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Von Hippos, Pumbas und einem grünen Vulkan

„Nur zum Zwischenseminar nach Kenia? Warum nicht dort auch ein bisschen Urlaub machen?“ Das dachten sich mehrere Freiwillige und so saß – einige Zeit und eine Whatsappgruppe später – eine gemischte Gruppe mit Freiwilligen aus Ghana, Togo, Kamerun, Äthiopien, Ruanda und Kenia am Sonntagmorgen im Matatu zum Lake Naivasha, einem Süßwassersee im Rift Valley Kenias. Schon auf der Fahrt tauschten wir uns lebhaft über unsere Einsatzländer aus. „Gibt es bei euch auch Chapati?“ „Wie sieht die Landschaft aus?“ „Ist dort Linksverkehr?“ „Wie gefällt dir deine Arbeit?“ usw… Es war super schön, die anderen Freiwilligen wiederzusehen und sich mit ihnen auszutauschen. Und so ging die knapp zweistündige Fahrt zum Camp Carnelley’s an der Südseite des Lake Naivasha’s auch wirklich schnell vorbei.

Dort angekommen, stellten wir nur kurz unsere Sachen ab und gingen dann runter zum See, der direkt an das Camp grenzt. Zuerst fielen mir die vielen Wasserhyazinthen auf, die ich schon auf dem Viktoriasee gesehen habe und die den Fischern auch hier das Leben schwer machen. Man sah gut, wie der wacklige Steg, der durch die Wasserpflanzen führte, immer wieder verlängert worden war.

Nach kurzer Absprache entschieden wir uns dafür, eine Bootstour auf dem See zu machen. Und das war ein voller Erfolg! Da wir das Hinweisschild „Beware of hippos“ nicht allzu ernst genommen hatten, waren wir umso verblüffter, als wir ein Flusspferd nach dem nächsten im Wasser liegen sahen. Deren ganze Masse wurde uns aber erst bewusst, als unser Steuermann auf eine kleine Grasfläche am Ufer zuhielt, auf der ein Flusspferd gerade sein Mittagessen einnahm. Wirklich beeindruckende Tiere!

Vielleicht nicht so groß, aber mindestens genauso interessant waren die unterschiedlichen teils bunten (Wasser-) Vögel, die sich auf den Bäumen im oder am Wasser niederließen. Der Steuermann schien es als eine Art Herausforderung zu betrachten, möglichst nah an die Vögel heranzufahren, ohne diese zu verschrecken, was ihm echt gut gelang.

Und dann entdecken wir plötzlich einen langen Hals vor einem Baum in etwas Entfernung! Zweifelsohne eine Giraffe; und kurz darauf noch zwei weitere.  Wir hielten an und sahen ihnen zu, wie sie am Baum knabberten. Kurz darauf entdecken wir weitere Giraffen vor einem Gewächshaus. Durch den Kontrast waren sie vom See aus wirklich gut zu erkennen. Gewächshäuser findet man rund um den See übrigens eine ganze Menge. Dort werden zahlreiche Blumen gezüchtet und anschließend in alle Welt exportiert. Leider wird für die Bewässerung der Pflanzen so viel Wasser aus dem See verbraucht, das der Wasserstand ständig abnimmt.

Nach etwa einer Stunde ging’s dann mit „Vollspeed“ zurück zum Anlegeplatz. Dabei spritzte allerdings so viel Wasser ins Boot, dass wir trotz des guten Wetters fast ein wenig froren.

Zurück im Camp aßen wir erstmal ausgiebig zu Mittag. Ich bestellte ein Swahili Curry mit Reis und Chapati und dazu frisch gepressten Saft. Einfach köstlich! Da es nun anfing zu regnen, saßen wir noch eine ganze Weile zusammen bis ich mich am Nachmittag mit Theresa, Timo und Sebastian auf die Suche nach einem Supermarkt machte. In Naivasha wurden wir nach einiger Zeit fündig und kauften Frühstück und Wasser für den kommenden Tag.

Der Montagmorgen begann für mich dann in aller Frühe mit einer eiskalten Dusche. Ob das an der Dusche oder an meiner Unfähigkeit, sie zu bedienen, lag, kann ich euch leider nicht sagen. Dennoch war es irgendwie frustrierend als ich von den Anderen hörte, wie schön warm es doch gewesen ist (zumindest eine Zeit lang). 😀 Trotzdem konnte das meine gute Laune keineswegs trüben, denn heute sollte es zum Hellsgate Nationalpark gehen. Nach einem gemeinsamen Frühstück und mit Lunchpaketen im Rucksack ausgestattet, machten wir uns auch schon auf den Weg zum Gate, wo wir uns Fahrräder liehen. Der Hellsgate Nationalpark ist nämlich einer der Parks, die man auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden kann. Vielleicht erinnert ihr euch an meinen Eintrag vom Diani Beach, wo quasi eine „Reifenpanne“ auf die Nächste folgte. Die Fahrräder hier machten allerdings einen sehr guten Eindruck und – soviel kann ich vorwegnehmen – sie kamen am Ende des Tages auch alle wieder heil am Gate an.

Schon nach wenigen Metern sahen wir die ersten Antilopen und Warzenschweine (von uns liebevoll „Pumbas“ genannt). Auch die Landschaft an sich mit den hohen Felsen und dem Grasland war wirklich beeindruckend. Nicht umsonst ist der Park auch ein Paradies für Kletterer. Wir fuhren weiter und sahen wenige Zeit später auch die ersten Zebras, die sich zum Teil wie Models an den Wegrand stellten. An einem Wasserloch entdeckten wir dann außerdem eine Herde Wasserbüffel. Denen wollten wir lieber nicht zu nahe kommen und warteten so lieber eine Weile, als einige von ihnen – begleitet von einer riesigen Staubwolke – den Weg querten. Etwas erstaunt waren wir, als wir später eine einzelne Giraffe antrafen, denn es gab kaum hohe Bäume und nach einem kurzen Austausch über unser Biologie-Wissen waren wir uns außerdem (mehr oder weniger) sicher, dass Giraffen normalerweise in Gruppen leben. Und so fuhren wir weiter und weiter – immer der Nase nach – und unterbrachen unsere Tour nur durch ein paar Fotopausen. Es war für mich sehr schön, den Park mit dem Fahrrad zu erkunden, da ich so das Gefühl hatte, viel näher bei den Tieren zu sein, als wenn ich im Auto sitzen würde. Und so ein bisschen Sport kann bei dem fettigen Essen hier schließlich auch nicht schaden. 😀

Nach etwa zwei Stunden erreichten wir eine KWS (Kenyan Wildlife Service) Station und gleichzeitig das Eingangstor zum „Hellsgate“, nach dem der Park benannt ist. Hier machten wir eine kleine Pause, wo wir trotz des Schildes „Beware of the baboons“ leider eine Banane an einen Affen verloren. Diese waren echt frech, aber irgendwie auch niedlich.

Da sich keiner von uns so wirklich informiert hatte, was genau das „Hellsgate“ ist, durchquerten wir das Eingangstor schließlich umso gespannter. Es folgte ein kleiner Abstieg (der selbst mit Birkenstocks ganz gut zu bewältigen war, wie Isabelle eindrucksvoll bewies). Anschließend führte der „Weg“ durch ein Flussbett, das links und rechts von großen Felsen begrenzt war. Nach anfänglicher Skepsis war es echt ein Erlebnis, über die Felsen zu klettern und durchs Wasser zu waten.

An einer Abzweigung wählten wir aus dem Bauch heraus einen Weg und standen nach einer kleinen Klettereinlage mit Seil schließlich… in einer Sackgasse. Während wir uns für ein Selfie aufstellten, entschieden wir, dass das das Hellsgate sein muss. Ob es das wirklich war, weiß ich bis heute nicht. In Deutschland hätte es wahrscheinlich eine Menge Hinweisschilder, eine Infotafel und ein Logbuch gegeben. Andere Länder, andere Sitten…

Jedenfalls machten wir kurze Zeit später kehrt und probierten auch noch den anderen Weg aus. An einem schönen Felsen legten wir eine Mittagspause ein und ruhten uns ein wenig aus. Danach ging es noch weiter, an einer „Dusche“ und heißen Quellen vorbei, bis wir schließlich auf einen Exit Point stießen. Also, Schuhe an und hoch da! Schon nach dem ersten kleinen Anstieg hatte man einen schönen Blick auf die Schlucht, aber die Aussicht von ganz oben war kaum zu übertreffen. Erstmal ein Selfie!

Nach einer kurzen Pause machten wir uns dann wieder auf den Rückweg zum Hellsgate-Eingangstor und schließlich auch mit den Fahrrädern zurück bis zum Gate. Der „Hellsgate National Park“ ist ein unglaublich schöner und vielfältiger Nationalpark, der auf jeden Fall eine Reise wert ist!

Aber reisen macht hungrig. So nahmen wir das nächste freie Matatu Richtung Town, in dem ich eine nette Dame kennen lernte, die uns ein gutes traditionelles Restaurant zeigte. Die lange Wartezeit wurde durch die Qualität des Essens auf jeden Fall gerechtfertigt. Mein Githeri (Eintopf u.a. aus Bohnen und Mais) und die Kochbananen (Matoke) waren wirklich lecker! Was ich aber bis heute nicht verstehe, ist, warum der Kellner mir zwei Flaschen Tusker statt einer gebracht hat, während alle anderen nur ihr bestelltes Getränk bekommen haben. Das ist nicht das erste Mal, dass mir das hier in Kenia passiert – seltsam. Satt, zufrieden, aber auch erschöpft machten wir uns schließlich auf den Weg zurück zum Camp.

Lange hatten wir überlegt, was wir am letzten Tag noch machen möchten und auch am Dienstagmorgen selbst war alles noch etwas rüselig. Letztendlich fanden wir dann aber – dank einem sehr freundlichen Gateman – einen Matatufahrer, der uns zum Mount Longonot, einem Vulkan in der Nähe des Sees, bringen wollte. Dort angekommen, bezahlten wir die KWS-Gebühr und machten uns auf den Weg Richtung Krater. Während es zunächst noch recht flach war, folgten nachher immer wieder echt steile Stücke. Je höher wir kamen, umso beeindruckender wurde die Aussicht über das Land, den Lake Naivasha und die Ngong Hills im Süden. Und dann kamen wir oben an. Was uns dort erwartete, hatte glaube ich keiner vermutet. Der Krater war mit Gras und lauter kleinen Bäumen gefüllt und daher komplett grün. Während unsere Kekse die Runde machten, genossen wir den guten Blick, den man dort oben hatte. Anschließend liefen wir noch ein wenig um den Krater herum. Eine ganze Umrundung schafften wir leider nicht, dafür war die Zeit zu knapp. Dennoch hat mir auch dieser Ausflug super gut gefallen.

Zurück am Gate, wartete der Matatufahrer schon auf uns und nach einer kurzen Verhandlung war dieser auch bereit, uns für einen guten Preis bis nach Nairobi zu bringen.

Am Mittwochmorgen machte ich dann mit Theresa, Isabelle und Sebastian noch eine kleine Stadttour durch Nairobi, wo wir unter anderem den Stoffladen noch einmal besuchten. Und dann hieß es auch schon Sachen packen fürs Seminar!

Ein schöner Kurzurlaub geht zu Ende! Danke an alle für die schöne Zeit! 🙂

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