Langeweile? Gibt’s hier nicht!

Jetzt ist es mittlerweile schon wieder einen halben Monat her, seit ich das letzte Mal etwas geschrieben habe. Und dabei ist mein Alltag doch so entspannt und ich habe kaum etwas zu tun. Jedenfalls unter der Woche. Meine Wochenenden sehen da ganz anders aus und in den letzten drei Wochen war ich gefühlt mehr unterwegs als daheim. Denn den Freitag nach meinem letzten Eintrag stand ein Projekttreffen mit allen Freiwilligen in Belarus im Goethe-Institut in Minsk an. Netterweise hatte uns das GI zwei Übernachtungen in unserem Stamm-Hostel in Minsk gebucht, weshalb wir alle schon Donnerstag anreisen und bis Samstag in Minsk bleiben würden. Daraufhin hat uns Marina, eine Mitarbeiterin vom GI, in ihren Deutschkurs dort eingeladen, da ihre Schüler gerne einmal mit Muttersprachlern reden würden. Ich war die einzige die konnte, da die anderen erst später ankommen würden. Deshalb habe ich mich Donnerstag zunächst alleine auf den Weg gemacht und war schon gegen Mittag in Minsk. Bis ich im GI sein sollte hatte ich noch etwas Zeit, deshalb habe ich direkt vom Bahnhof aus meine Sightseeing-Tour gestartet: Independence Square, Church of Saints Simon and Helena und das Museum of History and Culture. Dort habe ich auch meine erste Erfahrung mit einer Virtual Reality Brille gemacht und einen Koran gesehen, den Erdogan der Republik Belarus geschenkt hat.

Bei meinem Weg durch die Stadt habe ich mich schon gewundert, warum ich auf einmal so viele Leute verstehe und warum so viele Touris unterwegs waren. Dann habe ich auch noch ein paar Leute mit 1. FC Köln Jacken gesehen, die mit einem Kölner Kuscheltier-Geißbock Bilder gemacht haben und war vollends verwirrt, bis ich im Hostel noch mehr Deutsche getroffen haben, die mich gefragt haben, ob ich auch zum Spiel gehen würden – einmal googlen später war ich dann endlich aufgeklärt. Am Abend hat Köln gegen BATE Baryssau gespielt, daher die Fanmassen. Auf dem Weg zum GI habe ich auch noch die Shuttle-Busse zum Spiel gesehen und war schon versucht einfach einzusteigen 😀

Am Abend haben wir in den unzähligen Bars und Kneipen auch noch viele enttäuschte Kölner gesehen, die mit Alkohol versucht haben, ihren Frust zu bekämpfen….

Freitagabend hat sich unsere Gruppe dann geteilt. Die einen sind wieder feiern gegangen und die anderen haben sich mit unserer Zugbekanntschaft, einer netten Studentin, getroffen und Minsk bei Nacht erkundet. Bevor ich mich am Samstag gemeinsam mit Roman, Amelie und Tanja auf den Weg nach Baranowitschi gemacht habe, bin ich mit Henrieke noch zum Museum des 2. Weltkriegs gegangen, wo wir wieder einen Kölner Fan getroffen haben, den wir im Hostel kennengelernt hatten. Das Museum, das von außen schon sehr beeindruckend und definitiv ein lohnenswerter Anblick ist, war echt schön gemacht und es war sehr interessnt, sich die Ausstellung anzusehen. Auf dem Weg zum Treffpunkt mit den anderen haben wir noch einen Zwischenstop in dem großen Shoppingcenter dort gemacht und kamen in den Genuss einer Modenschau. Zwischendurch wurden jede Menge Sachen verschenkt, weshalb sich das Ganze ziemlich in die Länge gezogen hat. Deshalb sind wir erstmal was essen gegangen und haben danach die zweite Runde der Modenschau mitgenommen. Natürlich konnten wir es nicht unterlassen, die Schönheit und Tauglichkeit der Kleidung im Alltag zu bewundern *hust* nicht *hust*. Wir hatten jedenfalls unseren Spaß 😀  Später haben wir uns dann mit den anderen auf einem Design-Markt getroffen, wo viele Designer ihre neuen Kreationen angeboten haben. Leider waren diese größtenteils nicht wirklich in unserer Preisklasse, deshalb haben wir uns auf „Window-Shopping“ beschränkt. Anschließend gibg es dann in Tanjas Auto nach Baranowitschi. Dort hat sie uns am Hotel abgesetzt und wir haben den Abend gemmütlich bei einem Italiener mit günstigen Cocktails ausklingen lassen. Im Hostel sind wir dann irgendwie auf das Thema Quizduell gekommen, was dazu geführt hat, dass wir uns erstmal gegenseitig gebattelt haben. Am Sonntag fand ein Jahrmarkt in der Bibliothek statt, bei dem Handwerker und Künstler ihre Produkte ausgestellt und zum Verkauf angeboten haben. Die anderen und ich waren von den angebotenen Sachen begeistert und Amelie und ich haben uns direkt in den ganzen Schmuck verliebt. Im Vergleich zu Deutschland sind die handgemachten Schmuckstücke und Spielzeuge etc. wirklich günstig, weshalb wir direkt mit dem Weihanchtseinkauf angefangen haben und an fast jedem Stand etwas gekauft haben. Bevor unsere Marschrutka nach Minsk losgefahren ist, hatten wir noch Zeit, also sind wir zu dritt in die Stadt und haben uns für die Rückfahrt mit Hotdogs und anderem Fastfood gestärkt. Mit etwas Glück und zwei gestammelten Telefonaten auf Russisch meinerseits mit dem Marschrutkafahrer haben wir es anschließend sogar in die Marschrutka und nach Hause geschafft.

Zurück daheim ging es an die Vorbereitungen für unser Seminar in Gomel: Weihnachten in Deutschland, für das wir bis dahin wenig bis gar nichts vorbereitet hatten. Die Zeit drängte ein wenig, Mittwoch ging bereits unser Zug. Also einmal Vollgas geben und wirklich arbeiten – was wir hier ja sonst gar nicht gewöhnt sind – und schon hatten wir alles vorbereitet. Ich habe mich sogar in die Küche gestellt und die einzigen Plätzchen gebacken, die man ohne Backofen backen kann: Schokocrossies! Und auf einmal war der Mittwoch schon da und unsere erste Fahrt mit dem Zug stand an. Weil wir unseren eigentlichen Zug verpasst hatten, war noch Zeit für eine kleine Stärkung bei Burger King, bevor der Zug abgefahren ist. Das sollte von da an auch unser Zugfahrritual werden. Jedesmal, wenn wir von Minsk mit dem Zug fahren oder dort mit dem Zug ankommen, gehts zu Burger King. Jedenfalls, wenn Zeit und Hunger da ist (bis jetzt hat es immer geklappt). In Gomel angekommen war es dann schon später Abend und wir hatten wir direkt Schwierigkeiten unser Studentenwohnheim zu finden. Auf dem Weg dorthin haben wir uns völlig verfahren, bis sich ein netter Marschrutkafahrer erbarmt hat und uns bis vor die Tür gebracht hat. Insgesamt haben wir bestimmt 2-3 Stunden vom Bahnhof zum Studentenwohnheim gebraucht. Und das nur, weil wir nicht wussten, dass es anscheinend zwei Busse mit derselben Nummer gibt: Einen mit Oberleitung und einen ohne. Und bei unserem Glück haben wir natürlich den falschen erwischt. Am Donnertag konnten wir gemütlich ausschlafen und mit einem kleinen Brunch in den Tag starten, ehe am Nachmittag die Veanstaltung los ging – ganz entspannt mit einer Führung durch die örtliche Schokoladenfabrik Spartak und anschließender Verköstigung 😛

Beim Abendessen haben wir das erste Mal die Studenten getroffen und beim Tanzkurs direkt erste Kontakte geknüpft. Am Freitag hatten wir morgens hohen Besuch: Der deutsche Botschafter war angereist, um mit ein paar Studenten eine Podiumsdiskussion zum Thema Reformation durchzuführen. Nachmittags standen die Seminare an und ich konnte anderthalb Stunden über eines meiner Lieblingsthemen reden: Weihnachten! Es hat wirklich viel Spaß gemacht und die Studenten waren auch alle super drauf und haben toll mitgearbeitet. Am Ende haben wir uns wie Promis gefühlt, weil alle ein Foto mit uns machen wollten 😀 Es war wirklich eine tolle Erfahrung! Danke an dieser Stelle auch an den Daad für die Einladung 🙂

Abends haben wir noch bei der Vorbereitung von zwei anderen Seminaren geholfen und den Abend entspannt in der Sauna des Hotels ausklingen lassen, in dem die Lektoren untergebracht waren (nächstes Mal will ich da auch hin). Auch der Samstag verging wie im Flug, wir hatten sehr viel Spaß (auch wenn ich immer noch nicht so richtig fassen kann, dass wir wirkklich das Fliegerlied mit den Studenten getanzt haben #aktuelledeutschsprachigeMusik) und am Abend fand bereits die Abschiedsveranstaltung statt, bei der die Studenten in Kleingruppen ihre Interpretationen zu bekannten deutschen Märchen vorgeführt haben – Lachtränen garantiert! Nachdem wir dort schon etwas mit ein paar Studenten vorgeglüht hatten – der Vodka lässt grüßen – sind wir noch mit zum Hotel und dort in der Bar, ging die Party dann weiter. Irgenwann sind wir dann mit der ganzen Gruppe zurück zum Wohnheim gelaufen, eigentlich war es schon fast ein Wunder, dass wir unterwegs niemanden verloren haben. Sonntag war dann schon der letzte Tag und für die Studenten endete der Tag mit einer Deutschlandrallye, bei der wir jeweils eine Station betreuten. Für uns hieß es Zeug zusammenpacken, Geschenk- und Zertifikatübergabe, noch ein paar letzte Bilder machen, Kontaktdaten tauschen und ab in den Zug Richtung Heimat.

Dort hatten die Ferien angefangen, sodass wir in der Schule nichts zu tun hatten. Nur Donnerstagmorgen haben wir mit ein paar wenigen interessierten Schülern Pünktchen und Anton geschaut. Für uns war das aber kein Problem, denn Amelies Großeltern waren von Montag bis Freitag zu Besuch und so hatten wir viel Zeit, um etwas mit ihnen zu unternehmen. Wir sind viel essen gegangen und haben alle guten Cafés abgeklappert. In der Woche hat es außerdem zum zweiten Mal geschneit, das erste Mal war in Gomel, aber es ist noch zu warm, weshalb der Schnee nicht liegen bleibt.

Leider sind in der Woche auch einige Probleme bezüglich unseres Visums und unserer Aufenthaltsgenehmigung aufgetreten. Unsere Unterlagen waren in Minsk gelandet und der Leiter der Behörde dort war der Meinung, sich querstellen zu müssen. Nach einigem Hin und Her wurde von uns gefordert, eine Arbeitserlaubnis zu beantragen, würden wir dies nicht tun, müssten wir nach Ablauf unseres jetzigen Visums ausreisen. Allerdings ist es für uns rein rechtlich nicht möglich, eine Arbeitserlaubnis zu erhalten, da wir nur Freiwillige und keine Lehrer sind. Als weder das Migrationsamt in Maladetschna noch Olga weiterkamen, haben wir uns ans Goethe-Institut gewandt und das Problem erklärt. Tanja hat uns gleich versichert, dass sie sich zusammen mit der Botschaft darum kümmern würde und ein Unterstützungsschreiben hinschicken wird, damit es möglichst schell funktioniert. Diesen Freitag wollten wir nämlich eigentlich mit den anderen Freiwlligen in die Ukraine zum Zwischenseminar fahren. Ohne Visum wird das aber nichts, weil wir dann nicht mehr zurück kommen. Deshalb heißt es für uns jetzt nur noch Hoffen und Bangen, dass es klappt. Um uns von diesen Problemen abzulenken, sind wir Samstag, einen Tag später als geplant, nach Orscha gefaren, wo wir zusammen mit den anderen Freiwilligen eine Datscha gemietet hatten. Von den drei anderen, die schon da waren, wurden wir enthusiastisch mit einer eigens eingeübten Choreographie begrüßt. Dort haben wir jede Nacht gefeiert und waren Sonntag an der frischen Luft wandern. Als wir nach zwei Stunden aber immer noch keinen Wanderweg gefunden hatten, sind wir aber umgedreht. Und obwohl alles noch so schön war, gab es dann in der Hütte doch einige ungewollte Besucher. So hatten wir im Bad nicht nur  eine fette Spinne, sondern auch einen großen Schmetterling und eine Maus. Das war mir dann doch zuviel des Guten, weshalb ich diesen Raum so gut es ging gemieden habe und im nüchternen Zustand am liebsten gar nicht alleine aufgesucht hätte… In unserer zweiten Nacht gab es aber noch einen Besucher, der nicht ganz so erwünscht war. Einer der Studenten von dem Seminar in Gomel hatte einen eher größeren als kleineren Crush auf Amelie entwickelt und wollte sie unbedingt wiedersehen. Irgendwie hat er unsere Adresse herausgefunden und ist einfach mal so nachts gegen zwölf losgefahren und stand dann vor unserer Tür, weil er Amelie sehen wollte, obwohl ihm drei Leute gesagt haben, dass er nicht kommen soll. Hat nicht so geklappt. Da waren wir also, nachts, es ging schon auf zwei Uhr zu, mit einem Jungen vor der Tür, der da nicht hingehörte. Irgendwann hat er dann zum Glück auf unsere Bitten reagiert und ist wieder weggefahren – trotzdem hat Amelie nochmal nachgeguckt, damit wir alle beruhigt schlafen konnten, naja manche mehr und manche weniger.  Trotz allem war es aber trotzdem ein geiles Wochenende und wir hatten viel Spaß zusammen, haben viel geredet und gelacht. Das hat definitiv Wiederholungsbedarf! Montag ging es für alle zurück nach Hause und weil wir heute noch einen Feiertag hatten, konnten wir noch einmal ausschlafen, bevor wir morgen wieder in die Schule müssen.

 

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