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Mein Wochenende

Nachdem ich den Schülerinnen am Freitag im Nachmittagsunterricht anhand des geplanten Marktbesuches noch erklärt habe, was das Wort „Vorhaben“ bedeutet, war es um halb vier dann endlich so weit: Emmah, eine weitere Lehrerin (Emmahs beste Freundin) und ich packten unsere Sachen, tranken den letzten Chai-Tee aus und machten uns mit dem Taxi auf den Weg nach Meru.

 

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Unser erster Stopp hieß „Nakumatt“. Der „Nakumatt“ ist ein internationaler Supermarkt, wo man wirklich alles kaufen kann: von Früchten, über Nutella (wenn auch recht teuer) bis hin zu verschiedener Kleidung, Elektrogeräten oder Kinderspielzeug. Dort habe ich mir bei dem super warmen Wetter dann erst einmal ein Eis gegönnt. Ich muss echt sagen, das deutsche Eis fehlt mir schon ein bisschen! 😀 Im Nakumatt findet man aber eher wenige Leute im Vergleich zu gewöhnlichen, kleineren Supermärkten, da dort alles doch etwas teurer ist.

Danach haben Emmah und Evelyn (die andere Lehrerin) mir das Post Office gezeigt. Wenn ich mal Zeit habe, werde ich von dort auch mal den ein oder anderen Brief verschicken. Für die, die es interessiert: Ein Brief von Kenia nach Deutschland kostet normalerweise 105 KES, also umgerechnet etwa einen Euro, was ich echt günstig finde. Wenn man ihn eintragen lässt und somit Gewissheit hat, dass er auch ankommt, kostet das etwa 1,65€.

Wenige Zeit später erreichten wir eine sehr schmale, überdachte Gasse, wo Emmah und Evelyn einen Taschen- und Schuhladen ansteuerten. Nach einem netten Gespräch mit der Verkäuferin und einigem Hin-und Her kaufte sich Emmah dort eine schöne neue Tasche.

 

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Und dann ging es weiter Richtung Markt. Schon von weitem konnte ich die vielen bunten Stände und die Menschenmassen sehen. Es war unglaublich beeindruckend. Aus allen Ecken kamen unterschiedliche Geräusche, es lief Musik, einige Leute tanzten, andere versuchten mit Autos und Boda Bodas durch die Menge zu fahren und wieder andere unterhielten sich mit Freunden oder erledigten den Wocheneinkauf. Kurzum, es war ein ziemliches Durcheinander, aber für mich war es ein tolles Erlebnis. Nachdem wir ein bisschen weiter gelaufen sind und den Flohmarkt hinter uns gelassen hatten, kamen wir dann zum Obst- und Gemüsemarkt. Dieser war zum Teil überdacht und es gab sehr viele Händler, die ihre Ware auf dem Boden ausgebreitet hatten. Von Tomaten, Ananas, Melonen, Zwiebeln, Paprika, Spinat und Bananen bis hin zu verschiedensten Nüssen, Kernen und Gewürzen war einfach alles zu finden. Es war echt erstaunlich und einige Früchte, die dort verkauft wurden, hatte ich zuvor noch nie gesehen. Mit zwei Wassermelonen, vier Ananas, einem guten Bund Bananen und vielen neuen Eindrücken in der Tasche verabschiedete ich mich schließlich vom Markt. Ich bin sicher, dass es – trotz der Menschenmassen und zahlreicher „Mzungu“-Rufe – nicht mein letzter Marktbesuch gewesen ist.

Emmah, Evelyn und ich ließen den Abend dann gemütlich in einem kleinen Hotelrestaurant ausklingen, wo sich die beiden einen Kaffee mit Samosas (mit Beef gefüllte Teigtaschen) bestellen. Ich trank einen frisch gepressten Ananassaft und aß Mandazi (die sind geschmacklich etwas mit den deutschen Quarkbällchen zu vergleichen).

 

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Danach ging es im überfüllten Taxi wieder zurück zur Kaaga Girls‘ High School. Es war ein unglaublich schöner Tag mit vielen neuen Eindrücken!

Am Samstag habe ich dann endlich mal wieder ausgeschlafen, habe ausgiebig gefrühstückt und mich dann nochmal alleine auf den Weg nach Meru gemacht, um die Stadt weiter zu erkunden. Nachdem ich in unterschiedlichen Läden noch die ein oder andere Sache (zum Beispiel ein Springseil und Erdbeermarmelade) gekauft hatte, fragte ich mich unterwegs durch bis ich schließlich vor der „Kenya National Library“stand. Ich ging herein und fragte nach, ob es möglich ist, dort Bücher auszuleihen (da mein E-Book Reader ja leider auch gestohlen wurde). Die Mitarbeiter waren sehr freundlich und ich bekam sogar eine kleine Führung durch die Bibliothek und anschließend einen Mitgliedsausweis, mit dem ich jetzt für sehr wenig Geld Bücher ausleihen kann. Schließlich habe ich in der Bibliothek sogar noch eine Lehrerin aus Kaaga getroffen, was sehr witzig war.

Danach machte ich mich wieder auf den Weg nach Hause: meine erste eigene Taxifahrt. Hier in Meru ist es eher untypisch sich ein Taxi zu rufen, wie man es in Deutschland machen würde, denn Taxis zählen zu den ganz normalen Fortbewegungsmitteln und fahren überall in der Stadt rum. Jedes Mal, wenn ein Taxifahrer einen potentiellen Fahrgast auf der Straße sieht, wird gehupt und man muss das Taxi dann lediglich heranwinken und sich vergewissern, dass das eigene Ziel auf der Route des Fahrers liegt, denn alleine fahren die meisten Menschen nicht; das wäre viel teurer. So bezahlt man umgerechnet weniger als 50 Cent für die ca. 5km lange Strecke. Das klingt alles ganz einfach, aber es war für mich (als Leihe) gar nicht so leicht genau das Taxi heranzuwinken, in dem ich nicht alleine fahren würde, das zur Kaaga Schule fährt und zudem noch einen recht verkehrstüchtigen Eindruck auf mich macht. Aber letztendlich habe ich doch eins gefunden und dem freundlichen Fahrer sogar ein kleines bisschen Trinkgeld gegeben.

Zuhause angekommen, bemerkte ich im Garten zwei große Zelte, eine ganze Menge Stühle und Musikboxen. Die Tochter meiner Nachbarin hat ihren Uniabschluss geschafft und das wurde groß gefeiert. Auch alle Lehrer waren eingeladen. Es war sehr interessant! Zu Beginn gab es einige Reden und dann wurde das üppige Buffet eröffnet. Die Speisen hat man sich allerdings nicht selbst genommen, was dazu führte, dass ich nachher pappsatt den nächsten Reden zuhörte, die teils auf Englisch, Kiswahili und Kimeru, der lokalen Sprache, gehalten wurden. Anschließend wurde es dann etwas aktiver. Alle erhoben sich von ihren Plätzen, gingen nach vorne und es wurde gemeinsam im Kreis gesungen und getanzt. Die Graduentin (sagt man das so?) und ihre Eltern waren im Kreis, wie auch eine Frau, die die Vorsängerin übernahm. Es war mehr oder weniger ein Call and Response Gesang und klang echt gut, auch wenn ich von dem eigentlichen Text nichts verstand. Dann wurde unter tösendem Beifall der Kuchen angeschnitten und weiter getanzt und sich unterhalten.

Am Abend stand schließlich noch der Entertainment Abend in der Schule an. Dieser findet alle zwei Wochen am Samstagabend statt und die Schülerinnen haben die Möglichkeit, entweder einen Film zu schauen oder tanzen zu gehen. Einige haben stattdessen auch Kirchenlieder gesungen und „den Herrn gepriesen“, wie es mir eine Schülerin aus Form 4 erklärte. Und zwar so laut, dass man von dem (Horror-)Film kaum noch etwas verstehen konnte. Trotzdem hat es Spaß gemacht, gemeinsam mit so vielen Schülerinnen auf einem kleinen Fernsehbildschirm eine DVD zu schauen!

Wie man dem letzten Absatz oder auch meinem letzten Eintrag schon entnehmen kann, wird hier sehr viel Wert auf Religion gelegt. Auf dem Schulgelände gibt es immer wieder Schilder mit Aufschriften wie „Themen Lord is our strength“, sodass der Glaube auch im Alltag immer wieder präsent ist. Und am Sonntag gehen dann alle Schülerinnen zur „Church“. Während der Gottesdienst der Muslime und der protestantischen Christen in der Schule stattfindet, gehen die Katholiken herüber zur Meru School (die Jungenschule nebenan), um die Messe dort gemeinsam mit den Jungs zu feiern. So machte auch ich mich am frühen Sonntagmorgen mit einigen Schülerinnen aus Form 4 auf den Weg zur Meru School, wo ich einige irritierte Blicke der Jungs erntete. Kurze Zeit später erreichten wir die große Halle, in der die Messe stattfinden sollte. Sie war riesig. Die Meru School hat etwa 1200 Schüler, wovon aber auch nicht alle katholisch sind. In der Kirche sitzen die Schülerinnen und Schüler getrennt. Auf der linken Seite alle Mädchen aus Kaaga und der Chor, auf der rechten Seite alle Jungs der Meru School. Dazwischen mischten sich auch ein paar Grundschullehramt Studenten des Meru Teacher College’s (ihr merkt es schon, die Region ist ein Ausbildungszentrum). Die Messe war vom Ablauf her ähnlich wie unsere in Deutschland, mit dem Unterschied, dass jeder zur Kollekte nach vorne gegangen ist, anstatt einen Korb durchzureichen. Bei ca. 800 Menschen eine logistische Meisterleistung! 😀 Ein weiterer Unterschied ist, dass der Gesang sehr viel fröhlicher ist als in Deutschland und irgendwie Lebensfreude vermittelt. Es wird laut (und auswendig!) gesungen und dazu geklatscht und auch ein bisschen getanzt. Die Messe dauerte knapp zwei Stunden, die mir aber sehr kurz vorkamen. Im Anschluss an die Messe fand noch eine kleine „Tutorenernennung“ statt, da einige der vorherigen Gruppenleiter nun bald ihren Abschluss machen. Das war echt interessant!

Nach dem Gottesdienst ruhte ich mich erst einmal ein wenig aus und ging dann Richtung Schule zum Mittagessen. Auf dem Weg fing mich eine Deutschschülerin aus Form 4 ab und fragte mich, ob ich nicht nach dem Essen noch ein wenig die deutsche Aussprache mit ihr üben kann. So setzen wir uns in die Sonne und unterhielten uns gut zwei Stunden lang über Gott und die Welt. Ich erfuhr einige interessante Dinge über Kenia und das Schulsystem und erzählte ihr von Deutschland und auch vom Studium in Deutschland, da sie nach ihrem Abschluss gerne in Deutschland studieren möchte. Das war sehr schön!

 

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Am Abend stand dann die Wäsche an. Ich wasche hier von Hand und diesmal auch mit kaltem Wasser, da ich Samstag gar kein Wasser und Sonntag dann nur Kaltes hatte. Aber was soll’s, mit der Geschichte des Sofa-Boda Boda’s (aus dem Eintrag: „Auf geht’s nach Meru!“) im Hinterkopf denke ich mir „Nichts ist unmöglich“ und fange an zu waschen. Es war doch recht anstrengend, aber schließlich war ich sehr froh, als ich alles fertig hatte. Zur Belohnung gönnte ich mir dann gemeinsam mit meinen „Mitbewohnern“ aus der Wohnung hinter mir eine der Wassermelonen vom Markt! Das war sehr lecker und ein toller Ausklang meines ereignisreichen Wochenendes!

 

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Liebe Grüße,
eure Lara 🙂

1 Kommentar

  1. Es tut mir echt Leid, dass du deine Waesche selber mit kaltem Wasser waschen musst.Mach dir kein Sorgen meine Liebe. 😀

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