Life Update

Wenn der Alltag und die Routine eintreten und man vergisst auf dem Blog zu schreiben, dann weiß man, dass man angekommen ist. Zwei Monate in Bosanska Krupa sind herum und manchmal fühlt es sich an, als wäre ich schon seit Monaten hier, weil ich mich so an alles gewöhnt habe. In diesen zwei Monaten habe ich Freunde gefunden, Herausforderungen gemeistert, viel gelacht und so viel erlebt. Fotos findet ihr am Ende des Blogposts, für alle, die ungern lange Texte lesen. 😀 Ich weiß gar nicht, wo genau ich anfangen soll mit dem Erzählen. Ich erlebe hier vielleicht keine krassen Abenteuer und reise viel wie manch andere Freiwillige. Dafür fühle ich mich wirklich wie ein Teil dieser Stadt und dieser Schule und alleine hier zu wohnen ist schon ein Abenteuer für mich. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal alleine vor einer Klasse voller 16- bis 19-jährigen stehen und alleine den Unterricht führen werde, wenn Edisa (die Deutschlehrerin) nicht da ist. Teilweise musste ich improvisieren, weil sich kurzfristig ergeben hat, dass Edisa anderweitige Verpflichtungen hat.

Ich bin immer wieder positiv überrascht mit welcher Offenheit und Gastfreundschaft mir begegnet wird. Ich war schon mehrmals bei Freunden zu Gast und wurde immer wieder gefragt, ob ich nicht noch mehr essen will. Einmal wurde ich gefragt, ob es mir nicht geschmeckt hätte oder warum ich so wenig gegessen hätte. Dabei hatte ich einen Teller mit Suppe, einen Teller mit Reis und Hähnchen und drei Stunden vorher noch Brot gegessen. 😀 Aber darüber will mich natürlich nicht beklagen, das Essen hier ist unglaublich lecker. Zu einem guten Essen gehört für Bosnier immer eine Vorspeise (meistens Suppe), ein Hauptgericht mit Fleisch und ein selbstgemachter bzw. selbstgebackener Nachtisch. Ihr versteht vielleicht, dass ich gerne bei anderen eingeladen bin. 😀 Ansonsten habe ich mich aber auch schon daran gewöhnt für mich selbst zu kochen und genieße es in den Supermarkt zu gehen und dafür einzukaufen.

Da hier schätzungsweise ¾ aller Menschen Muslime sind, hatte ich auch schon viele interessante Gespräche über den Islam und Religion allgemein und verstehe vieles besser. Mir wurden auch einige Fragen über das Christentum gestellt und einige haben mir sogar frohe Ostern gewünscht, das fand ich wirklich lieb. Morgen beginnt Ramadan (auf Bosnisch ramazan) und ich bin gespannt, das als Außenstehende mitzuerleben.

Mir haben auch schon drei Menschen gesagt, dass es sich anfühlt, als wäre ich schon länger hier bzw. als würden sie mich schon lange kennen. Ich finde, das ist eines der schönsten Sachen, die einem gesagt werden können. Es zeigt, dass ich angekommen und nicht nur akzeptiert, sondern auch wertgeschätzt werde. Für manche mag es vielleicht komisch sein, dass ich mit „meinen“ Schülern befreundet bin, etwas mit ihnen unternehme und mit ihnen feiern gehe. Aber ich kann das ganz gut voneinander trennen und schließlich bin ich auch nur wenig bis gar nicht älter als die Schüler, da ist ein distanziertes und professionelles Verhältnis auch blöd. Natürlich bin ich in der Schule etwas distanzierter, aber wirklich komisch ist es nicht – ich bin schließlich keine richtige Lehrerin.

Am 27. April war die Maturijada der Abiturienten, also deren Abiparty. Ich wurde von den Schülern eingeladen und habe mich an dem Tag wie eine Schülerin gefühlt, da ich als einzige Nicht-Schülerin mit feiern im Club war. :’D Wir haben uns an einem öffentlichen Ort getroffen, Abi T-Shirts mit „Giganti > Migranti“ (aus Giganten werden Migranten –> im Prinzip alle bosnischen Abiturienten werden Bosnien verlassen, ein trauriger Fakt, der lustig gemeint ist) angezogen und sind durch die Stadt gelaufen. Anschließend ging es in einen Club. Am 11.05. war der Abiball. Zunächst wurde sich an der Schule getroffen, wo die Schüler Fotos mit der Familie und Freunden machen konnten, offiziell aufgerufen wurden und von allen bejubelt wurden. Anschließend ging es für die Schüler, Lehrer und mich (anders als in Deutschland ohne die Familie) in ein Restaurant, wo Livemusik gespielt, getanzt und gegessen wurde. Um 1 Uhr nachts ging es für etwa 20 SchülerInnen und mich in ein Hotel etwas außerhalb der Stadt, wo wir noch weiter gefeiert, übernachtet und anschließend morgens gefrühstückt haben.

Ich möchte nicht lügen, es ist nicht immer alles rosig und ich finde es wichtig, nicht nur einen „Alles ist super“ Eindruck auf meinem Blog zu vermitteln. In manchen Momenten fühle ich mich alleine, auch wenn ich hier Freunde habe und ein paar Leute, mit denen  ich mich treffen könnte. Aber irgendwie sind die Schulzeiten und Buszeiten meiner Freunde ungünstig und die Schüler müssen natürlich auch lernen. Manchmal sehe ich Bilder, wie Freiwillige in anderen Ländern sich treffen und wäre gerne dabei. Manchmal sitze ich in einer Gruppe voller Menschen, alle reden bosnisch und ich sitze daneben. Manchmal singen alle meine Freunde bei den bosnischen Liedern mit und ich kann nicht mitsingen. Manchmal macht mich die Sprachbarriere wirklich wütend. Aber all das gehört dazu, wenn man alleine in einem fremden Land lebt und nicht mal eben in die Küche gehen kann, um seine Mutter zu umarmen.

Aber wenn mich jemand fragt: „Hast du Heimweh?“ würde ich trotzdem nein sagen. „Heimweh ist die Sehnsucht in der Fremde, wieder in der Heimat zu sein.“ (Wikipedia) Aber ich will nicht nach Hause, ich bin doch gerade erst angekommen. 🙂 Natürlich vermisse ich meine Familie und Freunde, aber die Telefonate zwischendurch reichen mir, um wieder auf dem neuesten Stand zu sein. Mich haben auch schon Leute gefragt, ob ich es bereue hier her gekommen zu sein. Was ich aus vollster Überzeugung sagen kann, ist, dass es die richtige Entscheidung war hierher zu kommen. Nächste Woche Montag geht es schon nach Mali Idjos (Serbien) für mein Zwischenseminar. Ich bin super gespannt ein paar andere Freiwillige wiederzutreffen.

Hier noch ein paar Bilder der letzten Wochen:

Den Unterricht vorbereiten. 😉 Im Hintergrund sehrt ihr den Deutschraum der Schule. Ganz ungewohnt für mich am Lehrertisch zu sitzen.

Bosanska Krupa und die Una

So klar ist das Wasser der Una, im Sommer wird es noch klarer sein.

Die Una

Die Maturijada, hier die Klasse IV1

Der 13. Jahrgang beim Abiball vom letzten Freitag. 🙂

Und zum Abschluss ein Sonnenuntergang, fotografiert von meinem Balkon.

Bis bald! 🙂

Die Altstadt Pset

Da ich jetzt schon seit vier Wochen in Bosanska Krupa bin, habe ich natürlich schon einige Menschen kennengelernt und – für meine Verhältnisse – viel unternommen. Wer mich kennt weiß, dass ich eigentlich mehr ein Stubenhocker bin und zwar super gerne Leute kennenlerne, aber nicht jeden Tag was mit Leuten machen muss. Aber hier sind die Tage, an denen ich nichts unternommen habe oder mich nicht mit jemandem getroffen habe in der Seltenheit. Das war mir persönlich wichtig, weil ich so schnell wie möglich ankommen wollte und das gelingt schwer, wenn man nur in der Wohnung hockt. 😉 An dieser Stelle möchte ich kurz erwähnen, dass ich kaum jemandem erzählt habe, dass ich einen Blog schreibe. Ich wollte das nicht groß herumposaunen, außerdem gab es wichtigeres. Deswegen wird es aber erstmal keine Bilder mit anderen Menschen geben. 😀 Heute zeige ich euch erstmal ein paar Bilder der Altstadt „Pset“, sie liegt auf einem Hügel mitten in der Stadt und man hat von oben eine wunderbare Aussicht auf die Una und die Dächer der Stadt.

Eines Nachmittags habe ich mich einfach entschieden, alleine den Hügel zur Altstadt hochzulaufen. Ich hatte früher Schluss als die Schüler, hatte aber keine Lust direkt nach Hause zu gehen. Von oben hat man eine coole Aussicht auf die Stadt und die Una. An dem Tag lag allerdings noch Schnee, jetzt ist hier zum Glück der Frühling ausgebrochen. 😀 Vor ein paar Tagen bin ich nochmal mit Merisa (einer Schülerin aus der 13.) hochgelaufen, das Wetter war allerdings zu schlecht, um wirklich gute Fotos zu machen.

Die Altstadt von unten:

Diese Tafel steht unten, das Deutsche wurde eindeutig mit Google Translate verfasst hahaha:

Der Weg nach oben:

Die alten Mauern:

 

 

Hier die Bilder bei besserem Wetter:

Zwei Bilder vom Fotoshooting mit Merisa (:D) :

In den nächsten Blogeinträgen folgen weitere Bilder. 🙂

Der Schulalltag, Unterricht und Deutschwettbewerb

Heute bin ich seit genau drei Wochen in Bosanska Krupa und ich hatte etwas Zeit, um die ersten Eindrücke sacken zu lassen. Ich finde mich besser in der Stadt zurecht, den Weg zum Supermarkt, zur Schule und zur Innenstadt laufe ich wie automatisch. Ich bin wirklich froh, dass ich so zentral wohne und bequem alles zu Fuß erreichen kann. Zur Schule brauche ich 15 Minuten, zur Innenstadt 10 und zum Supermarkt 5.

Mittlerweile kann ich auch die Gesichter der SchülerInnen besser zuordnen und weiß ungefähr, wer in welcher Klasse ist. An dieser Stelle nochmal kurz allgemeine Informationen über die Schule: Es gibt sechs Klassen, die 10., 11. und die beiden 12. Klassen haben jeweils drei Stunden Deutsch die Woche und die beiden 13. Klassen haben jeweils zwei Stunden Deutsch die Woche. Das Gymnasium teilt sich das Gebäude mit der Grundschule, weswegen der Unterricht für deutsche Verhältnisse sehr spät stattfindet. Die SchülerInnen sind meistens von 12:40 Uhr bis 18:40 Uhr in der Schule, weil die Grundschüler morgens da sind. Die Schulen teilen sich das Gebäude, weil das alte Gymnasiumgebäude abgerissen wurde und das neue Gebäude noch nicht fertig ist. In der Angelegenheit tut sich leider nichts, sodass die Schüler sich wohl oder übel an die Zeiten gewöhnen mussten. Ich muss aber an den meisten Tagen nicht bis abends dableiben, von daher ist alles völlig okay. Eine Schulstunde dauert wie in Deutschland 45 Minuten, dazwischen sind jeweils fünf Minuten Pause und es gibt nur eine große 20-minütige Pause 20.

Aber erstmal von vorne: Ich hatte in meinem letzten Blogeintrag ja von meinem ersten Schultag erzählt, an dem ich die 13. Klasse kennengelernt habe. Am Mittwoch (14.03.) war dann mein erster richtiger Schultag. In der ersten Stunde hatte die 13. Klasse Essen (Knabberkram, Kuchen und Getränke) mitgebracht und das war sozusagen eine kleine „Willkommensparty“ für mich. Ich habe mich sehr gefreut, besonders weil ich nicht damit gerechnet hatte. 😀 Danach habe ich zwei weitere Klassen kennengelernt und ansonsten daneben gesessen und den Unterricht verfolgt. Am Donnerstag habe ich dann nochmal drei weitere Klassen kennengelernt. Viele trauen sich nicht mit mir Deutsch zu reden und sprechen Englisch mit mir. Wenn ich Deutsch rede weiß ich, dass viele mich überhaupt nicht verstehen und das ist für mich schon eher schwierig, aber das wird sich schon alles noch fügen.

Ab Freitag (16.03.) ging es dann mit meiner neuen Aufgabe los: Ich sollte die vier besten SchülerInnen der Schule (nur die Minderjährigen, die Volljährigen durften nicht teilnehmen) auf einen regionalen Deutschwettbewerb für die Niveaus B1 und B2 vorbereiten. Ich wusste, dass Schüler von 15 verschiedenen Schulen kommen, um am Wettbewerb teilzunehmen und sie im Lesen, Hören und Sprechen getestet werden. Der/Die Erstplatzierte darf weiter zum nationalen Wettbewerb in Sarajevo und wer dort wiederum gewinnt darf nach Freiburg zur internationalen Deutscholympiade. Ich hatte aber vorher keine Ahnung, wie so ein Wettbewerb abläuft, also habe ich mir dann alle Lehrbücher angeguckt. Dann habe ich mit den Schülern hauptsächlich für die mündlichen Prüfungen geübt und alle ihre Fehler verbessert. Am Tag des Wettbewerbs wurden die vier SchülerInnen und ich von einem Lehrer der Schule nach Velika Kladuša, einer Kleinstadt im Nordwesten Bosniens gefahren, die Fahrt hat etwa 1,5 Stunden gedauert. Es war wirklich interessant aus dem Fenster zu schauen, weil die Landschaft hier eher hügelig ist und ganz anders, als ich es aus Norddeutschland gewohnt bin. Beim Wettbewerb angekommen, sind die SchülerInnen mit den anderen TeilnehmerInnen in einen Raum gegangen, ich bin in einen Raum mit den anderen LehrerInnen. Das war am Anfang eher unangenehm, weil nur auf Bosnisch geredet wurde und ich mich verloren gefühlt habe, schließlich war ich die einzige unter 30-jährige in einem Raum voller Lehrkräfte. Als den anderen dann klar wurde, dass ich kein Bosnisch verstehe, haben sie sich lieb entschuldigt (sie konnten es ja nicht wissen und ich war ihnen nicht böse) und haben mich gefragt, ob ich mit ihnen einen Kaffee trinken gehen möchte, während die SchülerInnen ihre Prüfungen im Hörverstehen und Leseverstehen haben. Anschließend ging es zurück zur Schule, nun standen die mündlichen Prüfungen an. Ich wurde gefragt, ob ich mit in der Jury für die B1 TeilnehmerInnen sein möchte und so kam es dann. Die SchülerInnen hatten 30 Minuten Zeit, um in Dreiergruppen einen Vortrag / eine Diskussion / eine Talkshow zum Thema „Sollten Kinder Mobiltelefone haben?“ vorzubereiten. Nacheinander haben die SchülerInnen uns ihre Ideen vorgetragen und wir Jurymitglieder haben dann über die Noten beraten. In Bosnien ist die beste Note eine 5 und die schlechteste eine 1. Mir hat das ganze wirklich Spaß gemacht, vor allem weil die LehrerInnen meine Meinung wirklich hören wollten und mich trotz des Altersunterschiedes ernst genommen haben. Besonders stolz bin ich auf meine beiden Schülerinnen, deren mündlichen Prüfungen ich beisitzen durfte, selbstverständlich habe ich bei deren Bewertung aber nichts gesagt. Auf dem B1 Niveau haben meine beiden Schülerinnen den ersten und zweiten Platz belegt (von 18), die eine fährt somit in zwei Wochen nach Sarajevo für den nationalen Wettbewerb. Auf dem B2 Niveau haben meine SchülerInnen den zweiten und fünften Platz belegt (von 16), ebenfalls eine starke Leistung. Da habe ich mich wirklich wie eine stolze Lehrerin gefühlt, obwohl ich ja keine richtige Lehrerin bin. 😀

Eine meiner weiteren Aufgaben ist es, mit einem körperlich behinderten Jungen Deutsch zu üben, während die anderen aus seiner Klasse Unterricht haben. Ich muss ehrlich sagen, dass es eine Herausforderung ist, weil er noch nicht wirklich Deutsch spricht und ich immer irgendwie hoffen muss, dass er mich versteht. Aber das wird irgendwann alles einfacher werden. Außerdem sollte ich schon einige Diktate und Aufsätze der Schüler korrigieren. Mir persönlich macht das echt viel Spaß, obwohl es teilweise anstrengend ist, sich in die Köpfe der Schüler hineinzuversetzen. Manchmal wissen die Schüler nicht, wie sie etwas ausdrücken sollen und schreiben dann wirre Sätze. Aber genauso ging es vermutlich meiner Französischlehrerin damals und man gewöhnt sich daran. 😀 Außerdem habe ich drei Unterrichtsstunden übernommen, weil Edisa, die Deutschlehrerin der Schule, beschäftigt war. Ich musste die Stunden aber nicht selbst vorbereiten, mir wurde gesagt, was ich machen soll. Ansonsten sitze ich einfach im Unterricht daneben und gucke zu, wenn es nichts zu tun gibt, was auch interessant ist.

Letzte Woche musste ich dann für vier Tage den Unterricht übernehmen, da Edisa mit einem Projekt beschäftigt war. Die Schule hat einen Austausch mit einer Schule aus Izmir (Türkei) organisiert und die SchülerInnen haben zusammen eine Aufführung einstudiert, aber dazu später mehr. Montag habe ich den SchülerInnen einfach nur ihre Klassenarbeiten zurückgegeben, am Dienstag habe ich ihnen „Au revoir“ von Mark Forster vorgespielt, das Lied mit ihnen besprochen und ihnen andere deutsche Lieder gezeigt. Am Mittwoch und Donnerstag habe ich einfach Spiele mit ihnen gespielt. Edisa und ich waren der Meinung, dass es noch zu früh wäre für mich, um wirklich für vier Tage den Unterricht zu leiten – ich bin schließlich keine Lehrerin und kenne die SchülerInnen noch nicht gut genug. Trotzdem war ich etwas aufgeregt vorher, schließlich war es nun meine Aufgabe die SchülerInnen im Zaum zu halten. Zum Glück kannte ich durch den Deutschwettbewerb die besten SchülerInnen, die für mich übersetzen konnten und ansonsten habe ich zwischendurch immer wieder Englisch geredet. Glücklicherweise lief alles gut und die meisten SchülerInnen hatten tatsächlich Spaß. Das man nicht alle glücklich machen kann ist klar, dafür sind die Geschmäcker zu verschieden. Aber insgesamt komme ich mit den SchülerInnen super zurecht, sie verhalten sich mit gegenüber respektvoll und trotzdem ist es nicht wirklich auf der Lehrer-Schüler-Ebene, schließlich sind wir in einem ähnlichen Alter. 😊

So, das war jetzt erstmal ein Update über meine Zeit in der Schule, im nächsten Eintrag folgt ein Bericht über meine Unternehmungen in der Freizeit. Stay tuned! 😊

 

Erste Eindrücke: Malo govorim bosanski

Mein Kopf ist so voll mit neuen Eindrücken, Gedanken und Bildern, ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Am Montag, den 12.03., bin ich in Bosnien und Herzegowina angekommen. Als ich die bosnische Grenze überquert habe und es immer weiter auf Bosanska Krupa zuging, wurde ich immer aufgeregter. Jetzt wurde es ernst und das war der Moment, wo ich realisiert habe, dass es kein Zurück mehr gibt. Bosnien ist jetzt für ein Jahr mein Zuhause. Vorher war das alles noch so weit weg, selbst bei der Verabschiedung von meiner Familie hatte ich das noch nicht realisiert. Aber jetzt war ich wirklich hier. Ich habe eigentlich nur mit offenen Mund aus dem Fenster gestarrt und versucht ganz viel von der Landschaft aufzunehmen. Es ist alles so anders (Überraschung, ist ja auch ein anderes Land), die Architektur und natürlich auch die Landschaft. Wir sind an der Una, einem Fluss, entlanggefahren. Hier ein paar Fotos auf dem Weg nach Bosanska Krupa:

Meine Wohnung ist echt toll, ich weiß jetzt schon, dass ich mich hier wohlfühlen werde. Von außen ist das Haus gewöhnungsbedürftig, die Bosnier kümmern sich nicht wirklich um die Fassade, es geht nur ums Innere. Aber das ist ja eigentlich auch wichtiger. Eigentlich habe ich dann erstmal nur alle Sachen ausgepackt und meine Wohnung teilweise schon eingerichtet. Abends habe ich dann das erste Mal bosnisch gegessen, ich war bei meiner Ansprechperson (der Deutschlehrerin des Gymnasiums) zum Abendessen eingeladen. Ich habe keine Bilder gemacht, weil ich nicht unhöflich sein wollte, aber es war wirklich lecker. Das bosnische Essen scheint auf jeden Fall fleischlastig zu sein. 😀 Ich habe mir die ganzen Namen der Gerichte natürlich nicht gemerkt, weil es so viele bosnische Wörter waren, aber irgendwann werde ich es wissen. 😀 Was für mich auch ungewohnt ist, ist dass die Menschen sich hier oft mit Küsschen begrüßen, da habe ich mich zunächst erstmal unwohl gefühlt. Aber die meisten geben sich auch erstmal die Hand und an die Küsschen werde ich mich schon gewöhnen. Sympathisch ist es allemal. Meine Ansprechpartnerin hat mir außerdem erklärt, dass die meisten hier muslimisch sind, jedoch nicht konservativ. Heißt, sie essen kein Schweinefleisch, feiern natürlich muslimische Feiertage, fasten während des Ramadan, aber es trägt so gut wie niemand ein Kopftuch und es wird auch kein Wert auf weite, konservative Kleidung gelegt.

Die Aussicht von meinem Balkon:

Heute (13.03.) hat mich dann meine Ansprechperson etwas in der Stadt herumgeführt. Ich hoffe mal, dass ich mich schnell zurechtfinden werde, auf jeden Fall wohne ich direkt im Zentrum und komme überall zu Fuß hin. Ich finde die Stadt wirklich schön. Besonders die Una ist natürlich ein Traum, weil der Fluss mitten durch die Stadt fließt. Momentan ist allerdings das Wasser sehr hoch, weil noch vor zwei Wochen viel Schnee gefallen ist und der Schnee dann geschmolzen ist. Aber ich will nicht verschweigen, dass man noch Kriegsspuren vom Krieg vor 20 Jahren sieht. Bosnien wurde während des Bosnienkrieges besonders schwer getroffen, viel musste wiederaufgebaut werden. Naja und dann wurde halt nicht immer alles wiederaufgebaut. Manche Häuser haben also Einschusslöcher oder sind nur noch Ruinen, mein Balkonsichtschutz hat auch ein Loch. Meine Ansprechpartnerin sagte, dass es den Bosniern natürlich nicht mehr auffallen würde,  sie seien es ja gewohnt. Ich wusste das auch schon vorher und war dementsprechend nicht schockiert. Aber diese Häuser sind nicht (!) in der Mehrzahl, ansonsten ist Bosanska Krupa so wie jede andere Stadt auch. Es gibt schöne Ecken, weniger schöne Ecken, belebte Ecken und weniger belebte Ecken. Schöner war das ganze natürlich dadurch, dass die Sonne schien und es nicht wirklich kalt war.

Hier ein paar Bilder von der Stadt (Ich habe hauptsächlich die Una fotografiert, weil ich mir eh schon wie eine Fremde vorkam, die neugierig gemustert wurde – da wollte ich nicht noch mehr auffallen. Es ist jetzt nicht so, als ob alle mich angestarrt haben, aber mit meinen blonden Haaren falle ich schon eher auf. Naja und am Anfang fühlt man sich ja immer so, als würden alle einen angucken und man fühlt sich etwas fehl am Platz.):

Die Brücke, die im Stadtzentrum über die Una führt:

Hier sieht man links die katholische Kirche und rechts die orthodoxe Kirche. Weiter hinten ist die Moschee, hier nicht zu sehen:

Dann war ich heute auch das erste Mal in der Schule, um ein paar SchülerInnen Hallo zu sagen. Freundlicherweise wurde ich von einer Schülerin abgeholt und lieb von allen begrüßt. Heute war ich erstmal nur in der 13. Klasse, also bei denen in meinem Alter. Die sind auch alle 18, ein paar sind schon 19.  Da ich während der Pause gekommen bin, habe ich mit ein paar Schülerinnen erstmal Karten gespielt, nacheinander kamen dann alle anderen SchülerInnen und haben sich mir vorgestellt. Ich habe mich entschieden für die Deutschstunde zu bleiben, um mir das erstmal anzugucken. Die SchülerInnen mussten unregelmäßige Verben wiederholen und haben dann eine Aufgabe gemacht. Danach meinte meine Ansprechperson, dass wir jetzt einen Stuhlkreis machen, damit die SchülerInnen mich kennenlernen können. Dann mussten die SchülerInnen mein Alter, meine Heimatstadt, meine Hobbies usw. erraten und ich habe ihnen dann die richtige Antwort gesagt. Die SchülerInnen haben interessiert zugehört und ich glaube, dass ich mich super gut mit denen verstehen werde. Ich wurde nämlich schon vorgewarnt, dass kaum jemand zu Besuch nach Krupa kommt und alle deswegen so gespannt seien. Aber das ist denke ich normal, wenn an meine Schule jemand neues kam, haben sich natürlich auch erstmal alle für die Person interessiert.

Heute war ich auch das erste Mal in einem bosnischen Supermarkt. Ich muss ehrlich sagen, dass ich kurz vor eine Panikattacke stand. Das hat mir tatsächlich vorher am meisten Angst gemacht, weil ich wusste, dass die älteren Menschen weder Englisch, noch Deutsch sprechen. Ich spreche ein paar Wörter Bosnisch, aber definitiv nicht gut genug, um die Bosnier zu verstehen. Ich kann stolz verkünden, dass ich vier Mal „Hvala“ (Danke) gesagt habe. 😀 An der Theke habe ich dann „Malo govorim bosanski. Dolazim iz Njemačke.“ (Ich spreche wenig Bosnisch. Ich komme aus Deutschland) gesagt und mich irgendwie damit durchgeschlagen. Das Brot ausgewählt habe ich mit „Das da“ und darauf zeigen, das funktioniert ja immer irgendwie. Die Verkäuferinnen waren super nett, auch an der Kasse hat alles irgendwie funktioniert. Irgendwann wird es einfacher, zumindest rede ich mir das ein… Erstmal bin ich stolz auf mich, dass ich mich immerhin getraut habe bosnisch zu sprechen – ich hatte nämlich keine Ahnung von der richtigen Aussprache und das r zu rollen fällt mir teilweise sehr schwer. Dafür habe ich einige Lebensmittel und Artikel entdeckt, die man auch in Deutschland kaufen kann. 😊 Barilla Nudeln zum Beispiel, darüber habe ich mich sehr gefreut.

Die erste selbstgekaufte Mahlzeit, alles im Supermarkt gekauft:

Alles in allem ist mein erster Eindruck erstmal positiv. Auf mich wirken die Bosnier entspannt, gelassen, gastfreundlich und offen. Ich bin gespannt auf die nächsten Tage und halte euch auf dem Laufenden!

 

Abschiede, Nervosität und letzte Vorbereitungen

Das Vorbereitungsseminar ist vorbei, ich war für eine Nacht wieder zu Hause und heute geht es los nach Bosnien. In den letzten Wochen gab es so viele letzte Male. Das letzte Mal in die Uni fahren, das letzte Mal meine Freunde treffen, das letzte Mal mit meiner Fußballmannschaft trainieren, das letzte Mal arbeiten, das letzte Mal ins Weserstadion gehen. Dabei ist es ja gar nicht wirklich das letzte Mal, es ist kein Abschied für immer und doch fällt mir das ganze schwerer, als ich es mir selbst gegenüber eingestehe. Der Monat Februar war definitiv stressig und durcheinander. Ich musste zu allen wichtigen Ärzten gehen, zu den Behörden für die Dokumente für mein Visum, nochmal alle Freunde sehen, meine Verwandten verabschieden, für vier Klausuren lernen, jede Menge letzte Besorgungen machen, hoffen, dass meine Ansprechperson eine Wohnung findet, packen und nebenbei irgendwie noch Zeit für mich selbst finden. Drei Mal dürft ihr raten, was am meisten auf der Strecke geblieben ist. 😀 Richtig, die Uni.

Die zehn Tage beim Vorbereitungsseminar am Werbellinsee mit den 164 anderen Freiwilligen haben mich wirklich bereichert und mir einen neuen Blickwinkel auf manche Sachen gegeben. Ich habe so viele coole Menschen getroffen, über interessante Themen diskutiert und der Austausch hat mich über vieles nachdenken lassen. In unserer „Homezone“ (so wurden die Seminargruppen genannt) haben wir unter anderem über Rassismus, Diskriminierung, Antiziganismus, Sexismus, Konfliktverhalten und unsere Rolle als Freiwillige*r geredet. Außerdem haben wir über unsere Ängste, Zweifel und Ziele für unseren Auslandsaufenthalt geredet und uns selbst reflektiert. Es war schön zu sehen, dass man nicht alleine ist mit seinen Ängsten und jeder sich auf seine Weise Sorgen macht. Super interessant war auch, als das Goethe-Institut uns über didaktische Methoden informiert hat und wir selbst eine Unterrichtsstunde planen mussten, als Vorbereitung auf unseren Aufenthalt in der Schule. Abends saßen wir mit den „Homies“ (der Spitzname für die Leute aus unserer Homezone) zusammen, haben lustige Spiele gespielt und viel gelacht, aber auch über ernstere Themen geredet. Ich hatte mich zwar auf das Vorbereitungsseminar gefreut, aber das hat meine Erwartungen tatsächlich übertroffen. Verrückt, wie man als Gruppe nach zehn Tagen so sehr zusammen wachsen kann… 🙂 Falls meine Homies das hier lesen: Shoutout an euch, ihr seid die Coolsten! <3 Eigentlich ist die Zeit viel zu schnell herumgegangen, ich hätte mit einigen gerne noch mehr geredet. Andererseits bin ich auch froh, dass ich jetzt wieder mehr Privatsphäre habe – die 10 Tage waren schon anstrengend.

Aber morgen geht es los und diesmal so wirklich. Natürlich habe ich irgendwie Angst, dass das alles nicht so läuft, wie ich es mir vorgestellt habe, dass ich einsam bin, Heimweh habe, mich dort nicht richtig wohlfühle, Sachen schiefgehen oder ich alleine verzweifle. Aber ich habe mich bewusst für diesen Schritt entschieden, weil ich wusste, dass es mir Angst machen würde. Zuzugeben, dass man Angst hat, ist ja nichts Schlimmes. Schließlich lasse ich für ein Jahr alles Bekannte hinter mir: Mein Zuhause, meine Familie, meine Freunde. Aber noch größer als die Angst ist eigentlich die Vorfreude. Ich freue mich auf eine fremde Kultur, eine fremde Sprache, neue Menschen, neue Erfahrungen, meine erste eigene Wohnung und mein neues Zuhause. Ich weiß nicht genau, was mich in dem Jahr erwartet, aber das haben Abenteuer wohl so an sich… Seid gespannt!

Meine Homies:

Vor der Weltuhr in Berlin, als wir am Sonntag einen Ausflug dorthin gemacht haben:

Am Werbellinsee:

Was man über Bosnien und Bosanska Krupa wissen muss

Ich dachte mir, ich schreibe mal einen kurzen informativen Beitrag über Bosnien und Herzegowina und Bosanska Krupa, die Stadt, in der ich ab dem 12.03. leben werde. Die meisten wissen wahrscheinlich nicht viel bis nichts über Bosnien, genau wie ich, bevor ich mich informiert habe. Das einzige, das ich vorher mit Bosnien in Verbindung bringen konnte, waren die Fußballer Izet Hajrović und Vedad Ibišević. 😀 Umso gespannter bin ich darauf, das Land bald selbst kennenzulernen.

Fakten über Bosnien und Herzegowina:

  1. Einwohner: ca. 3,5 Millionen
  2. Fläche: 51 197 km2 (etwas größer als Niedersachsen, deutlich kleiner als Bayern)
  3. Hauptstadt: Sarajevo (305 000 Einwohner)
  4. Amtssprachen: Bosnisch, Kroatisch und Serbisch.
  5. Zeitzone: MEZ (Keine Zeitverschiebung nach Deutschland)
  6. Offizielle Währung: Konvertible Mark.1 Euro = 1,95 KM
  7. Ethnische Zusammensetzung: (lt. Volkszählung 2013): 50,1% Bosniaken (größtenteils Muslime), 30,8% Serben (überwiegend orthodox), 15,4% Kroaten (überwiegend katholisch), 17 anerkannte Minderheiten
  8. Staats- und Regierungsform: Demokratischer Staat mit zwei Landesteilen: Die Föderation Bosnien und Herzegowina & die Republik Srpska
  9. Nachbarländer: Kroatien, Serbien und Montenegro
  10. Klima:
  • Im Landesinneren: Kontinentalklima, lange & kalte Winter, kurze & heiße Sommer
  • Küstenregion: Mediterranes Mittelmeerklima, lange & heiße Sommer, milde & schneefreie Winter
  • Heißeste Monate: Juli und August, Temperaturen von 35 Grad und mehr sind dann nicht ungewöhnlich
  1. Unterteilung:
  • Föderation BiH: 10 Kantone, 51% des bosnischen Territoriums, lateinisches Alphabet
  • Republik Srpska: Keine Einteilung in Kantone, 49% des Territoriums, zu 90% von Serben bewohnt, kyrillisches Alphabet
  1. Sport:
  • Fußball als beliebteste Sportart, 2014 erste WM-Teilnahme, traditionsreichste Vereine: FK Sarajevo, Željezničar Sarajevo, höchste Liga: Premijer Liga
  1. Essen und Trinken:
  • Erinnert in vielen Bereichen an die Küche Makedoniens, Serbiens und der Türkei, aber auch westliche Einflüsse
  • Fleischgerichte stehen im Mittelpunkt
  • Nationalgericht: Ćevapčići (gegrillte Röllchen aus Hackfleisch)
  • Bosnische Süßspeisen: von Türken im 15. Jahrhundert mitgebracht

 

Fakten über Bosanska Krupa:

  1. Einwohner: 29.659 (Volkszählung 2013)
  2. Fläche: 561 km2
  3. Geografische Lage: Im Nordwesten Bosnien-Herzegowinas, ca. 25 km nordöstlich von Bihać an den Flüssen Una und Krušnica
  4. Kanton: Una-Sana
  5. Telefonvorwahl: +387 (0)37
  6. Postleitzahl: 77240
  7. Ethnische Zusammensetzung (2013): 92,29 % Bosniaken, 4,93 % Serben, 0,25 % Kroaten, 1,93 % Andere

Ich kann leider aus rechtlichen Gründen keine Bilder von Google einfügen, aber wenn ihr kurz Zeit habt, würde ich euch empfehlen einmal Bosanska Krupa zu googeln, hier der Link: https://www.google.de/search?q=bosanska+krupa&client=firefox-b-is-oem1&dcr=0&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwjH4o2977HZAhULZlAKHTAPD6sQ_AUICygC&biw=1056&bih=482. Die Stadt sieht wirklich schön aus, besonders die Una. Im Internet findet man auch ein YouTube Video, das Bosanska Krupa aus der Luft zeigt: https://www.youtube.com/watch?v=ohhMV_sg0dI&t=203s

Allgemein kann man aber nicht viele Informationen zu Bosnien finden, eigentlich gibt es nur bei Wikipedia hilfreiche Infos und der Reiseführer vom Trescher Verlag über Bosnien ist super. Wenn ich dann in Bosnien bin, werde ich natürlich meine eigenen Bilder einfügen.

Bis bald!

Warum gehe ich nach Bosnien und Herzegowina?

Hallo liebe LeserInnen,

ich freue mich sehr darüber, nun endlich diesen Blog starten zu können.

Die Vorfreude steigt weiter, denn in etwas mehr als zwei Monaten bin ich schon in Bosanska Krupa, einer Kleinstadt im Nordwesten Bosnien-Herzegowinas.

Einige LeserInnen kennen mich vielleicht persönlich, andere sind zufällig darauf gestoßen und wieder andere werden dies später lesen, weil sie sich entweder bei kulturweit bewerben wollen oder dies schon getan haben und nach Informationen suchen. Ich hoffe, dass ich allen irgendwie gerecht werden kann. 🙂

In den letzten Wochen bin ich immer wieder gefragt worden, warum genau ich denn jetzt eigentlich nach Bosnien gehe, das sei ja schon eher ungewöhnlich. Deswegen erzähle ich erst einmal, wie es dazu gekommen ist. Alles begann im April 2017, als ich langsam anfing mir Gedanken zu machen, was ich denn nach der Schule machen will. Um mich herum bekamen einige langsam Panik, weil viele mit 18 Jahren nicht genau wussten, was sie wollten und wieder andere hatten schon einen genauen Plan. Für mich stand schon seit der 6. Klasse fest, dass ich nach dem Abitur für eine längere Zeit ins Ausland will. Aber wie genau war das zu realisieren? Ich begann stundenlang im Internet nach Möglichkeiten zu suchen und war von der Flut an Informationen überwältigt. Doch die Internetseite vom Freiwilligendienst kulturweit der Deutschen UNESCO-Kommission stach am meisten hervor und so kam eines zum anderen. Mitte April bewarb ich mich bei kulturweit, Anfang Juni bekam ich die Antwort, dass meine Bewerbung geprüft wurde und meine Unterlagen ausgewählt wurden, um an die Partnerorganisation des Goethe-Instituts weitergeleitet zu werden. Dies hieß aber natürlich noch nicht, dass ich angenommen war, schließlich gab es jetzt das zweite Auswahlverfahren und uns wurde mitgeteilt, dass sich, falls Interesse besteht, die zuständigen Goethe-Institute von verschiedenen Ländern bei uns melden würden.

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich, als Ende Juni die E-Mail mit der Einladung zum Telefoninterview vom Goethe Institut Sarajevo kam, erstmal kurz schlucken musste. Bosnien und Herzegowina klang für mich nicht gerade spannend, wenn man sich die Liste anguckt mit allen Ländern, in denen das Goethe-Institut Partnerschulen hat. Mein Traum war es gewesen, in ein afrikanisches Land zu gehen, also weit weg von Deutschland. Ich habe erst überlegt abzusagen, da ich panische Angst vor einem Telefoninterview hatte. Doch dann habe ich es mir anders überlegt. War das nicht eine einmalige Chance? Würde ich es nicht bereuen, wenn ich ablehne?  War es nicht das, das ich schon immer gewollt hatte? Meine Neugier siegte und ich entschloss mich, die Einladung zum Telefoninterview anzunehmen. Es kam alles anders als gedacht, das Telefon-Interview verlief gut und am 15. August kam das Platzangebot für das Gymasium „JU Opća gimnazija Bosanska Krupa“.

Da ich das auch immer öfter gefragt wurde: Man wird von dem Goethe-Institut eines einzigen Landes angeschrieben, man kann sich nicht das Land, die Stadt oder die Schule aussuchen (abgesehen von den Präferenzen bezüglich der Regionen wie „Afrika“ oder „Südostasien“ bei der Bewerbung) und man bekommt ein einziges Angebot, welches man annehmen oder ablehnen kann. Ist das etwas Schlimmes? Absolut nicht, schließlich macht das den ganzen Auswahlprozess einfacher und außerdem bekomme ich, so wie Freiwillige in Deutschland, von kulturweit monatlich finanzielle Unterstützung, zum Beispiel für meine Wohnung. Zusätzlich bekommen wir finanzielle Unterstützung bei der Reise dorthin, beim Sprachkurs und vieles mehr, was ich sehr zu schätzen weiß. Ich freue mich sehr darauf, nach Bosanska Krupa zu kommen und ich bin dankbar, dass kulturweit mir das ermöglicht.

Was genau werde ich am Gymnasium in Bosanska Krupa machen? Ich werde eigentlich genau das machen, das deutsche Freiwillige auch an Schulen machen. Mein Einsatzbereich wird natürlich mit dem Deutschunterricht der Schüler zu tun haben. Wie genau das aussehen wird, weiß ich natürlich noch nicht, aber eventuelle Möglichkeiten sind (wie mir von einer Verantwortlichen des Goethe-Instituts Sarajevo mitgeteilt wurde): Vorbereitungen für die Stunden, Zusatzunterricht, Aussprachetraining, Projektunterricht, evtl. eine AG anbieten und die Deutschlehrerin des Gymnasiums bei allem unterstützen. Als Muttersprachlerin ist man natürlich eine hilfreiche Ansprechpartnerin für die Schülerinnen und Schüler.

Warum ich das hier erzähle? Ich möchte einen ehrlichen Blog schreiben und nichts vorspielen, da noch nicht viele Blogs von Freiwilligen, die nach Bosnien und Herzegowina gegangen sind, existieren. Ich habe gelernt, dass man sich erstmal über Sachen informieren sollte, bevor man sich vorschnell eine Meinung bildet. Natürlich wusste ich das theoretisch schon vorher, aber das hat meine Augen nochmal geöffnet. Manchmal sind die unerwarteten Dinge die besten und manchmal muss man sich auf Dinge einlassen, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht krass klingen. Versteht mich nicht falsch, Australien, Neuseeland, Südafrika, etc. sind tolle Länder und ich möchte da auch nochmal hin, aber Bosnien und Herzegowina ist genauso sehenswert. Ja, Großstädte haben ihren Reiz, aber auch Kleinstädte sind cool und haben viele Vorteile, da einfach alles etwas persönlicher ist. Im Weg steht immer die Angst, dass man etwas Besseres verpassen könnte, aber manchmal muss man Dinge einfach auf sich zukommen lassen.

„I learned that courage wasn’t the absence of fear but the triumph over it. The brave man is not he who does not feel afraid, but he who conquers that fear.” – Nelson Mandela

Ich habe schon einige Ideen für zukünftige Blog Posts, also seid gespannt. 🙂 Über Kommentare würde ich mich natürlich auch immer freuen.

Bis bald,

Annika