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Stadttour durch Nairobi oder „Warum Reiseführer Gold wert sind“

Was tun an einem Samstag Vormittag? Ach ja, irgendwo waren da doch noch die Fotos von Cathrin’s Reiseführer. „Für einen Stadtundgang ist ein halber bis ganzer Tag einzuplanen.“ – Perfekt! Also kurz die Sachen zusammengepackt und los geht’s Richtung Innenstadt.

Feststellung Nummer 1 des Tages: In den Bussen in Nairobi muss man immer genug Kleingeld dabeihaben. Hatte ich bisher auch immer; leider nur bisher! Da der Conductor mir nicht so viel Rückgeld geben wollte (obwohl er genug hatte), schmiss er mich kurzerhand aus dem Bus. Irgendwo im Nirgendwo ließ sich zum Glück ein Mpesa-Shop auftreiben, wo mir ein Mango-Trinkpäckchen bzw. dessen Rückgeld endlich ausreichend Kleingeld für eine problemlose Weiterfahrt bescherte.

In der Innenstadt angekommen, führte mich mein „Guide“ alias „schlauer Schmierzettel“ als erstes zum Stanley Hotel, eines der besten Hotels von Nairobi, das am östlichen Ende der Kenyatta Avenue liegt. Ich staunte nicht schlecht, als ich nach einer kurzen Sicherheitskontrolle das pompöse Gebäude betrat und mir zahlreiche Auszeichnungen und Preise direkt ins Auge fielen. Im Hotel gibt es eine Fotosammlung, die die lange Geschichte des Hotels – auch während der Kolonialzeit (s. Foto unten) – erzählt. In jeder Etage stieß ich auf weitere Fotos und Gemälde und die Sicht über die Stadt wurde immer beeindruckender, je höher ich kam. Früher gab es vor dem Hotel übrigens eine Fieberakazie, die von den Siedlern quasi als schwarzes Brett benutzt wurde. Ankündigungen wurden einfach an die Rinde genagelt. Der alte Baum wurde allerdings im Rahmen von Renovierungsarbeiten gefällt. Die neu gepflanzte Akazie reicht zurzeit allerdings höchstens für eine Handvoll Post-It’s. 😀

Der Blick auf die Kenyatta Avenue!

Anschließend ging ich direkt gegenüber ins lange nicht so pompöse Oakwood-Hotel. Doch auch dieser Ort war etwas besonderes. Nicht aufgrund von Bildern oder Luxus-Suiten, sondern wegen des uralten Aufzuges, den es dort gibt und der immer noch im Einsatz ist. Aber seht selbst!

Wer weiß, was das oben für ein Gerät ist, darf es gerne in die Kommentare schreiben. Ich konnte es nicht herausfinden, aber es sah interessant aus! 😀

Aber erst mal genug von Hotels. Nun ging es an die frische Luft, entlang der Moi Avenue Richtung Norden, an vielen Geschäftshäusern im anglo-indischen Stil vorbei. Früher waren diese Häuser alle typisch grau, heute sind sie zum Teil bunt bemalt. Dennoch ist auf dem Gibel oft noch der ursprüngliche Name des Hauses zu lesen. Die Säulenarkarden, die es vor einigen Gebäuden gibt, sollten ursprünglich vor der prallen Äquatorsonne schützen, bieten heutzutage allerdings zusätzlich einen Geschäftsraum für Schuhputzer und Straßenhändler.

Die Khoja Moschee, die ebenfalls an der Moi Avenue liegt und wohl sehenswert sein soll, war allerdings leider geschlossen. So ging ich weiter zum Jeevanjee Garden, wo es eine Marmorstatue von Queen Viktoria zu bestaunen gibt – oder auch nicht… Denn warum auch immer fand ich lediglich den Sockel vor, auf dem sie hätte stehen sollen, von der guten Dame war allerdings weit und breit keine Spur. Stattdessen hier ein Foto der Skulptur von Alibhai Mulla Jeevanjee, nach dem der Garten benannt ist.

Weiter führte mich der Weg an der Universität und dem National Theatre vorbei, zum Norfolk Hotel und somit gleich zur zweiten Feststellung des Tages: Auch in Nairobi gibt es Fachwerkhäuser (wenn auch sehr wenige). Hätte ich trotzdem nie gedacht. Und noch weniger hätte ich vermutet, in dem Hotel auch noch eine Sammlung alter Gefährte aus der Kolonialzeit zu finden. Zwei Handkarren/Kutschen, ein Traktor und ein altes Auto waren im schönen Innenhof zu bestaunen. Allerdings muss ich sagen, dass die Lebkuchenhäuser in der Eingangshalle des Hotels den Gefährten (zumindest aus meiner Sichtweise) ein wenig die Show stohlen. Leider nur gucken, nicht anfassen… Doch eins ist sicher: Ohne Reiseführer hätte ich hier nie hingefunden!

Blick von der Straßenüberführung auf die Universität!

Anschließend ging’s dann eher ins asiatische Geschäftsviertel Nairobi’s und zum City Market. Als ich den Markt betrat, landete ich zuerst in der Fleisch- und Fischabteilung, was schon ziemlich gewöhnungsbedürftig war und ich keinem Vegetarier unbedingt empfehlen würde. Überall hing und lag Fleisch und Fisch und Körbe mit den dazugehörigen Innereien standen daneben. Dementsprechend roch es in dieser Halle auch recht streng. Und so war ich doch froh, in der nächsten Abteilung auf die Blumen und Gemüseabteilung zu stoßen. Außerdem hatte der City Market noch eine kleine Galerie sowie Souvenirstände und ausgestelltes Handwerk zu bieten.

Schräg gegenüber warf ich einen Blick auf die schöne Jamia Moschee, die ich allerdings auch nicht betreten durfte, da dort gerade geputzt wurde. So widmete ich mich lieber dem neoklassistischen Nachbargebäude, das die McMillan Memorial Library beherbergt. Als ich so durch die Bücherreihen schlenderte, fand ich sogar ein deutsches Physikbuch, das sich wohl irgendwie dorthin verirrt hatte… Sachen gibt’s!

Die schöne Jamia Moschee!

Wer liegt denn da rum?!! Meine Entdeckung auf dem Dachboden der Bibliothek, ein kleiner Schreckmoment 😀

Und dann stieß ich auch schon wieder auf die Kenyatta Avenue, gewissermaßen die Prachtstraße Nairobi’s, allerdings gleichzeitig auch super rüselig. Vorbei an weiteren Kolonialbauten, wie zum Beispiel dem Kipande House mit seinen auffälligen Türmchen, das früher als Lagerhaus der Eisenbahngesellschaft genutzt wurde, kam ich zum Posta Office und somit zu meiner dritten, nicht so schönen Erkenntnis des Tages: Auch das Posta Office zählt zu „militärischen und öffentlichen Einrichtungen“, die man demnach ohne Genehmigung nicht fotografieren darf. Ich dachte, dass sich das „öffentliche Einrichtungen“ eher auf Regierungsgebäude u.ä. bezieht, aber scheinbar ist das nicht der Fall. So hatte ich eine kleine Auseinandersetzung mit einem Wachmann (hier „Askari“ genannt), kam aber zum Glück glimpflich aus der Sache wieder raus, indem ich alle Fotos löschte, die ich von der schönen Fassade des Gebäudes gemacht hatte. Auch nach einem Monat in Nairobi ist es also immer noch möglich, in Fettnäpfchen zu treten! Ab jetzt werde ich dreimal drüber nachdenken, was ich fotografiere und was besser nicht!

Nach dem Schreck ging ich erstmal im Uhuru Park ein wenig spazieren und sah den Kindern zu, wie sie freudestrahlend auf den verschiedenen Fahrgeschäften saßen, die im Park aufgebaut worden waren. Nach einer kleinen Runde um den „Nairobi-See“ machte ich mich dann auf die Suche nach der All Saints Cathedral, die ich mir gerne anschauen wollte und wurde schnell fündig. Die Kirche ist Teil eines ganzen Komplexes, wo es außerdem ein Restaurant, kleine Meetingräume und ein Auditorium gibt. An sich ist sie gut mit deutschen Kirchen zu vergleichen. Allerdings waren an den Wänden zusätzlich einige Bildschirme angebracht, die ein Livebild des Rednerpults zeigten, sodass dieses auch von hinten gut zu sehen war.

Die letzte Station meiner spontanen Stadttour war schließlich der City Square, ein großer Platz, an dem eine ganze Menge wichtiger Gebäude liegen, wie die City Hall, das High Court, das Kenyatta Conference Centre mit dem KICC Tower (wo ich mit Johanna schon war), das Parlamentsgebäude (gut an der großen Uhr zu erkennen) und das Mausuleum. Da dort gerade ein Gospelkonzert stattfand, war der Platz allerdings größtenteils abgesperrt. So ging ich noch einmal „in Ruhe“ auf den Massai Market und machte mich anschließend auf den Rückweg nach Hause.

Was sonst noch so geschah:

Am Sonntagmorgen wollte ich auch in Nairobi einmal eine Messe besuchen. So machte ich mich zu Fuß auf die Suche nach der Baptist Church, die irgendwo auf der Ngong Road liegen sollte. Auf dem Weg traf ich einen freundlichen Mann aus Mombasa und unterhielt mich mit ihm eine ganze Weile über Sprache, Optik (er war Optiker) und Trump. Kurz bevor ich die Suche nach der Baptist Church aufgeben und Google Maps um Rat bitten wollte, sah ich auf der linken Straßenseite die Good Shepherd African Gospel Church, wie der Name schon sagt, eine afrikanische Gospelkirche, wo gerade auch zufällig ein Gottesdienst begann. Und der war wirklich schön! Der Gospelgesang, begleitet von einem Schlagzeug, zwei E-Gitarren und einem Keyboard, wurde nur ab und zu durch ein sehr leidenschaftlich vorgetragenes Gebet unterbrochen. Der helle Raum war voller Emotionen. Anschließend folgte eine Bibelstelle, ein Weihnachtssong (mit Lyrics auf den Bildschirmen neben dem Altar, sodass mitgesungen werden konnte) und dann eine recht lange Predigt. Zum Schlusssegen erhoben sich alle von den Bänken und nahmen sich an die Hand (und das bei einer rappelvollen Kirche!), um den Segen dann gemeinsam zu sprechen. Es war ein sehr schönes Erlebnis und toll, Teil dieser Gemeinschaft zu sein!

Nun sind es nur noch vier Tage bis Weihnachten! Euch allen weiterhin eine besinnliche Adventszeit und schöne Weihnachtstage!

Eure Lara 🙂

3 Kommentare

  1. Hallo Lara.

    Ich möchte dir nur mal zwischenzeitlich mitteilen, das ich/wir immer fleißig mitlesen, was du aus Kenya zu berichten hast. Bitte weiter so.

    Wir kommen gerade aus Mittelamerika zurück. In meinem Blog findest du ein paar Fotos vom Pinguin, welcher uns begleitet hat 🙂

    Viele Grüße aus Berlin
    Jürgen

  2. Hallo, Ausländerin,
    was für ein fabelhafter Beitrag – super! Danke. Im Oakwood Hotel habe ich vor etwa 25 – 30 Jahren schon mal 1 Nacht geschlafen. Schöne Fotos – meine Passion, wie Du weisst – hast Du auch eingebaut! Ich bin Dir quasi auf Schritt und Tritt gefolgt. Jetzt warte ich auch Eure Bericht über Neujahr! Schöne Zeit!

  3. Zu einem Bild im Blog vom 20. Dezember (Führung Nairobi):

    Diese große Blechkiste mit ihren Tasten und Hebeln ist eine Registrierkasse, die es bis Ende der 60-er Jahre gab. Man konnte Artikel- bzw. Artikelgruppen (heute würde man z.B. sagen Food or Nonfood) eingeben, Stückzahl, Einzelpreis – und letztlich auch den zu zahlenden Betrag auswerfen (alles mechanisch). Damit wurde dann auch die untere Schublade geöffnet, in der sich das Geld befand. Am Ende eines Tages konnte der Inhaber dann den Gesamtumsatz nach Warengruppen (durch Tastenkombination) ermitteln. Diese Kassen gab es damals eigentlich in allen Branchen. Das dazu !

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