EIN VORBEREITUNGSSEMINAR MIT MEHR ALS 320 LEUTEN – „Aha-Momente“ und alles was dazu gehört

Nun ist es endlich soweit und das große Abenteuer namens „FSJ mit Kulturweit“ beginnt. Meine Gefühlslage lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: „Gespannt, Aufgeregt & 100% Neugier“. Mal abwarten in welcher Gefühlslage ich mich am Ende des Seminars befinde.
(Wichtig schon mal zu erwähnen: ich habe diesen Eintrag von Tag zu Tag ergänzt!)
Freitag, 01.September:
Der Anreisetag begann mit einer 5 1/2 stündigen Zugfahrt nach Berlin, wo ich dann direkt von Tamara (nochmals vielen dank) abgeholt wurde. Das Seminar begann mit einer Begrüßung durch das gesamte Kulturweit-Team und man merkte einfach direkt, hier bin ich richtig.
Die insgesamt 320 Outgoing-Freiwilligen und die 20 Incoming-Freiwilligen sind eingeteilt in sogenannte HomeZones, die gleichzeitig auch regionenspezifisch aufgeteilt sind.
In meiner HomeZone (HZ 18) hatte man direkt das Gefühl aufgenommen zu werden und es ging vor allem erstmal darum sich etwas näher kennenzulernen und man näherte sich dem Thema Vorurteile.
Abschließend wurde der Seminarplan durchgesprochen.
Zusammen mit einigen „Mit-Freiwilligen“ aus Tschechien sind wir dann zum Ende des Abends noch an den Steg des Sees gegangen, um den wirklich atemberaubend schönen Sonnenuntergang mitzuerleben.
Samstag, 2. September:
Nach einem ausgewogenen Frühstück, traf man sich mehr oder wenig pünktlich um 9:00 in seiner HomeZone. In der zweiten HZ-Einheit ging es vor allem um Ich-Identität (zu welchen Gruppen gehöre ich und mit welchen Menschen fühle ich mich verbunden), um Privilegien (Zitat: „Privilegien sind unsichtbar für die, die sie haben.“) aber auch das Thema Rassismus wurde besprochen.
Die Nachmittagseinheit trug den Titel „Alles zu Kulturweit“ und damit wird der Nagel zu 100% auf den Kopf getroffen. Hier ging es vor allem nochmal darum:
Wer ist Kulturweit und von wem wird es unterstützt und gefördert?
Wen kann ich kontaktieren, wenn ich ein Problem habe?
Welche Leistungen erbringt die Versicherung?
… und und und…
Wie auch am vorherigen Abend wurde dann erneut der See aufgesucht und ich persönlich habe an diesem Abend gemerkt, dass ich angekommen bin. Das ich Menschen kennenlernen darf, die die gleichen Situationen erleben werden und mit denen ich über Sorgen, Ängste und meine Gefühle sprechen kann.
Sonntag, 3. September:
In dem Workshop zu postkolonialer Spurensuche sprachen wir vor allem über die Begrifflichkeit „Rassismus“. Was ist Rassismus? Woher kommt Rassismus und wie gehe ich mit ihm um? Im Hinterkopf bleibt mir dauerhaft die Aussage meines Trainers: „Wir alle haben eine Perspektive, aber diese ist nicht allgemein gültig.“
Am Nachmittag besuchte ich den geschützten Raum „Fuck white Tears“ (Guckt euch diesen Mini-Film unbedingt mal an). Für die, die sich interessieren was überhaupt ein geschützter Raum ist: in diesem Raum wird geschlossen über eine emotionale Thematik gesprochen und es wird sich meistens nicht in der großen Gruppe ausgetauscht, sondern es handelt sich eher um einen inneren Prozess mit sich selbst. In dem von mir gewählten Raum ging es vor allem um das Thema: „Was bedeutet es weiß zu sein? Am Abend haben wir (einfach aus Gemütlichkeitsgründen) in unserer HomeZone einen Film geguckt. Sehr entspannend!
Montag, 4 September:
Berlin, hallo! Schon früh am Morgen ging es für uns alle nach Berlin. In der Hauptstadt wurden wir durch das Auswärtige Amt begrüßt und schnell wurde einem bewusst, was für eine einmalige Chance Kulturweit uns bietet – für die ich unglaublich dankbar bin.
Am Nachmittag wurden dann noch Exkursionen zu spezifischen Themen angeboten. In einer englischen Führung quer durch Berlin erklärte uns ein Flüchtling sein Berlin. Seine ergreifende Geschichte bleibt mir eindeutig im Hinterkopf.
Dienstag, 5. September:
Und schon ist die Hälfte des Seminars erreicht – unglaublich! Der heutige Tag hat mich tatsächlich von der sogenannten Komfortzone in die Lernzone befördert. In einem sehr emotionalen Gespräch innerhalb der HomeZone tauschten wir uns über unsere Ängste, Sorgen und Befürchtungen aus und ja, bei dem ein oder anderen kamen da die Tränen – mir auch. Ich habe schnell verstanden, dass das bereit zu sein für ein Auslandsjahr ein Prozess ist, der nicht von heute auf morgen abgeschlossen ist, sondern ein Prozess der andauert und es richtig ist seine Gefühle und Ängste zu akzeptieren.
Allerdings weiß unsere Trainerin Anja ganz genau wie sie ihre HomeZone aufmuntern kann: ob es nun Tannenzapfen kack** ist, oder aber auch ein Lied im Kanon zu singen (Solange der Bauch in die Weste passt, wird keine Arbeit angefasst. Liebe Leute, Liebe Leute, die Arbeit ist kein Frosch. Sie hüpft, sie hüpft, sie hüpft, sie hüpft uns nicht davon.). Wir alle wissen wie sehr wir aufeinander vertrauen können in unserer HomeZone.
Abschließend belegte ich noch einen 1 1/2 stündigen Workshop zur Einführung in den Photojournalismus und so fand auch Tag 5. sein Ende.
Mittwoch & Donnerstag, 6. & 7. September:
Partnerinnen- und Partnertag: heute und morgen besuchen uns die Organisationen, dank denen wir letztendlich ins Ausland gesendet werden. Meine Organisation der PAD/ZfA (Pädagogischer Austauschdienst / Zentralstelle für Auslandsschulwesen) stellte sich durch Präsentationen vor. Am Ende des ersten Blocks bekamen wir noch Briefe von Vorgängern unserer Einsatzstelle, in denen alle möglichen Tipps und Tricks bezüglich unseres Einsatzlandes aufgelistet sind. Danke dafür! Am Nachmittag berichteten dann Alumni wie sie ihren Auslandsaufenthalt wahrgenommen haben und teilten ihre Erlebnisse mit uns. Außerdem konnten in unterschiedlichen Workshops Informationen erworben werden (z.B. Notfallkoffer für den Unterricht).
Freitag, 8.September:
Pünktlich zur Morgeneinheit setzte ich mit dem Thema „Bildung“ auseinander. Der Workshop zu den UNESCO Themen offenbarte mir erneut, wie wichtig es ist, Dinge nicht einfach hinzunehmen, sondern auch zu reflektieren. Nachmittags war ich echt froh darüber Zeit mit meiner HomeZone verbringen zu dürfen. Passend zum Thema „Projekte“ haben wir Team-Übungen und Energizer ausprobiert.
Doch am schönsten war es Abends zusammen mit Imme auf meinem Zimmer zu sitzen, Lieder zu hören und über Gott und die Welt zu reden. Das wird mir bestimmt mit am meisten fehlen, wenn wir (schon) am Sonntag abreisen.
Samstag, 9.September:
Es wird niemals möglich sein, zu beschreiben wie schnell und unglaublich einfach es ist sich in einer Gruppe wohl zu fühlen. Die Leute in meiner HomeZone sind mir persönlich so sehr ans Herz gewachsen, dass ich es vorerst komisch finden werde, sie nicht so schnell wieder zu sehen. In unserer HomeZone wurden heute die unterschiedlichsten Mini-Projekte ausgearbeitet, so ist nicht nur eine gemeinsame Playlist (namens Entenplaylist) entstanden, nein es wurden auch Namen fürs Wichteln gezogen und ein E-Mail Projekt entwickelt. Doch am tollsten war natürlich die Vertiefung unseres lieblings Energizers „Ente“ (bei Fragen wendet euch an mich :D). Zusammen mit Imme und Tamara habe ich den Nachmittag genutzt Fotos am See zu machen und einige Kartenspiele auszuprobieren. Heute Abend fand außerdem die Openstage statt, gefolgt von einer „Abschlussfeier“.
Sonntag, 10.September:
Tag der Abreise. Hier findet das 10-tägige Vorbereitungsseminar irgendwo sein Ende. Zusammen in der letzten HomeZone – Runde hat jeder für jeden ein kleinen Brief geschrieben. Ebenfalls wurden die vergangenen 10 Tage reflektiert und zum Ende hin, hatte jeder eine Wunderkerze-lang Zeit, nochmal alles loszuwerden was ihm auf dem Herzen liegt.
Zusammen mit Imme und Tamara habe ich danach noch eine Busfahrt und 1 Stunde auf dem Hauptbahnhof verbracht. Der Abschied fiel uns allen sichtlich schwer.

Jetzt schaue ich auf die Uhr: Es ist 20:16. Ich bin erschöpft auf eine positive Art und Weise. Ich habe vieles lernen dürfen, es gab viele Aha-Momente und umso mehr Denkanstöße. Das Vorbereitungsseminar hat mich in meinem Wunsch, ein FSJ im Ausland zu machen, bestärkt. Ich bin unglaublich neugierig und ich bin wortwörtlich bereit mich ins Abenteuer zu stürzen. Ja, ich freue mich, aber ich akzeptiere auch, dass die „Down-Momente“ ein wichtiger Bestandteil meines zukünftigen Aufenthaltes sind. Doch wenn ich eins gelernt habe, ich bin nicht alleine. Ich habe Menschen um mich herum, die ebenso empfinden und an die ich mich wenden kann.

Wenn ich also nochmal kurz „DANKE!“ sage,
…dann richte ich mich an meine Trainerin Anja, die mir und der gesamten HomeZone18 Mut gemacht hat und uns einen Zufluchtsort gegeben hat.
…dann richte ich mich an meine HomeZone, die für mich das Highlight des Seminars war.
…dann richte ich mich an Tamara und Imme, die für mich ein Stück Zuhause sind.
…dann richte ich mich an meine Freunde, die immer hinter mir stehen.
…dann richte ich mich an Janna (du weißt warum).
…dann richte ich mich an meine Familie, die für mich unbezahlbar ist.
…und dann richte ich mich an Kulturweit.

Abschließend bleibt mir nur noch zu sagen: SuchDasWeite

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