Insider Budapest

Lichter der Nacht

Kaum versieht man sich sind schon weitere zwei Wochen vergangen. Momentan habe ich das Gefühl die Zeit verfliegt und ich vergesse das Zeitgefühl. Mittlerweile hat offiziell die Adventszeit begonnen und ich bin aufgeregter denn je, denn schon bald (heute genau in 2 Wochen) werde ich meine Familie und meine Freunde über Weihnachten wiedersehen. Wenn auch hier in Ulcinj nicht so wirklich Weihnachtsstimmung herrscht, umso mehr verkrieche ich mich in meine eigenen kleinen Traditionen. Sei es nun ein Adventskalender oder ein Adventskranz, ich merke wie wohl ich mich inzwischen in diesem Ort und in meiner eigenen Wohnung fühle. Besonders freue ich mich auf die gemeinsame Backaktion, die ich am Samstag zusammen mit Tamara und zwei Schülerinnen hier in Ulcinj starten werde.

Da sollte man doch meinen, wenn man sich so wohlfühlt in seinem eigenen Örtchen, dass man irgendwann sesshaft wird, doch eigentlich genau das Gegenteil bei mir. Zitate wie: „Sag mal bist du eigentlich auch mal Zuhause.“, bekomme ich nicht selten zu hören. Nach einer sehr spontanen Planung mit dem Ziel für ein Wochenende nach Slowenien zu fahren, ging es plötzlich total überstürzt nach Budapest. Donnerstag spät Abends mal eben alles organisieren und plötzlich sitzt man schon Freitag Mittags im Bus auf dem Weg nach Tirana um seinen Travelbuddy (wie ich Tamara mittlerweile liebevoll nenne) abzuholen.

Die Hauptstadt Ungarns, die immer als ein Traum bezeichnet wird, ist ein von mir auserkorener Geheimtipp (vor allem um die Weihnachtszeit). Da sich die Stadt in zwei Teile teilt (nämlich in Buda und Pest, getrennt durch die Donau) und unser Hotel in Pest war,

Elisabeth-Bridge (Verbindung zwischen Buda & Pest)

war ich erstmal total geflasht von dieser unglaublich gemütlichen Atmosphäre in Pest. Die Häuser glichen keinem typischen Plattenbau, den man aus sonstigen Großstädten so kennt, sondern jedes Haus glich einem kleinem Altbau-Palast (meiner Meinung nach).

Natürlich haben wir auch die ein oder anderen Touripläne geschmiedet, die aber eigentlich schon nach einer 3/4 Stunde verworfen wurden, denn wir haben direkt einen Weihnachtsmarkt gefunden und wenn es dann plötzlich auch noch anfängt zu schneien, tja da ist man doch in der richtigen Stimmung für ein bisschen Bummeln auf einem Weihnachtsmarkt. Ach was sag ich denn da, ich meine auf ungefähr 3 Weihnachtsmärkten…

Einer der schönsten Weihnachtsmärkte, den ich je gesehen habe

Ein Markt wäre doch echt untertrieben für eine solch große Stadt. Die Stadt glich schon morgens einem Wintermärchenland und ich habe mich gleich verliebt. Da hilft es dann vermutlich auch nicht, wenn man Abends in das Nussknacker-Ballett geht. (Frage an Tamara: Was nehmen wir eigentlich wirklich aus diesem Ballett mit? Inspiration? Größenwahnsinn?) Ich habe unglaublichen Respekt vor der Leistung dieser Künstler, mag für den einen Ballett etwas total lächerliches darstellen, dem kann ich nur mal raten in eine Vorstellung zu gehen. Noch immer bin ich fasziniert von der Darstellung einer Geschichte ohne wörtliche Kommunikation.

Aussicht auf Budapest

Am nächsten Tag haben wir uns dann auf sportliche Art und Weise den ganzen Gellértberg hochgeschleppt, um von oben aus die unglaubliche Aussicht genießen zu können. Eine solch riesige Stadt mal „ganz“ sehen zu können, raubt einem wortwörtlich den Atem. Oftmals denkt man wirklich, wenn man alle Touristenplätze aufgesucht hat, dass man alles gesehen hat – großer Fehler. Man sieht plötzlich das ungarische Parlament (zuvor als echt protzig beschrieben) und nimmt es auf eine ganz andere Art und Weise wahr. Zum Abschluss haben wir noch das ein oder andere Weihnachtsgeschenk auf einem sehr schönen Weihnachtsmarkt gekauft (wer hätte es erwartet), bevor es dann zurück in unsere Einsatzländer ging.

ein wenig Tee

Fasse ich die drei Tage zusammen: Tee/Kaffee trinken, Weihnachtsmärkte und das Leben genießen

Durch Ausflüge wie diese, merke ich wie sehr ich die Dinge genieße, die mir das Auslandsjahr möglich macht. Zuvor habe ich nie wirklich darüber nachgedacht Städte wie Ulcinj, Tirana oder aber Belgrad zu besuchen… doch jetzt habe ich eine Heimat in einer süßen kleinen Stadt namens Ulcinj gefunden und ihr Charme verzaubert mich immer wieder. Ich habe eine Freundin gefunden, die nicht nur ähnliches durchlebt, sondern die mich auf jede Art und Weise versteht und immer Verständnis zeigt. (Ich nenne es immer noch Zufall, dass man unter 320 Leuten genau den Menschen gefunden hat, der einen mit am besten versteht). Ich merke aber auch, wie mich der Aufenthalt Stück für Stück verändert. Mag es um Selbstständigkeit gehen, oder aber auch um persönliche Dinge, ich finde mich immer mehr und habe endlich das Gefühl zu wissen, was wirklich wichtig für mich ist.

Wie schon eben angedeutet, geht es in 2 Wochen für mich nach Hause. Das Weihnachtsfest ist für mich unvorstellbar ohne meine Familie. Bis dahin gibt es noch einiges zu erledigen. Sowohl der Austausch mit Ludwigshafen als auch die Berlin Exkursion stehen kurz bevor und es gibt noch einiges an Papierkram zu erledigen. Nebenbei versuche ich mich auch darin ein wenig Serbisch zu lernen, nicht so einfach bei 7 Fällen und keinerlei Bezug zur romanischen Sprache, aber ich bemerke deutliche Fortschritte. An den nächsten zwei Wochenenden freue ich mich auf Besuch aus Tirana und schnuppere noch etwas Meerluft, bevor es dann zurück ins verregnete und kalte Deutschland geht. Doch gegen ein bisschen Schnee hätte ich eindeutig nichts.

 

Cáo und bis bald,

Annchristin.

 

Reflexion einer langen Woche – Ich bin in Weihnachtsstimmung!

Zdravo und Hallöchen,

alles gute beginnt mit einer Tasse Tee… dieser Blogeintrag wird vermutlich etwas länger, also macht es euch bequem und genießt, wie ich einen warmen Tee.

In den letzten 1 1/2 Wochen sind viele spannende Dinge passiert…

Von einem Handy, das sichtlich verwirrt ist, wenn es rückwärts fährt bishin zur ersten aufgehangenen Weihnachtsdeko war tatsächlich alles dabei.

Letzte Woche Freitag habe ich Besuch bekommen, na klar kann nur Tamara sein, die vollgepackt sich plötzlich den Berg hochschleppen muss. Nach einer Stunde Touri-Tour am Samstag (bei dem uns zwei kämpfende Hunde, den halben Weg begleitet haben) und nach einer ordentlichen Portion Netflix und natürlich nach einem oder vielleicht auch zwei Besuchen in netten Restaurants, haben wir uns auf den Weg nach Serbien gemacht

In einem Dorf namens Sremski Karlovci sollte unser Zwischenseminar stattfinden und bis dorthin hatten wir einen ziemlich langen Weg. Ich glaube das spannendste an der Hinreise war die Tatsache, dass ich dem Bus hinterhergerannt bin, weil er noch mein Gepäck inne hatte und ebenfalls Tamara. Da der Bus nicht direkt am Flughafen in Podgorica hält mussten wir eher aussteigen und mit dem Taxi weiterfahren – so der Plan. Ich steige also aus und plötzlich fährt der Bus weiter… Gott sei dank konnte Tamara die Situation retten und ich musste nur zwei Minuten lang dem Bus hinterher rennen.

Belgrad bei Nacht

Angekommen in der Hauptstadt Serbiens, also Belgrad, verlief eigentlich alles gut. Dank Anton (einem Freiwilligen aus Belgrad) konnten wir problemfrei Taxi fahren und sind sicher in unserer Unterkunft angekommen. Abends das nächste Abenteuer, einfach mal in einem Bus springen und hoffen man kommt in der Innenstadt an… Sehr gut, wenn man die Sprechanlage des Busses nicht versteht. Nach einiger Zeit haben wir es dann doch geschafft ein paar der anderen Freiwilligen zu treffen, mit denen wir dann am nächsten Tag nach Sremski Karlovci aufgebrochen sind.

Da ich nicht zu weit ausholen möchte, erzähle ich möglichst zusammengefasst von meinen Erlebnissen vor Ort:

Eines der wichtigsten Themen, war die Auseinandersetzung mit unseren bisherigen Erfahrungen innerhalb unseres Einsatzortes bzw. unserer Einsatzstelle. Ich hatte viel Zeit alles zu reflektieren, mich auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. Für mich mit am spannendsten war der Ausflug nach Belgrad. Vor Ort haben wir zwei Organisationen besucht: Civil Rights Defenders und Atina. Beide Organisationen setzen sich für die Menschenrechte ein, Atina speziell gegen Human Trafficking. Die Besuche waren nicht nur spannend, sondern sie haben zum nachdenken angeregt, vor allem weil man eigene Gesprächsthemen/ Fragen miteinbringen durfte. Des Weiteren haben wir uns mit der Balkangeschichte auseinandergesetzt. Es war ein von uns gewünschtes Thema mehr über die Jugoslawien-Kriege

zu erfahren, denn so lange her ist das Ganze noch nicht.

Neben ernsten Themen, die mich auch weiterhin beschäftigen werden, habe ich vor allem die Zeit mit den anderen Freiwilligen genossen. Am Abend waren wir eigentlich immer zusammen und haben häufig freundschaftsvernichtende (nur ein kleiner Spaß am Rande) Werwolf-Runden gespielt.

Ich bin in Weihnachtsstimmung.

Am Meisten wird mir jedoch der Weihnachtsabend in Erinnerung bleiben. Ja ich weiß es ist November, aber das Ganze war nicht so geplant wie es nun doch gekommen ist. Tamara, Daniel und ich wollten eigentlich nur spülen, als wir plötzlich Weihnachtsdeko fanden und so nahm halt alles seinen Lauf.

Am Freitag ging es dann nach zu kurzer Zeit zurück nach Belgrad. Dort verbrachten wir noch einen weiteren Abend/Nacht mit den anderen Freiwilligen bevor es wieder zurück nach Ulcinj ging. Feststellung des Tages blieb jedoch: Es verwirrt mein Handy wenn es rückwärts fährt – HMH DANKE GOOGLE MAPS.

Jetzt gerade hocke ich wortwörtlich auf meinem Sofa und lasse die ganze Woche nochmal Revue passieren.

Am Ende des Seminars wurden wir gefragt, warum wir dankbar sind. 15 Punkte sollten wir auflisten… hier sind meine:

  1. Dankbar dafür, dass Ulcinj immer mehr eine Art Heimat wird.
  2. Dankbar dafür, dass Tamara so in etwa eine Seelenverwandte für mich ist.
  3. Dankbar dafür, dass es hier Eisbergsalat und Wraps gibt.
  4. Dankbar dafür, dass ich hier viele neue Dinge und Orte kennenlernen darf.
  5. Dankbar dafür, dass ich ein so gutes Verhältnis zu meinem Ansprechpartner, meiner Gastfamilie und zu den Schülern habe.
  6. Dankbar dafür, dass ich Teil des Zwischenseminars war.
  7. Dankbar dafür, dass ich glücklich bin.
  8. Dankbar dafür, dass ich nie alleine bin.
  9. Dankbar dafür, dass ich nicht der einzige Weihnachts-Freak bin.
  10. Dankbar dafür, dass ich morgens mit Meerblick aufwache.
  11. Dankbar dafür, dass ich merke das Veränderungen nicht immer sinnlos sind.
  12. Dankbar dafür, dass ich immer Freunde und Familie hinter mir stehen habe.
  13. Dankbar dafür, dass es Bücher gibt.
  14. Dankbar dafür, dass ich jeden Tag mindestens 1x (okay wer mich kennt 100x) lächeln kann.
  15. Dankbar dafür, dass ich schon bald Weihnachtskeckse backen kann.

 

Tja und das soll das Abschlusswort sein. Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss und man vergisst häufig zu oft, dankbar zu sein.

 

Liebe Grüße,

Annchristin.

Ein bisschen Wein darf auch mal sein.

 

Ein Geburtstag im Ausland.

Normaler Tagesablauf: 6.00Uhr aufstehen, naja wird dann auch schonmal 6.30Uhr. In Hetze frühstücken, weil das Bett doch gemütlicher war. Dann ganz schnell fertig machen, denn der fast 30minütige Morgenmarsch zur Schule wartet. Tja dann beginnt die Schule und Abends wird dann nochmal gekocht, Netflix mehr oder weniger gesuchtet, nebenbei  werden noch einige Unterrichtssachen erledigt und ein paar Nachrichten mal beantwortet. Dann folgt halt der nächste Tag.

Ähnlich, komischerweise begann auch mein Geburtstag. Naja wundervoller Weise klingelte der Wecker erst um 7.00Uhr. Meinen morgendlichen Kaffee benötigte ich jedoch, denn ohne den bin ich einfach aufgeschmissen. Bis zu diesem Zeitpunkt gestehe ich ehrlich, war mir nicht bewusst, dass ich ab heute 19 Jahre alt bin. Ich schaue auf mein Handy und ab da ein kleiner Schock. Ich las wunderschöne Geburtstagsnachrichten, bekam das ein oder andere GeburtstagsVideo und noch schöner im Laufe des Tages führte ich mehr als 10 Telefongespräche. Doch am meisten muss ich dann doch gestehen, habe ich mich über die Geschenke aus Deutschland gefreut. Meine Familie sendete neben etlichen Süßigkeiten, auch meine geliebte Weihnachtsdeko. Naja und Janna (die in Neuseeland, 12 Stunden Zeitverschiebung, von mir ist) hatte mir doch tatsächlich mit Geschenken von einem Harry Potter Store aus London und einem kurzen Skype-Gespräch den Tag  versüßt.

Natürlich habe ich danach noch Zeit in der Schule verbracht. Auf meinem Schulweg liefen mir zwei Schülerinnen aus der Grundschule über den Weg und gratulierten mir tatsächlich. Zweiter Schock des Tages – Woher wussten sie das ich Geburtstag habe? Mein Ansprechpartner hatte mit ihnen das Geburtstagslied einstudiert… Eine Portion gute Laune und als mir dann wirklich noch ein Ständchen gehalten wurde, wurde ich zurückversetzt in die alte Schulzeit wo deine Klasse für dich gesungen hat und einem das doch irgendwie unangenehm war.

Mit ein paar Freundinnen habe ich nebenbei auch noch meinen selbstgebackenen Geburtstagskuchen geshared. Bis zu diesem Zeitpunkt, hat tatsächlich alles etwas befremdlich angefühlt. Einfach anders. Halt kein normaler Geburtstag.

Doch spätestens Zuhause, als mir meine Gastmama dann einen riesigen Kuchen und ein absolut umwerfendes Geschenk von meiner Gastfamilie übergeben hat, da ich realisierte ich dass ich tatsächlich Geburtstag hatte. Und die Tradition, dass einem am Ohr gezogen wird war sehr witzig.

Und so landete ich am Abend in einem Restaurant, genoß meine Penne 4Formaggi und unterhielt mich über die komischen Umwege, die man während seines Berufsleben mal so macht. Naja eine Architektin muss halt auch mal Mama und Psychologin spielen.

 

 

 

der ganz normale Schulwahnsinn

Viele Fragen und hier kommt die Antwort. Nach nun 1 1/2 Monaten möchte ich euch mein Schulleben genauer erklären und Dinge erläutern, die mir persönlich aufgefallen sind, die sich eindeutig vom deutschen Schulleben unterscheiden.

Ich arbeite an zwei Schulen: der Marsal Tito Grundschule (1-9 Klasse) und dem Gymnasium Bratstvo Jedinstvo (I-IV Klasse). Den Morgen verbringe ich meistens in der Grundschule und erledige Verwaltungsaufgaben. Momentan bin ich dabei eine Berlin Exkursion für einige Schüler der 6. und 7. Klasse zu organisieren. Des Weiteren freue ich mich darüber den Rückaustausch nach Ludwigshafen mitgestalten zu dürfen, an dem ich auch selber mit der Klasse II des Gymnasium teilnehmen werde im Februar 2018. Außerdem nehme ich mir viel Zeit dafür die Hausaufgaben der Schüler zu kontrollieren und diese dann mit ihnen zu sprechen, damit noch nicht verstandene Dinge geklärt werden können. Des Weiteren habe ich in der Grundschule viel Zeit, um die Tests der Klasse II zu evaluieren, damit meine ich nicht korrigieren, sondern ich werte sie aus, um häufige Fehler zu erkennen. Das ist mir persönlich sehr wichtig, da die Klasse II (meine Lieblingsklasse :D) schon bald ihre DSD I Prüfung ablegen wird. Das DSD – also deutsche Sprachdiplom – ermöglicht ihnen später in Deutschland studieren zu können und der ein oder andere Schüler zeigt wahres Interesse an einem Studium in Deutschland und ich möchte sie so gut wie möglich dabei unterstützen.

Im Gymnasium hospitiere ich, dass bedeutet ich schaue mir an wie unterrichtet wird, wie die Schüler lernen und arbeiten. Es ist teilweise sehr interessant und lustig. Im Deutsch Unterricht liegt der Hauptschwerpunkt auf Kommunikation und das merkt man den Schülern an. Sie sind sehr gut darin den Unterricht aktiv mitzugestalten und unterhalten sich gerne. Manchmal wird es deswegen auch etwas lauter. Erst gestern fragte mich ein Schüler: „Warum bist du eigentlich so schüchtern?“ Ich war etwas verwundert, aber wusste warum er mir diese Frage stellte. Ich bin diese Form Unterricht nicht gewohnt, natürlich gibt es in Deutschland viele Unterrichtsstunden in denen Klassendiskussionen stattfinden, meistens jedoch gibt es den schönen Frontalunterricht (hat alles Vor- und Nachteile). Ich finde es schön, dass die Schüler auch mittendrin die Möglichkeit bekommen zu sagen, was ihnen durch den Kopf geht.

Erst letzte Woche habe ich eine kleine Unterrichtssequenz übernehmen dürfen. Es war erstmal komisch vorne an der Tafel zu stehen und nicht die Position eines Schülers inne zu haben. Insgesamt würde ich behaupten, habe ich die Sequenz sehr gut gemeistert, aber ich weiß dass ich noch einiges dazu lernen muss und möchte.

Für die, die es interessiert: Mein Arbeitstag beginnt meistens um 7.30Uhr und endet auch oft um 13.30Uhr… es gibt natürlich auch Tage die sich mal von 7.30-17.30 ziehen können (natürlich mit Pausen). Allerdings, was ich sehr besonders finde ist die Tatsache, dass sich der Stundenplan jeden Monat ändert. Einen Monat lang haben die Schüler des Gymnasiums Morgens und den anderen Monat Nachmittags Unterricht. Echt anstrengend… Ich persönlich könnte mir nicht vorstellen bis 20.00 Uhr Abends Schule zu haben und danach noch zu lernen. Ein weiterer Unterschied zur deutschen Schule ist die Form der Noten: 5 ist hier die beste Note und 1 die schlechteste… Deutschland genau andersherum. Ein weiterer Punkt: Zeugnisse. Hier gibt es 4 Zeugnisse, deswegen werden auch häufiger Tests/Arbeiten geschrieben.

Neben der Schularbeit bin ich auch gerade dabei meine eigene kleine Video-AG aufzubauen. Genügend Teilnehmer und Ideen gibt es, Technik kein Problem, aber Chaos und Durcheinander stehen auf der Tagesordnung. Es ist teilweise schwierig zwei unterschiedliche Rollen einzunehmen: Auf der einen Seite leite ich diese Ag und ich möchte ein Arbeitsergebnis haben, aber auf der anderen Seite bin ich eine Freundin und liebe es, mich mit den Schülern über alles mögliche auszutauschen… eher Ablenkung als Arbeit. Was mich aber mehr als zufrieden stellt ist die Tatsache, dass ich diesen lockeren Bezug zu den Schülern aufbauen konnte. Es macht viel mehr Spaß auf einer freundschaftlichen Ebene zu arbeiten…

Was mich immer wieder verwundert, ist das hohe Sprachniveau im Bereich Deutsch. Die Schüler scheinen wirklich eine Art Sprach-Affinität zu besitzen. Viele von ihnen sind sogenannte „Fernsehkinder“, also lernten Deutsch über Fernsehserien. Es scheint unglaublich, aber hinsichtlich Vokabeln und Kommunikation sind sie nahezu perfekt, was mir das Leben natürlich um einiges leichter macht und natürlich für Projekte die beste Voraussetzung ist.

Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit meiner Arbeit hier in Ulcinj. Ich habe viele Freiheiten und kann mich in jedem Bereich einbringen, in dem ich mich einbringen möchte. Die Lehrer haben mich alle super aufgenommen und viele der Schüler sind meine Freunde. Ich darf also darauf gespannt sein, was mich noch so erwartet in den nächsten Monaten…

Nächstes Wochenende geht es für mich erneut nach Tirana. Zusammen mit Tamara habe ich eine Fototour durch Tirana geplant. Danach die Woche freue ich mich darauf Tamara hier begrüßen zu dürfen… (bisher hoffe ich noch, dass sie an meinem Geburtstag, also dem 8.11 kommt). Für uns geht es dann weiter nach Sremski Karlovci, Serbien, zum Zwischenseminar…

Bis dahin, Annchristin.

22.10.2017

Der verborgene Sinn allen Reisens ist es, Heimweh zu haben. -Erich Kästner

Als ich das erste Mal dieses Zitat gelesen habe, saß ich Zuhause in Deutschland an meinem Schreibtisch und war bereit zum Aufbruch in mein Abenteuer „Auslandsjahr“. Zu diesem Zeitpunkt war ich wirklich nicht in der Lage, den Sinn dahinter zu verstehen. Vermutlich – auch jetzt – bin ich noch nicht in der Lage dazu, aber ich habe einiges dazu gelernt.

Der ein oder andere kennt das Gefühl Heimweh zu haben und für mich fühlt es sich mehr oder weniger an, als würde einem der Boden unter Füßen weggezogen werden. Für den einen scheint dieses Gefühl sehr weit weg zu sein und er kann nicht verstehen wovon ich spreche, wenn ich sage: „Ja, ich habe Heimweh.“

Auf der einen Seite ist dieses Gefühl ein unglaublich negatives Gefühl, denn ich sehne mich nicht nach dem Gegenstand Zuhause, sondern ich vermisse, dass was mein Zuhause zu meinem Zuhause macht -meine Familie, meine Freunde und vor allem das Gefühl alles mögliche zu kennen und zu wissen. Hier in Ulcinj ist mein Apartment mein zweites Zuhause und ich bestätige zu 100% ich habe mich eingelebt, doch ich bin noch oft überfordert. Jeden Tag erlebe ich neue Dinge und manchmal schaffe ich nicht alles zu verarbeiten und manchmal will ich es auch garnicht. Der ein oder andere sagt: „Heimweh ist normal. Heimweh ist etwas was dich wachsen lässt. Heimweh gehört dazu.“ Aber macht es das besser?

Per Zufall bin ich heute erneut über Kästners Zitat gestolpert und ich bin froh dieses Mal sagen zu können, dass für mich Heimweh nicht nur ein negatives Gefühl ist. Und ich glaube, dass möchte Kästner uns ebenfalls vermitteln. Sehnt man sich nach seinem Zuhause, seiner Familie, seinen Freunden zeigt es doch nur, dass man diese Menschen/ die Gewohnheiten – egal wie weit weg man tatsächlich ist – immer bei sich trägt. Heimweh zeigt uns, dass wir das was wir haben wertschätzen sollten und nicht für selbstverständlich nehmen sollten.

Letztendlich ist Heimweh kein dummes Gefühl, auch wenn es sich unglaublich zerstörerisch anfühlt. Das Gefühl Heimweh lässt uns auch auf eine andere Art und Weise wachsen. Es zeigt uns, wir werden geliebt und wenn ich nach Hause komme, dann ist der Ort Zuhause, der Ort an dem ich mich wohlfühle, an dem ich bin wie ich bin und vor allem ein Ort den ich mit ganz besonderen Menschen teile. Und eins weiß ich jetzt schon, nach meinen 12 Monaten werde ich wieder eine andere Art Heimweh kennenlernen: Heimweh nach Ulcinj.

 

Zwischen Selbstkritik und Perspektivwechsel

Letzte Woche Freitag noch, hätte ich nicht mal im Traum daran gedacht, dass mich 5 Tage so wachsen lassen können. Der ein oder andere weiß wovon ich im folgenden berichten werde – es geht um meinen Kurztrip nach Tirana in Albanien.

Als ich vor ungefähr einem halben Monat angefangen habe mit Tamara meinen Kurzausflug nach Tirana zu planen, war mir nicht bewusst, dass ich so viele neue Dinge über mich, über meine Umgebung und über eine Kultur lernen könnte.

Tirana

(Kurz am Rande: Tamara ist ebenfalls Kulturweit-Freiwillige und eine wirklich liebgewonnene Freundin von mir)

Angefangen mit einer Busfahrt am Freitag den 13. hatte ich tatsächlich zwischenzeitlich Panik, dass ich nicht wirklich in Tirana ankommen könnte. Nicht aus Aberglauben heraus, sondern weil die Tatsache, dass ich zum wirklich ersten Mal komplett auf mich alleingestellt war, einfach eine große Herausforderung darstellte. Ohne jegliche Kommunikationsmöglichkeit (per Telefon, Internet,usw.) bin ich trotzdem in Tirana angekommen, aber da stellte sich das nächste Problem: Wie sollte ich Tamara finden und andersherum, wenn es keinen wirklichen Busbahnhof, Busfahrplan oder sonstiges gab. Durch den glücklichen Zufall sind wir uns nach ca. einer halben Stunde Lauferei einfach über den Weg gelaufen.

Klingt ehrlich gesagt nach einem lächerlichen Problem. Auch das folgende erscheint mir eher gering bedeutend, trotzdem erwähnenswert. Ich, das geborene Landei, hatte nicht nur eindeutige Orientierungsprobleme, nein ich muss sagen, ich war tatsächlich überfordert mit der Größe der Stadt. Gott sei dank, hat Tamara mich niemals allein irgendwo hingeschickt (das wäre vermutlich wirklich mit das absolut schrecklichste für mich gewesen).

Bevor ich zum Kern des Textes komme, möchte ich noch einige kleine Dinge erzählen.

  1. Ich verstehe immer noch nicht, wie man auf die Idee kommen kann jede Nacht um genau 0:00 den Mixer zu benutzen. Tamara ich glaube es geht dir genauso, aber bitte halt mich doch mal auf dem Laufenden wenn du endlich erfährst was der Mieter so nachts mixt.
  2. Kennt ihr dieses Gefühl, einen Menschen schon sein ganzes Leben zu kennen, dabei ist es nicht so? Sorry, aber in der Zeit die ich mit Tamara verbracht habe, kam es mir andauernd so vor, als wäre sie schon seit Jahren Teil meines Lebens – leider ist sie das nicht – aber das macht es umso spannender.
    Oktoberfest in Tirana

    3. Ich habe mich (auch wenn ich die Größe der Stadt immer noch sehr befremdlich finde) sehr wohlgefühlt in Tirana. Ich durfte unglaublich spannende Menschen kennenlernen, habe an einem Oktoberfest in Tirana (kein Witz) teilgenommen, durfte Teil eines Poetry Slams sein und habe die Zeit genossen auch ein wenig über meine bisherige Zeit nachzudenken.

 

Kommen wir aber zum Knackpunkt dieses Textes. Als auf dem Vorbereitungsseminar gesagt wurde, wir sollen Fair berichten, da wusste ich nicht ganz genau, wie ich das umsetzen sollte, oder was das persönlich für mich bedeutet. In den vergangenen Blogeinträgen habe ich häufig über positive Dinge gesprochen, die mir aufgefallen sind. Doch jetzt nehme ich die rosa-rote Brille einfach mal ab.

Zusammen mit Tamara, habe ich viel darüber nachgedacht was Kritik eigentlich bedeutet. Wenn ich durch ein mir fremdes Land gehe und plötzlich Dinge anfange zu kritisieren, ist das fair? Von meiner Seite aus gesehen, nein. Es ist ganz natürlich, dass wir beurteilen, aber es bleibt automatisch subjektiv. Ich beurteile aus meiner eigenen Perspektive und vergesse nun mal dabei, dass es auch viele andere Perspektiven gibt, die einen anderen Blickwinkel auf eine bestimmte Thematik werfen. Habe ich ein Recht dazu, etwas zu kritisieren, von dem ich nicht einmal ansatzweise etwas verstehe? Nein! Automatisch trennt der Mensch in Schwarz und Weiß, Schön und Schlecht, Gut und Böse… doch es gibt so viel mehr in der Mitte und jeder Mensch definiert selber ob es nun schwarz, weiß oder doch grau ist. An dieser Stelle auch die klare Selbstkritik, dass ich gerne mal etwas beurteile ohne hinterfragt zu haben, ob ich dazu überhaupt in der Lage bin.

Es bleibt also zu sagen, dass ich der klaren Meinung bin, dass mich das Auslandsjahr vor allem in dem Bereich Perspektivwechsel bereichern wird. Wie will ich andere Perspektiven kennenlernen ohne mich auf den Weg gemacht zu haben? Offenheit für neue Erfahrungen, ich glaube das ist der Schlüssel, auch wenn es keine eindeutige Lösung gibt…

Als ich mein FSJ angefangen habe war ich glücklich, doch jetzt bin ich dankbar. Denn ich weiß, wenn ich in mein Apartment komme, wartet oben in der Wohnung über mir eine Familie, die mich als ein Familienmitglied ansieht. Ich weiß, ich kann zur Arbeit gehen und bin glücklich darüber mich mit meinen Arbeitskollegen austauschen zu können. Ich kann in die Klasse gehen und sehe nicht Schüler sondern Freunde und mit am wichtigsten, ich kann mich darauf verlassen, dass ich immer Menschen hinter mir stehen habe (ob nun hier in Ulcinj, ob in Tirana, oder mag es in Deutschland sein). Und das ist nicht selbstverständlich, sondern dass ist etwas für das ich sehr dankbar bin.

 

Wie ein Film alle berühmt machen kann?!

Ein berühmter Satz aus meiner Familie: „Bauch voll – toll!“. Nachdem ich gerade ausreichend gegessen habe, habe ich mich finalmente dazu entschieden einen Blogeintrag zu schreiben, denn heute bin ich tatsächlich genau 3 Wochen in Ulcinj – die Zeit fliegt.

Einige von euch wissen es vermutlich schon, da ich mich kaum zurückhalten konnte bzgl. meiner letzten Woche. Ich habe letzte Woche,genauer gesagt von Samstag bis Samstag, die unglaubliche Chance gehabt, an einem Pasch-Videoworkshop teilzunehmen (gefördert durch das Goethe-Institut und dem ZfA) und nur um mal ganz klar zu betonen: ES WAR ABSOLUTER WAHNSINN

Eine Woche voller Erfahrungen lässt sich kaum in einem Blogeintrag festhalten, aber ich gebe mir Mühe.

das heilige Drehbuch

Fangen wir doch mit dem Projekt im Allgemeinen an: In dem sogenannten Videoworkshop habe ich zusammen mit 18 Schülern aus drei unterschiedlichen Städten Montenegros (Berane, Podgorica und Ulcinj) und weiteren lieben Menschen, einen szenischen Kurzfilm erstellt. Dieser Kurzfilm handelt von Fake-News und von Miguel de Cervantes (mehr verrate ich nicht, der Link folgt in den nächsten Tagen). Es wurde nicht nur ein Drehbuch erstellt, nein es gab ein offizielles Casting, Drehplan und allerlei Kamera-Equiment und schlussendlich natürlich die Post-Produktion (also Schneiden, Ton, etc.). Alles in Allem also wirklich professionell und wenn ich nochmal unterstreiche: Das ganze spielte sich innerhalb einer Woche ab, also Applaus an uns, denn das Ergebnis ist sagenhaft.

Letztendlich würde ich aber nicht behaupten, dass der Film im Allgemeinen für mich das besondere an dem Projekt gewesen ist. Nein, für mich waren es die Leute…

Ehrlich gesagt, war mir am ersten Tag sehr mulmig zumute denn, ich kann weder Montenegrinisch sprechen, noch kannte ich irgendeine Person auf persönliche Art und Weise. Doch schon am ersten Tag zeigte sich, dass die Gruppe sehr offen und interessiert war. Ich habe sehr schnell Anschluss gefunden und bin glücklich sagen zu können: „Ich habe Freunde gefunden und viele von ihnen werde ich weiterhin in der Schule sehen.“

Witzigerweise erinnerte mich die ganze Situation ein wenig an meine Schulzeit. Der ein oder andere war ganz erstaunt, dass ich ein Federmäppchen besitze, obwohl ich kein Schüler mehr sei. Allerdings wurden direkt meine Post-It´s verwendet, um nette Botschaften zu hinterlassen. Ich hoffe der Gestalter dieser Zettel wird mir nicht böse sein, dass ich diese Nettigkeiten veröffentliche, denn ich weiß auf welche Art und Weise er es gemeint hat und wie gesagt: Erinnerungen an meine Schulzeit. (Neele: Fata Morgana, die Einbildung man hätte ein Hirn.)

Just in case he is reading this, sorry for publishing, but it is a way of art and I had to show it (especially to my friend Neele in Ruanda).

Post It´s Art

Sprachlich konnte ich mich natürlich auch weiterbilden. Nachdem die Zahlen von 1-10, auf Albanisch, eher fehlerhaft in meinem Gedächtnis blieben, konnte ich meine sprachlichen Kenntnisse im Montenegrinischen unter Beweis stellen und HEY, immerhin kann ich jetzt die Zahlen von 1-10. Am Ende des Workshops dachten viele Schüler Deutsch, ich hingegen Englisch. Höchst verwirrend wurde jeder Tag in einer anderen Sprache angefangen und wiederrum in einer anderen beendet… Häufig wusste ich echt nicht welche Sprache ich jetzt sprechen sollte, am Ende des Workshops zeigte sich allerdings großes Interesse für die Deutsche Sprache. Allerlei „nette“ Worte sollte ich übersetzen und das sorgte für den ein oder anderen Witz auf meine Kosten.

Auch auf musikalischer Ebene bewegten wir uns auf höchsten Niveau :D, während der ein oder andere das Drehbuch schrieb oder vielleicht schauspielte, sorgte unser Hauseigener Dj für einen unbeschreiblichen Ohrwurm. Ich freue mich jetzt schon, euch bald einen weltbekannten Dj vorzustellen, der in naher Zukunft auf Ibiza auflegen wird. Des Weiteren erstaunte mich die Tatsache, dass der Songtext von Amnesia (5SOS) auch bei dem ein oder anderem Jungen sehr verhaftet im Kopf war.

Wenn ich dann noch einen Bereich anschneiden darf, dann den Bereich der Insider. Natürlich, während eines Zeitraumes von 10 Tagen intensiver Arbeit entstand auch der ein oder andere Insider. Sätze wie: „Alle berühmt oder beruhmt!“ oder „Schauspieler auf ihre Position und Konzentration.“, oder aber „Kuuuuut“ und nicht „Cut“ waren tatsächlich nur der Anfang.

so eine Klappe macht professionell

Seit Montag arbeite ich wieder in der Schule und „leider“ verfolgt mich der ein oder andere Insider bis in die Unterrichtsstunde. Zwei meiner lieb gewonnenen Freundinnen „Samra und Aleksandra“ tauschen sich gerne im Unterricht mit mir über die Insider aus und so entsteht der ein oder andere Lachkrampf, den der Lehrer nicht versteht oder es kommt zur völlige Verblüffung seitens des Lehrers, wenn ein Schüler zu mir sagt: „Nicht die schon wieder… „. Jaja Schule.

Abschließend lässt sich der Workshop also tatsächlich als erfolgreich zusammenfassen. Nein sorry, er war awwwwesooome.

 

Natürlich habe ich während dieser Tage auch die ein oder andere Schwierigkeit außerhalb des Workshops gehabt. Das Problem mit der Aufenthaltsgenehmigung nagt zunehmend an mir. Jetzt wo ich drei Wochen weg bin, hätte ich gerne mal wieder eine Umarmung von Freunden oder der Familie. Alle Dinge die sonst alltäglich sind, scheinen wirklich weit entfernt. So zum Beispiel auch die Angewohnheit Heimspiele meines Bruders Samstagabends live zu verfolgen. Ehrlich gesagt, fängt man weit weg von Zuhause an, Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen und sie anders zu beurteilen. Eines meiner Hauptprobleme: Geduld kenne ich nicht. Während ich gerne alle meine Aufgaben nach dem berühmten Sprichwort: “ Was du heute kannst besorgen, verschiebe nicht auf morgen.“ angehe, läuft hier alles ein wenig anders und das ist verdammt gewöhnungsbedürftig! Auf der anderen Seite muss ich trotzdem klar betonen, dass mir Ulcinj schon jetzt wie ein zweites Zuhause vorkommt. Der ein oder andere würde sagen, ich beurteile dies bezüglich sehr vorschnell, aber wer erst einmal hier war, wird gleiches behaupten. Es sind die Menschen um mich herum, die Ulcinj heimelig für mich machen…

 

Um zu einem Abschluss zu kommen, möchte ich einfach mal Liebe Grüße versenden:

  • an meine Familie
  • besonders an Clara, ich denke an dich
  • an meine Freunde
  • an das Kulturweit-Team
  • an Martin und Isolde (in der Hoffnung sie vermissen Ulcinj nicht ganz so sehr)
  • und an meine weltweit verstreuten Freunde.

 

 

Abenteuer Kotor…

Endlich komme ich dazu über meinen Donnerstag (21.09) zu schreiben. Die vergangenen Tage hatte ich eine Menge zu tun und war viel unterwegs – also kann erst jetzt der neue Blogeintrag kommen.

Noch immer kann ich nur darüber staunen, wie unglaublich und sagenhaft mein Ausflug nach Kotor war…

Letzte Woche Donnerstag habe ich mich früh am Morgen, zusammen mit Martin und Isolde (zwei Touristen) aus Deutschland, auf den Weg nach Kotor gemacht. Weil wir schon auf dem Weg waren, wollten wir auch noch unbedingt nach Cetinje. Zur Bedeutung beider Städte komme ich später.

Schon nach kurzer Zeit führte uns das Navi über eine angeblich kürzere Strecke, naja ob es nun kürzer war, darüber kann man sich streiten, aber die Strecke beeindruckte vor allem durch die unglaublich schöne Landschaft. Häufig fragten wir uns: „Ist das hier eigentlich eine offizielle Straße?“ Naja letztendlich haben wir natürlich Cetinje erreicht, aber natürlich kam es auch zu witzigen Zwischenstopps: z.B. versperrten uns Pferde den Weg und sie machten keine Anstalten sich weg zu bewegen.

Auf dem Weg dorthin machten wir einen Stopp in einem kleinen Dorf mit einem sagenhaften Ausblick auf die Berge.

Nun gut… Cetinje:

Cetinje, eine kleine Stadt zwischen Podgorica und Budva liegt ca. 670 Meter über dem Meeresspiegel und ist die alte Hauptstadt von Montenegro. Sie beeindruckte mich vor allem durch ihre „natürliche“ Ausstrahlung. Okay, klar was bedeutet natürlich? Erst im Jahre 2006 wurde Montenegro unabhängig, bis dahin wurden Kriege geführt und natürlich wurde einiges zerstört. Die Stadt Cetinje zeigt vor allem die Vergangenheit und auch teilweise die Realität Montenegros und ist zurecht eine bedeutende historisch-kulturelle Stätte.

Cetinje

 

Cetinje

Nach einer kleinen Stärkung im Café machten wir uns weiter auf den Weg nach Kotor. Natürlich hätte man es sich einfach machen können und über die Küstenstraße fahren können, aber wir setzten auf das Abenteuer.

Und wenn ich eins festhalten möchte, dann die Tatsache, dass sich der Umweg auf jeden Fall gelohnt hat. Warum? Das zeigen die Bilder:

die Bucht von Kotor

 

Bucht von Kotor

Als wir in Kotor angekommen sind, habe ich für einen kurzen Moment geglaubt, wir wären in Miami. Der Boulevard war unglaublich eindrucksvoll allerdings nichts gegen die Altstadt. Die Altstand, umgeben von der alten Stadtmauer, schien wirklich noch genauso erhalten zu sein, wie sie früher einmal war – unglaublich schön.

Altstadt von Kotor

 

Altstadt von Kotor

 

venezianischer Bogen -Eingang zur Burg

Glaubt mir, ich hätte auch nicht gedacht, dass ich bei gefühlt 35 Grad noch Sport mache, aber tatsächlich bin ich 1356 Stufen hoch zur alten Burg gelaufen. Zwischenzeitlich habe ich selber an meiner Zurechnungsfähigkeit gezweifelt aber ich hatte es mir selber nicht verziehen, dass nicht durchzustehen, denn der Ausblick wahr mehr als sagenhaft!!!

Zwischenstopp auf dem Weg nach oben zur Burg

 

die Überreste der alten Burg

 

Ausblick von oben auf Kotor

Am Ende des Abends war ich wirklich platt und mein Bett war mir heilig. Der Tag war sehr eindrucksvoll und sehr informativ.

Ich bin ganz ehrlich, wenn ich sage, dass es mir sehr schwer gefallen ist, diesen Blogeintrag zu schreiben, weil es so vieles gibt was man mit einfachen Worten einfach nicht beschreiben kann. Angeblich sagen Bilder mehr als tausend Worte, hoffentlich!

Just in diesem Moment sitze ich im Hotel und genieße die freie Zeit, die vielleicht noch eine halbe Stunde andauert. Seit Samstag nehme ich zusammen mit 18 Schülern (aus unterschiedlichen Städten) an einem Videoworkshop teil. Mehr dazu, erfahrt ihr in meinem nächsten Blogeintrag, aber ihr dürft gespannt sein und natürlich werdet ihr auch dann Gelegenheit dazu bekommen unseren professionellen Kurzfilm zu sehen – und mit professionell meine ich auch professionell, denn von Drehbuchautor und Regisseur, alles ist dabei!

 

Bis dahin, Annchristin.

„Dobar dan!“ aus Montenegro: Von der Komfortzone in die Lernzone

Seit genau 9 Tagen, also etwas über einer Woche, bin ich nun in Ulcinj. Noch immer fällt es mir ein wenig schwer, zu realisieren, dass mein Aufenthalt wesentlich länger sein wird als eine gewöhnliche Urlaubszeit. In diesem Blogeintrag möchte ich ein wenig darüber erzählen, wie ich die letzten Tage wahrgenommen habe und auch über Dinge schreiben, die mir schwer oder einfach gefallen sind.

Als ich letzte Woche Mittwoch am Düsseldorfer Flughafen von meinem Vater verabschiedet wurde, hatte ich zum ersten Mal ein mulmiges Gefühl. Ich habe mich ernsthaft gefragt, ob ich das richtige tue. Eine Antwort darauf findet man so schnell nicht. Am Check-In Schalter befand ich mich in meiner ersten Konflikt Situation: Man wollte mich nicht einchecken, weil ich kein Visum für Montenegro hatte. Nach gut einer 3/4 Stunde Diskussionen und einem langwierigen Telefonat mit der Airline durfte ich endlich zur Sicherheitskontrolle. Die ersten wirklichen Tränen kamen mir dann, als das Flugzeug abhob und ich in Richtung Montenegro flog. Danach muss ich zugeben, ist alles wirklich glatt gelaufen. Man holte mich am Airport von Podgorica ab und fuhr mich dann in Richtung Ulcinj, wo ich dann herzlich von meinen Vermietern bzw. von meiner Gastfamilie empfangen wurde. Am Abend habe ich dann zusammen mit meinem Ansprechpartner und Lehrern aus Deutschland (Ludwigshafen) zu Abend gegessen und ich glaube man könnte dies als gelungenen Anfang bezeichnen.

Wer sich jetzt fragt: „Warum sind deutsche Lehrer aus Ludwigshafen in Ulcinj?“, demjenigen kann ich schnell eine Antwort geben –Schüleraustausch. Direkt am Donnerstag (um 6:15) wurde ich Teil dieses Schüleraustausches und durfte mit der 2. Klasse des Gymnasiums und Schülern aus Ludwigshafen eine Bootstour (Bar – Budva – Königinnenstrand – Ulcinj) machen. Ehrlich gesagt war ich ein wenig überfordert und habe mich teilweise fehl am Platz gefühlt, denn niemand außer den Lehrern kannte mich. Dieses Gefühl dauerte an, bis zu dem Zeitpunkt, wo wir am Königinnenstrand ankamen. Dort lernte ich dann die ersten Schüler kennen und ich gebe ehrlich zu, ich habe sie direkt ins Herz geschlossen. Es hat unglaublich gut getan mit Leuten in meinem Alter zu reden und mich austauschen zu können.

Am Freitag ging der Schüleraustausch dann in die zweite Runde für mich. In der Stadtbücherei sollten die Schüler in Gruppen unterschiedliche Präsentationen über Montenegro erstellen. Meine Aufgabe war es mich ein wenig umzugucken und hier und da auszuhelfen. Einige Schüler haben mich direkt in ihre Aufgabe mit einbezogen und das hat mich wirklich gefreut. Am Ende sind wirklich super Präsentationen dabei entstanden, die bei allen für Begeisterung gesorgt haben.

Das Wochenende habe ich vor allem dazu genutzt mich einzugewöhnen, die Stadt kennenzulernen und erstmal anzukommen. Dauerhaft hatte ich das Gefühl unbedingt etwas zu machen, aber letztendlich entschied ich mich dafür, mich erstmal an diese ganzen neuen Eindrücke zu gewöhnen – das ist echt nicht einfach. Tatsächlich ist es ein Zusammenspiel von den unterschiedlichsten Gefühlen: Neugier, Angst, Frustration, Freude und auch Erleichterung.

Natürlich habe ich mich am Wochenende auch in der Stadt umgeguckt und ich muss gestehen, ein kleines bisschen habe ich mich in Ulcinj verliebt und auch in die Tatsache jeden Morgen mit einen Blick aufs Meer aufzuwachen. Doch natürlich hatte ich auch die ein oder andere Schwierigkeit: Verständigungsprobleme, eine wirkliche Mückenplage und tatsächlich das Gefühl alleine zu sein. Erst jetzt kann ich mir so wirklich vorstellen, wie es ist morgens alleine in einer Wohnung aufzuwachen – es ist echt verdammt gewöhnungsbedürftig.

Ulcinj Stadt

Am Sonntag Abend, nach einem längeren Gespräch mit meiner Familie, bekam ich erneut ein mulmiges Gefühl, denn am nächsten Tag sollte ich zum ersten Mal in meine Schule gehen, mich vorstellen und den ersten Einblick in das Schulleben bekommen.

Montag morgen, war ich dann tatsächlich so nervös, dass ich viele Dinge dauerhaft wiederholte. Ich schrieb mir wichtige Dinge gefühlt 1000 Mal auf und war wirklich perplex, als ich die große Schülermasse plötzlich vor mir sah. Nun ja, letztendlich verlief der Tag dann doch erfolgreich. Die Schüler waren sehr interessiert daran, was ich hier mache und wer ich bin und ich hatte keineswegs das Gefühl nicht erwünscht zu sein. Es war teilweise schon eine Überwindung für mich, mich vorne vor die Tafel zu stellen und mich vorzustellen, aber ich würde von mir aus behaupten ich habe die Sache gut gemeistert. Am meisten habe ich mich darüber gefreut, am Nachmittag bekannte Gesichter aus der 2. Klasse des Gymnasiums wiederzusehen. (Nebenbei: die Grundschule ist hier von der 1-9 Klasse und danach kommt das Gymnasium mit der 1-4 Klasse) Ich habe mich direkt wohlgefühlt und mir hat es wirklich viel Spaß gemacht, über Themen wie „Ausbildung in Deutschland“ zu sprechen und meine eigenen Erfahrungen preiszugeben. Letztendlich verliefen auch der Dienstag und der Mittwoch gut. Ich lernte viele neue Gesichter kennen und freue mich jetzt schon weiterhin viel Zeit mit den Schülern zu verbringen. Am Mittwoch habe ich dann mit meinem zukünftigen Sprachlehrer Termine für den Sprachunterricht ausgemacht. Ich werde tatsächlich Montenegrinisch lernen – mal gucken wie gut ich mich dabei schlagen werde.

Was den Donnerstag betrifft, das bleibt bis zu meinem nächsten Blogeintrag (den ich vermutlich gleich im Anschluss schreiben werde) ein Geheimnis.

der Ausblick von meinem Balkon

Heute werde ich zusammen mit zwei Schülerinnen ein Video schneiden (hoffentlich erfolgreich). Tja und dann geht es morgen direkt weiter für mich in ein neues Abenteuer. Zusammen mit ein paar Schülern, werde ich an einem einwöchigen Videoworkshop zum Thema „Cervantes in Ulcinj“ teilnehmen und am Ende soll ein professioneller Kurzfilm entstehen, durch die Hilfe von Drehbuchautor, Regisseur und Filmtechnik!

Strand in Ulcinj

Wenn ich jetzt also abschließend noch etwas festhalte, dann die Tatsache, dass jeder Anfang schwer ist. Ich bleibe optimistisch und halte mich an den Spruch: „Man wächst an seinen Aufgaben“ (Grüße an Martha :D). Ich kann noch nicht behaupten, dass ich wirklich angekommen bin, aber mit jeden Tag merke ich immer mehr, dass ich mich zunehmend wohler fühle und das liegt vor allem an der herzlichen Art der Menschen, die mich hier umgeben. Natürlich vermisst man sein Zuhause (Freunde, Familie und Gewohnheiten), aber schon in dieser Woche habe ich gemerkt, wie viel ich dazu lerne und das sind tatsächlich Dinge, die ich bei mir Zuhause (in meiner Komfortzone) einfach niemals so schnell begreifen würde. Bisher kann ich also wirklich nur sagen, dass ich meine Entscheidung ein FSJ mit Kulturweit und dem PAD/ZfA zu machen nicht bereue, sondern es als eine wirkliche Bereicherung ansehe.

 

Liebe Grüße aus dem noch sonnigen Ulcinj,

Annchristin.

der Ausblick auf das Meer an meinem Lieblingsort
einer Meiner Lieblingsorte und Rückzugsorte

EIN VORBEREITUNGSSEMINAR MIT MEHR ALS 320 LEUTEN – „Aha-Momente“ und alles was dazu gehört

Nun ist es endlich soweit und das große Abenteuer namens „FSJ mit Kulturweit“ beginnt. Meine Gefühlslage lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: „Gespannt, Aufgeregt & 100% Neugier“. Mal abwarten in welcher Gefühlslage ich mich am Ende des Seminars befinde.
(Wichtig schon mal zu erwähnen: ich habe diesen Eintrag von Tag zu Tag ergänzt!)
Freitag, 01.September:
Der Anreisetag begann mit einer 5 1/2 stündigen Zugfahrt nach Berlin, wo ich dann direkt von Tamara (nochmals vielen dank) abgeholt wurde. Das Seminar begann mit einer Begrüßung durch das gesamte Kulturweit-Team und man merkte einfach direkt, hier bin ich richtig.
Die insgesamt 320 Outgoing-Freiwilligen und die 20 Incoming-Freiwilligen sind eingeteilt in sogenannte HomeZones, die gleichzeitig auch regionenspezifisch aufgeteilt sind.
In meiner HomeZone (HZ 18) hatte man direkt das Gefühl aufgenommen zu werden und es ging vor allem erstmal darum sich etwas näher kennenzulernen und man näherte sich dem Thema Vorurteile.
Abschließend wurde der Seminarplan durchgesprochen.
Zusammen mit einigen „Mit-Freiwilligen“ aus Tschechien sind wir dann zum Ende des Abends noch an den Steg des Sees gegangen, um den wirklich atemberaubend schönen Sonnenuntergang mitzuerleben.
Samstag, 2. September:
Nach einem ausgewogenen Frühstück, traf man sich mehr oder wenig pünktlich um 9:00 in seiner HomeZone. In der zweiten HZ-Einheit ging es vor allem um Ich-Identität (zu welchen Gruppen gehöre ich und mit welchen Menschen fühle ich mich verbunden), um Privilegien (Zitat: „Privilegien sind unsichtbar für die, die sie haben.“) aber auch das Thema Rassismus wurde besprochen.
Die Nachmittagseinheit trug den Titel „Alles zu Kulturweit“ und damit wird der Nagel zu 100% auf den Kopf getroffen. Hier ging es vor allem nochmal darum:
Wer ist Kulturweit und von wem wird es unterstützt und gefördert?
Wen kann ich kontaktieren, wenn ich ein Problem habe?
Welche Leistungen erbringt die Versicherung?
… und und und…
Wie auch am vorherigen Abend wurde dann erneut der See aufgesucht und ich persönlich habe an diesem Abend gemerkt, dass ich angekommen bin. Das ich Menschen kennenlernen darf, die die gleichen Situationen erleben werden und mit denen ich über Sorgen, Ängste und meine Gefühle sprechen kann.
Sonntag, 3. September:
In dem Workshop zu postkolonialer Spurensuche sprachen wir vor allem über die Begrifflichkeit „Rassismus“. Was ist Rassismus? Woher kommt Rassismus und wie gehe ich mit ihm um? Im Hinterkopf bleibt mir dauerhaft die Aussage meines Trainers: „Wir alle haben eine Perspektive, aber diese ist nicht allgemein gültig.“
Am Nachmittag besuchte ich den geschützten Raum „Fuck white Tears“ (Guckt euch diesen Mini-Film unbedingt mal an). Für die, die sich interessieren was überhaupt ein geschützter Raum ist: in diesem Raum wird geschlossen über eine emotionale Thematik gesprochen und es wird sich meistens nicht in der großen Gruppe ausgetauscht, sondern es handelt sich eher um einen inneren Prozess mit sich selbst. In dem von mir gewählten Raum ging es vor allem um das Thema: „Was bedeutet es weiß zu sein? Am Abend haben wir (einfach aus Gemütlichkeitsgründen) in unserer HomeZone einen Film geguckt. Sehr entspannend!
Montag, 4 September:
Berlin, hallo! Schon früh am Morgen ging es für uns alle nach Berlin. In der Hauptstadt wurden wir durch das Auswärtige Amt begrüßt und schnell wurde einem bewusst, was für eine einmalige Chance Kulturweit uns bietet – für die ich unglaublich dankbar bin.
Am Nachmittag wurden dann noch Exkursionen zu spezifischen Themen angeboten. In einer englischen Führung quer durch Berlin erklärte uns ein Flüchtling sein Berlin. Seine ergreifende Geschichte bleibt mir eindeutig im Hinterkopf.
Dienstag, 5. September:
Und schon ist die Hälfte des Seminars erreicht – unglaublich! Der heutige Tag hat mich tatsächlich von der sogenannten Komfortzone in die Lernzone befördert. In einem sehr emotionalen Gespräch innerhalb der HomeZone tauschten wir uns über unsere Ängste, Sorgen und Befürchtungen aus und ja, bei dem ein oder anderen kamen da die Tränen – mir auch. Ich habe schnell verstanden, dass das bereit zu sein für ein Auslandsjahr ein Prozess ist, der nicht von heute auf morgen abgeschlossen ist, sondern ein Prozess der andauert und es richtig ist seine Gefühle und Ängste zu akzeptieren.
Allerdings weiß unsere Trainerin Anja ganz genau wie sie ihre HomeZone aufmuntern kann: ob es nun Tannenzapfen kack** ist, oder aber auch ein Lied im Kanon zu singen (Solange der Bauch in die Weste passt, wird keine Arbeit angefasst. Liebe Leute, Liebe Leute, die Arbeit ist kein Frosch. Sie hüpft, sie hüpft, sie hüpft, sie hüpft uns nicht davon.). Wir alle wissen wie sehr wir aufeinander vertrauen können in unserer HomeZone.
Abschließend belegte ich noch einen 1 1/2 stündigen Workshop zur Einführung in den Photojournalismus und so fand auch Tag 5. sein Ende.
Mittwoch & Donnerstag, 6. & 7. September:
Partnerinnen- und Partnertag: heute und morgen besuchen uns die Organisationen, dank denen wir letztendlich ins Ausland gesendet werden. Meine Organisation der PAD/ZfA (Pädagogischer Austauschdienst / Zentralstelle für Auslandsschulwesen) stellte sich durch Präsentationen vor. Am Ende des ersten Blocks bekamen wir noch Briefe von Vorgängern unserer Einsatzstelle, in denen alle möglichen Tipps und Tricks bezüglich unseres Einsatzlandes aufgelistet sind. Danke dafür! Am Nachmittag berichteten dann Alumni wie sie ihren Auslandsaufenthalt wahrgenommen haben und teilten ihre Erlebnisse mit uns. Außerdem konnten in unterschiedlichen Workshops Informationen erworben werden (z.B. Notfallkoffer für den Unterricht).
Freitag, 8.September:
Pünktlich zur Morgeneinheit setzte ich mit dem Thema „Bildung“ auseinander. Der Workshop zu den UNESCO Themen offenbarte mir erneut, wie wichtig es ist, Dinge nicht einfach hinzunehmen, sondern auch zu reflektieren. Nachmittags war ich echt froh darüber Zeit mit meiner HomeZone verbringen zu dürfen. Passend zum Thema „Projekte“ haben wir Team-Übungen und Energizer ausprobiert.
Doch am schönsten war es Abends zusammen mit Imme auf meinem Zimmer zu sitzen, Lieder zu hören und über Gott und die Welt zu reden. Das wird mir bestimmt mit am meisten fehlen, wenn wir (schon) am Sonntag abreisen.
Samstag, 9.September:
Es wird niemals möglich sein, zu beschreiben wie schnell und unglaublich einfach es ist sich in einer Gruppe wohl zu fühlen. Die Leute in meiner HomeZone sind mir persönlich so sehr ans Herz gewachsen, dass ich es vorerst komisch finden werde, sie nicht so schnell wieder zu sehen. In unserer HomeZone wurden heute die unterschiedlichsten Mini-Projekte ausgearbeitet, so ist nicht nur eine gemeinsame Playlist (namens Entenplaylist) entstanden, nein es wurden auch Namen fürs Wichteln gezogen und ein E-Mail Projekt entwickelt. Doch am tollsten war natürlich die Vertiefung unseres lieblings Energizers „Ente“ (bei Fragen wendet euch an mich :D). Zusammen mit Imme und Tamara habe ich den Nachmittag genutzt Fotos am See zu machen und einige Kartenspiele auszuprobieren. Heute Abend fand außerdem die Openstage statt, gefolgt von einer „Abschlussfeier“.
Sonntag, 10.September:
Tag der Abreise. Hier findet das 10-tägige Vorbereitungsseminar irgendwo sein Ende. Zusammen in der letzten HomeZone – Runde hat jeder für jeden ein kleinen Brief geschrieben. Ebenfalls wurden die vergangenen 10 Tage reflektiert und zum Ende hin, hatte jeder eine Wunderkerze-lang Zeit, nochmal alles loszuwerden was ihm auf dem Herzen liegt.
Zusammen mit Imme und Tamara habe ich danach noch eine Busfahrt und 1 Stunde auf dem Hauptbahnhof verbracht. Der Abschied fiel uns allen sichtlich schwer.

Jetzt schaue ich auf die Uhr: Es ist 20:16. Ich bin erschöpft auf eine positive Art und Weise. Ich habe vieles lernen dürfen, es gab viele Aha-Momente und umso mehr Denkanstöße. Das Vorbereitungsseminar hat mich in meinem Wunsch, ein FSJ im Ausland zu machen, bestärkt. Ich bin unglaublich neugierig und ich bin wortwörtlich bereit mich ins Abenteuer zu stürzen. Ja, ich freue mich, aber ich akzeptiere auch, dass die „Down-Momente“ ein wichtiger Bestandteil meines zukünftigen Aufenthaltes sind. Doch wenn ich eins gelernt habe, ich bin nicht alleine. Ich habe Menschen um mich herum, die ebenso empfinden und an die ich mich wenden kann.

Wenn ich also nochmal kurz „DANKE!“ sage,
…dann richte ich mich an meine Trainerin Anja, die mir und der gesamten HomeZone18 Mut gemacht hat und uns einen Zufluchtsort gegeben hat.
…dann richte ich mich an meine HomeZone, die für mich das Highlight des Seminars war.
…dann richte ich mich an Tamara und Imme, die für mich ein Stück Zuhause sind.
…dann richte ich mich an meine Freunde, die immer hinter mir stehen.
…dann richte ich mich an Janna (du weißt warum).
…dann richte ich mich an meine Familie, die für mich unbezahlbar ist.
…und dann richte ich mich an Kulturweit.

Abschließend bleibt mir nur noch zu sagen: SuchDasWeite

Ein Dankeschön

Gerade in diesem Moment liegen 90 Fotos vor mir, die ich mir vor einigen Tagen im DM bestellt habe. 90 Bilder die mich zusammen mit Familie, Freunden und weiteren wichtigen Personen zeigen. Diese Fotos habe ich mir, vor allem als persönliches Mitbringsel für Montenegro, ausdrucken lassen.
Nachdem ich einen kurzen Blick auf diese gerichtet habe, wurde mir bewusst, dass es Zeit für einen weiteren Blog-Eintrag ist.
In weniger als einem Monat startet mein freiwilliges soziales Jahr mit Kulturweit und dem PAD.
Ich kann nicht oft genug sagen, wie aufgeregt und gespannt ich bin, endlich einen neuen und unbeschriebenen Weg einzuschlagen.
In den vergangenen Tagen, habe ich mich immer mehr mit dem Gedanken, bald ein Jahr von Zuhause „auszuziehen“ auseinandergesetzt. Dazu gehörte vor allem auch die Auseinandersetzung mit dem Land Montenegro an sich und der Kultur. Letztendlich muss ich sagen, dass ich sehr positiv gestimmt bin.
Kürzlich erst, genau genommen am Sonntag, musste ich eine meiner besten Freundinnen verabschieden, die für ein Jahr in Ruanda, Afrika, leben wird. (Neele, wenn du das liest, liebe Grüße nach Ruanda) Wir sind uns beide darüber einig, dass es sehr komisch ist, zu wissen, dass man seine Freunde nicht mal eben in 10 Minuten erreichen kann. Doch die Vorstellung, dass meine Freunde weltweit verteilt sind und wir uns nach einem Jahr so viel zu erzählen haben, steigert die Neugier und meine Vorfreude.
In diesem Blog-Eintrag möchte ich mich vor allem bedanken:

Danke an Kulturweit und dem PAD, dass ihr mich Teil eines so großen Projektes werden lasst, von dem ich mit Sicherheit weiß, dass es mich viel lernen lassen wird.

Danke an meine Familie, dass sie mich immer unterstützt hat bei meinen Entscheidungen und dass sie mir, auch bei den noch so größten Unsicherheiten, immer unter die Arme gegriffen hat.

Ulcinj 2017

Danke an meine Freunde, die einfach, wie Freunde es sollten, zum richtigen Zeitpunkt immer für mich da waren.

Jetzt aber, bin ich erstmal gespannt was mich am 1 September auf dem Vorbereitungsseminar erwartet und freue mich auf 10 aufregende Tage.

 

Bis Bald,
Annchristin.

DER BEGINN EINES NEUEN LEBENS

Heute ist es endlich soweit und ich veröffentliche meinen ersten Post auf meinem eigenen Blog, der mich die nächsten 365 Tage begleiten wird.

Wie man dieser Seite entnehmen kann, werde ich bald nach Ulcinj, Montenegro, aufbrechen und dort mein FSJ in einer Schule beginnen.

Gerade jetzt wo ich mein Abitur in der Tasche habe, wird die Zeit immer aufregender und ich kann es kaum erwarten endlich die Welt zu entdecken. Der erste Schritt wird das Vorbereitungsseminar am Werbellinsee sein, auf das ich mich unheimlich freue. Ich bedanke mich jetzt schon für die unglaubliche Möglichkeit, Menschen kennen zu lernen, die den gleichen Weg gehen werden und bin gespannt was ich alles lerne werde. Danach geht es am 13. September direkt los nach Ulcinj – das ist einfach so unglaublich toll!

Als ich mich vor gut einem 3/4 Jahr bei Kulturweit beworben habe, hätte ich niemals geglaubt, dass ich so weit komme. Doch jetzt wo ich die Bewerbungsphase überstanden habe und der PAD mich in eines der vielschichtigsten Länder des Balkans sendet, platze ich vor Vorfreude und Neugier. Natürlich ist diese Neugier auch mit einer gewissen Panik oder eher Angst verbunden, aber ich weiß, dass dieses Jahr mir so vieles geben wird und bin mir zu 100% sicher, dass ich diese „Angst“ überwinden kann.

Ich freue mich schon bald ausführlich über das Vorbereitungsseminar berichten zu können und bin gespannt, wen ich dort alles treffen werde.

Bis Bald,

Annchristin.