Kein Hogwarts Brief, aber eine E-Mail mit freudiger Botschaft!

Als ich nach endlosem Warten – auf jedem Fall kam es mir endlos vor – endlich die lang erhoffte Zusage von kulturweit erhielt, war ich sehr erfreut. Ich gehe ins Ausland!

Zwar nicht nach Schottland, um Hogwarts, die Schule für Hexerei und Zauberei, zu besuchen, sondern nach Litauen, um dort am Jesuitengymnasium in Kaunas jungen und selbstverständlich überaus motivierten Schülerinnen und Schülern etwas zu vermitteln. Auch dieses „etwas“ kann mit Magie verbunden werden. Denn die Knüpfung von neuen Kontakten und die Exploration einer unbekannten Kultur hat etwas magisches an sich. Als Freiwilliger ist es nicht nur meine Aufgabe, den Schülerinnen und Schülern die deutsche Kultur näherzubringen, sondern meine Eindrücke mit interessierten Menschen zu teilen. Kein Urlaub kann sich mit den Erfahrungen messen, die man als eingebundenes Mitglied an einer Schule sammelt.

 

So einfach wie man sich das am Anfang ausmalt, ist es dann aber doch nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass man sich überfordert fühlt, ist sogar relativ groß. Auch Monate vor der Ausreise ist es ratsam sich mit dem Freiwilligendienst auseinanderzusetzen.

Dazu gehört die Kontaktaufname mit der angegebenen Kontaktperson der Einsatzstelle. In meinem Fall eine sehr nette Lehrerin des Gymnasiums namens Lina, die mir auch sofort das „Du“ angeboten hat. Auch mein erstes Projekt, „Lesefüchse international“, wurde mir vorgeschlagen und ich habe augenblicklich meine Unterstützung zugesagt, begeistert bereits in die Planung des Gymnasiums miteinbezogen zu werden.

Über unsere E-Mail-Korrespondenz wurde ich ermutigt, Fragen zu stellen und konnte mir schon bald ein genaueres Bild von dem machen, was mich erwartet.  Das bezieht sich nicht nur auf die Frage, ob es die Möglichkeit gibt, in der Schulkantine vegetarisch zu essen, sondern auch auf organisatorische Fragen bezüglich des Sprachkurses und der Unterkunft. Aufgrund Ihrer Vermittlung habe ich auch das Angebot erhalten, während meines Aufenthalts in Kaunas in einer Gastfamilie zu wohnen. Hauptsächlich unterhielten wir uns jedoch über die Schule, den Schulalltag und die Möglichkeiten, mich in diesen einzubringen.

 

Darüber hinaus habe ich Kontakt mit der vorherigen Freiwilligen Gesa Frahm aufgenommen. Als Nachfolgerin kann ich bestimmt von ein paar Tipps profitieren. Aus diesem Grund hatte ich bereits ihre kompletten Blogeinträge studiert und dadurch Eindrücke ihres Einsatzes gewonnen. Jedoch übertrifft nichts ein persönliches Gespräch. Nach einem kurzen Anschreiben machten wir einen Termin zum Skypen aus und das Gespräch war sehr aufschlussreich.

Wir unterhielten uns über ihre Erfahrung mit der Schule, den Lehrern und Schülern. Auch über ihre Projekte und Arbeit hat sie mit viel berichtet. Bei dem Thema Unterkunft hat sie mir geraten, das Angebot der Gastfamilie anzunehmen, sie hätte die Möglichkeit damals leider nicht gehabt. Fragen über zu erwartende Schwierigkeiten, Möglichkeiten mit anderen Menschen gleichen Alters in Kontakt zu kommen, über die Lebensmittel und vielversprechende Reiseziele, sowie über die praktischsten Reisemöglichkeiten – für Litauen eindeutig die günstigen Flüge – und Informationen zu den Seminaren wurden mir alle umfassend beantwortet.

 

Die dritte Kontaktaufnahme war anschließend mit meiner Gastfamilie. Es folgte ein Austauch von Bildern, das Vorstellen der eigenen Familie und natürlich auch der Haustiere. Ich werde bei einer Schülerin des Jesuitengymnasiums wohnen, gemeinsam mit ihrer Mutter und Großmutter. Seit der ersten Unterhaltung war es wie mit einer guten Freundin zu chatten und wir waren regelmäßig in Kontakt. Die Unterhaltung war selbstverständlich auf Deutsch, da ich noch kein einziges Wort Litauisch spreche. Das war aber zu meinem Erstaunen überhaupt kein Problem!

Als kulturweit-Freiwilliger wird man nur an Schulen entsendet, die das Deutsche Sprachdiplom (DSD) anbieten. Folglich wird der Fremdsprachenunterricht besonders gefördert. Trotz dieses Vorwissens war ich positiv überrascht von der Kompetenz im Umgang mit der deutschen Sprache, die meine Gastschülerin an den Tag legte. Ihr Können erleichterte die Konversation auf jeden Fall ungemein. Auch meine Gastfamilie macht einen herzensguten Eindruck. Ich habe schöne Bilder von meinem zukünftigen Zuhause erhalten, wurde eingeladen die Mahlzeiten mit der Familie gemeinsam einzunehmen – wobei ich sicherlich auch mal etwas „typisch deutsches“ kochen werde – und wurde schon beim Chatten als „neues Familienmitglied“ begrüßt.

 

Diese positiven Erfahrungen sind auch zum jetzigen Zeitpunkt, wo die Abreise nach Litauen noch in weiter Ferne steht – ein Monat kann einem lang erscheinen -, sehr bereichernd. Das Wissen, dass du freudig erwartest wirst und von allen Seiten auf Unterstützung zählen kannst, solltest du sie benötigen, ist doch sehr aufbauend.

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