Feel Ulcinj

Die Zeit scheint im Fluge zu vergehen und so wirklich realisieren kann ich das noch nicht. Ich versuche meine letzten Wochen hier so gut wie möglich zu nutzen, um Ulcinj zu fühlen. Klingt vermutlich etwas strange, aber wenn man das Leben hier nicht fühlt hat man auch nie wirklich hier gelebt.

Ulcinj – Stadt

Nach einer eher gelassenen Woche in der Schule, in der ich so einigen Papierkram zu erledigen hatte, bekam ich am Wochenende, wie so oft Besuch aus Tirana. Für dieses Wochenende hatten wir uns wirklich etwas sehr abenteuerliches vorgenommen und zwar die Wanderung zum Velika Plaza. Diese 10km sollten laut GoogleMaps innerhalb von 2 Stunden abgelaufen sein, wer´s glaubt. Der Weg zeichnete sich vor allem durch Waldgebiet und Küste aus. Direkt neben der Küste entlang zu laufen hat seinen Charme, aber Wanderschuhe wären teilweise echt vorteilhaft gewesen. Warum? Naja, wenn man mit Händen und Füßen versuchen muss sich fortzubewegen, dann kann man sich ungefähr vorstellen, wie steil und steinig es manchmal vor sich ging. „Spielt ja nicht am Handy rum und Musik hören solltet ihr vielleicht auch nicht.“, so der Tipp meines Ansprechpartners… Aussage genug meiner Meinung nach.

Frauenstrand

Doch ich will mich ja hier nicht über einen solchen Weg beklagen. Die Aussicht war der Hammer, damit meine ich den Blick auf das weite Meer der Adriaküste, ein Wald der mich an meine Heimat in Deutschland erinnerte und ein Geruch der mir bis jetzt noch nicht aus der Nase geht. Das jedoch meine ich nicht im positiven Sinne: Am sogennanten Frauenstrand, der tatsächlich nur für Frauen zulässig ist, wird durch einen angenehmen Geruch nach verfaulten Eiern (dank der Schwefelquellen) schon Kilometer vor eigentlichem Strand sichtbar, nein ich meine riechbar. Da war man doch tatsächlich froh schnell weitere 2km gelaufen zu sein, um diesen Geruch zu entkommen.

Die ein oder andere Pause wurde natürlich auch eingelegt. Meistens jedoch nicht um etwas zu trinken, sondern weil die Aussicht so schön war, dass man doch das ein oder andere Bild schießen musste. Wirklich Glück hatten wir mit dem Wetter, während wir der Küste entlang liefen und Ulcinj schon den Rücken zugekehrt hatten, wurde aus bepackten Wanderern, T-Shirt tragende Touristen, die schnell durch ihr Deutsch entlarvt wurden. Anscheinend doch etwas komisch, wenn Einheimische Deutsche im Januar hier antreffen, da diese doch eher ab Juni oder Juli hier erscheinen um hier Urlaub zu machen. Aber nichts da. Nach ungefähr 2 Stunden erreichten wir dann die Küstenspitze und der Ausblick der uns dort geboten wurde, war einzigartig. Zu unserer Rechten, sah man die unglaublichen Felsen, die wir noch eben abgerackert hatten und zu unserer Linken, den Velika Plaza, der 13km lange Sandstrand gilt als ein Wahrzeichen Ulcinjs. Natürlich haben wir das Angebot ausgenutzt und sind noch am Strand spazieren gegangen und haben es uns danach in einem Restaurant gemütlich gemacht und draußen gegessen (ja Draußen im Januar). Letztendlich waren wir dann doch froh, als uns ein Bekannter mit dem Auto abgeholt hat. Letztendlich sind wir dann totmüde ins Bett gefallen, da konnte nicht mal der geliebte Harry Potter Film mithalten.

Metapher für den richtigen Weg einschlagen

Was meine ich also damit, wenn ich sage ich fühle Ulcinj? Ich meine damit nicht nur meine mit Blasen besetzten Füße, nein ich spreche vor allem von der Vielfältigkeit Montenegros die ich jeden Tag aufs neue erleben darf. Während im Norden Montengros noch Ski gefahren wird und die Leute sich mehr oder weniger über Minusgrade freuen, verbringe ich meine Zeit bei 15Grad und Sonnenschein. Der Mandelbaum trägt schon seine Blüten und meinen Tee trinke ich gerne auf meinem Balkon am Nachmittag. Ich bin nicht gerade glücklich über die Tatsache, dass ich die wunderschöne Frühlingszeit hier verpassen werde, aber ich weiß es wirklich zu schätzen, dass ich hier im letzten September angekommen bin und ein Leben führen darf (wenn auch nur für eine kurze Zeit), das mich in die Richtung gelenkt hat, die ich mir für mich gewünscht habe.

Jetzt heißt es für mich Genuss der letzten 3 ½ Wochen, bevor es mich zurück nach Deutschland verschlägt und der Ernst des Lebens, damit meine ich das Studium, beginnt. Tirana wird mich auch am nächsten Wochenende willkommen heißen, wie an so vielen anderen Wochenenden des vergangenen Jahres.

WICHTIG: DIE HIER ABGEBILDETEN FOTOS SIND SOWOHL VON MIR (zumindest einige) ALS AUCH VON DER WUNDERVOLLEN TAMARA AUS TIRANA.

 Besucht auch ihren Blog: www.kulturweit-blog.de/geheimtippalbanien

Liebe Grüße,

eure Annchristin.

5 Gedanken zu „Feel Ulcinj“

  1. Liebe Annchristin,
    den von Dir so schön beschrieben Wanderweg, würde ich jetzt am liebsten gleich Nachwandern 😎☀️!
    Ich freue mich, Dich bei Deinem Besuch im „Ländle “, kennenzulernen !
    Liebe Grüße Christiane

  2. Ein sehr schöner Weg, den wir im September auch gewandert sind!
    Ich versuche zu rechnen: wieso ist deine Zeit schon nach 1/2 Jahr zu Ende?
    Weiterhin eine tolle Zeit in Ulcinj!
    Ganz liebe Gruesse von Martin

    1. Lieber Martin,

      der Weg war wirklich unbeschreiblich. Tja das mit dem halben Jahr ist so eine Sache, ich hatte ziemliche Schwierigkeiten eine Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen und so hat eins zum anderen geführt.
      Ich freue mich euch, demnächst mal wieder zu sehen, denn ich werde bald runter in den Süden kommen und würde euch dann gerne besuchen.

      Liebe Grüße zurück, auch an Isolde.

      Annchristin

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