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Schnee am Äquator?!

Schnee am Äquator? Oder doch nur eine optische Täuschung? Diese Frage stellte sich bereits der deutsche Missionar und Afrikaforscher Dr. Johann Ludwig Krapf, als er 1949 als erster Europäer den Mount Kenya bestieg. Seine Botschaft vom Schnee am Äquator stieß damals auf großes Misstrauen. – Auch heute noch???

Wie heißt es so schön: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Also nichts wie hoch da! Na gut, so schnell geht es nun auch wieder nicht. Immerhin ist der Berg ganze 5199 Meter hoch. Der dritthöchste Gipfel, der Point Lenana (4985m), ist im Gegensatz zum technisch anspruchsvollen Batian (5199m) und dem Nelion (5189m) auch für einigermaßen fitte Wanderer zugänglich und sollte somit unser Ziel sein.

Doch zunächst ist eine ausreichende Aklimatisierung erforderlich, um die Höhenkrankheit alias „Mountain Madness“, zu verhindern. So traf ich mich am 26. Januar mit Anne (einer Mitbewohnerin von Chris und Inken), ihrem Kumpel Danny und einem Guide in Nanyuki. Nach einem Besuch im „Nyama Choma“ (Gegrilltes Fleisch) Restaurant machten wir uns also gestärkt auf den Weg zu der berühmten Mau Mau Höhle, die wir nach gut zwei Stunden „Spaziergang“ auch erreichten. Hier hatten sich die kenianischen Freiheitskämpfer „Mau Mau“ während des Krieges um die Unabhängigkeit von den Briten (1952-1960) versteckt. Unser Guide erzählte uns, dass „Mau Mau“ keine kenianische Volksgruppe, sondern eine Abkürzung für „Mzungu Aende Ulaya, Mwafrika Apate Uhuru“ ist, was auf Deutsch soviel bedeutet wie „Lasst die Europäer zurück in ihre Länder gehen, lasst die Afrikaner ihre Unabhängigkeit zurückgewinnen!“. Im Jahre 1959 wurde die Höhle allerdings entdeckt und zerbombt. Daher sind heute nur noch die Überreste zu sehen.

Zurück in Nanyuki aßen wir – unter bettelnden Blicken zweier Katzen – zu Abend, genossen eine (wie sich herausstellte, vorübergehend letzte) Dusche und schliefen schnell ein.

Am nächsten Tag packte ich dann voller Motivation meine Sachen zusammen, frühstückte und schon brachte uns ein Matatu zum Gate. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass wir über die Naro Moru Route aufsteigen, aber hier wird der Plan – wie ich mittlerweile zu genüge festgestellt habe – gerne mal geändert. So folgten wir schließlich der Simion Route über einen breiten Weg bis hin zu unserer ersten Unterkunft auf etwa 3300m. Dort angekommen staunten wir nicht schlecht, wie kalt es schon geworden war, und zogen uns erst einmal in unsere Schlafsäcke zurück. Als ich mich nach einiger Zeit und Überwindung wieder aus dem Schlafsack herausgeschält hatte, konnte ich draußen sogar ein paar Steinbock-artige Tiere beobachten. Auch der Blick auf Nanyuki war echt beeindruckend. Nach einem leckeren Abendessen (Fisch, frittierte Kartoffeln und Gemüse) kamen schließlich noch die Spielkarten auf den Tisch. Das Kartentauschen beim allbekannten Spiel „Arschloch“ wurde hier allerdings ein wenig kenianischer interpretiert. So gab es vor jeder Runde ein saftiges Feilschen um die besten Karten, was zwar nicht regelkonform, aber auf jeden Fall ziemlich witzig war.

Nachdem der Freitag noch ziemlich „entspannt“ war, ging es am Samstag nach dem Frühstück schon etwas mehr zur Sache. Es galt 900 sehr ehrliche Höhenmeter zu überwinden. Ehrlich deshalb, weil es auch immer wieder runter ging, sodass sich die Höhenmeter eigentlich summierten. Dafür entschädigte aber der wunderbare Blick, den wir (fast die ganze Zeit) ins Tal und auf Nanyuki hatten. Den ersten Teil des Weges liefen wir – zu meiner Verwunderung – schon über gefrorenen Boden. Auch nachher war der Berg gewollt, uns einmal seine gesamte Wetterpalette zu präsentieren. Von Sonnenschein, über Wind und Nebel bis hin zu Regen und sogar Hagel, war wirklich alles dabei! Nur von Schnee noch keine Spur. Nachdem wir einen schönen Aussichtspunkt erreicht hatten und einige Fotos mehr auf der Kamera waren, begann nun ein weniger steiler Aufstieg innerhalb einer Schlucht. Dort fiel mir vor allem die außergewöhnliche Vegetation auf. So etwas hatte ich wirklich noch nie gesehen!

Und so liefen wir weiter und weiter und nach einem steilen Schlussaufstieg sahen wir schließlich unser Nachtlager. Na gut, „Nacht“ ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Nach einem sehr guten Abendessen legten wir nur noch schnell unsere Sachen zusammen und gingen dann ins Bett, weil schon um 2:30 Uhr wieder der Wecker klingeln sollte. Wirklich erholsam war die „Bettruhe“ nicht. Ob das nun an der Höhe (wir waren immerhin schon auf 4200m), der Kälte oder an etwa 20 schnarchenden, verschnupften Zimmergenossen lag, kann ich nicht genau sagen. Wahrscheinlich war die Gesamtkombination einfach nicht die Beste! 😀So stiegen wir um halb drei – mehr oder weniger fit – aus den Stockbetten und zogen uns an. Anschließend genossen wir einen warmen Tee und ein paar Kekse, die es doch irgendwie schafften, meine Müdigkeit zu besiegen. Und dann begann der Nachtaufstieg! Ausgerüstet mit Kopflampe und warmen Klamotten nahmen wir die letzten recht steilen 800 Höhenmeter in Angriff. Im Schneckentempo kamen wir der 5000 Meter Grenze immer näher. Das letzte Stück enthielt sogar ein bisschen leichte Felskletterei. Dennoch war es ziemlich anstrengend, denn die Höhe ist auf keinen Fall zu unterschätzen. Auf 5000m ist der Luftdruck schließlich nur noch etwa halb so hoch wie auf Meereshöhe. Völlig fertig, aber überglücklich erreichten wir kurz vor Sonnenaufgang den Gipfel. Es war ein überragendes Gefühl und der Blick war einfach der Hammer! Und nun konnten wir auch mit Sicherheit bestätigen: Ja, hier oben gibt es wirklich Schnee und ja, es ist auch zieeeemlich kalt! 😀 Daher setzte ich ich oben schnell in den Windschatten eines großen Felses und sah der Sonne zu, wie sie sich langsam ihren Weg gen Himmel bahnte. Einfach wunderschön!

Anschließend machten wir noch einige Fotos und genossen die Aussicht, bis sich unsere (kalten) Zehen irgendwann meldeten und uns den Rückweg antreten ließen. Diesen kann ich ganz gut mit dem Wort „slippery“ beschreiben. Der Schnee war inzwischen durch die Sonne ein wenig angetaut, sodass der Abstieg zu einer wahren Rutschpartie wurde. Etwas weiter unten wurde der Schnee dann durch einen echt seltsamen Untergrund ersetzt. Es war quasi eine Sammlung unendlich vieler kleiner vom Boden hochwachsender Eiszapfen. Ich hätte nie gedacht, dass so eine Art „3D-Frost“ überhaupt existiert! Aber der Berg hat mich eines Besseren belehrt…

Und dann gab es endlich ein richtiges Frühstück. Die Anstrengung und das frühe Aufstehen hatten mich unglaublich hungrig gemacht. Als der größte Hunger gestillt war, wollte ich eigentlich nur noch schlafen. Nix da! Es standen noch fünf Stunden und über 2000 Meter Abstieg bis zum nächsten Nachtlager an. Das war echt hart! Auf der Suche nach unserer Motivation wanderten wir also weiter und weiter. Über diese Seite des Berges (wir waren nun auf der Chogoria Route) sagt man, dass sie irgendwie ein bisschen schottisch aussieht. Es gab viele kleine Seen und grasbewachsene „Klippen“. Der aufziehende Nebel gab dem Ganzen etwas Magisches.

Vollkommen erschöpft und am Ende unserer Kräfte kamen wir schließlich zu einem kleinen Campingplatz, wo uns unser Mittagessen erwartete. Dieses tat unglaublich gut und gab mir die Engergie, die ich für die letzten knapp zwei Stunden Wanderung nur zu gut gebrauchen konnte. Der letzte Teil des Weges führte uns nun durch einen schönen Wald, da wir mittlerweile wieder unterhalb der Baumgrenze (auf etwa 3000m) waren. Es sah wirklich schön aus, aber letztendlich freute ich mich kurz darauf einfach nur, als wir nach 13 Stunden unterwegs endlich im Nachtlager angekommen waren. Und das war noch nicht alles! Dieses Camp hatte sogar eine warme Dusche. Auf diese hatten wir die letzten Tage verzichten müssen, sodass die Freude umso größer war.

Am nächsten Tag liefen wir dann noch das kurze Reststück bis zum Parkgate und wurden dort von einem Matatu abgeholt. Nach einem Abschlussfrühstück in Chogoria machte ich mich glücklich und zufrieden wieder auf den Weg zurück nach Meru. Es war eine unglaublich schöne und interessante Zeit! Danke dafür! An Anne und Danny natürlich auch vielen lieben Dank für die tollen Fotos!

LG eure Lara 🙂

2 Kommentare

  1. WOW – da wäre ich gerne dabei gewesen. Ich bin echt überrascht was du schon alles erlebt hast und bin auch ein bisschen neidisch, dass ich zu „meiner Zeit“ nicht so eine Gelegenheit hatte.
    LG CU

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