Halbzeit (also eigentlich schon kurz danach…)

Knapp über die Hälfte meines Freiwilligendienstes ist jetzt vorbei. In den letzten Tagen war ich auf dem Zwischenseminar in Polen und in Berlin um ein neues Visum zu beantragen.

Mit der „Halbzeit“ meiner Zeit in Russland ändert sich auch einiges an meinen Aufgaben. Anfang Juni haben auch schon die langen Sommerferien angefangen, in denen ich in der Schule auf Sprachlagern mit Schülern aus unterschiedlichen Klassen arbeiten werde und vielleicht die ein oder andere Stunde bei anderen Projekten helfe, was ich noch genau planen muss, wenn ich wieder in Perm bin. Im Juli reise ich in den südwesten, ans Schwarze Meer und in einige Städte, die zwischen dem Meer und Perm liegen. Und bis zu meiner Ausreise im August helfe ich wieder auf einem Sprachlager für die Schüler der Unterstufe.

Das Seminar war großartig! Ich habe es unglaublich genossen mich mit den anderen Freiwilligen auszutauschen und die Sonne und Wärme aufzusaugen. Es ist wirklich erstaunlich, wie individuell unsere Einsatzstellen doch sind und wie jeder Freiwillige in einer unterschiedlichen Situation ist. Ich will mich ganz herzlich bei meinen Freunden und Mitfreiwilligen bedanken, von und mit denen mir die ein oder andere Idee gekommen ist und auf die ich mich beim Nachbereitungsseminar freue! Und das Essen in der Villa Greta war super lecker!! 😉

Polnische Landschaft

In der Schule gab es für mich in letzter Zeit nicht unglaublich viel zu tun. Die meisten Klassen haben sich auf die Prüfungen vorbereitet, deshalb war ich immer wieder froh, wenn ich ein bisschen Abwechslung hatte. Im April war ich ein paar Tage in Moskau – eine unglaublich schöne Stadt, wenn auch sehr touristisch. Ich bin sehr gespannt, auf die anderen Städte, die ich im Juli besuchen werde. Russland ist durch seine Größe, Geschichte und Einflüsse ziemlich vielfältig, und auch, wenn es nicht super leicht ist, ein Visum zu bekommen, kann ich nur jedem empfehlen, das Land mal zu besuchen.

Im Mai waren viele Prüfungen und bei einigen der Deutschprüfungen war ich dabei. Die meisten Schüler haben mit Bravour bestanden, bei einigen fasst man sich dann doch mal an den Kopf, weil sie den gleichen Fehler machen, der schon tausendmal korrigiert wurde. Ich bewundere die Lehrer*innen, die deshalb nicht verzweifeln und unendlich viel Geduld haben!

An einem Nachmittag im Mai durfte ich bei einer Deutsch-Olympiade in der Agrartechnischen Universität in der Jury sitzen. Auch wenn es etwas komisch war, dass ich die Studenten, die älter sind als ich, benoten sollte, hat es Spaß gemacht und war spannend zu sehen, wie gut einige Deutsch sprechen. Allgemein gibt es ziemlich viele Russinnen und Russen, die Deutsch lernen, oft sogar mit dem Ziel in Deutschland zu studieren oder zu arbeiten.

Ich habe auch endlich meinen Sprachkurs angefangen, der mir super viel Spaß macht. Russisch ist zwar durch seine Grammatik ziemlich kompliziert, aber ich finde, es ist eine sehr schöne Sprache. Ich spreche zwar in der Schule und in der Gastfamilie fast nur Deutsch und bin nicht wirklich darauf angewiesen, Russisch zu sprechen, aber es ist doch ziemlich cool, zu verstehen dass die Sitznachbarn im Bus über ihre Katzen reden oder dass beim Tanzen mein Bein und Fuß eine gerade Linie sein sollen und über was man eben sonst so spricht. 😀

Und nun: das Wetter.

In Perm ist endlich auch mal Frühling! Der Schnee ist seit Anfang Mai komplett geschmolzen und zeitweise war auch das Wetter ziemlich gut. Ihr könnt euch kaum vorstellen, wie sehr ich mich gefreut habe, als man das erste Grün auf den Wiesen und in den Bäumen gesehen hat. Allerdings gibt es immer noch Phasen, in denen es ziemlich eklig regnerisch-kalt ist. Die Schneeschmelze war auch kein Strandspaziergang; es war überall matschig, nass und grau. Ich bin gespannt wie die Temperaturen jetzt im Sommer so sind.

In zwei Tagen beginnt die Fußball WM, bei der Russland diesmal der Gastgeber ist, allerdings merkt man hier lange nicht so viel davon, wie in der Fußballnation Deutschland. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie viel ich hier davon mitbekomme. 🙂

Alter Wasserturm in der Nähe vom Hafen

Hängemattensandwich! 🙂

 

Привет Пермь! [prʲɪvʲˈet pʲˈermʲ]

Hallöchen!

Endlich melde ich mich mal wieder.

Inzwischen bin ich schon eine ganze Weile hier und das Gefühl in der Fremde zu sein hat sich gelegt, ich habe mich also gut eingelebt. Hier ein paar Basics:

Die Schule

Die „Schule Nummer 12 mit erweitertem Deutschunterricht“ liegt nicht weit vom Perner Stadtzentrum. Das Schulgebäude wurde vor einigen Jahren renoviert und um einen Veranstaltungssaal und eine Sporthalle erweitert; es ist also sehr modern eingerichtet. Von der ersten bis zur elften Klasse lernen die Schüler Deutsch und legen dabei verschiedene Prüfungen ab: Das „Sternespiel“ (4. Klasse), eine Zwischenprüfung (7. Klasse) nach der die Schüler in neue Gruppen eingeteilt werden, das DSD I und das DSD II (9. bzw. 11. Klasse). Mit dem DSD II erreichen die Schüler das Sprachniveau B2 oder C1 im europäischen Referenzrahmen und können in Deutschland studieren. An der Schule gibt es etwa zehn Deutschlehrerinnen (ja, im Moment nur Frauen), darunter eine Muttersprachlerin.

Quelle: www.pasch-net.de/de/par/spo/eur/ruf/3344863.html

Die Stadt

Perm ist etwa 300 Jahre alt, die drittgrößte Stadt Russlands (flächenmäßig), hat ca 1 Million Einwohner, verfügt über einen Flughafen, einen Fernbahnhof, an dem die Transsibirische Eisenbahn hält, mehrere Museen, ein weltbkanntes Ballet einen Zoo („unser Schmach und Schande“ laut einer der Deutschlehrerinnen), hat durch die Kama, die in die Wolga mündet, die in das Kaspische Meer mündet einen Frachtschiffsanschluss und sonst noch so einiges Interessantes, das ich aber nicht hier aufzählen werde.

Die Kama (20. März)

Komsomol`skaya Ploshchad` in der Nähe der Schule

Permer Ballett- und Opernhaus

Blick aus meinem Zimmerfenster

Das Wetter:

Noch ist es nicht ganz Frühling, aber in den kommenden Tagen wird sich das wahrscheinlich ändern. Als ich Mitte März hier angekommen bin, war zumindest noch Winter; überall, wo nicht ständig Autos fuhren, lag Schnee und es gab hin und wieder neuen. Schnee in einer Großstadt, der mehrere Monate liegen bleibt ist aber nicht der schöne, unberührte weiße Schnee, den wir aus Deutschland kennen, wenn wir in die Natur fahren. Es ist von Abgasen und Dreck verschmutzter Schnee, der in großen Haufen an den Fahrbahnrändern liegt. Jetzt schmilzt er, das bedeutet, alles ist nass und das Wasser läuft von den Dächern und durch die Straßen und sammelt sich dann in großen Pfützen.

In den letzten Tagen kam häufiger die Sonne zum Vorschein und damit kommen auch mehr Menschen auf die Straßen und genießen die warmen Strahlen nach dem langen Winter.

Meine Aufgaben:

Nach fast einem Monat bin ich relativ gut mit den Abläufen in der Schule und den Deutschlehrerinnen vertraut. Einen Großteil der Zeit hosptiere ich im Deutschunterricht in verschiedenen Klassen und helfe den Lehrerinnen vor allem bei mündlichen Teilen dadurch, dass ich Fragen zu bestimmten Themen stelle oder beantworte, Texte vorlese oder Präsentationen von Schülern anhöre und Fehler korrigiere. Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich bei manchen Ausdrucks-, Formulations- oder Grammatikfragen selbst die richtige Antwort nicht weiß.

In der letzten Märzwoche war das Sprachlager „Siegfried“ für die zweite und dritte Klasse in der Schule, bei dem ich geholfen habe. Jeden Tag haben eine Deutschlehrerin und ich eine Einheit Deutschunterricht gemacht, danach haben wir einen Ausflug gemacht und zurück in der Schule noch etwas gebastelt.

Gestern war der Regionalwettbewerb der „Lesefüchse International“ an unserer Schule. Einige Schüler*innen der 9. bis 11. Klasse aus PASCH Schulen aus der Region Ural haben drei deutsche Bücher gelesen und mussten in einer Diskussionsrunde Thesen dazu hinterfragen oder diesen zustimmen und erklären, wie diese zu den Büchern passen. Es waren sieben Teilnehmer*innen, die Sieger*innen von den einzelnen Schulen, dabei. Ich freue mich für die Gewinnerin, die Teilnehmerin von unserer Schule, die bald zum Landesfinale fahren darf.

Außerdem konnte ich die ZfA-Fachangestellte (sie koordiniert die PASCH Schulen der Region) aus Jekaterinenburg, eine Mitarbeiterin des Deutschen Konsulats in Jekaterinenburg, die Vorsitzende des Deutschen Lesesaals der Gorki-Bibliothek Perm und natürlich Schüler* innen und Lehrer* innen der PASCH Schulen der Region kennenlernen.

Nach dem eigentlichen Wettbewerb gab es ein kurzes Programm, bei dem die Siegerehrung stattfand und Schüler aus drei Klassenetwas aufgeführt haben. Danach habe ich noch an einem Mittagessen mit den Teilnehmer* innen und Gästen und einer kleinen Stadtrundfahrt mit einigen Teilnehmer* innen und ihren Begleiter* innen teilgenommen. Es war alles in allem ein sehr schöner Tag. 🙂

Freizeit:

Natürlich bin ich nicht 24/7 in der Schule. Dank meiner Gastmutter, einer Nachbarin und einer der Deutschlehrerin habe ich außerhalb der Schule Kontakt zu einigen Gleichaltrigen. Meine Gastmutter hat mit mir relativ schnell eine Tanzgruppe gefunden. Trotz Sprachbarriere verstehe ich mich gut mit den Mädels (wir reden eine Mischung aus Deutsch, Englisch und Russisch) und es tut mir gut, Sport zu machen und fit zu bleiben. Außerdem habe ich dank der neuen Kontakte schon eine private Stadtführung gehabt und einige Museen, Cafés, Sehenswürdigkeiten, ein Basketballspiel und viele interessante Plätze in der Stadt sehen können.

Jeden Tag merke ich wie dankbar ich sein kann, hier zu sein und ich bin neulich an dem Punkt angekommen, an dem ich gemerkt habe, dass das jetzt mein zuhause für die nächsten Monate ist und dass ich mich hier glücklicherweise extrem wohl fühle.

 

 

Ich packe meinen Koffer…

Hallöchen Zusammen!

So sieht also der Anfang aus.

Natürlich gibt es so einiges, das ich mitnehme, schließlich habe ich für ein halbes Jahr ein anderes Zuhause. Ich habe Klamotten, Schuhe, ein paar meiner lieben Nagellacke, ein paar meiner lieben Bücher und anderes Zeug, das man (frau!) eben braucht, eingepackt. Einen kleinen Einblick in die Dinge, die sich tatsächlich in meinem Koffer befinden, seht ihr hier:

 

Genau so wichtig, oder vielleicht noch wichtiger, wie die Dinge, die man mit nimmt, sind für mich die, die man zurück lässt. Familie, Freunde, einen Freund, Bücher, Klamotten, die nicht zum Wetter gepasst hätten, so schön sie auch sind und eine Menge anderes Zeug, das eben nicht in den Koffer gepasst hat. Ich denke, mit den Sachen, die in meinem Koffer sind, könnte ich überleben, aber sind wir mal realistisch: ich halte es kein halbes Jahr aus, ohne nicht einmal shoppen zu gehen. Schon gar nicht in Russland!

Mit den Menschen ist es anders. Ich wäre unglaublich dankbar, zumindest ein paar von ihnen zwischendurch zu sehen und vor allem, den Kontakt nicht zu verlieren. Und ich freue mich jetzt schon auf alle, die ich in den nächsten Monaten kennen lerne.

Die letzten zehn Tage auf dem Vorbereitungsseminar kamen mir gleichzeitig unglaublich lang und relativ kurz vor. Ich habe sehr viel gelernt – über wichtige und große Themen und über mich selbst. Ich habe neue Leute kennen gelernt, Freundschaften geschlossen, Gedanken geteilt und reflektiert. Bei so viel Gewusel kam man kaum zur Ruhe, trotzdem vermisse ich es jetzt schon ein bisschen. Ich freue mich jetzt schon, auf dem Nachbereitungsseminar viele wieder zu sehen.

Jetzt gerade sitze ich übrigens am Moskauer Flughafen Scheremetjewo und warte auf meinen Anschlussflug nach Perm. Wie man sieht, ist die Deko interessant und kreativ, nur leider nicht besonders praktisch.. 😉 Als ich Moskau (vermutlich nicht einmal den allerschönsten Teil davon) von oben gesehen habe, dachte ich sofort: „Russland ist schön. Sehr schön sogar. Mir gefällt es hier jetzt schon.“, dabei habe ich noch nicht einen Fuß auf russischen Boden gesetzt.

Ich bin gespannt, was das nächste halbe Jahr mit sich bringt, welche Erfahrungen ich mache, welche Menschen ich treffe, wie ich davon geprägt werde. Ich hoffe, ich lerne viel Neues; über Sprache und Kultur, Zwischenmenschliches und Kreatives. Mal schauen, wie ich mich jetzt einlebe.

Ich halte euch auf dem laufenden, versprochen!