Dazwischen und Mittendrin

Mittendrin bin ich im Alltag oder wie man es auch nennen soll. In meinem Trott hier, der doch öfters ins Stolpern gerät, denn auch wenn die Schulstunden sich wiederholen, ist doch jede Woche anders und manchmal unerwartet. Zu dem Trott gehört meine Modern Jazz/Gymnastik-Gruppe (ich hätte kaum gedacht, dass ich freiwillig Gymnastik mache), die Mittwochstreffen mit Erasmus-Student*innen und Polen*, der Sprachkurs, das Schwimmen sowie die Stunden an den Schulen, wozu seit Ende Herbst auch eine private Deutschschule gehört.

Mittendrin bin ich in einer Sprache, von der ich mehr verstehe, als ich sprechen kann und die ich jeden Tag weiter lernen muss. Manchmal nervt es mich, ich will reden und nicht lernen, doch im nächsten Moment – ohne es direkt zu merken – lerne ich weiter und bin motiviert.

Mitten im Nirgendwo, das Zwischenseminar, eine andere Welt, ein kleiner Ausschnitt von Deutschland im Ausland. Zeit zum Nachdenken, zum Austausch, manche Momente erlebe doch viele andere auch. Ich nehme neue Ideen mit, über Privilegien, meine Rolle oder auch für die Schule (mal sehen, was ich auch tatsächlich umsetzen kann). Am Wichtigsten für mich war folgender Hinweis von unserer Trainerin: es braucht Zeit ein neues Leben aufzubauen. Und ich stelle fest, dass ein Vergleich meiner Zeit hier mit meinem sechsmonatigen Austausch unsinnig ist, meine Erwartungen zu hoch waren. Erstens habe ich die Sprache vorher nicht gesprochen, zweitens habe ich hier keine Klassengemeinschaft und drittens keine Gastfamilie, all das hat das Freundschaften schließen damals erleichtert. Ideen für die Zeit im Ausland sind nur dann gut, wenn sie nicht zu Erwartungen an sich selbst und andere werden, die schwer zu erfüllen sind.

Zwischen verschiedenen Städten, die ich wieder besichtigen möchte. Schöne und erlebnisreiche Tage in Breslau vor und nach dem Zwischenseminar, wieder kurz in Warschau, Silvester in Krakau. Dort treffen wir uns mit insgesamt sechs Freiwilligen*. Nach etwas Stress mit dem Vermieter des Apartments und einem Rausschmiss finden wir glücklicherweise am 31. Dezember noch eine Wohnung für 2 Tage ab sofort. Wir sind zwischen verschiedenen Sprachen, eine aus Ungarn, einer aus Tschechien, eine aus Russland und drei aus Polen, die wir alle eine manchmal leicht verzweifelte (bei Unterkunft- und Pizzasuche), aber insgesamt sehr schöne Zeit hatten. Ich konnte nicht alles sehen, was ich wollte, aber ich komme wieder!

Zwischen zwei Welten, Weihnachtsfeiern in Polen und dann Weihnachten in Deutschland. In Lublin war ich bei einem Weihnachtskonzert der Musikschule, einer Klassenweihnachtsfeier, einigen Weihnachtsunterrichtsstunden und der Lehrerweihnachtsfeier und konnte so die polnischen Traditionen kennenlernen. Außerdem bekam ich sehr liebe Geschenke von Klassen und den Deutschlehrerinnen.

Einen Tag später, gegen 17 Uhr: Ich sitze im Zug von Berlin nach Aachen und kann alle Gespräche um mich rum verstehen. Das ist der Moment, in dem ich realisiere, dass es tatsächlich zurück nach Hause geht. Während der Zeit dort konnte ich Freunde und Familie treffen und erzählen und alles war fast wie immer. Doch vor der Bescherung teilten wir die Oblate, die ich geschenkt bekommen habe. Bei dieser polnischen Tradition wünscht man der Person gegenüber etwas, bricht ein Stück der Oblate ab und umgekehrt. Je mehr Wünsche, desto besser. Die an mich gerichteten Wünsche der polnischen Lehrer*innen gingen von guten Freunden über einen reichen Mann, Gesundheit, Glück, … Und wenn ich den Lehrer nicht kannte, war nach „Frohe Weihnachten und ein frohes neues Jahr!“ oder „Alles Beste!“ der Wunsch vorbei.

Und nach einer Woche Deutschland bin ich wieder zurück gefahren, nicht zurück nach Deutschland, sondern zurück nach Polen. Und das erste Mal fühlt es sich fast wie nach Hause kommen an. Oft habe ich mich gefragt, wie sich das anfühlt, als ich davor einige Male von einer Reise zurück gekommen bin, doch in dem Moment wusste ich es.

Dann gibt es noch das altbekannte Dazwischen: Zwischen Lehrer und Schüler, Freiwillige sein. Eine halbe Autorität, von Manchen mehr respektiert als von Anderen, mal mit mehr, mal mit wenig zu tun, mit vollgepacktem Alltag und „Was soll ich mit meiner Zeit anfangen – huch, doch schon wieder ein Tag rum“.

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