der ganz normale Schulwahnsinn

Viele Fragen und hier kommt die Antwort. Nach nun 1 1/2 Monaten möchte ich euch mein Schulleben genauer erklären und Dinge erläutern, die mir persönlich aufgefallen sind, die sich eindeutig vom deutschen Schulleben unterscheiden.

Ich arbeite an zwei Schulen: der Marsal Tito Grundschule (1-9 Klasse) und dem Gymnasium Bratstvo Jedinstvo (I-IV Klasse). Den Morgen verbringe ich meistens in der Grundschule und erledige Verwaltungsaufgaben. Momentan bin ich dabei eine Berlin Exkursion für einige Schüler der 6. und 7. Klasse zu organisieren. Des Weiteren freue ich mich darüber den Rückaustausch nach Ludwigshafen mitgestalten zu dürfen, an dem ich auch selber mit der Klasse II des Gymnasium teilnehmen werde im Februar 2018. Außerdem nehme ich mir viel Zeit dafür die Hausaufgaben der Schüler zu kontrollieren und diese dann mit ihnen zu sprechen, damit noch nicht verstandene Dinge geklärt werden können. Des Weiteren habe ich in der Grundschule viel Zeit, um die Tests der Klasse II zu evaluieren, damit meine ich nicht korrigieren, sondern ich werte sie aus, um häufige Fehler zu erkennen. Das ist mir persönlich sehr wichtig, da die Klasse II (meine Lieblingsklasse :D) schon bald ihre DSD I Prüfung ablegen wird. Das DSD – also deutsche Sprachdiplom – ermöglicht ihnen später in Deutschland studieren zu können und der ein oder andere Schüler zeigt wahres Interesse an einem Studium in Deutschland und ich möchte sie so gut wie möglich dabei unterstützen.

Im Gymnasium hospitiere ich, dass bedeutet ich schaue mir an wie unterrichtet wird, wie die Schüler lernen und arbeiten. Es ist teilweise sehr interessant und lustig. Im Deutsch Unterricht liegt der Hauptschwerpunkt auf Kommunikation und das merkt man den Schülern an. Sie sind sehr gut darin den Unterricht aktiv mitzugestalten und unterhalten sich gerne. Manchmal wird es deswegen auch etwas lauter. Erst gestern fragte mich ein Schüler: „Warum bist du eigentlich so schüchtern?“ Ich war etwas verwundert, aber wusste warum er mir diese Frage stellte. Ich bin diese Form Unterricht nicht gewohnt, natürlich gibt es in Deutschland viele Unterrichtsstunden in denen Klassendiskussionen stattfinden, meistens jedoch gibt es den schönen Frontalunterricht (hat alles Vor- und Nachteile). Ich finde es schön, dass die Schüler auch mittendrin die Möglichkeit bekommen zu sagen, was ihnen durch den Kopf geht.

Erst letzte Woche habe ich eine kleine Unterrichtssequenz übernehmen dürfen. Es war erstmal komisch vorne an der Tafel zu stehen und nicht die Position eines Schülers inne zu haben. Insgesamt würde ich behaupten, habe ich die Sequenz sehr gut gemeistert, aber ich weiß dass ich noch einiges dazu lernen muss und möchte.

Für die, die es interessiert: Mein Arbeitstag beginnt meistens um 7.30Uhr und endet auch oft um 13.30Uhr… es gibt natürlich auch Tage die sich mal von 7.30-17.30 ziehen können (natürlich mit Pausen). Allerdings, was ich sehr besonders finde ist die Tatsache, dass sich der Stundenplan jeden Monat ändert. Einen Monat lang haben die Schüler des Gymnasiums Morgens und den anderen Monat Nachmittags Unterricht. Echt anstrengend… Ich persönlich könnte mir nicht vorstellen bis 20.00 Uhr Abends Schule zu haben und danach noch zu lernen. Ein weiterer Unterschied zur deutschen Schule ist die Form der Noten: 5 ist hier die beste Note und 1 die schlechteste… Deutschland genau andersherum. Ein weiterer Punkt: Zeugnisse. Hier gibt es 4 Zeugnisse, deswegen werden auch häufiger Tests/Arbeiten geschrieben.

Neben der Schularbeit bin ich auch gerade dabei meine eigene kleine Video-AG aufzubauen. Genügend Teilnehmer und Ideen gibt es, Technik kein Problem, aber Chaos und Durcheinander stehen auf der Tagesordnung. Es ist teilweise schwierig zwei unterschiedliche Rollen einzunehmen: Auf der einen Seite leite ich diese Ag und ich möchte ein Arbeitsergebnis haben, aber auf der anderen Seite bin ich eine Freundin und liebe es, mich mit den Schülern über alles mögliche auszutauschen… eher Ablenkung als Arbeit. Was mich aber mehr als zufrieden stellt ist die Tatsache, dass ich diesen lockeren Bezug zu den Schülern aufbauen konnte. Es macht viel mehr Spaß auf einer freundschaftlichen Ebene zu arbeiten…

Was mich immer wieder verwundert, ist das hohe Sprachniveau im Bereich Deutsch. Die Schüler scheinen wirklich eine Art Sprach-Affinität zu besitzen. Viele von ihnen sind sogenannte „Fernsehkinder“, also lernten Deutsch über Fernsehserien. Es scheint unglaublich, aber hinsichtlich Vokabeln und Kommunikation sind sie nahezu perfekt, was mir das Leben natürlich um einiges leichter macht und natürlich für Projekte die beste Voraussetzung ist.

Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit meiner Arbeit hier in Ulcinj. Ich habe viele Freiheiten und kann mich in jedem Bereich einbringen, in dem ich mich einbringen möchte. Die Lehrer haben mich alle super aufgenommen und viele der Schüler sind meine Freunde. Ich darf also darauf gespannt sein, was mich noch so erwartet in den nächsten Monaten…

Nächstes Wochenende geht es für mich erneut nach Tirana. Zusammen mit Tamara habe ich eine Fototour durch Tirana geplant. Danach die Woche freue ich mich darauf Tamara hier begrüßen zu dürfen… (bisher hoffe ich noch, dass sie an meinem Geburtstag, also dem 8.11 kommt). Für uns geht es dann weiter nach Sremski Karlovci, Serbien, zum Zwischenseminar…

Bis dahin, Annchristin.

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