Schulalltag am Colegiul National Elena Cuza, meine Projekte und viele Selfies

dsc_4089Salut!

Über einen Monat bin ich schon hier und so langsam pendelt sich hier, zumindest unter der Woche, ein Alltag ein, der vor allem durch meine Projekte hier bestimmt ist. Darüber und über das Schulleben hier in Rumänien, das sich doch ein bisschen vom deutschen unterscheidet, möchte ich heute gerne berichten.

Ich kann natürlich nur von meinen spezifischen Erfahrungen reden, es wird überall in Rumänien noch ein bisschen unterschiedlich sein. Mein Arbeitsplatz ist das Colegiul National Elena Cuza, eine Schule mit circa 1800 Schülern von der 0.-12. Klasse. Nein, das ist kein Tippfehler, in Rumänien gibt es wirklich eine 0. Klasse. Sie ist eine Art Vorschule, in denen den Kindern spielerisch Lernen beigebracht wird. Man beginnt dort mit fünf Jahren und beendet mit 18 mit dem Baccalaureate. Das Schulsystem ist in den Grundzügen dem französischen angepasst. Da das Schulgebäude aber viel zu klein für so viele Schüler ist, wird in zwei Schichten unterrichtet. Manche Jahrgänge haben von 7:30 bis 13:30 Uhr Unterricht, andere von 13:30 bis 19:30 Uhr. Die Schüler mögen den Nachmittagsunterricht sehr gerne, auch wenn das für mich eine merkwürdige Vorstellung ist, die Schule zu verlassen und danach direkt Abend zu essen und bald ins Bett. Die Stunden dauern 50 Minuten, da zwischen sind immer zehn Minuten Pause. Zu den Stunden klingelt es hier nicht wie bei uns, sondern es wird eine nette kleine Melodie gespielt, die einfach ein bisschen entspannter ist als das Klingeln. Die Melodie kann ich bei offenem Fenster auch bei mir im Zimmer hören, denn hinten im Hof der Schule steht das erste Mädchen Internat Rumäniens, in dem auch ich zur Zeit wohne. Es wurde von Elena Cuza gegründet, der Frau des Fürsten Alexandru Ion Cuza, der 1859 die Fürstentümer Walachei und Moldau vereinigte und damit das Fundament für das heutige Rumänien legte.

Noch einiges ist anders als bei uns, Schüler melden sich zum Beispiel mit zwei Fingern und stehen teilweise beim Sprechen auf und das Schulgelände darf nicht verlassen werden, was auch kontrolliert wird. Außerdem existiert eigentlich eine Art Kleiderordnung, ich glaube, es handelt sich um eine hellblaue Bluse/Hemd und eine dunkle Hose. So genau wird das hier aber nicht eingehalten.

Das Elena Cuza ist eine der besten Oberschulen hier in Craiova, weil man hier Englisch, Französisch und Deutsch in besonderem Maße lernen kann und hier auch den IELTS-Test, die DELF- und die DSD-Prüfung ablegen kann.  Und durch die DSD-Prüfung (Deutsches SprachDiplom) wird auch mein Arbeitsbereich hier definiert. Denn ab der 9. Klasse kann man hier mit Deutsch als Schwerpunkt lernen, was sowohl zusätzliche deutsche Fächer wie deutsche Geschichte und Länderkunde beinhält, als auch die spezielle Vorbereitung auf das Diplom. In der 10. Klasse kann man das DSD I mit A2/B1 Level ablegen, in der 12. Klasse das DSD II mit B2/C1 Level, mit dem man unter bestimmten Voraussetzungen auch in Deutschland studieren kann. Mit den Schülern und Schülerinnen aus dieses Klassen bin ich auch die meiste Zeit beschäftigt, da ihnen die Kommunikation und das Hören der deutschen Sprache besonders hilft, da die meisten im Unterricht doch lieber Rumänisch sprechen.

Und so habe ich mir einige Projekte und Aufgaben mit diesen Schülern ausgedacht. Mit der 12. Klasse mache ich bei Bedarf eine DSD-Vorbereitung, wir sprechen über die Themen der Prüfung, wie zum Beispiel Umwelt in Deutschland, und über ihre Präsentationen. Ihr Deutsch ist teilweise wirklich sehr gut. Mit der 11. Klasse habe ich eine Art AG zum Thema „Was beschäftigt Jugendliche in Deutschland und Rumänien“. So zeige ich ihnen zum Beispiel in der einen Woche deutsche Musik und sie mir in der nächsten rumänische. Mal sehen in welche Richtung sich das entwickelt, ich würde auch gerne mal über politischere Themen wie Homosexualität und Flüchtlinge sprechen.

Und das größte und anspruchsvollste Projekt ist ein deutsches Theaterstück, an welchem ich mit Schülern der 9. Und 10. Klasse arbeite. Es trägt den Titel „die Reise der Geschwister Eulenspiegel“ und handelt kurz gesagt von Streichen und Sketchen des Till Eulenspiegel, die ich aber sprachlich und inhaltlich abgewandelt habe, so dass es nun zum Beispiel die zwei Schwestern Eulenspiegel sind. Es soll den Schülerinnen zum einen die deutsche Sprache näher bringen als auch die Sagen einer sehr bekannten deutschen Figur. Die Proben stellen eine echte Herausforderung für mich dar, da die Schüler mich häufig nicht verstehen und auch ihre Hemmungen und Kenntnisse im Theaterbereich stark variieren. Zumal habe ich selber noch nie so etwas geleitet und deswegen bin ich sehr gespannt, wie das Endprodukt aussehen wird.

Ansonsten hospitiere ich manchmal, helfe in Diskussionen im Deutschunterricht und habe auch schon zwei Mal in den jüngeren Klassen als Vertretung unterrichtet. Mit Händen und Füßen und meinen wenigen Rumänisch Kenntnissen (an denen ich zur Zeit ganz stark arbeite!) sind es dann aber immer tolle und lustige Stunden geworden, in denen die Schüler und Schülerinnen beide Male am Ende Selfies mit mir machen wollten – und zwar nicht nur ein Gruppenselfie sondern nur mit mir alleine 😀

So verbringe ich hier also die meiste meiner Zeit. Morgen geht es dann auf einen weiteren Trip mit zwei anderen Freiwilligen an die Donau, worauf ich mich schon sehr freue. Davon nächste Woche mehr!

Ilka

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