Highlights bei Regenwetter

In den letzten Tagen hat es geregnet, nein was behaupte ich, es hat geschüttet. An der Strandpromenade sammelte sich das Wasser auf eine Höhe von 50cm und gerade bei trüben Wetter nutze ich gerne die Zeit um zu zeichnen, lesen oder aber um nachzudenken. Eines der Themen, das mich besonders beschäftigt hat, sind die Momente, die ich hier erleben durfte. Die 6 Monate neigen sich bald dem Ende zu und meine letzten Tage hier in Montenegro sind gezählt.

„Weit weg bist du oft ganz nah an dir selbst.“ – Martin Krengel

Denke ich an die vergangenen Monate, so muss ich immer wieder feststellen, dass ich viele neue Seiten an mir selber kennenlernen durfte. Ich habe mich in diesen Monaten gefreut, geärgert, mich relativ häufig über mich selbst aufgeregt und letztendlich vieles über mich und meine Mitmenschen lernen dürfen. Es gab Momente, in denen ich mir wirklich gewünscht hätte, ich könne sie mit mehr als einem Foto oder aber einen Blogeintrag festhalten. Einige dieser Momente möchte ich nun mit euch teilen. Für den Außenstehenden mögen es vielleicht keine unglaublich spektakulären Dinge sein, aber mir haben diese Erfahrungen den Tag um einiges schöner gemacht.

Auf Reisen:

Vieles habe ich durch Reisen kennenlernen dürfen. Erst letzte Woche saß ich in Tirana vor einem Kamin und genoss bei regnerischem Wetter das Beisammensein mit Tamara. Plötzlich ohne jeglichen Anlass (den wahren Grund nenne ich nicht) fangen Tamara und ich an zu lachen. Wer uns nicht kennt, denkt wir neigen zur Verrücktheit, denn wir vergleichen unsere Freundschaft mittlerweile mit einer „Fernbeziehung die tatsächlich funktioniert“ – sehr optimistisch. Ob es nun Budapest, Belgrad/Sremski Karlovci oder aber Montenegro/Albanien war, wir haben so ziemlich jede Reise miteinander geteilt. Auf Reisen lernt man eine Person auf eine ganz andere Art und Weise kennen und das hat uns unglaublich zusammen geschweißt.

Neben diesem Aspekt von Reisen, werde ich niemals meine ersten Tage hier in Ulcinj, Montenegro, vergessen. Allein der Weg hierhin war eine aufregende Reise, aber direkt am ersten Tag fand ich mich auf einem Boot wieder und schipperte die Küste Montenegros entlang. Und kurz darauf stand ich mit, für mich zwei ganz besonderen Menschen, auf einer alten Ruine und blickte in die Schlucht Kotors – ein Roadtrip mit Wildpferden und Wegen, die eigentlich verboten gehören sollten.

Schule macht Spaß

Und das meine ich im wahrsten Sinne des Wortes:

Insider mit den Schülern im Unterricht. Die freundlichen Begrüßungen, die einem jeden Tag begegnen und auch vertiefende Gespräche mit dem Ansprechpartner, haben die Schultage um einiges kürzer gemacht.

Eine typische Situation: Es ist Mittags und ich sitze in meinem Lieblingsrestaurant „Papillon“, die Grundschüler winken zum Abschied und ich entspanne mich, bevor ich in das Gymnasium wandern werde. Nebenbei vertiefe ich philosophische Gespräche mit meinem Ansprechpartner. Plötzlich werden mir zwei Schokobananen zugeworfen, so zu sagen als Vorspeise zu meiner Pizza (?). Samra, eine Freundin aus der Schule, zwinkert mir zu, denn dieses Ritual wiederholt sich wöchentlich, nachdem sie feststellte, wie sehr ich diese Art von Süßigkeit mag.

Dann der typische Freitags-Moment: Die letzte Stunde fängt gleich an und nicht nur der Schüler freut sich auf das Wochenende. Mein Ansprechpartner und ich laufen zum Klassenzimmer der Grundschule. Plötzlich fängt er an „The Final Countdown“ zu summen bzw. nachzuahmen. Ich stimme mit ein, ein urkomischer Moment, denn die Schüler schauen uns verwirrt hinterher.

Ein Berg als Hindernis

Wer schon mal von Ulcinj gehört hat bzw. etwas gesehen hat, der weiß, dass die Stadt einer Etagenstadt gleicht. Natürlich ist die Schule im schönen Tal, während meine Wohnung auf Etage 5 von 5 ist. Mittags rege ich mich gerne mal per Sprachnachricht auf, wenn ich diesen schönen Berg hochlaufen darf. Nicht zu überhören mein Prusten, aber wenn man morgens auf dem Weg runter diese wundervolle Aussicht oder aber die Sonnenuntergänge auf seinem Balkon sieht, ist dieser steile Weg nichts. Ulcinj ist schön und hat mir wundervolle Seiten von sich gezeigt. Gerne sitze ich im Januar bei 9 Grad und Sonnenschein im Café und genieße meinen Kakao. Oder aber ich sitze auf meiner Terasse und genieße den Ausblick auf das weite Meer.

GERMAN-HOTSPOT:

Eine Sache die Ulcinj tatsächlich auch versüßt, jeder spricht zumindest ein wenig Deutsch. Natürlich versuche ich Montenegrinisch/Serbisch zu lernen, aber wenn ich kann, kommuniziere ich gerne auf Deutsch. Viele Menschen hier vor Ort freuen sich über ein wenig Deutsch-Kommunikation, denn aus den Sommermonaten sind sie es gewohnt deutsche Touristen um sich herum zu haben. Deshalb ist es eher selten seinen 20-minütigen Weg nach Hause in wirklich 20 Minuten zu schaffen. Immer wieder treffe ich bekannte Gesichter und es ist schön selber kein unbekanntes Gesicht mehr zu sein.

Gute Freunde:

Es ist meiner Meinung wirklich schwierig nach 6 Monaten sagen zu können, dass die Freunde mit denen ich mich hier treffe, mich genauso kennen wie Freunde, die mich schon fast mein ganzes Leben kennen. Aber das nehme ich auch nicht als Voraussetzung, um die Menschen hier als meine Freunde zu bezeichnen.

Meine Gastfamilie: Für die Außenstehenden sind sie meine Vermieter, doch für mich sind sie der Inbegriff einer Familie. Von Anfang an, haben sie mich wie ein Familienmitglied behandelt. Wenn ich sie besuchte machte meine Gastmutter mir Pizza, Tee oder besorgte mir sogar Nutella. Auch meine Gastschwester nahm mich direkt wie eine gute Freundin auf und versuchte sich immer Zeit für mich zu nehmen, wenn sie Zuhause war.

Meine Schulfreunde: Viele der Schüler, die in die Klasse meines Ansprechpartners gehen, sehe ich nicht als Schüler, sondern als Freunde an. Ich find es toll, im Unterricht mit ihnen zusammen zu arbeiten und vielleicht danach nochmal mit ihnen Tee zu trinken.

Tamara in Tirana: Dieser „Joke“ wird dich wohl auf ewig verfolgen, aber Annchristin in Ulcinj soll ja angeblich auch sehr lustig sein. Unser Beziehungsstatus ist klar, aber ein Absatz über Freunde zu schreiben, wäre komisch ohne die namentlich zu nennen.

Im nächsten Leben mach ich was mit Film

In den vergangenen Monaten habe ich viel geschnitten. Damit meine ich kein Papier, sondern tatsächlich Filme. Sei es nun ein Weihnachtsgeschenk oder aber die Mithilfe bei einem Videoworkshop, alles war dabei. Der Videoworkshop war wohl das mit lehrreichste Erlebnis meines FSJs. Ich habe dort nicht nur bei einem Drehbuch mitgeschrieben, sondern ich durfte schauspielern und auch am Ende am Schnitt mitwirken. Doch das eigentlich schöne daran, war die Beziehung zu den Mitmenschen, die ich dabei aufbauen durfte. Sätze wie:“Alle beruuuhmt.“ , oder „Konzzzzentration, bitte.“ (ich orientiere mich hierbei an der Aussprache) wurden zu Sätzen, die die Gruppe noch heute verbindet. Nebenbei war ich auch auf einer Filmpremiere – Luxus pur in einem 5 Sterne Hotel.

 

 

Tja und ich glaube, dass sollte erstmal alles sein, denn manches behält man doch lieber für sich.

 

Eure Annchristin.

 

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