Insider Budapest

Lichter der Nacht

Kaum versieht man sich sind schon weitere zwei Wochen vergangen. Momentan habe ich das Gefühl die Zeit verfliegt und ich vergesse das Zeitgefühl. Mittlerweile hat offiziell die Adventszeit begonnen und ich bin aufgeregter denn je, denn schon bald (heute genau in 2 Wochen) werde ich meine Familie und meine Freunde über Weihnachten wiedersehen. Wenn auch hier in Ulcinj nicht so wirklich Weihnachtsstimmung herrscht, umso mehr verkrieche ich mich in meine eigenen kleinen Traditionen. Sei es nun ein Adventskalender oder ein Adventskranz, ich merke wie wohl ich mich inzwischen in diesem Ort und in meiner eigenen Wohnung fühle. Besonders freue ich mich auf die gemeinsame Backaktion, die ich am Samstag zusammen mit Tamara und zwei Schülerinnen hier in Ulcinj starten werde.

Da sollte man doch meinen, wenn man sich so wohlfühlt in seinem eigenen Örtchen, dass man irgendwann sesshaft wird, doch eigentlich genau das Gegenteil bei mir. Zitate wie: „Sag mal bist du eigentlich auch mal Zuhause.“, bekomme ich nicht selten zu hören. Nach einer sehr spontanen Planung mit dem Ziel für ein Wochenende nach Slowenien zu fahren, ging es plötzlich total überstürzt nach Budapest. Donnerstag spät Abends mal eben alles organisieren und plötzlich sitzt man schon Freitag Mittags im Bus auf dem Weg nach Tirana um seinen Travelbuddy (wie ich Tamara mittlerweile liebevoll nenne) abzuholen.

Die Hauptstadt Ungarns, die immer als ein Traum bezeichnet wird, ist ein von mir auserkorener Geheimtipp (vor allem um die Weihnachtszeit). Da sich die Stadt in zwei Teile teilt (nämlich in Buda und Pest, getrennt durch die Donau) und unser Hotel in Pest war,

Elisabeth-Bridge (Verbindung zwischen Buda & Pest)

war ich erstmal total geflasht von dieser unglaublich gemütlichen Atmosphäre in Pest. Die Häuser glichen keinem typischen Plattenbau, den man aus sonstigen Großstädten so kennt, sondern jedes Haus glich einem kleinem Altbau-Palast (meiner Meinung nach).

Natürlich haben wir auch die ein oder anderen Touripläne geschmiedet, die aber eigentlich schon nach einer 3/4 Stunde verworfen wurden, denn wir haben direkt einen Weihnachtsmarkt gefunden und wenn es dann plötzlich auch noch anfängt zu schneien, tja da ist man doch in der richtigen Stimmung für ein bisschen Bummeln auf einem Weihnachtsmarkt. Ach was sag ich denn da, ich meine auf ungefähr 3 Weihnachtsmärkten…

Einer der schönsten Weihnachtsmärkte, den ich je gesehen habe

Ein Markt wäre doch echt untertrieben für eine solch große Stadt. Die Stadt glich schon morgens einem Wintermärchenland und ich habe mich gleich verliebt. Da hilft es dann vermutlich auch nicht, wenn man Abends in das Nussknacker-Ballett geht. (Frage an Tamara: Was nehmen wir eigentlich wirklich aus diesem Ballett mit? Inspiration? Größenwahnsinn?) Ich habe unglaublichen Respekt vor der Leistung dieser Künstler, mag für den einen Ballett etwas total lächerliches darstellen, dem kann ich nur mal raten in eine Vorstellung zu gehen. Noch immer bin ich fasziniert von der Darstellung einer Geschichte ohne wörtliche Kommunikation.

Aussicht auf Budapest

Am nächsten Tag haben wir uns dann auf sportliche Art und Weise den ganzen Gellértberg hochgeschleppt, um von oben aus die unglaubliche Aussicht genießen zu können. Eine solch riesige Stadt mal „ganz“ sehen zu können, raubt einem wortwörtlich den Atem. Oftmals denkt man wirklich, wenn man alle Touristenplätze aufgesucht hat, dass man alles gesehen hat – großer Fehler. Man sieht plötzlich das ungarische Parlament (zuvor als echt protzig beschrieben) und nimmt es auf eine ganz andere Art und Weise wahr. Zum Abschluss haben wir noch das ein oder andere Weihnachtsgeschenk auf einem sehr schönen Weihnachtsmarkt gekauft (wer hätte es erwartet), bevor es dann zurück in unsere Einsatzländer ging.

ein wenig Tee

Fasse ich die drei Tage zusammen: Tee/Kaffee trinken, Weihnachtsmärkte und das Leben genießen

Durch Ausflüge wie diese, merke ich wie sehr ich die Dinge genieße, die mir das Auslandsjahr möglich macht. Zuvor habe ich nie wirklich darüber nachgedacht Städte wie Ulcinj, Tirana oder aber Belgrad zu besuchen… doch jetzt habe ich eine Heimat in einer süßen kleinen Stadt namens Ulcinj gefunden und ihr Charme verzaubert mich immer wieder. Ich habe eine Freundin gefunden, die nicht nur ähnliches durchlebt, sondern die mich auf jede Art und Weise versteht und immer Verständnis zeigt. (Ich nenne es immer noch Zufall, dass man unter 320 Leuten genau den Menschen gefunden hat, der einen mit am besten versteht). Ich merke aber auch, wie mich der Aufenthalt Stück für Stück verändert. Mag es um Selbstständigkeit gehen, oder aber auch um persönliche Dinge, ich finde mich immer mehr und habe endlich das Gefühl zu wissen, was wirklich wichtig für mich ist.

Wie schon eben angedeutet, geht es in 2 Wochen für mich nach Hause. Das Weihnachtsfest ist für mich unvorstellbar ohne meine Familie. Bis dahin gibt es noch einiges zu erledigen. Sowohl der Austausch mit Ludwigshafen als auch die Berlin Exkursion stehen kurz bevor und es gibt noch einiges an Papierkram zu erledigen. Nebenbei versuche ich mich auch darin ein wenig Serbisch zu lernen, nicht so einfach bei 7 Fällen und keinerlei Bezug zur romanischen Sprache, aber ich bemerke deutliche Fortschritte. An den nächsten zwei Wochenenden freue ich mich auf Besuch aus Tirana und schnuppere noch etwas Meerluft, bevor es dann zurück ins verregnete und kalte Deutschland geht. Doch gegen ein bisschen Schnee hätte ich eindeutig nichts.

 

Cáo und bis bald,

Annchristin.

 

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