Toast ohne Kruste

Hier ein paar Fakten und Ereignisse aus meinem Leben in Chile.

Ich lebe hier in Chile in einer besser verdienenden Familie. Das entspricht also nicht dem Leben einer „typisch durchschnittlichen“ Familie hier.

Meine Gastfamilie besteht aus den Eltern (Lorena und Rodrigo), meiner großen Gastschwester (Isabel, 23 Jahre), meinem Gastbruder (Matias, 14 Jahre), meiner kleinen Gastschwester (Javiera, 8 Jahre), einer Katze (Tommy), einer Schildkröte und zwei Hunden (Thor, Luna), die aber draußen leben.

Sie leben in so etwas, wie einer Gated Community (24h-bewachte Wohnanlage) etwas außerhalb von Puerto Varas. Man braucht bis Puerto Varas ca 10 Minuten mit dem Auto oder Mini(Bus). Sie haben ein großes Grundstück und ein großes, zweistöckiges Haus mit Zentralheizung und zweifach verglaste Fenster (häufig gibt es nur einen Ofen und einfach Verglasung und dann kann es echt kalt werden). Generell sind die Häuser aber trotzdem schlecht isoliert und über Nacht kühlen sie häufig sehr aus. Im Moment schlafe ich deshalb häufig noch mit Mütze auf dem Kopf, da ich öfter nachts wach geworden bin, weil es super kalt war. Außerdem hat die Familie einen Pool im Haus, der aber im Moment noch kein Wasser hat, eine Nana (so etwas, wie eine Haushaltshilfe, die kocht, wäscht, putzt, einkauft und auch auf die Kinder aufpasst) und vieles mehr.

Da die Schule, an der ich als Freiwillige arbeite, eine Privatschule ist, sind auch hier eher Kinder aus besser verdienenden Familien. Jeden Morgen wird jeder zur Schule gebracht, da es an der Schule keine Schulbusse gibt. Das führt morgens regelmäßig zu einem Stau vor der Schule.
Da meine beiden kleinen Gastgeschwister auch diese Schule besuchen, werden wir jeden morgen zur Schule gebracht und auch wirklich so weit nach vorne gebracht, dass wir möglichst wenig laufen müssen. Um das Verkehrschaos am morgen ein bisschen zu umgehen bin ich meist schon um 7.30 Uhr in der Schule.

Meine Schule – deutsche Schule Puerto Varas

Wenn es regnet, was im Moment noch sehr häufig der Fall ist, steht nach kurzer Zeit das Wasser in riesigen Pfützen auf der Straße und in viele Gebäude regnet es auch rein.

Riesen Pfütze vor der Schule

Im Supermarkt ist alles recht teuer und es gibt sehr viele importierte Produkte. Man kann zum Beispiel Kühne-, Knorr-, Heinz-Produkte,aber auch deutsche Schokolade oder aus Deutschland importierte Cookies oder Doppelkekse kaufen. Natürlich zu einem viel höheren Preis. Außerdem habe ich abgepacktes Vollkornbrot und deutsches Weihnachtsgebäck entdeckt.

Außerdem ist die Region, in der ich wohne durch deutsche Einwanderer geprägt. Man findet hier einige deutsche Wörter, wie zum Beispiel „kuchen“ oder „strudel“ und man kann in einigen Cafés und Supermärkten Apfelstrudel oder Schwarzwälder Kirschtorte kaufen.

Apfelstrudel

Im Supermarkt gibt es Toastbrot ohne „Kruste“ zu kaufen und meine Gastfamilie kauft dieses auch immer. Ich frage mich, was bei einem Toastbrot an der Kruste anders ist, als am Rest des Brotes. Die „Kruste“ ist ja nicht wirklich hart oder so. Aber die Brotkultur in Deutschland ist ja auch ein bisschen anders.

Viele Eltern hier benehmen sich ein bisschen wie Helikopter-Eltern (sie überwachen ihr Kind, sind möglichst immer in der Nähe und haben immer Angst, dass etwas passiert, wenn sie nicht dabei sind). Am 31.10. war hier Halloween und die Kinder haben sich verkleidet, um von Tür zu Tür zu gehen und Süßigkeiten zu sammeln. Meine kleine Gastschwester und viele andere Kinder, die in den Graneros (meine Gated Community) wohnen, sind auch nur in diesem bewachten Bereich unterwegs gewesen. In der Zeit, wo die Kinder draußen waren ist allerdings ein kleines Verkehrschaos in der Wohnanlage entstanden, weil alle Eltern ihren Kindern mit dem Auto hinterher gefahren sind, damit auch bloß nichts passiert. Und meine Gasteltern meinten kurz auch nach meiner Ankunft, dass sie ihrer 23 jährigen Tochter nicht erlauben würden alleine zu reisen, weil dabei so viel passieren könne. Zudem wird jedes Kind nach der Schule abgeholt und vor allem, wenn die kleineren Schulschluss haben ist ein großes Chaos vor dem Schultor, da alle Eltern aussteigen um ihr Kind in Empfang zu nehmen.

Die typische Begrüßung in Chile ist ein Wangenkuss (un beso). Nur Männer begrüßen sich untereinander meist eher mit Handschlag und eventuell mit freundschaftlicher Umarmung. Als Frau wird man aber immer mit einem Wangenkuss begrüßt. Egal ob man sich kennt oder nicht. Egal ob in der Familie oder beim Zahnarzt. Auch in der Schule begrüßen sich die Lehrer und Schüler häufig mit Wangenkuss. Auch sonst ist das Lehrer-Schüler-Verhältnis, zumindest an meiner Schule, eher freundschaftlich. Zum Abschied gibt man sich auch häufig einen Wangenkuss und sagt „Chao“ (sowas wie Tschau)

Un beso y chao!

Bis dann, Ann

2 thoughts on “Toast ohne Kruste

  1. Mich würde deine persönliche Meinung noch etwas interessieren. Fühlst du dich wohl in der Familie/Umgebung? Würdest du auch gerne das Leben der Chilenen kennen lernen, die nicht zu den Besserverdienern gehören?
    Ich finde es ein bisschen „schade“ dass die Freiwilligen großteils an Deutschen Schulen eingesetzt sind. Diese können sich locker gleich mehrere Praktikanten und deutsche Lehrkräfte leisten. Bestimmt gäbe es die ein oder andere chilenische Schule, die dich noch „mehr“ gebrauchen könnte…
    Ich hoffe für dich du lernst in deiner Zeit dort möglichst viele Facetten von Chile und seinen Leuten kennen!:)
    LG
    Sarah

    PS: Wir kennen uns nicht, ich habe deinen Artikel zufällig gelesen weil ich 2015 auch sechs Monate mit kulturweit im Ausland war (Kolumbien)

    • Erstmal Entschuldigung, dass ich erst jetzt antworte, aber ich habe es vergessen.
      Die Familie ist super nett und unternimmt auch Ausflüge mit mir, zeigt mir die Umgebung und nimmt mich mit, wenn sie irgendwo eingeladen sind oder etwas unternehmen. Auch die Umgebung ist schön und man kommt auch recht schnell in die Stadt.
      Mich interessiert natürlich auch das Leben der Chilenen, die nicht zu den Besserverdienenden gehören, aber ich denke, dass die wahrscheinlich eher nicht mal eben ein Zimmer frei haben, wo sie jemanden unterbringen könnten.
      Sicherlich gibt es auch viele chilenische Schulen, die einen Freiwilligen gebrauchen könnten, aber an vielen chilenischen Schulen wird eben kein Deutsch unterrichtet. Und als kulturweit-Freiwillige bin ich ja dafür da, um im Deutschunterricht zu helfen und die Deutschabteilung zu unterstützen. Aber ich selbst bin auch gar nicht an einer DAS (Deutschen Auslands Schule), sondern an einer Schule, an dem das DSD (Deutsches Sprachdiplom) abgelegt wird. Es ist also eine chilenische Privatschule, die vom ZfA unterstützt wird.
      Einige Freiwillige in Chile sind aber auch an öffentlichen chilenischen Schulen und helfen dort im Deutschunterricht.
      Vielen Dank. Ich denke, dass ich gerade, weil ich in einer Gastfamilie lebe, relativ viel vom Leben in Chile mitbekomme. Ich war zum Beispiel schon auf einer Firmung und bei anderen Familienfesten.
      LG
      Ann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.