2 Monate in Craiova: Warum ich mit meinem Latein noch nicht am Ende bin und Abende härter als die Tage sind

dsc_4415-2Salut!

Wahnsinn, die Zeit vergeht wie im Fluge, und so habe ich an diesem Freitag die zwei Monatsmarke erreicht. Ein Drittel ist schon vorbei! Abgesehen von den Trips möchte ich euch nun deshalb ein bisschen mehr über meine Lage berichten. Wie mein Leben hier so aussieht, und wie es mir geht.

Mit meinem Latein bin ich hier noch lange nicht am Ende. Und zwar wortwörtlich. Wer sich schon immer mal gefragt hat, warum man eigentlich Latein lernt, sollte mal nach Rumänien kommen. Und am besten noch Rumänisch lernen. Rumänisch ist nämlich neben Italienisch die Sprache, die dem Lateinischen am ähnlichsten ist. Und bei genauerer Betrachtung sogar ziemlich stark. Vokabeln sind deshalb ein nicht so großes Problem hier. Ich verstehe viel, weil man es sich aus den Brocken Latein, die mir noch im Kopf sind, und auch aus dem Französischen gut herleiten kann. Allein die Begrüßungsformeln sollten für jeden verständlich sein – Bună seara für Guten Abend zum Beispiel. Was Noapte buna heißt, brauche ich dann wohl nicht mehr zu erklären. Und so komme ich hier im Alltag mittlerweile ganz gut klar, einkaufen klappt super, sowohl beim Markt als auch beim Bäcker. Das Rumänische hat zusätzlich ein paar Töne, wie ă, â, ş, ţ, aber auch die sind gar nicht so schwer. Einzig das gerollte r und das nicht ganz stumme i am Ende einiger Wörter bereiten mir Probleme (und die Grammatik natürlich!)

Ungefähr so stelle ich mich hier manchmal vor: Bună ziua! Mă cheama Ilka şi sunt voluntara din Germania. Am 19 de ani. Lucreaz la Colegiul Naţional Elena Cuza şi ajut cu limba Germana.

Und für alle die sich noch an Latein erinnern, sollte auch diese Frage kein Problem sein, die mir häufig gestellt wird: De unde eşti?

Der Unterricht macht mir richtig Spaß, auch wenn er sehr ambitioniert ist und meine Lehrerin mir sehr viel in einer Stunde erklärt. In letzter Zeit mache ich Stunden manchmal zusammen mit einer Polin, so sprechen wir mehr im Unterricht und tauschen uns aus.

Ansonsten arbeite ich viel an meinen Projekten, kümmere mich um andere Dinge, gehe zum Sport und lese mich durch die kleine deutsche Bibliothek der Universität, die es hier gibt. Für Rumänische Bücher reicht es dann doch noch nicht ganz. Und an den Wochenenden schaue ich mir meistens andere Orte in Rumänien an und lerne das Land besser kennen.

Ich habe hier auch schon ein paar Leute kennen gelernt – aber noch nicht so wirklich gute Freunde gefunden. Mit der jungen Chinesin unternehme ich viel und bin froh, dass sie meine Zimmernachbarin ist, und auch mit ein paar Schülern und Lehrern verstehe ich mich wirklich gut.

Seit der Zeitumstellung wird es hier sehr früh dunkel und wenn ich nicht beim Sport bin und abends alleine in meinem Zimmer sitze, fühle ich mich doch manchmal noch unwohl und hätte gerne jemanden um mich rum, meine besten Freunde oder meine Familie. Das ist mir vor allem nach dem wundervollen Besuch meines Freundes in den letzten zwei Wochen aufgefallen. Wie wichtig die Menschen um einen herum sind und wie sehr sie das eigene Wohlbefinden bestimmen. Aber nach der Dunkelheit kommt auch wieder Licht, und während der Tage fühle ich mich hier wirklich wohl. Besonders das Theaterprojekt macht mir immer mehr Spaß und  ich genieße auch die Spaziergänge durch Craiova sehr, das Bummeln durch die Stadt mit einem warmen covrig in der Hand. Und dem Gedanken, wie verrückt das eigentlich ist, dass ich zur Zeit in Craiova lebe und diese Stadt schon zumindest ein bisschen kenne und eine kleine Heimat geworden ist.

Aber auch sehr positive Zufälle passieren hier manchmal. So habe ich neulich im Zug einen netten Typen aus Craiova kennengelernt, der mich gestern Abend dann mal spontan mit in einen Club genommen hat. Es wird also langsam, ich lasse es einfach auf mich zukommen.

Ein auf und ab der Stimmungen und Gefühle also, aber so ist das wohl bei den meisten.

Ich freue mich nun auf die Weihnachtszeit hier, die ganze Stadt ist voller Lichterketten (und zwar wirklich überall), und wir warten alle gespannt darauf, dass sie angeschaltet werden. Auch eine Eisbahn wird gerade aufgebaut. Nächstes Wochenende bekomme ich dann Besuch von ein paar anderen Freiwilligen und Anfang Dezember geht’s auch schon aufs Zwischenseminar irgendwo im nirgendwo in Transsilvanien. Ich halte euch auf dem Laufenden!

Und ich schulde euch noch einen Beitrag über den Trip zu meiner neuen Lieblingsstadt in Rumänien: Braşov.

Pa!

Ilka

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