Und das Leben nimmt seinen Lauf…

Wie ich im letzten Beitrag angekündigt hatte, habe ich ich nach meinem Russischunterricht auf die Suche nach einem funktionierenden Livestream für das Quali-Spiel gemacht. Dank den Tipps einiger darin erfahrenen Leute wurde ich sehr schnell fündig und konnte den Fußballabend ganz entspannt – natürlich mit Chips und Cola – genießen.

Am Freitag bin ich dann auf gut Glück einfach mal in die Schule und habe, oh Wunder, den Raum gefunden, in dem die Vertretungsstunde stattfand. Da die Lehrerin allerdings nicht wusste, dass ich kommen würde, saß ich die gesamte Stunde nur nutzlos herum und habe mich irgendwann mit Russischlernen beschäftigt. Am Wochenende lief auch nicht viel mehr. Wir haben uns mit einem Mädchen getroffen, sind ein wenig durch die Stadt gelaufen und haben etwas gegessen. Sonntagmorgen stand noch einmal Russischunterricht an, den restlichen Tag habe ich recht wenig gemacht. Abends konnte ich Amelie davon überzeugen zusammen mit mir das letzte Quali-Spiel zu gucken, diesmal war ich mich Chips und Bier ausgestattet und habe mich gleich etwas heimisch gefühlt, vor allem, da ich es geschafft habe, den Verlauf des Spiels ziemlich genau vorherzusagen.

Begleitet von diesem Glücksgefühl bin ich auch am nächsten Morgen aufgestanden und optimistisch zur Schule gegangen, um zu sehen, ob es vielleicht etwas Arbeit für mich gibt. Da dies leider nicht der Fall war, habe ich diesen Tag, wie eigentlich die ganze folgende Woche nur gammelnd verbracht, denn unsere Ansprechperson hat sich immer noch um ihre kranke Tochter gekümmert und so hingen auch keine neue Listen aus, in die die Lehrer sich hätten eintragen können. Daher habe ich einen neuen Rekord für die wenigsten Stunden Unterricht in der Woche aufgestellt: Eine Stunde.

Trotzdem war die Woche recht ereignisreich. Am Dienstag fand ein landesweites Diktat des DAAD statt, welches Amelie und ich hier in Maladetschna durchführen und auch korrigieren durften. Außerdem haben wir bei den Theaterproben für das PASCH-Theaterfestival in Minsk am Samstag mitgeholfen. Eigentlich waren fünf Probentermine festgelegt, zwei sind jedoch ausgefallen. Netterweise hatte uns keiner Bescheid gesagt, weshalb wir uns zwei Morgende für nichts um acht Uhr in die Schule geschleppt haben. Danke dafür!

Freitag stand meine einzige Stunde die Woche an, in einer fünften Klasse. Der Plan der Lehrerin war, dass ich die ganze Stunde allein halte, während sie Hefte korrigiert. Dieser Plan ist allerdings daran gescheitert, dass die Kinder noch nicht gut genug Deutsch können, um alles zu verstehen, und dass mein Russisch zu schlecht ist, um alles auf Russisch zu erklären. Trotzdem hat es viel Spaß gemacht, denn obwohl die Kinder etwas laut waren und ihr Verhalten nicht perfekt war, haben sie doch gut mitgearbeitet und mir viele Fragen gestellt. Die Lehrerin sah das anscheinend nicht so, denn sie hat die Kinder am Ende der Stunde etwas angemeckert und für ihr Verhalten getadelt, vorausgesetzt, ich habe das richtig verstanden. Jedenfalls haben mir danach zwei Kinder Bonbons geschenkt und ein Mädchen hat mir einen Zettel gegeben, auf das es ein Herz gemalt hatte. Ein anderer Junge meinte, dass er mir gerne etwas schenken möchte, aber gerade nichts hat und mir dann die nächste Woche etwas geben würden. Das ganze hat mich etwas überrumpelt und ich habe ihm auch gesagt, dass das nicht nötig ist und dachte, dass das Thema damit erledigt ist. Diesen Montag kam er dann auf einmal ins Lehrerzimmer und hat mir etwas gegeben, womit ich natürlich gar nicht mehr gerechnet hatte. Nach kurzer Inspektion habe ich dann herausgefunden, um was es sich handelt und kann hier stolz verkünden, dass ich nun Besitzerin eines Eishockey Pucks bin!

Samstag stand dann das Theaterfestival in Minsk an. Kurz nach sieben (Warum bloß immer so früh?!) haben wir uns am Bahnhof getroffen und sind gemeinsam losgefahren. Meine einzige Aufgabe bestand eigentlich darin, Bilder vom Auftritt zu machen und gemeinsam mit den anderen Freiwilligen die Pausenbespaßung zu übernehmen.

Nachdem jede Schule ihr Stück noch einmal geprobt hatte und wir ein gemeinsames Mittagessen genossen haben, ging es dann los. Unser Stück war im Vergleich zu manchen anderen Stücken doch sehr gut. So wurde zum Beispiel bei „Das tapfere Schneiderlein“ an einer Stelle das Lied „Was wollen wir trinken, sieben Tage lang“ eingespielt, wo ich mir nicht sicher bin, ob der Lehrerin die Bedeutung oder der Inhalt des Liedes klar ist. Wir Freiwilligen hatten jedenfalls unseren Spaß ;P                                          Hier ein paar Eindrücke:

Na, wer erkennt das Stück, das wir aufgeführt haben? 😀

 

Die Pausenunterhaltung lief leider genauso schleppend an, weil die Kinder aufgrund ihrer mangelnden Deutschkenntnisse das erste Spiel nicht verstanden haben. Aber man lernt ja aus seinen Fehlern, daher haben wir nach zwei erfolglosen Versuchen einfach ein Bewegungslied vorgesungen und getanzt, was viel schneller und vor allem ohne große Erklärung funktioniert hat (Merkt euch: Big fat pony geht immer und macht super viel Spaß!).

Über Nacht hatten wir spontanerweise noch eine andere Freiwillige bei uns und haben gleich zwei neue Bekanntschaften gemacht. Im Zug haben wir eine Studentin aus Minsk kennengelernt, die gerade Deutsch lernt und für zwei Jahre in Deutschland studieren möchte und beim Abendessen noch eine Lehrerin vom College, die Deutsch unterrichtet und Praxiserfahrung braucht. Das kuriose an der Sache war: Die Deutschlehrerin wollte ihre Begleitung einfach am Nebentisch sitzenlassen und zu uns kommen, nett wie wir sind, haben wir ihn aber auch eingeladen.

Sonntagmorgen hatte ich wieder eine Russischstunde und habe anschließend die Freiwillige noch zur Marschrutka gebracht und verabschiedet. Da mein Datenvolumen fürs Handy zur Neige gegangen ist, habe ich auf dem Rückweg noch einen Abstecher in den Telefonladen gemacht, wo ich wieder einen neuen Mitarbeiter angetroffen habe, dem ich erneut erklären musste, was ich wollte und dass ich kein Tourist bin. Nach einigen Startschwierigkeiten und auch Hilfsversuchen netter anderer Kunden hat es dann aber geklappt und ich bin für die nächsten Ausflüge gerüstet, bei denen ich mich wahrscheinlich wieder per Google Maps navigieren muss 😀

In dieser Woche war noch nicht viel los. Der Alltag ist wieder eingekehrt und ich hatte jeden Tag 1-2 Stunden Unterricht. Ab Morgen wird es dann wieder etwas spannender, aber dazu nächstes Mal mehr.

Hier noch ein paar Impressionen von meinem Herbstspaziergang durch den Park heute, der momentan einfach traumhaft schön ist, wie ich finde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.