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Von Salzwasser, endloser Weite und dem Wörtchen „planmäßig“

Sonntag, 2. Oktober 2016. Irgendwo zwischen Nairobi und Meru.

Ich sitze am Fenster, habe wenig Platz, werde ab und zu mal ordentlich durchgeschüttelt und sehe die Landschaft mit den kleinen Dörfern an mir vorbeiziehen. So etwas ähnliches habe ich vor gut zwei Wochen schon einmal geschrieben. Kein Wunder, denn ich sitze wieder im „Matatu meines Vertrauens“ nach Meru und blicke auf ein wundervolles Wochenende in Nairobi zurück!

Aber mal von Anfang an… Am Freitagmittag nach der Chai Pause („Chai“ ist Kiswahili und bedeutet „Tee“) stand ich mit meinem voll gepackten Rucksack am Schultor und wartete auf ein Matatu, das mich und Emmah, die mich freundlicherweise begleitete, zur Matatu-Haltestelle in Meru bringen sollte. Schnell war ein (schon volles) Matatu gefunden, das wir beide dann noch ein wenig voller machten. 😀 Wenig später erreichten wir dann den riesigen Platz, wo alle Matatus Richtung Nairobi abfahren und deren Fahrer sehr engagiert potentielle Fahrgäste anwerben. Emmah zeigte mir ein recht gutes Matatu und verabschiedete sich dann von mir. Meine erste Fahrt alleine im Matatu stand bevor. Doch bevor es losgeht, wird hier immer gewartet, bis wirklich alle Plätze besetzt sind. So wartete ich und wartete und war sehr froh, als nach etwa einer dreiviertel Stunde der letzte Fahrgast eingestieg und sich das Matatu den Weg Richtung Nairobi bahnte.

Die fünfstündige Fahrt selbst ging dann aber wieder recht schnell vorbei, was sicherlich auch dem Fahrstil des Fahrers zuzuschreiben ist. Nach einem etwas längeren Stau (da wir in Nairobi genau zur Rush Hour ankamen), stand ich dann am „Tee Room“, der Haltestelle für alle Matatus, die aus Meru kommen und wartete dort auf mein Uber, dass mich zu Jennie, einer anderen Kulturweit-Freiwilligen, bringen sollte. Uber ist ein Verbund von mehreren Taxis, die man sich bequem per Handy App bestellen kann und die meist etwas günstiger als gewöhnliche Taxis sind.

Es war sehr schön, mal wieder jemand Deutschen zu sehen, da ich in Meru schließlich nur auf Einheimische treffe. Wir erledigten ein paar Einkäufe, gönnten uns einen leckeren Weißwein und wurden dann von Jennie’s lieber Mitbewohnerin zu einer Pizzeria gebracht, wo ich auch Chris und Inken (zwei weitere Kulturweit-Freiwillige in Nairobi bei der NatCom) wiedersah. Ich wusste nicht, ob ich mich mehr über das Wiedersehen oder über meine Pizza Funghi freuen sollte. Ich habe seit über einem Monat keine Pizza mehr gegessen, von daher würde ich sagen: Unentschieden. 😀 Es war ein sehr schöner Abend mit Live-Musik, netten Gesprächen und einer sehr leckeren Pizza. Anschließend machte ich mich mit Chris und Inken auf den Weg zu ihrer Wohnung, wo ich freundlicherweise das Wochenende übernachten durfte. Trotz unzähliger Moskitos überwältigte mich irgendwann die Müdigkeit und ich schlief ein.

Der Samstag begann dann in aller Frühe. Um 5:30 Uhr wurde ich von den beiden geweckt und um 6:15 Uhr ging’s dann auch schon mit dem Uber in die Stadt zu einem Hotel, wo unser Bus zum Magadisee abfuhr. Der Magadisee ist ein See südöstlich von Nairobi, der das weltweit zweitgrößte Vorkommen von Soda besitzt. Dieses wir dort auch abgebaut, per Eisenbahn zur Küste gebracht und dann in die ganze Welt exportiert.

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Wir (Jennie, Inken, Chris, deren zwei französische Mitbewohnerinnen und ich) wurden im Bus freundlich willkommen geheißen und sicherten uns schöne Plätze. Nach einer Weile setzte sich der Bus dann in Bewegung. Langsam ließen wir die Stadt hinter uns und fuhren am Nairobi National Park vorbei, wo ich von weitem sogar ein paar Nashörner gesehen habe. Die Straße wurde immer schlechter und die Landschaft um uns herum immer trockener. Irgendwo im Nirgendwo machten wir schließlich eine kleine Pause, vertraten uns die Füße und beobachteten eine Rinderherde, die gemütlich an uns vorbei zog.

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Anschließend fuhren wir weiter. Die Landschaft war sehr schön, wir sahen einige Affen und immer wieder Ziegen und Rinderherden. Besonders beeindruckend fand ich die Esel die sich – voll bepackt – selbstverständlich ihren Weg durch die Savanne bahnten. Und dann entdeckte ich im Dickicht zwei Giraffen. Das war für mich auf jeden Fall ein Highlight der Tour. Aber so wirklich realisiert habe ich es in der Situation nicht, dass ich gerade zum ersten Mal in meinem Leben Giraffen in freier Wildbahn gesehen hatte. Nach knapp vier Stunden Fahrt (und einigen Fotos) erreichten wir schließlich den See.

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Es war auf den ersten Blick überraschend wenig Wasser im See. Erst als wir ein wenig weiter fuhren – vorbei an einer riesigen Fabrik und den angrenzenden Wohnkomplexen – wurde uns die Größe des gesamten Sees bewusst. Zu Beginn des Sees war das Wasser rötlich gefärbt. Der Guide erzählte uns, dass der Grund dafür Chemikalien seien, die ins Wasser gegeben werden, um das Salz besser abbauen zu können. Später gab es dann recht klares Wasser, worin sich tausende Flamingos aufhielten. Es war ein beeindruckendes Bild. Der See, die Vögel und die unendliche Weite. Ein Gefühl der Freiheit stieg in mir auf. Und dann machte es „Zzzzzz“ und der Bus wurde langsamer. Wenig später wurde uns klar, dass ein Reifen Luft verlor. Kein Grund zur Verzweiflung, denn an diesem Ort ließ es sich wirklich aushalten. So stiegen wir aus, machten Fotos und bewunderten die Umgebung. Die Guides hatten sich wohl als Ziel gesetzt, die Zeit zu überbrücken, denn sie forderten uns auf, uns in einen Kreis zu stellen. Es folgte eine kleine Vorstellungsrunde, wo wir unsere überaus offenen und netten Mitreisenden kennen lernten. Im Anschluss verkündete der Guide, dass wir nun ein paar „Aufwärmübungen“ machen würden. Aufwärmübungen bei 35 Grad?! Die Situation war an Absurdität kaum zu übertreffen, aber die Stimmung war trotz der Temperatur und der prallen Sonne super! Kurz darauf stiegen wir dann auf einen kleinen Hügel, von wo man eine fantastische Sicht auf den See und die Umgebung hatte. Es war einfach wunderschön!

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Den nächsten Stopp gab es an einer Stelle, wo heiße Quellen aus dem Boden brodelten. Wer wollte, konnte dort auch baden gehen. Mir persönlich war es aber viel zu heiß, ich konnte nicht mal ohne Schuhe auf dem Boden stehen, so aufgeheitzt war dieser von der Sonne. Das Wasser war auch locker über vierzig Grad heiß. An den Quellen hielten sich zudem einige Massai auf, die den Besuchern bunte Armbänder und Ketten verkauften.

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Um halb fünf fuhr der Bus dann weiter zum „Mittagessen“, bzw. war das der Plan, der allerdings durch eine weitere Reifenpanne zunichte gemacht wurde. Während ich das Wort „planmäßig“ endgültig aus meinem Wortschatz strich, legten wir also eine kleine Strecke zu Fuß zurück, ehe uns dann ein anderer (viel kleinerer) Bus entgegen kam. Also, alle rein und ab zum „Hotel“, wo einige sich Pommes und Hähnchen gönnten. Ich freute mich aber viel mehr über den Pool, den es dort gab. So eine Abkühlung tat bei den heißen Temperaturen echt gut!

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Um 18 Uhr machte sich der Bus dann wieder auf den Heimweg. Ich hatte mich gerade auf ein bisschen Ruhe und vielleicht sogar ein wenig Schlaf gefreut (denn draußen wurde es schon dunkel), als der hochmotivierte Guide verkündete „The fun isn’t over yet“. Die Musik wurde aufgedreht und einige Leute standen auf und fingen an zu tanzen. Die Stimmung war super! Wenig später holte ein Guide eine Torte hervor und wir sangen gemeinsam für eine Teilnehmerin, die bei der Vorstellungsrunde verkündet hatte, das heute ihr Geburtstag sei. Eine gelungene Überraschung und eine sehr leckere Torte. 😀

Nachdem wir dann gegen 22:30 Uhr (geplant war übrigens 18:00 Uhr) wieder in der Wohnung waren, kamen noch zwei weitere Französinnen, die in Nairobi arbeiten, dazu und wir ließen wir den Abend gemütlich ausklingen. Ein sehr schöner Tag ging zu Ende.

Am Sonntagmorgen wurde dann erstmal ausgeschlafen. Wir frühstückten gemeinsam, gingen noch ein wenig Einkaufen und in einen Bücherladen, bevor es für mich dann zurück nach Meru ging. Mit frischen Mandazi und einem überaus bequemen Sitz ließ sich die Fahrt – trotz der Enge und vieler Speed Bumps – doch ganz gut ertragen.

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Nun bin ich wieder „Zuhause“ und freue mich auf die kommende Woche, in der auch die ersten Deutschprüfungen der Form 3 anstehen werden.

Kleine Anmerkung: Ihr habt euch wahrscheinlich gefragt, warum ich den Artikel erst jetzt veröffentliche. Seit Anfang Oktober hatte ich hier in der Schule kein Internet mehr. Aber nun funktioniert es wieder (mal mehr, mal weniger), sodass ich euch wieder auf dem Laufenden halten kann.

Liebe Grüße, eure Lara 🙂

1 Kommentar

  1. Sehr sehr schön..Es sieht aus,als ob du viel spass gehabt hast.
    BITTE schreib mehr!!Wie du alles beschreibst,fuehle ich mich als ob ich schon da gewesen bin.

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