And I have to say „Auf Wiedersehen!“

Es ist fast 12 Uhr. Ich sitze am Flughafen und versuche mich zu beruhigen. Die Reise, die ebenfalls hier seinen Anfang fand, nimmt jetzt auch sein Ende. Viel zu früh.

Heute morgen habe ich mich mit der zweiten Klasse des Gymnasiums auf den Weg nach Podgorica gemacht. Der Flughafen der Hauptstadt ist klein und so sehe ich auf der einen Seite, wie die Leute in Richtung Sicherheitskontrolle gehen und auf der anderen Seite, wie Familien, Ehepartner oder Kinder auf ihre Lieben warten. Zwei Seiten: Abschied und Ankommen.

Beide Seiten beschreiben meine Gefühlslage. Gerade erst vor einer halben Stunde nahm ich Abschied von meinen Freunden, von meinem Ansprechpartner und von meinen Schatzis (kleiner Insider am Rande). Normalerweise wäre ich heute zusammen mit ihnen nach Ludwigshafen geflogen und hätte 10 Tage Schüleraustausch erleben dürfen. Leider trennten sich jedoch heute schon vorzeitig die Wege. Kein Geheimnis das einige Tränen geflossen sind. Das ist der erste Teil von Abschied. Doch dieses dumpfe Bauchgefühl hat noch einen anderen Hintergrund. Ich fange an zu realisieren, dass mein Abenteuer hier ein Ende findet. Was sind heute noch 6 Monate? Die Tage sind an mir vorbei gerauscht und schon haben wir Ende Februar. In dieser Zeit hatte ich das Privileg ein Land lieben zu lernen, von dem ich am Anfang nicht mal wusste das es existiert (peinlich, aber die Wahrheit). Ich war umgeben von Menschen, die mir eine Familie geboten haben – sei es nun meine Gastfamilie, mein Ansprechpartner oder meine Freunde. Meine Arbeit hat mir so gut gefallen, dass die Überlegung besteht, mein Praktikum während des Studiums in Ulcinj zu vollziehen. Ich bin gereist, nicht nur in Montenegro, sondern in vier weiteren Ländern (Albanien, Ungarn, Serbien, Kosovo).

Es ist kein leichter Abschied für mich. Im Gegenteil, ich verlasse mein neues Zuhause. 

Wie dem auch sei, es gibt natürlich auch die schöne Seite an einem Abschied. Das Ankommen! Ich freue mich heute Abend meine Familie in die Arme schließen zu können und in den nächsten Tagen auch meine Freunde. Ich bin froh, bald meinem Hobby wieder nachgehen zu können und bin gespannt wie das Studium ab April werden wird. Eine eigene Wohnung einrichten zu dürfen, ein Interview mit der Zeitung zu führen und auf dem Nachbereitungsseminar versuchen anzukommen, sind ebenfalls Pluspunkte meiner Ankunft in Deutschland.

 

Erst Vorgestern sagte ich zu meiner Mutter: „Mama, wenn ich nach Hause komme, brauche ich Zeit. Zeit um anzukommen und zu realisieren.“ Natürlich verändert dich die Zeit im Ausland, keine Frage. Ich habe viel Zeit gehabt über mich, mein Leben und meine Wünsche nachzudenken. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich alleine gewohnt. Ich weiß, ich werde Zeit benötigen, um wieder in Deutschland anzukommen…

Noch sitze ich allein am Flughafen. Gedankenverloren und verträumt. Vom Kopf her habe ich Abschied genommen, doch mein Herz habe ich zum Teil hier gelassen.

“ Wo wir gestern noch waren und heute nicht mehr sind, macht die Frage nach Heimat wieder Sinn.“ – Beat Jan

Auf Wiedersehen hat nicht ohne Grund die Bedeutung, dass man sich eines Tages wiedersehen wird. Ulcinj ist mein Zuhause und nach Hause darf man immer zurückkehren.

 

Ich sage also „Auf Wiedersehen“ und weiß ich komme wieder.

Ein Gedanke zu „And I have to say „Auf Wiedersehen!““

  1. Meine liebe!
    Ich weiß ich kann noch nicht ganz nachempfinden, wie es dir ging gestern Abend aber trotzdem hatte ich gerade beim lesen das Gefühl fünf Monate in die Zukunft versetzt zu werden…
    ich wünsche dir die Zeit die du brauchst um anzukommen und du weißt: ich hab dich lieb!!
    Neele

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