Achtung – Heißhungergefahr!

Die ersten Ferien in der Ukraine sind vorbei. Wobei die eigentlich keine wirklichen Ferien waren. In der elften Klasse stand der Intensivkurs in Deutsch an, Samstag die Stadtolympiade in Deutsch. Also war die Woche nicht wesentlich anders, als die anderen auch.


Glücklicherweise ging der Unterricht aufgrund der eigentlichen Ferien diese Woche nicht wie gewohnt um neun Uhr, sondern erst um zehn Uhr aus. Trotz allem hat das nichts am täglichen Gespräch am Morgen geändert: „Und, ausgeschlafen?“ – „Nein, ich bin sooo müde.“ – „Versteh ich, ich auch.“ – „Ich will zurück in mein Bett.“ – „Nur noch XX Tage, bis wir wieder ausschlafen können.“

Bei den Schülern war in den Ferien wirklich harte Arbeit angesagt. Jeden Vormittag rauchten die Köpfe um die Wette. Hörverstehen, Leseverstehen, Texte verfassen und Grafiken beschreiben – das war das tägliche Programm, um alle auf das DSD II vorzubereiten. Meine Aufgabe bestand darin, beim Korrigieren zu helfen und beratend bei Fragen zur Seite zu stehen.


Am Dienstag machte ich mich erneut nach Lviv auf den Weg, um nun endlich mein fertiges Visum abzuholen. Die Sache war in wenigen Minuten erledigt. Mein Gastvater, mit dem ich unterwegs war, lud mich noch auf einen Kaffee und eine Kleinigkeit zum Essen ein. Er hatte danach noch einen Termin zu erledigen und ich wollte gerne noch ein Weilchen durch Lviv spazieren. Er hatte etwas Angst mich ganz ohne Aufpasser gehen zu lassen, weil er meinem dedektivischem Orientierungsspürsinn immer noch nicht ganz traut. Aber wenn es ums Navigieren geht, bin ich einfach gut und da kann mir so schnell niemand was vormachen 😉 Das habe ich dann natürlich bewiesen, als ich tatsächlich wieder zum Auto gefunden habe.

Danach waren wir noch eine Jacke shoppen, was eine Sache von drei Minuten war… Zumindest nachdem wir im Kaufhausdschungel ein Herrenbekleidungsgeschäft gefunden haben. Als ich dann wusste, wo das Auto geparkt war und auch ohne alle Umwege innerhalb von zwei Minuten dort hingefunden habe, war mein Gastvater absolut erstaunt. Er blieb stehen und hat mich gefragt: „Marie – woher hast du das gewusst?“ Dann haben wir beide sehr gelacht, weil er meinte, dass er das Auto erst mal eine Weile hätte suchen müssen. Als wir dann weiter zum Supermarkt fahren wollten und das Radio aufgedreht haben, jodelte uns Modern Talking mit „We can win the race“ entgegen. So ein verrückter Moment…


Am Samstag war ich nach der Deutscholympiade, die sich im Wesentlichen nicht von der letzten unterschied, noch mit meiner Betreuerin in der Stadt, um ein neues Café zu testen. Die Rede ist vom Gustav Klimt Café. (Wieder einmal ein deutlich österreichischer Einschlag!) Da wir ziemlich hungrig waren, als wir dort ankamen – bis auf ein Frühstück hatten wir nichts gegessen und es war bereits fast 15 Uhr – bestellten wir eine Menge. Von vielen Menschen hatten wir vorher gehört, dass das Essen dort gut schmecken sollte.

Als erstes bekamen wir eine heiße Schokolade mit Zimt, die wir eigentlich zum Nachtisch trinken wollten. Aber da wir halb erfroren und verhungert waren, kam die eigentlich zum Anfang genau richtig.

Der erste Gang war eine Pilzcremesuppe – noch nie hatte ich vorher so eine schön hergerichtete und zugleich leckere Suppe gegessen. Serviert wurde ein Teller nur mit Sahneschaum. Die Suppe wurde erst am Tisch aus einem kleinen Kännchen über den Schaum und in den Teller geschüttet. Eine total schöne Art, die Suppe zu servieren. Auch geschmacklich wirklich unglaublich lecker. Ein intensives Pilzaroma, verfeinert mit leckeren Gewürzen und dem schon genannten Sahneschaum.

Als wir auf unsere Salate gewartet haben, probierten wir bereits ein paar Schlückchen von dem ukrainischen Bier, das wir bestellt hatten. Absolut anders als das bayerische Bier, das ich gewohnt bin, aber trotzdem gut.

Mit dem nächsten Gang folgte das nächste Highlight. Wir wollten uns gerne zwei verschiedene Salate teilen. Ausgesucht hatten wir uns einen Salat mit Kürbis, Croutons, Rind, Parmesan und grünem Salat. Der andere Salat war mit Cocktailtomaten, Rucola, getrockneten Tomaten, Artischocken, Oliven und Parmesan. Beide waren, wie auch schon die Suppe, unglaublich lecker.

Danach folgte noch ein Teller mit einem Stück Hühnchen und Kartoffelecken aus dem Ofen, die mit Salz, Pfeffer und Kräutern gewürzt waren und auch knusprig waren.

Eigentlich waren wir beide schon gut satt, doch die Nachspeise war nun einmal schon bestellt und wartete darauf ebenfalls gegessen zu werden. Der ursprüngliche Plan war, einen Strudel mit Quark und Birnen zu probieren. Aus der Küche erreichte uns allerdings die traurige Nachricht, dass es das leider gerade nicht gibt. So entschieden wir uns also für einen Kirschstrudel mit Vanillesoße, der auch wirklich köstlich war.

Der Samstag war aber nicht nur wegen dem Essen ein schöner Tag. Da wir über zwei Stunden im Café waren, hatten wir auch viel Zeit uns über alles Mögliche zu unterhalten. Dinge, für die im hektischen Schulalltag keine Zeit ist. Wortwörtlich Gespräche über Gott und die Welt.


Der Sonntag begann wie jeder Sonntag – mit lange Ausschlafen 🙂 Nachmittags kamen zwei Freundinnen meiner Gastschwester zu Besuch, um mit mir über ihre Präsentationen für die mündliche Prüfung im DSD zu sprechen. Nachdem die Arbeit erledigt war, wollten wir noch in die Stadt gehen, um gemütlich einen Kaffee zu trinken. Als ich auf dem Weg dorthin nur beiläufig erwähnte, dass ich gestern mit meiner Betreuerin im Gustav Klimt Café war, war eine der Mädels so begeistert davon, dass sie dort unbedingt auch hin wollte. Und da es dem Rest sowieso egal war, verschlug es mich eben zum zweiten Mal an diesem Wochenende dort hin.

Ich probierte heute eine Belgische Waffel mit Schokoladensoße (das sich am Schluss aber eher als Nutella rausstellte), Bananenschnitzen und einer Kugel Eis. Außerdem genoss ich noch einmal den leckeren Kakao mit Zimt.

Das Café ist nicht nur wirklich wegen der Köstlichkeiten zu empfehlen, sondern auch das Ambiente ist wirklich etwas Besonderes. An den Wänden hängen Bilder von Klimt und die restlichen Farben sind in angenehmen Brauntönen gehalten, was wirklich super zu dem Gold in den Bildern passt. Ich habe wohl ein neues Lieblingscafé gefunden 🙂

Ein gutes Essen bringt gute Leute zusammen. – Sokrates

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