Eine Woche in Bulgarien: Hallo Winter!

Gleich zu Beginn des neuen Jahres ging es für mich und zwei andere Freiwillige nach Bulgarien, um das Nachbarland Rumäniens zu erkunden.

Die Woche sollte viele Überraschungen und interessante Erfahrungen für uns bereit halten, und genau so  begann sie auch. Nach dem wir morgens in Bukarest mit mehreren Taxifahrern diskutiert hatten, begann die zweistündige Fahrt im Taxi Richtung Ruse, die Grenzstadt auf der rumänischen Seite. Schon die Taxifahrt war kurios, so fragte uns der Taxifahrer, ob wir aus der BRD oder DDR kämen. Er reagierte sehr erstaunt auf die Antwort, dass Deutschland nicht mehr geteilt ist. Nachdem er die Maut für die Brücke über die Donau gezahlt hatte (die Donau ist die Grenze), erhaschten wir während der kurzen Überfahrt einen Blick auf Ruse mit seinen Hafenanlagen. Auf einmal ließ der Taxifahrer uns dann vor der Grenzkontrolle raus, so dass wir mit unseren Rucksäcken zu Fuß zum Grenzbeamten gingen. Dieser sprach sogar ein paar Worte Deutsch und nach ein paar Minuten hatten wir unsere Pässe dann auch wieder und passierten zu Fuß die Grenze. (Zur Erklärung: Rumänien und Bulgarien gehören nicht zu den Schengen Staaten, weswegen es Grenzkontrollen gibt.) Von Ruse aus nahmen wir dann den Bus nach Veliko Tarnovo, dem ersten Stopp unseres kleinen Trips.

In der Woche ist unglaublich viel passiert, ich werde also vieles weglassen und euch nur einen Überblick über das, was wir erlebt haben, geben.

1.       Veliko Tarnovo/Велико Търново

Strahlender Sonnenschein und blauer Himmel, dazu eine Schneeschicht, die sich wie ein weißer Schleier über die Berge und vor allem über die Tsarevets Festung legt. Man merkt, dass Veliko Tarnovo im 13. und 14. Jahrhundert die Hauptstadt des Bulgarischen Reichs war.  Wir waren sehr überrascht von diesem wunderschönen kleinen Städtchen, waren wir dort doch nur auf Empfehlung der bulgarischen Freiwilligen hingefahren, ohne genau zu wissen, was uns dort erwarten würde. Dort haben wir auch eine der Freiwilligen getroffen, die für die Nacht extra dorthin gekommen war. Es war ein sehr schöner und lustiger Tag und bis darauf, dass im Hostel nicht wirklich geheizt wurde, was bei Minusgraden schon an einem zehrt, werde ich die Stadt auch immer in guter Erinnerung behalten.

2.       Plovdiv/Пловдив

Danach ging es weiter nach Plovdiv, der zweitgrößten Stadt Bulgariens, die 2019 auch Kulturhauptstadt wird. Schnee lag dort zum Glück keiner, und auch hier genossen wir das gute Wetter und erkundeten die Stadt, die wirklich einiges zu bieten hat: Die Altstadt mit seinen vielen schönen Häusern, und Aussichten; das Antike Theater, welches den Hang von einen der drei Berge säumt; das römische Stadion, welches sich heute unter der Fußgängerzone befindet; und vor allem das Künstlerviertel Kapana mit seinen kleinen gemütlichen Cafés, Galerien und Läden. Übrigens ist Plovdiv die sechstälteste Stadt der Welt! Durch die Tipps der Freiwilligen von dort, die selber leider gerade nicht da war, wurde es zu einem wirklich schönen Aufenthalt! Ich werde definitiv nochmal wiederkommen!

3.       Sofia /София

Und hier kam dann der Schnee. Nicht nur ein paar Zentimeter, sondern richtig viel. Und mit dem Schnee kam auch die Kälte, die es unmöglich gemacht hat, sich wirklich lange draußen aufzuhalten. Wenn mich also jetzt jemand fragt, wie ich Sofia finde, kann ich nicht wirklich viel dazu sagen. Wir waren vier Tage dort und haben bei zwei anderen Freiwilligen gewohnt. Am ersten Tag als das Wetter noch in Ordnung war, haben wir die free food tour gemacht. Dabei sind wir in fünf Restaurants in Sofia gewesen und haben traditionelles Essen probiert, zum Beispiel eine kalte Suppe aus Joghurt und Gurken, die Tzaziki von der Art her sehr ähnelt, oder Baniza, ein Blätterteig-Gebäck typischerweise mit einer Art salzigem Schafskäse gefüllt. Ansonsten habe ich sehr viele  Cafés und Restaurants kennengelernt, an zwei Abenden die Bar Szene erkundet, das Museum für sozialistische Kunst besucht, und vor allem viel Zeit mit den Freiwilligen dort verbracht, was wirklich schön war. Zu dem ganzen Schnee und der Kälte, weswegen die Freiwilligen auch schulfrei hatten, wurde den Mädels in der Wohnung dann noch unverschuldet für einen Tag der Strom abgestellt…:D Es gibt also noch einiges mehr in Sofia zu entdecken, weshalb ich definitiv zu einer anderen Jahreszeit nochmal wiederkommen werde!

Meine Heimreise war eine wahre Odyssee und ich bin einfach nur sehr sehr glücklich, sie heil überstanden zu haben. Mein Bus bis zur Grenze hatte nämlich aufgrund von gesperrten Straßen, Problemen mit zugefrorenen Kofferfächern und noch einigen anderen Umständen so viel Verspätung, dass ich den einen Zug, der von dem Grenzort zu mir fährt, verpasst habe. Also entschloss ich mich für die Strecke von circa 90 km ein Taxi zu nehmen. Hätte ich gewusst, wie die Wetter- und Straßenverhältnisse in Rumänien gewesen wären, hätte ich mich aber für eine Übernachtung entschieden. Nur dank eines wirklich sehr verantwortungsvollen und guten Taxifahrers kamen wir nach über drei Stunden Fahrt an. Ich hoffe wirklich, dass der Fahrer gut wieder nach Bulgarien gekommen ist…

Im Winter in Osteuropa zu reisen, sollte man sich also genau überlegen, obwohl das hier auch seit zehn Jahren nicht mehr so gewesen sein soll.

 Glücklicherweise hatte auch ich die ersten beiden Tage schulfrei, sodass ich mich dann von der Fahrt erholen und wieder in Craiova einfinden konnte. Es fühlt sich schön an, wieder in meinem Zimmer, Zuhause, zu sein.

Insgesamt bemerkt man in Bulgarien noch die Einflüsse des Osmanischen Reichs früher und des Balkans. Als Schrift wird kyrillisch genutzt, was uns einige Probleme bereitete. Und noch etwas ist in Bulgarien anders: Das Nicken und Schütteln des Kopfes werden anders herum verwendet – bei nein wird genickt, bei ja mit dem Kopf geschüttelt. Das erklärt auch, warum eine Kellnerin den Kopf geschüttelt hat, als wir nach der Rechnung gefragt haben. Die Kommunikation ist hier also wirklich ein Problem gewesen, denn wenn man schon nichts Lesen und Sagen kann und dann auch noch die Körpersprache anders funktioniert, ist es nicht immer leicht.

Meine Zeit hier geht nun wirklich langsam dem Ende zu, in weniger als fünf Wochen geht es für mich schon zum Nachbereitungsseminar zurück nach Deutschland.

Letztes Wochenende waren mich hier einige Freiwillige besuchen und in der Woche waren die Prüfungen für das Deutsche Sprachdiplom. Die nächsten zwei Wochen hier werde ich jetzt noch einmal in vollen Zügen genießen, denn Anfang Februar geht es nochmal auf einen kleinen Trip Richtung Ungarn. Und meine Eltern kommen auch noch hier her. Die Zeit vergeht wirklich unglaublich schnell…

Liebe Grüße aus einem zum Glück nicht mehr so kalten aber schneebedeckten Craiova!

Ilka

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