht so schlecht und wenn man sein Mittagessen nicht schafft aufzuessen, ist es üblich es sich in eine Brotdose einzupacken und später zu essen. Da ich zu Hause die letzten Jahre hauptsächlich Nachmittags und Nachts gearbeitet habe, ist es schon eine Herausforderung für mich um 12:30 Uhr oder sogar schon um 11.30 Mittag zu essen. (Zur Erinnerung: Es gibt immer eine Suppe, ein Hauptgericht und Obst/ Salat.) Denn bisher war mein Magen es gewohnt maximal ein Brötchen bis zu dieser Zeit verdauen zu müssen. Mit einer gönnerhaften Geste und einem freundlichen Lächeln, geben mir die Damen an der Essensausgabe auch fast immer eine extra Kelle auf den Teller. Meine Bemühungen freundlich aber bestimmt abzuwinken funktionieren selten. Letzten Freitag, Freitag gibt es hier zur Freude der Kinder immer eine Süßspeise, wurde mir ein halber frisch gebackener Kakaostrudel für zu Hause mitgegeben. Ich könne ihn ja Nachmittags, Abends und am nächsten Morgen essen. Ich bedankte mich herzlich; zum Glück hatte ich mir ein par Tage vorher 3 Brotdosen gekauft! Das Gute ist, der Körper gewöhnt sich scheinbar an Alles, und so habe ich langsam sogar ab 11 Uhr Hunger. Nur an das frühe Aufstehen, ja ich gebe zu 7 Uhr ist eigentlich gar nicht sooo früh, gewöhne ich mich vielleicht nie.

Am Montag hatte ich die Ehre an der Begrüßung der 1. Klässler teilzunehmen.                           (Eine Einschulungsfeier am 1. Schultag oder eine Schultüte gibt es hier nicht.) Dieser Tag war für uns Alle ziemlich lang, aber auch mindestens genauso schön. Die Kinder, welche schon seit ca. 4 Wochen die Schule besuchen, hatten zuerst einen normalen Schultag, dann aßen sie wie immer in der Kantine zu Mittag.  Am Nachmittag hatten einige Schüler aus der 9. Klasse 10 Stationen auf dem Schulhof aufgebaut und jeder 1. Klässler musste sich als neuer Schüler „beweisen“. Es gab zum Beispiel einen Sportparcours, einfache Matheaufgaben, mehrere Denkspiele, Form und Farbspiele oder kleine künstlerische Aufgaben, wie seine Hand abzuzeichnen und auszumalen, zu bewältigen. Um 15 Uhr kamen dann die Eltern und alle fanden sich im Innenhof ein. Untermalt von theatralischem Mönchsgesang und Elfen ähnlicher Musik zogen die knapp 100 neuen Schüler mit ihren Erzieherinnen/ Erziehern und ihren Klassenlehrerinnen, welche als „gute Feen“ verkleidet waren, in zweier Reihen und unter tosendem Applaus der Eltern und Zuschauer ein. Nach einer kurzen Ansprache der Klassenlehrerinnen und der Elternsprecherin wurde, wiederum unter tosendem Applaus, der Schulleiter begrüßt. Dieser kam mit geschwollener Brust als König verkleidet. Nachdem auch er ein par wohl wollende Worte gesagt hatte, traten alle Schülerinnen und Schüler in 10er Gruppen vor ihn. JEDES ehemalige Kindergarten Kind wurde, von seiner Majestät persönlich mit seinem goldenen Königsstab, zum Schüler „geschlagen“ und somit in die Gemeinschaft der Schule aufgenommen. Als Andenken an diesen besonderen Tag bekam jedes Kind eine Urkunde, ein Buch und eine Tüte Fruchtgummis. Die Zeremonie war zuckersüß anzusehen und erwärmte mein Herz. So viele stolze und glückliche Kinder mit noch stolzeren Eltern, für Alle ein voller Erfolg.

Jede Klasse hat einen eigenen Erzieher bzw. eine Erzieherin. Diese/r begleitet die Kinder auf den Pausenhof, zur und in der Kantine und Nachmittags im Hort. Die jüngeren Schüler sind also nie alleine unterwegs, auch nicht im Schulgebäude, sondern immer gemeinsam in einer Gruppe und unter Beaufsichtigung, Der Kinderhort öffnet morgens früh um 6:30 Uhr und schließt spätestens um 17:30. Frau Warganova hat mir erzählt dass dieser „Service“ für einige Eltern sehr wichtig sei und dankend angenommen werden würde. Einige Kinder würden schon um 6 Uhr an der Schule auf die Öffnung des Hortes warten und erst am frühen Abend abgeholt werden. Es gibt für das Abholen keine festen Zeiten. Die Eltern können ihre Lieblinge jederzeit abholen, egal ob direkt nach dem Unterricht oder irgendwann im Laufe des Nachmittags. Da einige Kinder den ganzen Tag in der Schule verbringen, gibt man sich wirklich sehr viel Mühe Ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. So gibt es bei schönem Wetter, der Spätsommer zeigte sich die letzten Tage von seiner besten Seite, unterschiedliche Spiele draußen auf dem Schulhof. Und wenn sich alle ausgepowert haben, wird danach in Kleingruppen im Klassenverband Musik gehört, gebastelt…

Der Durchschnittslohn in der Slowakei liegt bei ca. 900 Euro netto, wobei es ein starkes Gefälle zwischen den Spitzenverdienern und den Geringverdienern gibt. Die meisten Familien sind darauf angewiesen, dass beide Elternteile arbeiten. Da die Löhne sehr gering sind, auf dem Land sind 300 Euro leider ein normaler Verdienst, sind viele Menschen auf einen 2. Job angewiesen. Dabei sind die Lebenserhaltungskosten hier vergleichbar mit denen in Deutschland. Im Supermarkt sind sogar die meisten Produkte etwas teurer, da sie importiert werden müssen. So habe ich mit Verwunderung festgestellt, dass bestimmt min. 30 Prozent der Produkte einer Drogerie aus Deutschland kommen: Hygieneartikel, Kosmetika, Putzmittel, Müsliriegel, Bioprodukte…  Das Einzige was hier wirklich günstig ist, sind Brot und Brötchen beim Discounter und Bier, sowie einige regionale Gemüsesorten. Zu meiner großen Freude werden hier viele Brötchen mit Käse überbacken, daran könnte ich mich gewöhnen.

Viele Kinder gehen nach der Schule noch zu diversen Aktivitäten wie: schwimmen, tanzen, Fußball oder Klavier Unterricht und und und. Auch in der Schule werden Nachmittags AGs angeboten. Viele von Ihnen kosten Geld, und nicht gerade wenig. Auch wenn die meisten Eltern wenig Geld haben, investieren sie es gerne in die Bildung ihrer Sprösslinge. Eine gute Bildung und Erziehung ist auch deshalb besonders wichtig, da außerhalb von Bratislava die Arbeitslosigkeit sehr hoch ist. In einigen Landkreisen sagte man mir, liege sie bei 70 Prozent. Umso stolzer ist die Schulleitung darauf, dass sich diverse Lehrer bereit erklärt haben ehrenamtlich Nachmittags eine oder mehrere AGs anzubieten, welche für die Schüler kostenlos sind und auch vom Staat subventioniert werden. Zu meiner Freude habe ich festgestellt, dass es schon eine bestehende „Erste Hilfe AG“ gibt, in die ich freundlich von der veranstaltenden Lehrerin aufgenommen wurde. Im gleichen Atemzug wurde ich sogleich zur Schulkrankenschwester ernannt und man sagte mir, man würde mich jetzt immer rufen, wenn etwas passiert. Zum Glück ist bisher nichts schlimmes passiert und ich freue mich auf das erste Treffen der „Ersten Hilfe AG“.

 

 

 

Die ersten Tage: Gedächtnis der Schmerzen Mariens, EU- Gipfel, erster Schultag

Draußen stürmt es schon seit Stunden. Die Tanne vor meinem Fenster wölbt sich bedrohlich nach links und rechts. Das Wetter ist umgeschlagen, ohne Vorankündigung über Nacht. Vorgestern lag ich noch bei über 30 Grad im Bikini am See und brutzelte in der Sonne. Der See ist von einem hohen Zaun und mehreren Grünflächen umgegeben, auch eine Joggingstrecke führt um ihn herum. Er liegt direkt an der Hauptverkehrsstraße die Stadt auswärts führt und ist von dort von Jedermann gut einsehbar, weshalb mir es erst einmal komisch erschien mich dort im Bikini zu sonnen. Als ich aber die meisten slowakischen Sonnenhungrigen ebenfalls in Bademode erspähte schien mir diese Sorge unbegründet. Von unserem „Nachbarn“ auf der Wiese wurden Marvin und ich auch so gleich neugierig beäugt und zu Salzstangen eingeladen. Dass ich höflich nur Eine nahm, empfand er wiederum als unhöflich.

Auf meinen ersten Arbeitstag hier musste ich länger warten als erwartet. Wie erwähnt war letzten Donnerstag Gedächtnis der Schmerzen Mariens , früher Maria Siebenschmerzen genannt und von Wikipedia wie folgt erklärt: „Der Gedenktag der Schmerzen Mariens folgt unmittelbar auf das Fest der Kreuzerhöhung am 14. September und steht zu ihm in innerer Beziehung. Wird an Kreuzerhöhung verehrend auf das Kreuz Jesu Christi als Siegeszeichen und Baum des Lebens geblickt, so wird am Tag darauf das Mitleiden Marias als Mutter und Verkörperung der Kirche und Vorbild für alle Glaubenden gepriesen“. Viele katholische Kirchen boten Gedenkgottesdienste an.

Zufällig traf ich meine Ansprechpartnerin Frau Warganova, welche die stellvertretende Schulleiterin der Základná skola materskou skolou Za kasárnou ist, in der Straßenbahn. Das ist meine Einsatzstelle und bedeutet Grundschule Za kasárnou. Za kasárnou ist auch der Straßenname und auf dem „s“ und auf dem „n“ müsst ihr euch noch bitte umgedrehte Zirkumflexe denken, die es aber leider auf meiner Tastatur nicht gibt 😛 Sie begrüßte mich herzlich und sagte mir, dass ich auch Freitag nicht arbeiten kommen müsste, weil alle Schulen geschlossen seien. Dieses wusste ich auch schon von Wolfgang und Marvin. Nach dem Brexit sollte der erste EU-Gipfel nach über 43 Jahren ohne Großbritanien stattfinden. Für ein kleineres Land wie die Slowakei mit nur 5,4 Millionen Einwohnern und für den slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico war dies ein großes, geschichtsträchtiges Ereignis. Die komplette Innenstadt wurde abgeriegelt. Alle Geschäfte, die in Bratislava eigentlich 7 Tage die Woche von früh Morgens bis spät Abends aufhaben, wurden geschlossen und der komplette Nahverkehr still gelegt. Frau Warganova riet mir zu Hause zu bleiben, die Regierung hätte dazu im Fernsehen und im Radio aufgerufen. Auch mein Vermieter Juraij rief mich extra an um mir zusagen, dass ich lieber zu Hause bleiben solle. Es hieß man hätte Angst vor einem Anschlag. Die Straßen hier bei mir in der Neustadt und auch in der Innenstadt waren tatsächlich fast Menschen leer. Viele Slowaken waren dem Aufruf der Regierung gefolgt und über das Wochenende weggefahren.

Nach dem ich ein entspanntes Wochenende verbracht habe, durfte ich am Montag dann endlich in die Schule. Idealerweise begann dieser erste Tag für mich auch erst um 11:30 Uhr. Das Schulgrundstück ist von einem relativ hohen Zaun umgeben. Es gibt ein großes Schulgebäude, welches für die ca. 800 Schüler jedoch zu klein ist, eine Turnhalle und eine Mensa, sowie einen großzügigen Pausenhof. Geht man durch die Eingangstür, kommt man in einen Vorraum, wo es mehrere Couchen gibt. Dort können z.B. Nachmittags die Eltern warten, wenn sie ihre Sprösslinge abholen. Weiter in die Schule hinein kommt man nur mit einem elektronischen Schlüssel. Genauso wie in den Korridor, wo sich die Büros der Schulleitung befinden. Es gibt auch auf dem gesamten Gelände und auf den Fluren, jedoch nicht in den Klassenzimmern, Kameras. Dies dient zur Sicherheit, erklärte mir Frau Warganova, schließlich sei die Schule in einer gut bewohnten Gegend mit viel Publikumsverkehr.

Als ich in dem Wohnhaus meines Vermieters war fiel mir gleich auf, dass jedes Stockwerk noch einmal extra mit Metallenen Gittertüren gesichert ist. In Marvins Wohnhaus gibt es einen Concierge und auch Kameras.

Wer sich jetzt denkt, die Slowakei sei unsicher, irrt. Sie ist grundsätzlich ein sicheres Reiseland. Das Auswärtige Amt weist jedoch auf die erhöhte Diebstahlgefahr bei PKW Reisen und Kleinkriminalität in Form von Taschendiebstählen, Wagen oder Hotelzimmer Einbrüchen hin.

In der Schule angekommen wurde ich erst einmal durch das Gebäude geführt und dem Schulleiter und den „Freunden der deutschen Sprache“, dieses steht über dem Kabinett der Lehrerinnen und Lehrer die Deutsch unterrichten, vorgestellt. Man freute sich sehr, dass ich da war und ich freute mich auch.  Danach habe ich ein noch nicht veröffentlichtes deutsch Lehrbuch im Hinblick auf Rechtschreibung und Grammatik korrigiert. Dazu bekam ich einen Kaffee und eine Packung Toffifee mit der Bitte „mich ganz wie zu Hause zu fühlen und sie doch bitte alle aufzuessen“. Letzteres schaffte ich leider nicht 😛 Mein erster Schultag endete dann mit einem Mittagessen in der Mensa. In der Slowakei muss der Arbeitgeber vom Gesetz her das Mittagessen seiner Mitarbeiter subventionieren. Ich esse hier, auf Grund meiner Freiwilligkeit, wahrscheinlich kostenlos. Wofür die Schulgelder ausgegeben werden entscheiden die Eltern, erklärte mir Frau Warganova. Aber diese „seien auf meiner Seite“ und man würde bestimmt den Eigenanteil am Schulessen, welcher für Schüler bei 1 Euro und für Lehrer bei 50 Cent liegt, übernehmen. Frau Warganova sagte mir, dass In der Schulkantine mehrere Langzeitarbeitslose arbeiten und dass es in der Slowakei kein Hartz 4 oder Arbeitslosengeld geben würde. Lediglich einen Zuschuss zum Lebensunterhalt, welcher so gering sei, dass man eigentlich nicht von ihm Leben könne. Diesen Zuschuss bekommen Langzeitarbeitslose auch nur, wenn sie dafür eine bestimmte Stundenanzahl im Monat, zum Beispiel in unserer Schulkantine, ableisten. Das Kantinenessen schmeckt wirklich gut. Es gibt strenge Angaben vom Staat für das Schulessen betreffend den Nährwertgehalt. Man legt großen Wert auf gesundes, salzarmes Essen für die Kinder. So gab es diese Woche: Reisfleisch, Kartoffeln mit paniertem slowakischen Käse, Szegediner Gulasch oder Fisch mit Schinken-Käse Kruste. Traditionell gibt es in der Slowakei IMMER eine Suppe vorweg und es gibt auch immer Obst oder Rohkost als „Nachtisch“.

Am 2. Schultag lernte ich dann die Kinder kennen, zumindest Einige von Ihnen. Ich und Frau Warganova, die ich in der ersten Woche begleitet habe, hatten in einer 2., einer 3. und einer 5. Klasse Unterricht. Die Grundschule geht hier bis zur 9. Klasse und in einer Klasse sind zwischen 20 und 26 Schüler. Zuerst half ich beim Hausaufgaben kontrollieren, dann musste mir Jeder Schüler ein deutsches Lied, welches sie vorher geübt hatten, einzeln vorsingen und ich sollte entscheiden, ob Er oder Sie es gut gemacht hat. Da es natürlich alle gut gemacht haben, bekam jedes Kind einen Stempel in sein Hausaufgaben Heft. Es gibt 4 verschiedene Stempel mit z.B. einem Tier oder einem Smiley und darunter steht: Super, Ausgezeichnet… Für 5 Stempel gibt es eine 1 und wenn man die Hausaufgaben nicht gemacht hat, wird ein Stempel wieder durchgestrichen. Das Notensystem entspricht dem Deutschen, außer das es hier keine 6 gibt. Ich war sehr überrascht wie motiviert viele Schüler hier im Deutsch Unterricht sind und wie gut Einige schon Deutsch sprechen können. Nach dem wir ein par Übungen im Deutschbuch gemacht haben, endete die Stunde mit einem Lieblingsspiel der Kinder: Der, Das, Die. Auf eine der 3 Tafelseiten wird jeweils „Der“, „Das“ oder „Die“ geschrieben und 3 Kinder werden ausgewählt und stellen sich vor die Tafel. Ich habe dann gelernte Wörter aus dem Unterricht gesagt, wie: Mäppchen, Radiergummi oder Buntstift und die Kinder mussten sich dann vor die Tafel stellen, wo sie den richtigen Artikel vermuteten. Lag ein Kind falsch, musste es sich setzten und ein Anderes kam dran. Wer zuletzt übrig bleibt hat gewonnen. Artikel zu benutzen fällt den Slowaken besonders schwer, denn in der slowakischen Sprache gibt es Keine. Den restlichen Tag wurde ich dann noch verschiedenen Schülern unterschiedlicher Klassen vorgestellt, welche begabt in der deutschen Sprache sind und sich im normalen Deutsch Unterricht langweilen. Mit Ihnen sitze ich dann in der Deutschstunde auf dem Flur und lese ein Buch oder spreche über Ihre Hobbies. So werden sie weiter gefördert und stören nicht den Unterricht.

Ankommen

Es ist Mittwoch letzter Woche, 6:30 Uhr. Ich bin am Bahnhof angekommen mit 2 Koffern, Laptoptasche, Beauty Case, einem großen Rucksack und schaue auf die Anzeigetafel um mein Gleis zu finden. Da ich mich mal wieder schwer entscheiden konnte und fast alles für wichtig erachtet habe, kann ich mein Gepäck kaum tragen und komme nur sehr langsam vorwärts. Auf dem Bahnsteig stelle ich fest, dass mein Zug nach Prag jetzt schon 20 Minuten Verspätung hat… ich aber in Prag auch nur 20 Minuten zum umsteigen habe. Also wende ich mich an eine Dame von der Deutschen Bahn, welche mir verspricht, dass ich den Anschlusszug bekommen würde. Aufgrund eines fehlenden Wagons wie es jetzt heißt, hat mein Zug aber fast 1 1/2 Stunden Verspätung, wie ich eine halbe Stunde später per Lautsprecher erfahre. Wieder am Schalter bucht man mich dann auf einen anderen Zug, da ich in Prag keinen Anschluss bekommen würde. Ich kann jetzt direkt nach Bratislava fahren, muss aber bis 9:10 Uhr am Bahnhof auf ihn warten. Naja, wenigstens ist es nicht kalt.

Dieser Zug kam dann auch mit nur 20 minütiger Verspätung. Da meine Sitzplatzreservierung für 4 Euro vom ersten Zug nicht mit umgebucht wurde, dauerte es etwas bis ich einen Sitzplatz fand. Auf dem Gang im Zug lief ein Mann in Arbeitskleidung hektisch auf und ab, und werkelte an verschiedenen Sachen herum. Im Laufe der Fahrt sprach er eine Zugbegleiterin an, warum diese ihn nicht kontrollieren würde, es könne ja Jeder in Bauarbeitermontur schwarz fahren. Beim ersten Halt in Dresden wurde über die Lautsprecher ein Bundespolizei Einsatz durchgesagt, ca. 20 Minuten später führten 8 Polizisten den „Bauarbeiter“, der misslaunig und aggressiv seinen Unmut über die Situation zum Ausdruck brachte, in Handschellen nach draußen.

Wir konnten weiter fahren. Nach knapp 9 Stunden Fahrt bin ich dann in Bratislava angekommen.

Wolfgang, ein deutscher Lehrer, welcher seit einem Monat in Bratislava wohnt und an der gleichen Schule wie ich unterrichtet, holte mich netterweise ab. Wir fuhren mit der Straßenbahn, diese ist das Hauptverkehrsmittel hier, in meine neue Heimat für 6 Monate gute 20 Minuten durch die Stadt Richtung Stadtrand. In Bratislava zahlt man die Straßenbahn Minutenweise: 30 Minuten kosten 90 Cent, 15 Minuten nur 70 Cent…                                  Wolfgang bestand darauf den Großteil meines Gepäcks zu schleppen und war beeindruckt, dass ich es geschafft habe so viele Sachen alleine nach Bratislava zu hieven. Der erste Eindruck war also erstmal positiv 😛 Ich wohne in der Neustadt, einem in den letzten 50 Jahren erbauten Stadtteil; Eine bunte Mischung aus Shopping Centren, modernen Loftwohnungen, Plattenbauten und Einfamilienhäusern. Nach guten 20 Minuten Fußweg über Schotter und älteren Asphalt fanden Wolfgang und ich das Haus, in dem sich die Wohnung befindet, in der ich ein Zimmer gebucht habe. Auf mein Klingeln reagierte Niemand. Ich rief J. an, den Slowaken der mir das Zimmer vermieten wollte. Er kann sehr gut deutsch und sagte mir, ich solle hinauf in seine Wohnung gehen er selber sei nicht da, aber es wäre Jemand da der mir alles erklären würde, da ich doch woanders unterkommen müsste. Obwohl er ein sehr netter Mann zu sein schien, ich kannte ihn ja nur vom telefonieren, war mir etwas mulmig und ich war froh Wolfgang bei mir zu haben, der sich bereit erklärte mit hinein zukommen. Oben wurden wir dann von zwei Bewohnern der Wohnung in Empfang genommen, einem Slowaken und einem deutschen Urlauber. Der slowakisch sprechende Mieter bot uns gleich ein Radler an, der deutsche Urlauber wollte lieber, dass wir von ihm ein Getränk nehmen und holte eine angefangene Wasserflasche aus dem Kühlschrank. Wir bedankten uns vielmals und nahmen das Bier. Die Beiden versuchten mir jetzt zu verklickern, dass mein Zimmer aus versehen doppelt  vermietet wurde und dass ich nicht in der Wohnung bleiben könne. Der deutsche Urlauber war sehr bemüht die Situation schnell zu regeln, touchierte des Öfteren meinen Arm oder meine Schulter und sagte, dass J. Ersatz gefunden hätte für mich, ein Zimmer in einer anderen Wohnung ganz in der Nähe und dass ich gleich dorthin abgeholt werden würde. Ich fühlte mich ein wenig bedrängt. Wolfgang bot mir darauf hin an, ich könne sehr gerne bei ihm eine Nacht schlafen, falls mir das nicht „koscher“ sei. Diese Möglichkeit nahm ich gerne an, welches dem deutschen Urlauber nicht gefiel. Er sagte scheinbar ein wenig beleidigt, ich müsse da jetzt mitmachen, ich dürfte die ganze Organisation jetzt nicht über den Haufen werfen… und verabschiedete sich dann mit den Worten, er wünsche mir viel Glück, aber das Ganze sei ihm zu viel.

Ich habe mich entschieden erst einmal abzuwarten. Eine halbe Stunde später kam eine nette, freundliche Frau, welche sich mir als Vermieterin meines neuen Zimmers vorstellte. Wir liefen dann zu meiner jetzigen Wohnung, auch dahin kam Wolfgang mit. Vielen lieben Dank dafür! Die Wohnung liegt ihm Dachgeschoss und hat alles was man braucht, gemütlich eingerichtet ist sie auch noch und ich fühlte mich direkt wohl.

Am nächsten Tag kam dann J., der wirklich ein sehr netter und fürsorglicher Mann ist und erklärte mir alle Bedingungen und Zahlungsmodalitäten, da er fließend deutsch spricht. Ich bedankte mich herzlich und war sehr erleichtert und froh, dass alles gut gegangen ist.

Am folgenden Tag war Staatsfeiertag in der Slowakei: Maria Siebenschmerzen. Marvin, ein anderer Freiwilliger und ich machten mit Wolfgang eine kleine Stadtführung, der sich schon erstaunlich gut auskennt für die kürze der Zeit. Den Rest des Tages verbrachten Marvin und ich am Kochajder See, einem Naherholungsgebiet ein par Straßen von unseren Wohnungen entfernt.

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