And I have to say „Auf Wiedersehen!“

Es ist fast 12 Uhr. Ich sitze am Flughafen und versuche mich zu beruhigen. Die Reise, die ebenfalls hier seinen Anfang fand, nimmt jetzt auch sein Ende. Viel zu früh.

Heute morgen habe ich mich mit der zweiten Klasse des Gymnasiums auf den Weg nach Podgorica gemacht. Der Flughafen der Hauptstadt ist klein und so sehe ich auf der einen Seite, wie die Leute in Richtung Sicherheitskontrolle gehen und auf der anderen Seite, wie Familien, Ehepartner oder Kinder auf ihre Lieben warten. Zwei Seiten: Abschied und Ankommen.

Beide Seiten beschreiben meine Gefühlslage. Gerade erst vor einer halben Stunde nahm ich Abschied von meinen Freunden, von meinem Ansprechpartner und von meinen Schatzis (kleiner Insider am Rande). Normalerweise wäre ich heute zusammen mit ihnen nach Ludwigshafen geflogen und hätte 10 Tage Schüleraustausch erleben dürfen. Leider trennten sich jedoch heute schon vorzeitig die Wege. Kein Geheimnis das einige Tränen geflossen sind. Das ist der erste Teil von Abschied. Doch dieses dumpfe Bauchgefühl hat noch einen anderen Hintergrund. Ich fange an zu realisieren, dass mein Abenteuer hier ein Ende findet. Was sind heute noch 6 Monate? Die Tage sind an mir vorbei gerauscht und schon haben wir Ende Februar. In dieser Zeit hatte ich das Privileg ein Land lieben zu lernen, von dem ich am Anfang nicht mal wusste das es existiert (peinlich, aber die Wahrheit). Ich war umgeben von Menschen, die mir eine Familie geboten haben – sei es nun meine Gastfamilie, mein Ansprechpartner oder meine Freunde. Meine Arbeit hat mir so gut gefallen, dass die Überlegung besteht, mein Praktikum während des Studiums in Ulcinj zu vollziehen. Ich bin gereist, nicht nur in Montenegro, sondern in vier weiteren Ländern (Albanien, Ungarn, Serbien, Kosovo).

Es ist kein leichter Abschied für mich. Im Gegenteil, ich verlasse mein neues Zuhause. 

Wie dem auch sei, es gibt natürlich auch die schöne Seite an einem Abschied. Das Ankommen! Ich freue mich heute Abend meine Familie in die Arme schließen zu können und in den nächsten Tagen auch meine Freunde. Ich bin froh, bald meinem Hobby wieder nachgehen zu können und bin gespannt wie das Studium ab April werden wird. Eine eigene Wohnung einrichten zu dürfen, ein Interview mit der Zeitung zu führen und auf dem Nachbereitungsseminar versuchen anzukommen, sind ebenfalls Pluspunkte meiner Ankunft in Deutschland.

 

Erst Vorgestern sagte ich zu meiner Mutter: „Mama, wenn ich nach Hause komme, brauche ich Zeit. Zeit um anzukommen und zu realisieren.“ Natürlich verändert dich die Zeit im Ausland, keine Frage. Ich habe viel Zeit gehabt über mich, mein Leben und meine Wünsche nachzudenken. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich alleine gewohnt. Ich weiß, ich werde Zeit benötigen, um wieder in Deutschland anzukommen…

Noch sitze ich allein am Flughafen. Gedankenverloren und verträumt. Vom Kopf her habe ich Abschied genommen, doch mein Herz habe ich zum Teil hier gelassen.

“ Wo wir gestern noch waren und heute nicht mehr sind, macht die Frage nach Heimat wieder Sinn.“ – Beat Jan

Auf Wiedersehen hat nicht ohne Grund die Bedeutung, dass man sich eines Tages wiedersehen wird. Ulcinj ist mein Zuhause und nach Hause darf man immer zurückkehren.

 

Ich sage also „Auf Wiedersehen“ und weiß ich komme wieder.

#Das Projekt der Projekte

Ich komme an in Tirana, eine freudestrahlende Tamara begrüßt mich. Es ist nicht nur die Wiedersehens-Freude, sondern etwas was uns vermutlich noch mehr verbindet.

Ein wichtiger Bestandteil des FSJs ist die Erarbeitung eines Freiwilligenprojektes. Kleinere Projekte habe ich immer wieder in meiner Einsatzstelle umsetzen können, doch keines von ihnen hätte ich „mein Freiwilligenprojekt“ nennen können.

Während des Zwischenseminars in Sremski Karlovci haben wir Freiwilligen uns immer wieder über unsere Erfahrungen und Erlebnisse in unserem Einsatzort ausgetauscht. Irgendeiner sollte diese Erfahrungen doch sammeln, oder?!

So entstand das Freiwilligenprojekt „BalkanMemories“, dabei handelt es sich um eine Zusammenstellung von Erfahrungen und Erlebnissen von Freiwilligen aus den unterschiedlichsten Balkanländern. Tja und heute halte ich das Ergebnis in der Hand. Wer hätte gedacht, dass aus einem E-Mail Projekt tatsächlich eine Zeitschrift hätte entstehen können.

Ich bin unglaublich stolz darüber, dass ich dieses Projekt mit Tamara teilen konnte. Unser Projekt ist fertig und es ist meiner Meinung nach ein „tolles Endergebnis“.

Gerne möchten wir unsere Freude mit euch teilen! Wer also Interesse an einer PDF-Datei hat, kann sich bei mir oder Tamara telefonisch oder per Mail melden und bekommt das Passwort für den Blogbeitrag „BalkanMemories-Das Projekt“. Dort findet ihr dann einen Link, mit dem ihr dann, die Datei herunterladen könnt! Den Blogbeitrag findet ihr gleich unter diesem hier!

 

Liebe Grüße,

Annchristin.

Highlights bei Regenwetter

In den letzten Tagen hat es geregnet, nein was behaupte ich, es hat geschüttet. An der Strandpromenade sammelte sich das Wasser auf eine Höhe von 50cm und gerade bei trüben Wetter nutze ich gerne die Zeit um zu zeichnen, lesen oder aber um nachzudenken. Eines der Themen, das mich besonders beschäftigt hat, sind die Momente, die ich hier erleben durfte. Die 6 Monate neigen sich bald dem Ende zu und meine letzten Tage hier in Montenegro sind gezählt.

„Weit weg bist du oft ganz nah an dir selbst.“ – Martin Krengel

Denke ich an die vergangenen Monate, so muss ich immer wieder feststellen, dass ich viele neue Seiten an mir selber kennenlernen durfte. Ich habe mich in diesen Monaten gefreut, geärgert, mich relativ häufig über mich selbst aufgeregt und letztendlich vieles über mich und meine Mitmenschen lernen dürfen. Es gab Momente, in denen ich mir wirklich gewünscht hätte, ich könne sie mit mehr als einem Foto oder aber einen Blogeintrag festhalten. Einige dieser Momente möchte ich nun mit euch teilen. Für den Außenstehenden mögen es vielleicht keine unglaublich spektakulären Dinge sein, aber mir haben diese Erfahrungen den Tag um einiges schöner gemacht.

Auf Reisen:

Vieles habe ich durch Reisen kennenlernen dürfen. Erst letzte Woche saß ich in Tirana vor einem Kamin und genoss bei regnerischem Wetter das Beisammensein mit Tamara. Plötzlich ohne jeglichen Anlass (den wahren Grund nenne ich nicht) fangen Tamara und ich an zu lachen. Wer uns nicht kennt, denkt wir neigen zur Verrücktheit, denn wir vergleichen unsere Freundschaft mittlerweile mit einer „Fernbeziehung die tatsächlich funktioniert“ – sehr optimistisch. Ob es nun Budapest, Belgrad/Sremski Karlovci oder aber Montenegro/Albanien war, wir haben so ziemlich jede Reise miteinander geteilt. Auf Reisen lernt man eine Person auf eine ganz andere Art und Weise kennen und das hat uns unglaublich zusammen geschweißt.

Neben diesem Aspekt von Reisen, werde ich niemals meine ersten Tage hier in Ulcinj, Montenegro, vergessen. Allein der Weg hierhin war eine aufregende Reise, aber direkt am ersten Tag fand ich mich auf einem Boot wieder und schipperte die Küste Montenegros entlang. Und kurz darauf stand ich mit, für mich zwei ganz besonderen Menschen, auf einer alten Ruine und blickte in die Schlucht Kotors – ein Roadtrip mit Wildpferden und Wegen, die eigentlich verboten gehören sollten.

Schule macht Spaß

Und das meine ich im wahrsten Sinne des Wortes:

Insider mit den Schülern im Unterricht. Die freundlichen Begrüßungen, die einem jeden Tag begegnen und auch vertiefende Gespräche mit dem Ansprechpartner, haben die Schultage um einiges kürzer gemacht.

Eine typische Situation: Es ist Mittags und ich sitze in meinem Lieblingsrestaurant „Papillon“, die Grundschüler winken zum Abschied und ich entspanne mich, bevor ich in das Gymnasium wandern werde. Nebenbei vertiefe ich philosophische Gespräche mit meinem Ansprechpartner. Plötzlich werden mir zwei Schokobananen zugeworfen, so zu sagen als Vorspeise zu meiner Pizza (?). Samra, eine Freundin aus der Schule, zwinkert mir zu, denn dieses Ritual wiederholt sich wöchentlich, nachdem sie feststellte, wie sehr ich diese Art von Süßigkeit mag.

Dann der typische Freitags-Moment: Die letzte Stunde fängt gleich an und nicht nur der Schüler freut sich auf das Wochenende. Mein Ansprechpartner und ich laufen zum Klassenzimmer der Grundschule. Plötzlich fängt er an „The Final Countdown“ zu summen bzw. nachzuahmen. Ich stimme mit ein, ein urkomischer Moment, denn die Schüler schauen uns verwirrt hinterher.

Ein Berg als Hindernis

Wer schon mal von Ulcinj gehört hat bzw. etwas gesehen hat, der weiß, dass die Stadt einer Etagenstadt gleicht. Natürlich ist die Schule im schönen Tal, während meine Wohnung auf Etage 5 von 5 ist. Mittags rege ich mich gerne mal per Sprachnachricht auf, wenn ich diesen schönen Berg hochlaufen darf. Nicht zu überhören mein Prusten, aber wenn man morgens auf dem Weg runter diese wundervolle Aussicht oder aber die Sonnenuntergänge auf seinem Balkon sieht, ist dieser steile Weg nichts. Ulcinj ist schön und hat mir wundervolle Seiten von sich gezeigt. Gerne sitze ich im Januar bei 9 Grad und Sonnenschein im Café und genieße meinen Kakao. Oder aber ich sitze auf meiner Terasse und genieße den Ausblick auf das weite Meer.

GERMAN-HOTSPOT:

Eine Sache die Ulcinj tatsächlich auch versüßt, jeder spricht zumindest ein wenig Deutsch. Natürlich versuche ich Montenegrinisch/Serbisch zu lernen, aber wenn ich kann, kommuniziere ich gerne auf Deutsch. Viele Menschen hier vor Ort freuen sich über ein wenig Deutsch-Kommunikation, denn aus den Sommermonaten sind sie es gewohnt deutsche Touristen um sich herum zu haben. Deshalb ist es eher selten seinen 20-minütigen Weg nach Hause in wirklich 20 Minuten zu schaffen. Immer wieder treffe ich bekannte Gesichter und es ist schön selber kein unbekanntes Gesicht mehr zu sein.

Gute Freunde:

Es ist meiner Meinung wirklich schwierig nach 6 Monaten sagen zu können, dass die Freunde mit denen ich mich hier treffe, mich genauso kennen wie Freunde, die mich schon fast mein ganzes Leben kennen. Aber das nehme ich auch nicht als Voraussetzung, um die Menschen hier als meine Freunde zu bezeichnen.

Meine Gastfamilie: Für die Außenstehenden sind sie meine Vermieter, doch für mich sind sie der Inbegriff einer Familie. Von Anfang an, haben sie mich wie ein Familienmitglied behandelt. Wenn ich sie besuchte machte meine Gastmutter mir Pizza, Tee oder besorgte mir sogar Nutella. Auch meine Gastschwester nahm mich direkt wie eine gute Freundin auf und versuchte sich immer Zeit für mich zu nehmen, wenn sie Zuhause war.

Meine Schulfreunde: Viele der Schüler, die in die Klasse meines Ansprechpartners gehen, sehe ich nicht als Schüler, sondern als Freunde an. Ich find es toll, im Unterricht mit ihnen zusammen zu arbeiten und vielleicht danach nochmal mit ihnen Tee zu trinken.

Tamara in Tirana: Dieser „Joke“ wird dich wohl auf ewig verfolgen, aber Annchristin in Ulcinj soll ja angeblich auch sehr lustig sein. Unser Beziehungsstatus ist klar, aber ein Absatz über Freunde zu schreiben, wäre komisch ohne die namentlich zu nennen.

Im nächsten Leben mach ich was mit Film

In den vergangenen Monaten habe ich viel geschnitten. Damit meine ich kein Papier, sondern tatsächlich Filme. Sei es nun ein Weihnachtsgeschenk oder aber die Mithilfe bei einem Videoworkshop, alles war dabei. Der Videoworkshop war wohl das mit lehrreichste Erlebnis meines FSJs. Ich habe dort nicht nur bei einem Drehbuch mitgeschrieben, sondern ich durfte schauspielern und auch am Ende am Schnitt mitwirken. Doch das eigentlich schöne daran, war die Beziehung zu den Mitmenschen, die ich dabei aufbauen durfte. Sätze wie:“Alle beruuuhmt.“ , oder „Konzzzzentration, bitte.“ (ich orientiere mich hierbei an der Aussprache) wurden zu Sätzen, die die Gruppe noch heute verbindet. Nebenbei war ich auch auf einer Filmpremiere – Luxus pur in einem 5 Sterne Hotel.

 

 

Tja und ich glaube, dass sollte erstmal alles sein, denn manches behält man doch lieber für sich.

 

Eure Annchristin.

 

Feel Ulcinj

Die Zeit scheint im Fluge zu vergehen und so wirklich realisieren kann ich das noch nicht. Ich versuche meine letzten Wochen hier so gut wie möglich zu nutzen, um Ulcinj zu fühlen. Klingt vermutlich etwas strange, aber wenn man das Leben hier nicht fühlt hat man auch nie wirklich hier gelebt.

Ulcinj – Stadt

Nach einer eher gelassenen Woche in der Schule, in der ich so einigen Papierkram zu erledigen hatte, bekam ich am Wochenende, wie so oft Besuch aus Tirana. Für dieses Wochenende hatten wir uns wirklich etwas sehr abenteuerliches vorgenommen und zwar die Wanderung zum Velika Plaza. Diese 10km sollten laut GoogleMaps innerhalb von 2 Stunden abgelaufen sein, wer´s glaubt. Der Weg zeichnete sich vor allem durch Waldgebiet und Küste aus. Direkt neben der Küste entlang zu laufen hat seinen Charme, aber Wanderschuhe wären teilweise echt vorteilhaft gewesen. Warum? Naja, wenn man mit Händen und Füßen versuchen muss sich fortzubewegen, dann kann man sich ungefähr vorstellen, wie steil und steinig es manchmal vor sich ging. „Spielt ja nicht am Handy rum und Musik hören solltet ihr vielleicht auch nicht.“, so der Tipp meines Ansprechpartners… Aussage genug meiner Meinung nach.

Frauenstrand

Doch ich will mich ja hier nicht über einen solchen Weg beklagen. Die Aussicht war der Hammer, damit meine ich den Blick auf das weite Meer der Adriaküste, ein Wald der mich an meine Heimat in Deutschland erinnerte und ein Geruch der mir bis jetzt noch nicht aus der Nase geht. Das jedoch meine ich nicht im positiven Sinne: Am sogennanten Frauenstrand, der tatsächlich nur für Frauen zulässig ist, wird durch einen angenehmen Geruch nach verfaulten Eiern (dank der Schwefelquellen) schon Kilometer vor eigentlichem Strand sichtbar, nein ich meine riechbar. Da war man doch tatsächlich froh schnell weitere 2km gelaufen zu sein, um diesen Geruch zu entkommen.

Die ein oder andere Pause wurde natürlich auch eingelegt. Meistens jedoch nicht um etwas zu trinken, sondern weil die Aussicht so schön war, dass man doch das ein oder andere Bild schießen musste. Wirklich Glück hatten wir mit dem Wetter, während wir der Küste entlang liefen und Ulcinj schon den Rücken zugekehrt hatten, wurde aus bepackten Wanderern, T-Shirt tragende Touristen, die schnell durch ihr Deutsch entlarvt wurden. Anscheinend doch etwas komisch, wenn Einheimische Deutsche im Januar hier antreffen, da diese doch eher ab Juni oder Juli hier erscheinen um hier Urlaub zu machen. Aber nichts da. Nach ungefähr 2 Stunden erreichten wir dann die Küstenspitze und der Ausblick der uns dort geboten wurde, war einzigartig. Zu unserer Rechten, sah man die unglaublichen Felsen, die wir noch eben abgerackert hatten und zu unserer Linken, den Velika Plaza, der 13km lange Sandstrand gilt als ein Wahrzeichen Ulcinjs. Natürlich haben wir das Angebot ausgenutzt und sind noch am Strand spazieren gegangen und haben es uns danach in einem Restaurant gemütlich gemacht und draußen gegessen (ja Draußen im Januar). Letztendlich waren wir dann doch froh, als uns ein Bekannter mit dem Auto abgeholt hat. Letztendlich sind wir dann totmüde ins Bett gefallen, da konnte nicht mal der geliebte Harry Potter Film mithalten.

Metapher für den richtigen Weg einschlagen

Was meine ich also damit, wenn ich sage ich fühle Ulcinj? Ich meine damit nicht nur meine mit Blasen besetzten Füße, nein ich spreche vor allem von der Vielfältigkeit Montenegros die ich jeden Tag aufs neue erleben darf. Während im Norden Montengros noch Ski gefahren wird und die Leute sich mehr oder weniger über Minusgrade freuen, verbringe ich meine Zeit bei 15Grad und Sonnenschein. Der Mandelbaum trägt schon seine Blüten und meinen Tee trinke ich gerne auf meinem Balkon am Nachmittag. Ich bin nicht gerade glücklich über die Tatsache, dass ich die wunderschöne Frühlingszeit hier verpassen werde, aber ich weiß es wirklich zu schätzen, dass ich hier im letzten September angekommen bin und ein Leben führen darf (wenn auch nur für eine kurze Zeit), das mich in die Richtung gelenkt hat, die ich mir für mich gewünscht habe.

Jetzt heißt es für mich Genuss der letzten 3 ½ Wochen, bevor es mich zurück nach Deutschland verschlägt und der Ernst des Lebens, damit meine ich das Studium, beginnt. Tirana wird mich auch am nächsten Wochenende willkommen heißen, wie an so vielen anderen Wochenenden des vergangenen Jahres.

WICHTIG: DIE HIER ABGEBILDETEN FOTOS SIND SOWOHL VON MIR (zumindest einige) ALS AUCH VON DER WUNDERVOLLEN TAMARA AUS TIRANA.

 Besucht auch ihren Blog: www.kulturweit-blog.de/geheimtippalbanien

Liebe Grüße,

eure Annchristin.

100 Tage

Heute sind es genau 100 Tage, die ich nun ich Montenegro oder in anderen Ländern des Balkans verbracht habe. Ein komisches Jubiläum, vor allem wenn man gerade auf dem Wiener Flughafen sitzt und bald seinen Flieger nach Hause nimmt.

Dieser Blogeintrag soll davon berichten was mich/mir diese 100 Tage gelehrt, gezeigt und eröffnet haben:

Montenegro-Traveller:

Immer wieder hat mich Montenegro begeistert. Klar die meiste Zeit habe ich in Ulcinj (der südlichsten Stadt Montengros) verbracht. Ulcinj ist jeden Tag ein neues Abenteuer für mich. Da ich direkt am Meer lebe und der Dezember sehr regnerisch/ stürmisch war, gleichte die Stimmung einer Weltuntergangsatmosphäre. Geht man Richtung Schule (Mitten in der Stadt) bekommt man von diesem Chaos kaum etwas mit. Neben Sturm und Gewitter liebe ich den Blick aufs Meer, der mich jeden Morgen aufweckt und noch immer entdecke ich jeden Tag Ulcinj auf´s Neue.

Neben Ulcinj, habe ich Kotor, Cetinje, Budva und Bar besucht. Viele (relativ kleine) Städte. Die Reise nach Kotor über Cetinje hat mir gezeigt, dass jede einzelne Straße Montenegros einem Roadtrip gleicht. Man sieht so viele spannende Sachen, fragt sich nebenbei ob man überhaupt auf einer anerkannten Straße fährt und wird auch gerne Mal von Wildpferden und         -kühen überrascht und aufgehalten. Cetinje hat mir vor allem gezeigt, wie jung Montenegro noch ist, die Geschichte (vor allem die Kriege) sind noch heute sichtbar und sichtlich nicht verarbeitet (damit meine ich vor allem auf emotionaler Ebene). Kotor ist ein Augenschmaus für jeden der traditionelle Orte sehen möchte, neben der unglaublichen Bucht, hat die Stadt mich vor allem durch die alt-erhaltene Altstadt und den langen Weg zur Burg (1100 Stufen waren es glaube ich :D) begeistert. Bar ist die Nachbarstadt Ulcinjs und somit einer meiner Lieblingsorte falls ich mal genug vom Alltag habe. Daneben ist Budva mit 1 1/2 Stunden Fahrzeit zwar weit entfernt, aber trotzdem eine Sehenswürdigkeit (vor allem wenn man im 5 Sterne Hotel auf einem Filmfestival eingeladen ist).

 

Balkan Memories

Neben meinem alltäglichen Leben in Ulcinj, habe ich gefühlt jedes zweite Wochenende in Tirana (der Hauptstadt Albaniens) verbracht. Tirana ist für mich eine Art zweites Zuhause nach Ulcinj geworden, denn hier habe ich nicht nur meine Tamara, nein ich habe etwas Großstadtleben. Ulcinj ist außerhalb der Sommermonate sehr ruhig und ein wenig verlassen, während Tirana ein wenig chaotisches Großstadtleben bietet und einem unglaubliche Möglichkeiten aufzeigt, wenn man mal raus möchte ohne die Stadt zu verlassen. Da ich für mein Zwischenseminar nach Serbien musste, habe ich zwei Nächte in Belgrad verbringen dürfen. Belgrad ist für mich ein kleiner Weihnachtstraum gewesen und ich habe mich echt Zuhause gefühlt, auch wenn ich immer noch fest der Überzeugung bin, dass ich kein Großstadt -Mensch bin. Doch die schönste und weihnachtlichste Balkan Erinnerung wird für mich Budapest bleiben. Ich kann nicht oft genug sagen, wie schön ich diese Stadt finde, nicht nur weil sie ein Weihnachtsinsider ist, nein auch weil sie mit ihrer unglaublichen Schönheit im Allgemeinen begeisterte. Es war mein erster Urlaub, den ich so spontan geplant und umgesetzt habe, aber trotzdem meiner Meinung nach mit der Schönste.

 

Schulleben = mein Leben?

Ich liebe meine Arbeit in der Schule: nette Lehrer, Schüler die zu meinen Freunden gehören und sehr viele Freiheiten und Möglichkeiten mich auszuprobieren. Ich mag es zu lesen und zu korrigieren und vor allem liebe ich es mit den Schülern zu arbeiten und sie in jeglicher Hinsicht zu unterstützen. Eins wird mir jedoch immer mehr klar, sollte ich nächstes Jahr für einen anderen Studiengang (neben Lehramt) angenommen werden, werde ich mich dafür einschreiben. Klar das Schulleben gefällt mir, doch ich stelle immer mehr fest, dass ich es mir nicht auf Dauer vorstellen kann. Also bleibt Lehramt eher Plan B.

 

eigene Entwicklung

Neben der Erforschung meiner Berufswünsche merke ich auch, dass mich das FSJ ein wenig verändert hat. Ich bin meiner Meinung nach viel selbstständiger: Hotel Mama ist eben nicht mehr. Ich lerne offener zu sein, vor allem für Dinge, die ich bisher nicht kannte. Ich habe eigentlich keine Probleme mehr, meine Meinung zu sagen (natürlich immer auf sachlicher Ebene :D), hinterfrage mein alltägliches Leben und lerne offen auf Menschen zu zugehen. Also ich würde behaupten, sehr gut nicht wahr.

 

Probleme so nehmen wie sie sind

In der Vergangenheit habe ich mich selber sehr gestresst, wenn mal etwas nicht so geklappt hat, wie ich es wollte. Als ich in Ulcinj ankam wollte ich direkt die Sprache können und eine Aufenthaltsgenehmigung haben. Sprachkenntnisse Jetzt: SIND OKAY,  Aufenthaltsgenehmigung: NOCH KEINE.

Die Sprache wurmt mich immer noch ein wenig. Sie ist schwierig, aber ich lerne dazu und habe mich immerhin schon soweit verbessert, dass ich im Notfall (wenn ich mal kein Deutsch spreche :D) kommunizieren köööööönnte.

Das mit der Aufenthaltsgenehmigung ist dann doch ein Problem, dass mich manchmal an die Grenze bringt. Offiziell heißt es ich habe einen inoffiziellen Status (hä?) und kann daher keine Genehmigung bekommen. Also was heißt nun inoffiziell: es gibt kein Gesetz, dass mein Antrag bisher unterstützen würde und das liegt daran, dass die Behörde bisher nicht versteht was meine Aufgabe als Freiwillige ist. Nun ja, ich hoffe einfach es ändert sich noch was.

 

Das Fazit:

Ich liebe mein Leben als Kulturweit-Freiwillige. Ich merke jetzt einfach, dass ich noch nicht bereit war ein Studium zu beginnen, weil ich mich selbst erst jetzt kennenlernen kann und ausprobiere welche Möglichkeiten ich habe. Würde ich mich nochmal entscheiden müssen, würde ich mich wieder für Ulcinj entscheiden. Würde man mich nochmal vor die Entscheidung stellen, ob ich Ulcinj als meinen Einsatzort wollen würde, würde ich vor Glück aufschreien, denn in Ulcinj ist mein zweites Zuhause, dort sind für mich Menschen, die schon jetzt einen Platz in meinem Herzen wahren.

 

 

Tja und jetzt wünsche ich allen wunderschöne Weihnachten.

Liebe Grüße aus Wien,

Annchristin.

Insider Budapest

Lichter der Nacht

Kaum versieht man sich sind schon weitere zwei Wochen vergangen. Momentan habe ich das Gefühl die Zeit verfliegt und ich vergesse das Zeitgefühl. Mittlerweile hat offiziell die Adventszeit begonnen und ich bin aufgeregter denn je, denn schon bald (heute genau in 2 Wochen) werde ich meine Familie und meine Freunde über Weihnachten wiedersehen. Wenn auch hier in Ulcinj nicht so wirklich Weihnachtsstimmung herrscht, umso mehr verkrieche ich mich in meine eigenen kleinen Traditionen. Sei es nun ein Adventskalender oder ein Adventskranz, ich merke wie wohl ich mich inzwischen in diesem Ort und in meiner eigenen Wohnung fühle. Besonders freue ich mich auf die gemeinsame Backaktion, die ich am Samstag zusammen mit Tamara und zwei Schülerinnen hier in Ulcinj starten werde.

Da sollte man doch meinen, wenn man sich so wohlfühlt in seinem eigenen Örtchen, dass man irgendwann sesshaft wird, doch eigentlich genau das Gegenteil bei mir. Zitate wie: „Sag mal bist du eigentlich auch mal Zuhause.“, bekomme ich nicht selten zu hören. Nach einer sehr spontanen Planung mit dem Ziel für ein Wochenende nach Slowenien zu fahren, ging es plötzlich total überstürzt nach Budapest. Donnerstag spät Abends mal eben alles organisieren und plötzlich sitzt man schon Freitag Mittags im Bus auf dem Weg nach Tirana um seinen Travelbuddy (wie ich Tamara mittlerweile liebevoll nenne) abzuholen.

Die Hauptstadt Ungarns, die immer als ein Traum bezeichnet wird, ist ein von mir auserkorener Geheimtipp (vor allem um die Weihnachtszeit). Da sich die Stadt in zwei Teile teilt (nämlich in Buda und Pest, getrennt durch die Donau) und unser Hotel in Pest war,

Elisabeth-Bridge (Verbindung zwischen Buda & Pest)

war ich erstmal total geflasht von dieser unglaublich gemütlichen Atmosphäre in Pest. Die Häuser glichen keinem typischen Plattenbau, den man aus sonstigen Großstädten so kennt, sondern jedes Haus glich einem kleinem Altbau-Palast (meiner Meinung nach).

Natürlich haben wir auch die ein oder anderen Touripläne geschmiedet, die aber eigentlich schon nach einer 3/4 Stunde verworfen wurden, denn wir haben direkt einen Weihnachtsmarkt gefunden und wenn es dann plötzlich auch noch anfängt zu schneien, tja da ist man doch in der richtigen Stimmung für ein bisschen Bummeln auf einem Weihnachtsmarkt. Ach was sag ich denn da, ich meine auf ungefähr 3 Weihnachtsmärkten…

Einer der schönsten Weihnachtsmärkte, den ich je gesehen habe

Ein Markt wäre doch echt untertrieben für eine solch große Stadt. Die Stadt glich schon morgens einem Wintermärchenland und ich habe mich gleich verliebt. Da hilft es dann vermutlich auch nicht, wenn man Abends in das Nussknacker-Ballett geht. (Frage an Tamara: Was nehmen wir eigentlich wirklich aus diesem Ballett mit? Inspiration? Größenwahnsinn?) Ich habe unglaublichen Respekt vor der Leistung dieser Künstler, mag für den einen Ballett etwas total lächerliches darstellen, dem kann ich nur mal raten in eine Vorstellung zu gehen. Noch immer bin ich fasziniert von der Darstellung einer Geschichte ohne wörtliche Kommunikation.

Aussicht auf Budapest

Am nächsten Tag haben wir uns dann auf sportliche Art und Weise den ganzen Gellértberg hochgeschleppt, um von oben aus die unglaubliche Aussicht genießen zu können. Eine solch riesige Stadt mal „ganz“ sehen zu können, raubt einem wortwörtlich den Atem. Oftmals denkt man wirklich, wenn man alle Touristenplätze aufgesucht hat, dass man alles gesehen hat – großer Fehler. Man sieht plötzlich das ungarische Parlament (zuvor als echt protzig beschrieben) und nimmt es auf eine ganz andere Art und Weise wahr. Zum Abschluss haben wir noch das ein oder andere Weihnachtsgeschenk auf einem sehr schönen Weihnachtsmarkt gekauft (wer hätte es erwartet), bevor es dann zurück in unsere Einsatzländer ging.

ein wenig Tee

Fasse ich die drei Tage zusammen: Tee/Kaffee trinken, Weihnachtsmärkte und das Leben genießen

Durch Ausflüge wie diese, merke ich wie sehr ich die Dinge genieße, die mir das Auslandsjahr möglich macht. Zuvor habe ich nie wirklich darüber nachgedacht Städte wie Ulcinj, Tirana oder aber Belgrad zu besuchen… doch jetzt habe ich eine Heimat in einer süßen kleinen Stadt namens Ulcinj gefunden und ihr Charme verzaubert mich immer wieder. Ich habe eine Freundin gefunden, die nicht nur ähnliches durchlebt, sondern die mich auf jede Art und Weise versteht und immer Verständnis zeigt. (Ich nenne es immer noch Zufall, dass man unter 320 Leuten genau den Menschen gefunden hat, der einen mit am besten versteht). Ich merke aber auch, wie mich der Aufenthalt Stück für Stück verändert. Mag es um Selbstständigkeit gehen, oder aber auch um persönliche Dinge, ich finde mich immer mehr und habe endlich das Gefühl zu wissen, was wirklich wichtig für mich ist.

Wie schon eben angedeutet, geht es in 2 Wochen für mich nach Hause. Das Weihnachtsfest ist für mich unvorstellbar ohne meine Familie. Bis dahin gibt es noch einiges zu erledigen. Sowohl der Austausch mit Ludwigshafen als auch die Berlin Exkursion stehen kurz bevor und es gibt noch einiges an Papierkram zu erledigen. Nebenbei versuche ich mich auch darin ein wenig Serbisch zu lernen, nicht so einfach bei 7 Fällen und keinerlei Bezug zur romanischen Sprache, aber ich bemerke deutliche Fortschritte. An den nächsten zwei Wochenenden freue ich mich auf Besuch aus Tirana und schnuppere noch etwas Meerluft, bevor es dann zurück ins verregnete und kalte Deutschland geht. Doch gegen ein bisschen Schnee hätte ich eindeutig nichts.

 

Cáo und bis bald,

Annchristin.

 

Reflexion einer langen Woche – Ich bin in Weihnachtsstimmung!

Zdravo und Hallöchen,

alles gute beginnt mit einer Tasse Tee… dieser Blogeintrag wird vermutlich etwas länger, also macht es euch bequem und genießt, wie ich einen warmen Tee.

In den letzten 1 1/2 Wochen sind viele spannende Dinge passiert…

Von einem Handy, das sichtlich verwirrt ist, wenn es rückwärts fährt bishin zur ersten aufgehangenen Weihnachtsdeko war tatsächlich alles dabei.

Letzte Woche Freitag habe ich Besuch bekommen, na klar kann nur Tamara sein, die vollgepackt sich plötzlich den Berg hochschleppen muss. Nach einer Stunde Touri-Tour am Samstag (bei dem uns zwei kämpfende Hunde, den halben Weg begleitet haben) und nach einer ordentlichen Portion Netflix und natürlich nach einem oder vielleicht auch zwei Besuchen in netten Restaurants, haben wir uns auf den Weg nach Serbien gemacht

In einem Dorf namens Sremski Karlovci sollte unser Zwischenseminar stattfinden und bis dorthin hatten wir einen ziemlich langen Weg. Ich glaube das spannendste an der Hinreise war die Tatsache, dass ich dem Bus hinterhergerannt bin, weil er noch mein Gepäck inne hatte und ebenfalls Tamara. Da der Bus nicht direkt am Flughafen in Podgorica hält mussten wir eher aussteigen und mit dem Taxi weiterfahren – so der Plan. Ich steige also aus und plötzlich fährt der Bus weiter… Gott sei dank konnte Tamara die Situation retten und ich musste nur zwei Minuten lang dem Bus hinterher rennen.

Belgrad bei Nacht

Angekommen in der Hauptstadt Serbiens, also Belgrad, verlief eigentlich alles gut. Dank Anton (einem Freiwilligen aus Belgrad) konnten wir problemfrei Taxi fahren und sind sicher in unserer Unterkunft angekommen. Abends das nächste Abenteuer, einfach mal in einem Bus springen und hoffen man kommt in der Innenstadt an… Sehr gut, wenn man die Sprechanlage des Busses nicht versteht. Nach einiger Zeit haben wir es dann doch geschafft ein paar der anderen Freiwilligen zu treffen, mit denen wir dann am nächsten Tag nach Sremski Karlovci aufgebrochen sind.

Da ich nicht zu weit ausholen möchte, erzähle ich möglichst zusammengefasst von meinen Erlebnissen vor Ort:

Eines der wichtigsten Themen, war die Auseinandersetzung mit unseren bisherigen Erfahrungen innerhalb unseres Einsatzortes bzw. unserer Einsatzstelle. Ich hatte viel Zeit alles zu reflektieren, mich auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. Für mich mit am spannendsten war der Ausflug nach Belgrad. Vor Ort haben wir zwei Organisationen besucht: Civil Rights Defenders und Atina. Beide Organisationen setzen sich für die Menschenrechte ein, Atina speziell gegen Human Trafficking. Die Besuche waren nicht nur spannend, sondern sie haben zum nachdenken angeregt, vor allem weil man eigene Gesprächsthemen/ Fragen miteinbringen durfte. Des Weiteren haben wir uns mit der Balkangeschichte auseinandergesetzt. Es war ein von uns gewünschtes Thema mehr über die Jugoslawien-Kriege

zu erfahren, denn so lange her ist das Ganze noch nicht.

Neben ernsten Themen, die mich auch weiterhin beschäftigen werden, habe ich vor allem die Zeit mit den anderen Freiwilligen genossen. Am Abend waren wir eigentlich immer zusammen und haben häufig freundschaftsvernichtende (nur ein kleiner Spaß am Rande) Werwolf-Runden gespielt.

Ich bin in Weihnachtsstimmung.

Am Meisten wird mir jedoch der Weihnachtsabend in Erinnerung bleiben. Ja ich weiß es ist November, aber das Ganze war nicht so geplant wie es nun doch gekommen ist. Tamara, Daniel und ich wollten eigentlich nur spülen, als wir plötzlich Weihnachtsdeko fanden und so nahm halt alles seinen Lauf.

Am Freitag ging es dann nach zu kurzer Zeit zurück nach Belgrad. Dort verbrachten wir noch einen weiteren Abend/Nacht mit den anderen Freiwilligen bevor es wieder zurück nach Ulcinj ging. Feststellung des Tages blieb jedoch: Es verwirrt mein Handy wenn es rückwärts fährt – HMH DANKE GOOGLE MAPS.

Jetzt gerade hocke ich wortwörtlich auf meinem Sofa und lasse die ganze Woche nochmal Revue passieren.

Am Ende des Seminars wurden wir gefragt, warum wir dankbar sind. 15 Punkte sollten wir auflisten… hier sind meine:

  1. Dankbar dafür, dass Ulcinj immer mehr eine Art Heimat wird.
  2. Dankbar dafür, dass Tamara so in etwa eine Seelenverwandte für mich ist.
  3. Dankbar dafür, dass es hier Eisbergsalat und Wraps gibt.
  4. Dankbar dafür, dass ich hier viele neue Dinge und Orte kennenlernen darf.
  5. Dankbar dafür, dass ich ein so gutes Verhältnis zu meinem Ansprechpartner, meiner Gastfamilie und zu den Schülern habe.
  6. Dankbar dafür, dass ich Teil des Zwischenseminars war.
  7. Dankbar dafür, dass ich glücklich bin.
  8. Dankbar dafür, dass ich nie alleine bin.
  9. Dankbar dafür, dass ich nicht der einzige Weihnachts-Freak bin.
  10. Dankbar dafür, dass ich morgens mit Meerblick aufwache.
  11. Dankbar dafür, dass ich merke das Veränderungen nicht immer sinnlos sind.
  12. Dankbar dafür, dass ich immer Freunde und Familie hinter mir stehen habe.
  13. Dankbar dafür, dass es Bücher gibt.
  14. Dankbar dafür, dass ich jeden Tag mindestens 1x (okay wer mich kennt 100x) lächeln kann.
  15. Dankbar dafür, dass ich schon bald Weihnachtskeckse backen kann.

 

Tja und das soll das Abschlusswort sein. Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss und man vergisst häufig zu oft, dankbar zu sein.

 

Liebe Grüße,

Annchristin.

Ein bisschen Wein darf auch mal sein.

 

Ein Geburtstag im Ausland.

Normaler Tagesablauf: 6.00Uhr aufstehen, naja wird dann auch schonmal 6.30Uhr. In Hetze frühstücken, weil das Bett doch gemütlicher war. Dann ganz schnell fertig machen, denn der fast 30minütige Morgenmarsch zur Schule wartet. Tja dann beginnt die Schule und Abends wird dann nochmal gekocht, Netflix mehr oder weniger gesuchtet, nebenbei  werden noch einige Unterrichtssachen erledigt und ein paar Nachrichten mal beantwortet. Dann folgt halt der nächste Tag.

Ähnlich, komischerweise begann auch mein Geburtstag. Naja wundervoller Weise klingelte der Wecker erst um 7.00Uhr. Meinen morgendlichen Kaffee benötigte ich jedoch, denn ohne den bin ich einfach aufgeschmissen. Bis zu diesem Zeitpunkt gestehe ich ehrlich, war mir nicht bewusst, dass ich ab heute 19 Jahre alt bin. Ich schaue auf mein Handy und ab da ein kleiner Schock. Ich las wunderschöne Geburtstagsnachrichten, bekam das ein oder andere GeburtstagsVideo und noch schöner im Laufe des Tages führte ich mehr als 10 Telefongespräche. Doch am meisten muss ich dann doch gestehen, habe ich mich über die Geschenke aus Deutschland gefreut. Meine Familie sendete neben etlichen Süßigkeiten, auch meine geliebte Weihnachtsdeko. Naja und Janna (die in Neuseeland, 12 Stunden Zeitverschiebung, von mir ist) hatte mir doch tatsächlich mit Geschenken von einem Harry Potter Store aus London und einem kurzen Skype-Gespräch den Tag  versüßt.

Natürlich habe ich danach noch Zeit in der Schule verbracht. Auf meinem Schulweg liefen mir zwei Schülerinnen aus der Grundschule über den Weg und gratulierten mir tatsächlich. Zweiter Schock des Tages – Woher wussten sie das ich Geburtstag habe? Mein Ansprechpartner hatte mit ihnen das Geburtstagslied einstudiert… Eine Portion gute Laune und als mir dann wirklich noch ein Ständchen gehalten wurde, wurde ich zurückversetzt in die alte Schulzeit wo deine Klasse für dich gesungen hat und einem das doch irgendwie unangenehm war.

Mit ein paar Freundinnen habe ich nebenbei auch noch meinen selbstgebackenen Geburtstagskuchen geshared. Bis zu diesem Zeitpunkt, hat tatsächlich alles etwas befremdlich angefühlt. Einfach anders. Halt kein normaler Geburtstag.

Doch spätestens Zuhause, als mir meine Gastmama dann einen riesigen Kuchen und ein absolut umwerfendes Geschenk von meiner Gastfamilie übergeben hat, da ich realisierte ich dass ich tatsächlich Geburtstag hatte. Und die Tradition, dass einem am Ohr gezogen wird war sehr witzig.

Und so landete ich am Abend in einem Restaurant, genoß meine Penne 4Formaggi und unterhielt mich über die komischen Umwege, die man während seines Berufsleben mal so macht. Naja eine Architektin muss halt auch mal Mama und Psychologin spielen.

 

 

 

der ganz normale Schulwahnsinn

Viele Fragen und hier kommt die Antwort. Nach nun 1 1/2 Monaten möchte ich euch mein Schulleben genauer erklären und Dinge erläutern, die mir persönlich aufgefallen sind, die sich eindeutig vom deutschen Schulleben unterscheiden.

Ich arbeite an zwei Schulen: der Marsal Tito Grundschule (1-9 Klasse) und dem Gymnasium Bratstvo Jedinstvo (I-IV Klasse). Den Morgen verbringe ich meistens in der Grundschule und erledige Verwaltungsaufgaben. Momentan bin ich dabei eine Berlin Exkursion für einige Schüler der 6. und 7. Klasse zu organisieren. Des Weiteren freue ich mich darüber den Rückaustausch nach Ludwigshafen mitgestalten zu dürfen, an dem ich auch selber mit der Klasse II des Gymnasium teilnehmen werde im Februar 2018. Außerdem nehme ich mir viel Zeit dafür die Hausaufgaben der Schüler zu kontrollieren und diese dann mit ihnen zu sprechen, damit noch nicht verstandene Dinge geklärt werden können. Des Weiteren habe ich in der Grundschule viel Zeit, um die Tests der Klasse II zu evaluieren, damit meine ich nicht korrigieren, sondern ich werte sie aus, um häufige Fehler zu erkennen. Das ist mir persönlich sehr wichtig, da die Klasse II (meine Lieblingsklasse :D) schon bald ihre DSD I Prüfung ablegen wird. Das DSD – also deutsche Sprachdiplom – ermöglicht ihnen später in Deutschland studieren zu können und der ein oder andere Schüler zeigt wahres Interesse an einem Studium in Deutschland und ich möchte sie so gut wie möglich dabei unterstützen.

Im Gymnasium hospitiere ich, dass bedeutet ich schaue mir an wie unterrichtet wird, wie die Schüler lernen und arbeiten. Es ist teilweise sehr interessant und lustig. Im Deutsch Unterricht liegt der Hauptschwerpunkt auf Kommunikation und das merkt man den Schülern an. Sie sind sehr gut darin den Unterricht aktiv mitzugestalten und unterhalten sich gerne. Manchmal wird es deswegen auch etwas lauter. Erst gestern fragte mich ein Schüler: „Warum bist du eigentlich so schüchtern?“ Ich war etwas verwundert, aber wusste warum er mir diese Frage stellte. Ich bin diese Form Unterricht nicht gewohnt, natürlich gibt es in Deutschland viele Unterrichtsstunden in denen Klassendiskussionen stattfinden, meistens jedoch gibt es den schönen Frontalunterricht (hat alles Vor- und Nachteile). Ich finde es schön, dass die Schüler auch mittendrin die Möglichkeit bekommen zu sagen, was ihnen durch den Kopf geht.

Erst letzte Woche habe ich eine kleine Unterrichtssequenz übernehmen dürfen. Es war erstmal komisch vorne an der Tafel zu stehen und nicht die Position eines Schülers inne zu haben. Insgesamt würde ich behaupten, habe ich die Sequenz sehr gut gemeistert, aber ich weiß dass ich noch einiges dazu lernen muss und möchte.

Für die, die es interessiert: Mein Arbeitstag beginnt meistens um 7.30Uhr und endet auch oft um 13.30Uhr… es gibt natürlich auch Tage die sich mal von 7.30-17.30 ziehen können (natürlich mit Pausen). Allerdings, was ich sehr besonders finde ist die Tatsache, dass sich der Stundenplan jeden Monat ändert. Einen Monat lang haben die Schüler des Gymnasiums Morgens und den anderen Monat Nachmittags Unterricht. Echt anstrengend… Ich persönlich könnte mir nicht vorstellen bis 20.00 Uhr Abends Schule zu haben und danach noch zu lernen. Ein weiterer Unterschied zur deutschen Schule ist die Form der Noten: 5 ist hier die beste Note und 1 die schlechteste… Deutschland genau andersherum. Ein weiterer Punkt: Zeugnisse. Hier gibt es 4 Zeugnisse, deswegen werden auch häufiger Tests/Arbeiten geschrieben.

Neben der Schularbeit bin ich auch gerade dabei meine eigene kleine Video-AG aufzubauen. Genügend Teilnehmer und Ideen gibt es, Technik kein Problem, aber Chaos und Durcheinander stehen auf der Tagesordnung. Es ist teilweise schwierig zwei unterschiedliche Rollen einzunehmen: Auf der einen Seite leite ich diese Ag und ich möchte ein Arbeitsergebnis haben, aber auf der anderen Seite bin ich eine Freundin und liebe es, mich mit den Schülern über alles mögliche auszutauschen… eher Ablenkung als Arbeit. Was mich aber mehr als zufrieden stellt ist die Tatsache, dass ich diesen lockeren Bezug zu den Schülern aufbauen konnte. Es macht viel mehr Spaß auf einer freundschaftlichen Ebene zu arbeiten…

Was mich immer wieder verwundert, ist das hohe Sprachniveau im Bereich Deutsch. Die Schüler scheinen wirklich eine Art Sprach-Affinität zu besitzen. Viele von ihnen sind sogenannte „Fernsehkinder“, also lernten Deutsch über Fernsehserien. Es scheint unglaublich, aber hinsichtlich Vokabeln und Kommunikation sind sie nahezu perfekt, was mir das Leben natürlich um einiges leichter macht und natürlich für Projekte die beste Voraussetzung ist.

Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit meiner Arbeit hier in Ulcinj. Ich habe viele Freiheiten und kann mich in jedem Bereich einbringen, in dem ich mich einbringen möchte. Die Lehrer haben mich alle super aufgenommen und viele der Schüler sind meine Freunde. Ich darf also darauf gespannt sein, was mich noch so erwartet in den nächsten Monaten…

Nächstes Wochenende geht es für mich erneut nach Tirana. Zusammen mit Tamara habe ich eine Fototour durch Tirana geplant. Danach die Woche freue ich mich darauf Tamara hier begrüßen zu dürfen… (bisher hoffe ich noch, dass sie an meinem Geburtstag, also dem 8.11 kommt). Für uns geht es dann weiter nach Sremski Karlovci, Serbien, zum Zwischenseminar…

Bis dahin, Annchristin.

22.10.2017

Der verborgene Sinn allen Reisens ist es, Heimweh zu haben. -Erich Kästner

Als ich das erste Mal dieses Zitat gelesen habe, saß ich Zuhause in Deutschland an meinem Schreibtisch und war bereit zum Aufbruch in mein Abenteuer „Auslandsjahr“. Zu diesem Zeitpunkt war ich wirklich nicht in der Lage, den Sinn dahinter zu verstehen. Vermutlich – auch jetzt – bin ich noch nicht in der Lage dazu, aber ich habe einiges dazu gelernt.

Der ein oder andere kennt das Gefühl Heimweh zu haben und für mich fühlt es sich mehr oder weniger an, als würde einem der Boden unter Füßen weggezogen werden. Für den einen scheint dieses Gefühl sehr weit weg zu sein und er kann nicht verstehen wovon ich spreche, wenn ich sage: „Ja, ich habe Heimweh.“

Auf der einen Seite ist dieses Gefühl ein unglaublich negatives Gefühl, denn ich sehne mich nicht nach dem Gegenstand Zuhause, sondern ich vermisse, dass was mein Zuhause zu meinem Zuhause macht -meine Familie, meine Freunde und vor allem das Gefühl alles mögliche zu kennen und zu wissen. Hier in Ulcinj ist mein Apartment mein zweites Zuhause und ich bestätige zu 100% ich habe mich eingelebt, doch ich bin noch oft überfordert. Jeden Tag erlebe ich neue Dinge und manchmal schaffe ich nicht alles zu verarbeiten und manchmal will ich es auch garnicht. Der ein oder andere sagt: „Heimweh ist normal. Heimweh ist etwas was dich wachsen lässt. Heimweh gehört dazu.“ Aber macht es das besser?

Per Zufall bin ich heute erneut über Kästners Zitat gestolpert und ich bin froh dieses Mal sagen zu können, dass für mich Heimweh nicht nur ein negatives Gefühl ist. Und ich glaube, dass möchte Kästner uns ebenfalls vermitteln. Sehnt man sich nach seinem Zuhause, seiner Familie, seinen Freunden zeigt es doch nur, dass man diese Menschen/ die Gewohnheiten – egal wie weit weg man tatsächlich ist – immer bei sich trägt. Heimweh zeigt uns, dass wir das was wir haben wertschätzen sollten und nicht für selbstverständlich nehmen sollten.

Letztendlich ist Heimweh kein dummes Gefühl, auch wenn es sich unglaublich zerstörerisch anfühlt. Das Gefühl Heimweh lässt uns auch auf eine andere Art und Weise wachsen. Es zeigt uns, wir werden geliebt und wenn ich nach Hause komme, dann ist der Ort Zuhause, der Ort an dem ich mich wohlfühle, an dem ich bin wie ich bin und vor allem ein Ort den ich mit ganz besonderen Menschen teile. Und eins weiß ich jetzt schon, nach meinen 12 Monaten werde ich wieder eine andere Art Heimweh kennenlernen: Heimweh nach Ulcinj.

 

Zwischen Selbstkritik und Perspektivwechsel

Letzte Woche Freitag noch, hätte ich nicht mal im Traum daran gedacht, dass mich 5 Tage so wachsen lassen können. Der ein oder andere weiß wovon ich im folgenden berichten werde – es geht um meinen Kurztrip nach Tirana in Albanien.

Als ich vor ungefähr einem halben Monat angefangen habe mit Tamara meinen Kurzausflug nach Tirana zu planen, war mir nicht bewusst, dass ich so viele neue Dinge über mich, über meine Umgebung und über eine Kultur lernen könnte.

Tirana

(Kurz am Rande: Tamara ist ebenfalls Kulturweit-Freiwillige und eine wirklich liebgewonnene Freundin von mir)

Angefangen mit einer Busfahrt am Freitag den 13. hatte ich tatsächlich zwischenzeitlich Panik, dass ich nicht wirklich in Tirana ankommen könnte. Nicht aus Aberglauben heraus, sondern weil die Tatsache, dass ich zum wirklich ersten Mal komplett auf mich alleingestellt war, einfach eine große Herausforderung darstellte. Ohne jegliche Kommunikationsmöglichkeit (per Telefon, Internet,usw.) bin ich trotzdem in Tirana angekommen, aber da stellte sich das nächste Problem: Wie sollte ich Tamara finden und andersherum, wenn es keinen wirklichen Busbahnhof, Busfahrplan oder sonstiges gab. Durch den glücklichen Zufall sind wir uns nach ca. einer halben Stunde Lauferei einfach über den Weg gelaufen.

Klingt ehrlich gesagt nach einem lächerlichen Problem. Auch das folgende erscheint mir eher gering bedeutend, trotzdem erwähnenswert. Ich, das geborene Landei, hatte nicht nur eindeutige Orientierungsprobleme, nein ich muss sagen, ich war tatsächlich überfordert mit der Größe der Stadt. Gott sei dank, hat Tamara mich niemals allein irgendwo hingeschickt (das wäre vermutlich wirklich mit das absolut schrecklichste für mich gewesen).

Bevor ich zum Kern des Textes komme, möchte ich noch einige kleine Dinge erzählen.

  1. Ich verstehe immer noch nicht, wie man auf die Idee kommen kann jede Nacht um genau 0:00 den Mixer zu benutzen. Tamara ich glaube es geht dir genauso, aber bitte halt mich doch mal auf dem Laufenden wenn du endlich erfährst was der Mieter so nachts mixt.
  2. Kennt ihr dieses Gefühl, einen Menschen schon sein ganzes Leben zu kennen, dabei ist es nicht so? Sorry, aber in der Zeit die ich mit Tamara verbracht habe, kam es mir andauernd so vor, als wäre sie schon seit Jahren Teil meines Lebens – leider ist sie das nicht – aber das macht es umso spannender.
    Oktoberfest in Tirana

    3. Ich habe mich (auch wenn ich die Größe der Stadt immer noch sehr befremdlich finde) sehr wohlgefühlt in Tirana. Ich durfte unglaublich spannende Menschen kennenlernen, habe an einem Oktoberfest in Tirana (kein Witz) teilgenommen, durfte Teil eines Poetry Slams sein und habe die Zeit genossen auch ein wenig über meine bisherige Zeit nachzudenken.

 

Kommen wir aber zum Knackpunkt dieses Textes. Als auf dem Vorbereitungsseminar gesagt wurde, wir sollen Fair berichten, da wusste ich nicht ganz genau, wie ich das umsetzen sollte, oder was das persönlich für mich bedeutet. In den vergangenen Blogeinträgen habe ich häufig über positive Dinge gesprochen, die mir aufgefallen sind. Doch jetzt nehme ich die rosa-rote Brille einfach mal ab.

Zusammen mit Tamara, habe ich viel darüber nachgedacht was Kritik eigentlich bedeutet. Wenn ich durch ein mir fremdes Land gehe und plötzlich Dinge anfange zu kritisieren, ist das fair? Von meiner Seite aus gesehen, nein. Es ist ganz natürlich, dass wir beurteilen, aber es bleibt automatisch subjektiv. Ich beurteile aus meiner eigenen Perspektive und vergesse nun mal dabei, dass es auch viele andere Perspektiven gibt, die einen anderen Blickwinkel auf eine bestimmte Thematik werfen. Habe ich ein Recht dazu, etwas zu kritisieren, von dem ich nicht einmal ansatzweise etwas verstehe? Nein! Automatisch trennt der Mensch in Schwarz und Weiß, Schön und Schlecht, Gut und Böse… doch es gibt so viel mehr in der Mitte und jeder Mensch definiert selber ob es nun schwarz, weiß oder doch grau ist. An dieser Stelle auch die klare Selbstkritik, dass ich gerne mal etwas beurteile ohne hinterfragt zu haben, ob ich dazu überhaupt in der Lage bin.

Es bleibt also zu sagen, dass ich der klaren Meinung bin, dass mich das Auslandsjahr vor allem in dem Bereich Perspektivwechsel bereichern wird. Wie will ich andere Perspektiven kennenlernen ohne mich auf den Weg gemacht zu haben? Offenheit für neue Erfahrungen, ich glaube das ist der Schlüssel, auch wenn es keine eindeutige Lösung gibt…

Als ich mein FSJ angefangen habe war ich glücklich, doch jetzt bin ich dankbar. Denn ich weiß, wenn ich in mein Apartment komme, wartet oben in der Wohnung über mir eine Familie, die mich als ein Familienmitglied ansieht. Ich weiß, ich kann zur Arbeit gehen und bin glücklich darüber mich mit meinen Arbeitskollegen austauschen zu können. Ich kann in die Klasse gehen und sehe nicht Schüler sondern Freunde und mit am wichtigsten, ich kann mich darauf verlassen, dass ich immer Menschen hinter mir stehen habe (ob nun hier in Ulcinj, ob in Tirana, oder mag es in Deutschland sein). Und das ist nicht selbstverständlich, sondern dass ist etwas für das ich sehr dankbar bin.

 

Wie ein Film alle berühmt machen kann?!

Ein berühmter Satz aus meiner Familie: „Bauch voll – toll!“. Nachdem ich gerade ausreichend gegessen habe, habe ich mich finalmente dazu entschieden einen Blogeintrag zu schreiben, denn heute bin ich tatsächlich genau 3 Wochen in Ulcinj – die Zeit fliegt.

Einige von euch wissen es vermutlich schon, da ich mich kaum zurückhalten konnte bzgl. meiner letzten Woche. Ich habe letzte Woche,genauer gesagt von Samstag bis Samstag, die unglaubliche Chance gehabt, an einem Pasch-Videoworkshop teilzunehmen (gefördert durch das Goethe-Institut und dem ZfA) und nur um mal ganz klar zu betonen: ES WAR ABSOLUTER WAHNSINN

Eine Woche voller Erfahrungen lässt sich kaum in einem Blogeintrag festhalten, aber ich gebe mir Mühe.

das heilige Drehbuch

Fangen wir doch mit dem Projekt im Allgemeinen an: In dem sogenannten Videoworkshop habe ich zusammen mit 18 Schülern aus drei unterschiedlichen Städten Montenegros (Berane, Podgorica und Ulcinj) und weiteren lieben Menschen, einen szenischen Kurzfilm erstellt. Dieser Kurzfilm handelt von Fake-News und von Miguel de Cervantes (mehr verrate ich nicht, der Link folgt in den nächsten Tagen). Es wurde nicht nur ein Drehbuch erstellt, nein es gab ein offizielles Casting, Drehplan und allerlei Kamera-Equiment und schlussendlich natürlich die Post-Produktion (also Schneiden, Ton, etc.). Alles in Allem also wirklich professionell und wenn ich nochmal unterstreiche: Das ganze spielte sich innerhalb einer Woche ab, also Applaus an uns, denn das Ergebnis ist sagenhaft.

Letztendlich würde ich aber nicht behaupten, dass der Film im Allgemeinen für mich das besondere an dem Projekt gewesen ist. Nein, für mich waren es die Leute…

Ehrlich gesagt, war mir am ersten Tag sehr mulmig zumute denn, ich kann weder Montenegrinisch sprechen, noch kannte ich irgendeine Person auf persönliche Art und Weise. Doch schon am ersten Tag zeigte sich, dass die Gruppe sehr offen und interessiert war. Ich habe sehr schnell Anschluss gefunden und bin glücklich sagen zu können: „Ich habe Freunde gefunden und viele von ihnen werde ich weiterhin in der Schule sehen.“

Witzigerweise erinnerte mich die ganze Situation ein wenig an meine Schulzeit. Der ein oder andere war ganz erstaunt, dass ich ein Federmäppchen besitze, obwohl ich kein Schüler mehr sei. Allerdings wurden direkt meine Post-It´s verwendet, um nette Botschaften zu hinterlassen. Ich hoffe der Gestalter dieser Zettel wird mir nicht böse sein, dass ich diese Nettigkeiten veröffentliche, denn ich weiß auf welche Art und Weise er es gemeint hat und wie gesagt: Erinnerungen an meine Schulzeit. (Neele: Fata Morgana, die Einbildung man hätte ein Hirn.)

Just in case he is reading this, sorry for publishing, but it is a way of art and I had to show it (especially to my friend Neele in Ruanda).

Post It´s Art

Sprachlich konnte ich mich natürlich auch weiterbilden. Nachdem die Zahlen von 1-10, auf Albanisch, eher fehlerhaft in meinem Gedächtnis blieben, konnte ich meine sprachlichen Kenntnisse im Montenegrinischen unter Beweis stellen und HEY, immerhin kann ich jetzt die Zahlen von 1-10. Am Ende des Workshops dachten viele Schüler Deutsch, ich hingegen Englisch. Höchst verwirrend wurde jeder Tag in einer anderen Sprache angefangen und wiederrum in einer anderen beendet… Häufig wusste ich echt nicht welche Sprache ich jetzt sprechen sollte, am Ende des Workshops zeigte sich allerdings großes Interesse für die Deutsche Sprache. Allerlei „nette“ Worte sollte ich übersetzen und das sorgte für den ein oder anderen Witz auf meine Kosten.

Auch auf musikalischer Ebene bewegten wir uns auf höchsten Niveau :D, während der ein oder andere das Drehbuch schrieb oder vielleicht schauspielte, sorgte unser Hauseigener Dj für einen unbeschreiblichen Ohrwurm. Ich freue mich jetzt schon, euch bald einen weltbekannten Dj vorzustellen, der in naher Zukunft auf Ibiza auflegen wird. Des Weiteren erstaunte mich die Tatsache, dass der Songtext von Amnesia (5SOS) auch bei dem ein oder anderem Jungen sehr verhaftet im Kopf war.

Wenn ich dann noch einen Bereich anschneiden darf, dann den Bereich der Insider. Natürlich, während eines Zeitraumes von 10 Tagen intensiver Arbeit entstand auch der ein oder andere Insider. Sätze wie: „Alle berühmt oder beruhmt!“ oder „Schauspieler auf ihre Position und Konzentration.“, oder aber „Kuuuuut“ und nicht „Cut“ waren tatsächlich nur der Anfang.

so eine Klappe macht professionell

Seit Montag arbeite ich wieder in der Schule und „leider“ verfolgt mich der ein oder andere Insider bis in die Unterrichtsstunde. Zwei meiner lieb gewonnenen Freundinnen „Samra und Aleksandra“ tauschen sich gerne im Unterricht mit mir über die Insider aus und so entsteht der ein oder andere Lachkrampf, den der Lehrer nicht versteht oder es kommt zur völlige Verblüffung seitens des Lehrers, wenn ein Schüler zu mir sagt: „Nicht die schon wieder… „. Jaja Schule.

Abschließend lässt sich der Workshop also tatsächlich als erfolgreich zusammenfassen. Nein sorry, er war awwwwesooome.

 

Natürlich habe ich während dieser Tage auch die ein oder andere Schwierigkeit außerhalb des Workshops gehabt. Das Problem mit der Aufenthaltsgenehmigung nagt zunehmend an mir. Jetzt wo ich drei Wochen weg bin, hätte ich gerne mal wieder eine Umarmung von Freunden oder der Familie. Alle Dinge die sonst alltäglich sind, scheinen wirklich weit entfernt. So zum Beispiel auch die Angewohnheit Heimspiele meines Bruders Samstagabends live zu verfolgen. Ehrlich gesagt, fängt man weit weg von Zuhause an, Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen und sie anders zu beurteilen. Eines meiner Hauptprobleme: Geduld kenne ich nicht. Während ich gerne alle meine Aufgaben nach dem berühmten Sprichwort: “ Was du heute kannst besorgen, verschiebe nicht auf morgen.“ angehe, läuft hier alles ein wenig anders und das ist verdammt gewöhnungsbedürftig! Auf der anderen Seite muss ich trotzdem klar betonen, dass mir Ulcinj schon jetzt wie ein zweites Zuhause vorkommt. Der ein oder andere würde sagen, ich beurteile dies bezüglich sehr vorschnell, aber wer erst einmal hier war, wird gleiches behaupten. Es sind die Menschen um mich herum, die Ulcinj heimelig für mich machen…

 

Um zu einem Abschluss zu kommen, möchte ich einfach mal Liebe Grüße versenden:

  • an meine Familie
  • besonders an Clara, ich denke an dich
  • an meine Freunde
  • an das Kulturweit-Team
  • an Martin und Isolde (in der Hoffnung sie vermissen Ulcinj nicht ganz so sehr)
  • und an meine weltweit verstreuten Freunde.

 

 

Abenteuer Kotor…

Endlich komme ich dazu über meinen Donnerstag (21.09) zu schreiben. Die vergangenen Tage hatte ich eine Menge zu tun und war viel unterwegs – also kann erst jetzt der neue Blogeintrag kommen.

Noch immer kann ich nur darüber staunen, wie unglaublich und sagenhaft mein Ausflug nach Kotor war…

Letzte Woche Donnerstag habe ich mich früh am Morgen, zusammen mit Martin und Isolde (zwei Touristen) aus Deutschland, auf den Weg nach Kotor gemacht. Weil wir schon auf dem Weg waren, wollten wir auch noch unbedingt nach Cetinje. Zur Bedeutung beider Städte komme ich später.

Schon nach kurzer Zeit führte uns das Navi über eine angeblich kürzere Strecke, naja ob es nun kürzer war, darüber kann man sich streiten, aber die Strecke beeindruckte vor allem durch die unglaublich schöne Landschaft. Häufig fragten wir uns: „Ist das hier eigentlich eine offizielle Straße?“ Naja letztendlich haben wir natürlich Cetinje erreicht, aber natürlich kam es auch zu witzigen Zwischenstopps: z.B. versperrten uns Pferde den Weg und sie machten keine Anstalten sich weg zu bewegen.

Auf dem Weg dorthin machten wir einen Stopp in einem kleinen Dorf mit einem sagenhaften Ausblick auf die Berge.

Nun gut… Cetinje:

Cetinje, eine kleine Stadt zwischen Podgorica und Budva liegt ca. 670 Meter über dem Meeresspiegel und ist die alte Hauptstadt von Montenegro. Sie beeindruckte mich vor allem durch ihre „natürliche“ Ausstrahlung. Okay, klar was bedeutet natürlich? Erst im Jahre 2006 wurde Montenegro unabhängig, bis dahin wurden Kriege geführt und natürlich wurde einiges zerstört. Die Stadt Cetinje zeigt vor allem die Vergangenheit und auch teilweise die Realität Montenegros und ist zurecht eine bedeutende historisch-kulturelle Stätte.

Cetinje

 

Cetinje

Nach einer kleinen Stärkung im Café machten wir uns weiter auf den Weg nach Kotor. Natürlich hätte man es sich einfach machen können und über die Küstenstraße fahren können, aber wir setzten auf das Abenteuer.

Und wenn ich eins festhalten möchte, dann die Tatsache, dass sich der Umweg auf jeden Fall gelohnt hat. Warum? Das zeigen die Bilder:

die Bucht von Kotor

 

Bucht von Kotor

Als wir in Kotor angekommen sind, habe ich für einen kurzen Moment geglaubt, wir wären in Miami. Der Boulevard war unglaublich eindrucksvoll allerdings nichts gegen die Altstadt. Die Altstand, umgeben von der alten Stadtmauer, schien wirklich noch genauso erhalten zu sein, wie sie früher einmal war – unglaublich schön.

Altstadt von Kotor

 

Altstadt von Kotor

 

venezianischer Bogen -Eingang zur Burg

Glaubt mir, ich hätte auch nicht gedacht, dass ich bei gefühlt 35 Grad noch Sport mache, aber tatsächlich bin ich 1356 Stufen hoch zur alten Burg gelaufen. Zwischenzeitlich habe ich selber an meiner Zurechnungsfähigkeit gezweifelt aber ich hatte es mir selber nicht verziehen, dass nicht durchzustehen, denn der Ausblick wahr mehr als sagenhaft!!!

Zwischenstopp auf dem Weg nach oben zur Burg

 

die Überreste der alten Burg

 

Ausblick von oben auf Kotor

Am Ende des Abends war ich wirklich platt und mein Bett war mir heilig. Der Tag war sehr eindrucksvoll und sehr informativ.

Ich bin ganz ehrlich, wenn ich sage, dass es mir sehr schwer gefallen ist, diesen Blogeintrag zu schreiben, weil es so vieles gibt was man mit einfachen Worten einfach nicht beschreiben kann. Angeblich sagen Bilder mehr als tausend Worte, hoffentlich!

Just in diesem Moment sitze ich im Hotel und genieße die freie Zeit, die vielleicht noch eine halbe Stunde andauert. Seit Samstag nehme ich zusammen mit 18 Schülern (aus unterschiedlichen Städten) an einem Videoworkshop teil. Mehr dazu, erfahrt ihr in meinem nächsten Blogeintrag, aber ihr dürft gespannt sein und natürlich werdet ihr auch dann Gelegenheit dazu bekommen unseren professionellen Kurzfilm zu sehen – und mit professionell meine ich auch professionell, denn von Drehbuchautor und Regisseur, alles ist dabei!

 

Bis dahin, Annchristin.