Die Altstadt Pset

Da ich jetzt schon seit vier Wochen in Bosanska Krupa bin, habe ich natürlich schon einige Menschen kennengelernt und – für meine Verhältnisse – viel unternommen. Wer mich kennt weiß, dass ich eigentlich mehr ein Stubenhocker bin und zwar super gerne Leute kennenlerne, aber nicht jeden Tag was mit Leuten machen muss. Aber hier sind die Tage, an denen ich nichts unternommen habe oder mich nicht mit jemandem getroffen habe in der Seltenheit. Das war mir persönlich wichtig, weil ich so schnell wie möglich ankommen wollte und das gelingt schwer, wenn man nur in der Wohnung hockt. 😉 An dieser Stelle möchte ich kurz erwähnen, dass ich kaum jemandem erzählt habe, dass ich einen Blog schreibe. Ich wollte das nicht groß herumposaunen, außerdem gab es wichtigeres. Deswegen wird es aber erstmal keine Bilder mit anderen Menschen geben. 😀 Heute zeige ich euch erstmal ein paar Bilder der Altstadt „Pset“, sie liegt auf einem Hügel mitten in der Stadt und man hat von oben eine wunderbare Aussicht auf die Una und die Dächer der Stadt.

Eines Nachmittags habe ich mich einfach entschieden, alleine den Hügel zur Altstadt hochzulaufen. Ich hatte früher Schluss als die Schüler, hatte aber keine Lust direkt nach Hause zu gehen. Von oben hat man eine coole Aussicht auf die Stadt und die Una. An dem Tag lag allerdings noch Schnee, jetzt ist hier zum Glück der Frühling ausgebrochen. 😀 Vor ein paar Tagen bin ich nochmal mit Merisa (einer Schülerin aus der 13.) hochgelaufen, das Wetter war allerdings zu schlecht, um wirklich gute Fotos zu machen.

Die Altstadt von unten:

Diese Tafel steht unten, das Deutsche wurde eindeutig mit Google Translate verfasst hahaha:

Der Weg nach oben:

Die alten Mauern:

 

 

Hier die Bilder bei besserem Wetter:

Zwei Bilder vom Fotoshooting mit Merisa (:D) :

In den nächsten Blogeinträgen folgen weitere Bilder. 🙂

Der Schulalltag, Unterricht und Deutschwettbewerb

Heute bin ich seit genau drei Wochen in Bosanska Krupa und ich hatte etwas Zeit, um die ersten Eindrücke sacken zu lassen. Ich finde mich besser in der Stadt zurecht, den Weg zum Supermarkt, zur Schule und zur Innenstadt laufe ich wie automatisch. Ich bin wirklich froh, dass ich so zentral wohne und bequem alles zu Fuß erreichen kann. Zur Schule brauche ich 15 Minuten, zur Innenstadt 10 und zum Supermarkt 5.

Mittlerweile kann ich auch die Gesichter der SchülerInnen besser zuordnen und weiß ungefähr, wer in welcher Klasse ist. An dieser Stelle nochmal kurz allgemeine Informationen über die Schule: Es gibt sechs Klassen, die 10., 11. und die beiden 12. Klassen haben jeweils drei Stunden Deutsch die Woche und die beiden 13. Klassen haben jeweils zwei Stunden Deutsch die Woche. Das Gymnasium teilt sich das Gebäude mit der Grundschule, weswegen der Unterricht für deutsche Verhältnisse sehr spät stattfindet. Die SchülerInnen sind meistens von 12:40 Uhr bis 18:40 Uhr in der Schule, weil die Grundschüler morgens da sind. Die Schulen teilen sich das Gebäude, weil das alte Gymnasiumgebäude abgerissen wurde und das neue Gebäude noch nicht fertig ist. In der Angelegenheit tut sich leider nichts, sodass die Schüler sich wohl oder übel an die Zeiten gewöhnen mussten. Ich muss aber an den meisten Tagen nicht bis abends dableiben, von daher ist alles völlig okay. Eine Schulstunde dauert wie in Deutschland 45 Minuten, dazwischen sind jeweils fünf Minuten Pause und es gibt nur eine große 20-minütige Pause 20.

Aber erstmal von vorne: Ich hatte in meinem letzten Blogeintrag ja von meinem ersten Schultag erzählt, an dem ich die 13. Klasse kennengelernt habe. Am Mittwoch (14.03.) war dann mein erster richtiger Schultag. In der ersten Stunde hatte die 13. Klasse Essen (Knabberkram, Kuchen und Getränke) mitgebracht und das war sozusagen eine kleine „Willkommensparty“ für mich. Ich habe mich sehr gefreut, besonders weil ich nicht damit gerechnet hatte. 😀 Danach habe ich zwei weitere Klassen kennengelernt und ansonsten daneben gesessen und den Unterricht verfolgt. Am Donnerstag habe ich dann nochmal drei weitere Klassen kennengelernt. Viele trauen sich nicht mit mir Deutsch zu reden und sprechen Englisch mit mir. Wenn ich Deutsch rede weiß ich, dass viele mich überhaupt nicht verstehen und das ist für mich schon eher schwierig, aber das wird sich schon alles noch fügen.

Ab Freitag (16.03.) ging es dann mit meiner neuen Aufgabe los: Ich sollte die vier besten SchülerInnen der Schule (nur die Minderjährigen, die Volljährigen durften nicht teilnehmen) auf einen regionalen Deutschwettbewerb für die Niveaus B1 und B2 vorbereiten. Ich wusste, dass Schüler von 15 verschiedenen Schulen kommen, um am Wettbewerb teilzunehmen und sie im Lesen, Hören und Sprechen getestet werden. Der/Die Erstplatzierte darf weiter zum nationalen Wettbewerb in Sarajevo und wer dort wiederum gewinnt darf nach Freiburg zur internationalen Deutscholympiade. Ich hatte aber vorher keine Ahnung, wie so ein Wettbewerb abläuft, also habe ich mir dann alle Lehrbücher angeguckt. Dann habe ich mit den Schülern hauptsächlich für die mündlichen Prüfungen geübt und alle ihre Fehler verbessert. Am Tag des Wettbewerbs wurden die vier SchülerInnen und ich von einem Lehrer der Schule nach Velika Kladuša, einer Kleinstadt im Nordwesten Bosniens gefahren, die Fahrt hat etwa 1,5 Stunden gedauert. Es war wirklich interessant aus dem Fenster zu schauen, weil die Landschaft hier eher hügelig ist und ganz anders, als ich es aus Norddeutschland gewohnt bin. Beim Wettbewerb angekommen, sind die SchülerInnen mit den anderen TeilnehmerInnen in einen Raum gegangen, ich bin in einen Raum mit den anderen LehrerInnen. Das war am Anfang eher unangenehm, weil nur auf Bosnisch geredet wurde und ich mich verloren gefühlt habe, schließlich war ich die einzige unter 30-jährige in einem Raum voller Lehrkräfte. Als den anderen dann klar wurde, dass ich kein Bosnisch verstehe, haben sie sich lieb entschuldigt (sie konnten es ja nicht wissen und ich war ihnen nicht böse) und haben mich gefragt, ob ich mit ihnen einen Kaffee trinken gehen möchte, während die SchülerInnen ihre Prüfungen im Hörverstehen und Leseverstehen haben. Anschließend ging es zurück zur Schule, nun standen die mündlichen Prüfungen an. Ich wurde gefragt, ob ich mit in der Jury für die B1 TeilnehmerInnen sein möchte und so kam es dann. Die SchülerInnen hatten 30 Minuten Zeit, um in Dreiergruppen einen Vortrag / eine Diskussion / eine Talkshow zum Thema „Sollten Kinder Mobiltelefone haben?“ vorzubereiten. Nacheinander haben die SchülerInnen uns ihre Ideen vorgetragen und wir Jurymitglieder haben dann über die Noten beraten. In Bosnien ist die beste Note eine 5 und die schlechteste eine 1. Mir hat das ganze wirklich Spaß gemacht, vor allem weil die LehrerInnen meine Meinung wirklich hören wollten und mich trotz des Altersunterschiedes ernst genommen haben. Besonders stolz bin ich auf meine beiden Schülerinnen, deren mündlichen Prüfungen ich beisitzen durfte, selbstverständlich habe ich bei deren Bewertung aber nichts gesagt. Auf dem B1 Niveau haben meine beiden Schülerinnen den ersten und zweiten Platz belegt (von 18), die eine fährt somit in zwei Wochen nach Sarajevo für den nationalen Wettbewerb. Auf dem B2 Niveau haben meine SchülerInnen den zweiten und fünften Platz belegt (von 16), ebenfalls eine starke Leistung. Da habe ich mich wirklich wie eine stolze Lehrerin gefühlt, obwohl ich ja keine richtige Lehrerin bin. 😀

Eine meiner weiteren Aufgaben ist es, mit einem körperlich behinderten Jungen Deutsch zu üben, während die anderen aus seiner Klasse Unterricht haben. Ich muss ehrlich sagen, dass es eine Herausforderung ist, weil er noch nicht wirklich Deutsch spricht und ich immer irgendwie hoffen muss, dass er mich versteht. Aber das wird irgendwann alles einfacher werden. Außerdem sollte ich schon einige Diktate und Aufsätze der Schüler korrigieren. Mir persönlich macht das echt viel Spaß, obwohl es teilweise anstrengend ist, sich in die Köpfe der Schüler hineinzuversetzen. Manchmal wissen die Schüler nicht, wie sie etwas ausdrücken sollen und schreiben dann wirre Sätze. Aber genauso ging es vermutlich meiner Französischlehrerin damals und man gewöhnt sich daran. 😀 Außerdem habe ich drei Unterrichtsstunden übernommen, weil Edisa, die Deutschlehrerin der Schule, beschäftigt war. Ich musste die Stunden aber nicht selbst vorbereiten, mir wurde gesagt, was ich machen soll. Ansonsten sitze ich einfach im Unterricht daneben und gucke zu, wenn es nichts zu tun gibt, was auch interessant ist.

Letzte Woche musste ich dann für vier Tage den Unterricht übernehmen, da Edisa mit einem Projekt beschäftigt war. Die Schule hat einen Austausch mit einer Schule aus Izmir (Türkei) organisiert und die SchülerInnen haben zusammen eine Aufführung einstudiert, aber dazu später mehr. Montag habe ich den SchülerInnen einfach nur ihre Klassenarbeiten zurückgegeben, am Dienstag habe ich ihnen „Au revoir“ von Mark Forster vorgespielt, das Lied mit ihnen besprochen und ihnen andere deutsche Lieder gezeigt. Am Mittwoch und Donnerstag habe ich einfach Spiele mit ihnen gespielt. Edisa und ich waren der Meinung, dass es noch zu früh wäre für mich, um wirklich für vier Tage den Unterricht zu leiten – ich bin schließlich keine Lehrerin und kenne die SchülerInnen noch nicht gut genug. Trotzdem war ich etwas aufgeregt vorher, schließlich war es nun meine Aufgabe die SchülerInnen im Zaum zu halten. Zum Glück kannte ich durch den Deutschwettbewerb die besten SchülerInnen, die für mich übersetzen konnten und ansonsten habe ich zwischendurch immer wieder Englisch geredet. Glücklicherweise lief alles gut und die meisten SchülerInnen hatten tatsächlich Spaß. Das man nicht alle glücklich machen kann ist klar, dafür sind die Geschmäcker zu verschieden. Aber insgesamt komme ich mit den SchülerInnen super zurecht, sie verhalten sich mit gegenüber respektvoll und trotzdem ist es nicht wirklich auf der Lehrer-Schüler-Ebene, schließlich sind wir in einem ähnlichen Alter. 😊

So, das war jetzt erstmal ein Update über meine Zeit in der Schule, im nächsten Eintrag folgt ein Bericht über meine Unternehmungen in der Freizeit. Stay tuned! 😊