22.10.2017

Der verborgene Sinn allen Reisens ist es, Heimweh zu haben. -Erich Kästner

Als ich das erste Mal dieses Zitat gelesen habe, saß ich Zuhause in Deutschland an meinem Schreibtisch und war bereit zum Aufbruch in mein Abenteuer „Auslandsjahr“. Zu diesem Zeitpunkt war ich wirklich nicht in der Lage, den Sinn dahinter zu verstehen. Vermutlich – auch jetzt – bin ich noch nicht in der Lage dazu, aber ich habe einiges dazu gelernt.

Der ein oder andere kennt das Gefühl Heimweh zu haben und für mich fühlt es sich mehr oder weniger an, als würde einem der Boden unter Füßen weggezogen werden. Für den einen scheint dieses Gefühl sehr weit weg zu sein und er kann nicht verstehen wovon ich spreche, wenn ich sage: „Ja, ich habe Heimweh.“

Auf der einen Seite ist dieses Gefühl ein unglaublich negatives Gefühl, denn ich sehne mich nicht nach dem Gegenstand Zuhause, sondern ich vermisse, dass was mein Zuhause zu meinem Zuhause macht -meine Familie, meine Freunde und vor allem das Gefühl alles mögliche zu kennen und zu wissen. Hier in Ulcinj ist mein Apartment mein zweites Zuhause und ich bestätige zu 100% ich habe mich eingelebt, doch ich bin noch oft überfordert. Jeden Tag erlebe ich neue Dinge und manchmal schaffe ich nicht alles zu verarbeiten und manchmal will ich es auch garnicht. Der ein oder andere sagt: „Heimweh ist normal. Heimweh ist etwas was dich wachsen lässt. Heimweh gehört dazu.“ Aber macht es das besser?

Per Zufall bin ich heute erneut über Kästners Zitat gestolpert und ich bin froh dieses Mal sagen zu können, dass für mich Heimweh nicht nur ein negatives Gefühl ist. Und ich glaube, dass möchte Kästner uns ebenfalls vermitteln. Sehnt man sich nach seinem Zuhause, seiner Familie, seinen Freunden zeigt es doch nur, dass man diese Menschen/ die Gewohnheiten – egal wie weit weg man tatsächlich ist – immer bei sich trägt. Heimweh zeigt uns, dass wir das was wir haben wertschätzen sollten und nicht für selbstverständlich nehmen sollten.

Letztendlich ist Heimweh kein dummes Gefühl, auch wenn es sich unglaublich zerstörerisch anfühlt. Das Gefühl Heimweh lässt uns auch auf eine andere Art und Weise wachsen. Es zeigt uns, wir werden geliebt und wenn ich nach Hause komme, dann ist der Ort Zuhause, der Ort an dem ich mich wohlfühle, an dem ich bin wie ich bin und vor allem ein Ort den ich mit ganz besonderen Menschen teile. Und eins weiß ich jetzt schon, nach meinen 12 Monaten werde ich wieder eine andere Art Heimweh kennenlernen: Heimweh nach Ulcinj.

 

4 Gedanken zu „22.10.2017“

  1. Liebe Annchristin,

    dir ist dieser Beitrag wirklich sehr gut gelungen! Mir gefällt dein kleiner Essay und auch dein Schreibstil sehr!
    Da ich zurzeit in einer ähnlichen Situation bin wie du, kann ich nur sagen, dass es mir zu 100% geht, wie du es beschrieben hast! Nur hätte ich es nicht so gut in Worte fassen können…

    Viele Grüße aus Tirana,
    Tamara

    (Freue mich schon darauf, dich bald wiederzusehen!)

    1. Meine Liebe,

      jedes Mal wieder freue ich mich deine Kommentare zu lesen, weil wir ja doch häufig/oft gleiche Situationen durchleben.
      Ich bin auch sehr froh, dich schon nächste Woche wiederzusehen.

      Liebe und sonnige Grüße aus Ulcinj,

      Annchristin.

  2. Hallo Annchristin, du hast das Gefühl Heimweh wirklich sehr gut beschrieben und auch ich kenne dieses unangenehme Gefühl von Heimweh, habe es aber noch nie so gut in Worte fassen können wie du👍👍. Wenn auf der einen Seite Heimweh da ist, ist auf der anderen Seite die Sehnsucht nach dem eigenen Kind vorhandenen
    und das muß man auch erst mal aushalten(zumindest ging es mir so)Ich wünsche dir ganz viel Kraft dieses gut in den Griff zu bekommen.
    (Gefühle lassen sich ja leider nicht an und ausschalten ).Fühle dich gedrückt .Lg Grüße Conny

    1. Liebe Conny,

      ich glaube, so ganz wird dieses Heimweh niemals verschwinden, aber ich bin mir sicher ich werde jeden Tag weniger darüber nachdenken. Je länger ich da bin, umso leichter fällt es mir.

      Ich hoffe es geht dir gut.

      Annchristin

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