Alltag und Lebkuchenentzug

Das mit der Woche hat ja super geklappt… -bis auf die Tatsache, dass es zwei geworden sind…

Mittlerweile ist eine gewisse Ordnung in meinen Tagesablauf gekehrt, die beinhaltet, dass ich bis spät in die Nacht mit Dingen wie Unterrichtsplanung, Lesen und Serien beschäftigt bin , in der Schule heimlich zu schlafen versuche, während ich vorgebe „an meinem Laptop zu arbeiten“, um nachmittags sofort ins Bett zu fallen und so lange zu schlafen, dass ich nachts wieder fit bin.

-Von außen betrachtet könnte man meinen, es sei klüger, einmal durchzuhalten und dann rechtzeitig schlafen zu gehen, aber von außen ist ein Bett auch nicht ansatzweise so bequem wie wenn man einmal drin ist.

In der Schule hat sich nicht viel geändert… mittlerweile bin ich dazu in der Lage, alleine in der Mensa essen zu gehen und selbst Zugfahrkarten zu kaufen:

  • „Ich hätte gerne ein Ticket für den Zug Nr. 612, der um 15:02 Uhr nach Orscha fährt“
  • „Okay, wollen Sie einen Liege- oder einen Sitzplatz haben?“
  • „Ja, der Zug Nummer 612.“
  • „Gut. Wollen Sie liegen oder sitzen?“ *unterstreicht das Gesagte mit Gesten*
  • „Um 15:02 Uhr.“
  • *verdreht die Augen* „5,30 Rubel macht das…“

Mit dem ersten alten Liegewagen bin ich letztes Wochenende nach Baranowitschi auf die andere Seite des Landes gefahren, wo ich dann mit einer anderen Freiwilligen an einem Seminar der Deutschen Wochen teilgenommen habe. Dort haben sprayen wir belarussische und deutsche Wörter in bunten Farben auf Stofftaschen und haben die Möglichkeit, neue junge Leute kennenzulernen (Sie sprechen sogar Englisch!!!).

Den Rest der Zeit verbringen wir mit Reibeplätzchen, gegen die die meiner Uroma die reinste Diätkost wären (und jeder, der die Reibeplätzchen meiner Uroma kennt, weiß, wovon ich rede…), Pizza, deren Teig definitiv kein Salz enthält und Wein, den man glücklicherweise auch um 21:00 Uhr noch im Supermarkt bekommt.

Nach einer ewig verspäteten Rückfahrt komme ich dann am nächsten Abend endlich in Orscha an, nur um jetzt vor der Aufgabe zu stehen, einem Taxifahrer zu erklären, wo ich wohne (nein, ich kenne meine Adresse nicht auswendig). Nach einigen Nachfragen, auf die ich meistens antworte, dass ich keine Ahnung habe, und einem kurzen Moment, in dem ich mich frage, ob ich sicher in der richtigen Stadt bin, klappt es dann aber doch irgendwie.

In der Schule halte ich Präsentationen über Ostern und vor allem Weihnachten in Deutschland, was mich zu der vorläufigen Entscheidung führt, zu dieser Zeit nach Hause zu fahren (ich bin mir noch nicht schlüssig, ob das heimwehtechnisch so gut ist, wenn ich danach dann wieder weg muss von diesem wohligen Gefühl, in einer vertrauten Umgebung zu sein, in der jeder meine Sprache spricht…) ; schon allein wegen der Lebkuchen… -LEBKUCHEN!!! Seitdem ich durch meinen fränkischen Freund an nürnberger Lebkuchen gekommen bin, hat das Wort eine völlig neue Bedeutung.

Vor allem aber sind wir diese Woche mit den Proben für das morgige Theaterfestival in Minsk beschäftigt. Die fünfte Klasse spielt eine modernisierte Variante des tapferen Schneiderleins und ich bin sehr gespannt, wie sie sich schlagen. –Ich bin aber hoffnungsfroh.

Ich bin mittlerweile aber auch neben der Schule voll beschäftigt: Eine Lehrerin nimmt mich seit kurzem mit in ein Fitnessstudio nimmt, in dem zwar niemand Englisch spricht, aber es funktioniert auch so ganz gut und alle sind super nett und offen!

Zusätzlich treffe ich mich natürlich noch regelmäßig mit Andrey (dem Russischlehrer) und Lisa (der Nachhilfeschülerin) und ich habe sogar noch eine Lehrerin gefunden, die sich bereit erklärt, mit mir Russisch zu lernen… -Beschäftigt sein ist schließlich besser als alleine in der Wohnung zu vergammeln!

Wenn ich mich also weniger regelmäßig auf diesem Blog melde, dann könnte das an den eben genannten Dingen liegen. –Und an meiner Faulheit. Aber ich gebe mir Mühe; versprochen 😉

 

2 Gedanken zu “Alltag und Lebkuchenentzug

  1. Heyo,
    cool dass du mit allem so taff zurechtkommst! Dein „Dialog“ hat mir Lachtränen ins Gesicht getrieben – hätte zu gern das Gesicht der Leute gesehen 😉 Du schreibst sehr erfrischend und abwechslungsreich, ich würde mich freuen mich bald mehr von dir lesen zu können…
    Ansonsten sieht man sich nächste Woche in Minsk; ich freue mich schon 🙂

    Grüße,
    Roman

    • Haha, ja sowas passiert einem als Halbrusse wahrscheinlich eher seltener… 🙂
      Ich kann das Kompliment nur dankend zurückgeben und werde mich bemühen, regelmäßig etwas zu verfassen! 🙂

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