Natürlich hab ich mich noch nicht eingelebt

Dieser Blog-Eintrag soll eine Antwort auf die viel gestellte Frage „Hast du dich schon eingelebt?“ oder auch die Variation „Ich hoffe du hast dich gut eingelebt“ sein. Ich habe das bis jetzt immer mit „Na klar, mir geht’s super“ beantwortet. Aber was bedeutet eigentlich eingelebt?

Also für mich bedeutet das, seinen Rhythmus gefunden zu haben, den Ort an dem man ist mit jedem neuen Erlebnis und jeder neuen Erfahrung, Stück für Stück zu „seinem“ Ort machen. Das braucht beides sehr viel Zeit und kann nicht in 3 Wochen passieren. Es kommen halt wirklich jeden Tag so viele neue Dinge dazu, ich staune immer noch täglich über die eng aneinander gedrängten, weißen Häuser, die ganzen Berge und die Mentalität der Menschen – die ganze Stadt an sich. Die Namen der Lehrer*innen und Schüler*innen in der Schule zu kennen, Straßennamen zu kennen, zu wissen, wo man am besten feiern gehen kann und in welcher Bäckerei es die beste Huminta (Gebäck aus Mais und Käse, was aber irgendwie auch so leicht süßlich ist) gibt. Das alles gehört für mich zum einleben dazu. Ach ja und zu wissen wie die Waschmaschine funktioniert… Außerdem gehört auch dazu, das Jetlag überwunden zu haben und mit der Höhe klarzukommen, Spanisch zu lernen, sich einfach an die so anderen Lebensumstände zu gewöhnen. Ne ganze Menge!

Das soll auf keinen Fall heißen, dass ich mich hier nicht wohl fühle. Ich genieße alles mir Fremde und freue mich über jede Sache, die für mich langsam zum Alltag wird. Das ist alles ein Prozess, in dem ich mitten drin bin. Ich habe mich halt noch nicht eingelebt. Und das ist absolut nichts Schlimmes.

Plaza de la Recoleta. Nur 100m von meiner Haustür und jeden Morgen auf meinem Schulweg :)

 

Neben der Schulwoche (über die ich auch bald mehr berichte) sind Ausflüge immer eine tolle Abwechslung. Vor ein paar Tagen bin ich mit ein paar anderen Freiwilligen nach Cajamarca gefahren. Mit dem Micro (Bus) und einem Taxi ging es über unbefestigte Straßen (das klingt noch viel zu gut für diese Piste…) und durch dichten Wald in das 500m höher gelegene Centro Ecológico Juvenil. Das war wie ein kleiner Ausflug in die Alpen, da mich die Landschaft sehr daran erinnert hat. 

Wir haben jedoch nicht nur in die Gegend geschaut, sondern uns auch an dem dort stattfindenden Projekt beteiligt. Seit den 90ern werden hier Pinus (Kiefern) angepflanzt. Diese Bäume machen den Boden zwar sauer, halten jedoch auch Wasser darin. Das Resultat ist, dass aus dem ehemals steinigen Boden richtig fruchtbarer Waldboden mit Humus und so geworden ist! Wir sind also einfach mit unseren Bäumchen losgestapft und haben auf dem Gebiet passenden Stellen gesucht. Dabei ist es wichtig, dass die Bäume mindestens 3 Schritte auseinanderstehen und gerade sind, damit sie gut wachsen können. Kurz nachdem wir fertig waren hat es richtig überraschend und stark angefangen zu gewittern und zu regnen. Was für ein guter Start für die kleinen Bäume! Danach haben wir selbst in der urigen Küche gekocht (Milchreis mmmmh..) und ganz viel über Sprache geredet: Streichhölzchenschächtelchen ist wohl das Wort des Ausflugs :D

Mein erster kleiner frisch-gepflanzter Pinus. Im Hintergrund die Großen.

Falls es euch interessiert und ihr Lust habt, euch zu beteiligen und das Projekt zu unterstützen, könnt ihr hier weitere Infos dazu finden: 

http://www.cajamarca-bolivien.de/ 

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