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Time to say goodbye…

So wirklich realisieren kann ich es noch nicht. Der Abschied steht an.

Der Abschied von meinen Schülerinnen, mit denen ich so viele schöne, lustige und manchmal auch anstrengende Stunden verbracht habe. Die immer offen zu mir waren und mir eine Menge geholfen haben. Ich hoffe, dass ich auch dazu beigetragen habe, ihren Horizont ein wenig zu erweitern und dass doch das ein oder andere deutsche Wort hängen geblieben ist. Was fest steht: Ich werde sie nie vergessen können. Nicht nur die Unterschriften und lieben Worte auf meiner Kenia-Flagge werden mich ewig an sie erinnern. Die Zeit an der Kaaga Girls‘ High School hat mich geprägt. Ich habe ein Schulsystem kennen gelernt, dass sich – vor allem in Bezug auf einige Prinzipien und Sichtweisen – sehr stark vom Deutschen unterscheidet. Ein System, das ich ziemlich hart finde und Schülerinnen, die eine ganze Menge über sich ergehen lassen müssen. Und dennoch habe ich immer wieder ihre Willensstärke, ihr Durchhaltevermögen und ihre Loyalität bewundert.

Form 1

Form 2

Form 3

Form 4 (nicht vollständig)

Aber auch ein Abschied von den LehrerInnen. Von Emmah, die sechs Monate meine „zweite Mama“ war und mich jederzeit unterstützt hat, mir alles Mögliche erklärt hat und einfach immer da war. Von Serah, der Küchenchefin, die immer ein paar liebe Worte parat hatte und es stets gut mit mir meinte (was das Essen angeht, vielleicht manchmal ein bisschen zu gut :D). Vom sonstigen Personal, das auf mein „Hello“ jeden Tag mit einem fröhlichen „Nzuri“ geantwortet hat und maßgeblich dazu beiträgt, dass die Schule das ist, was sie ist.

Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auf der einen Seite ist da der Abschiedsschmerz. Es ist traurig, eine Umgebung zu verlassen, die mir in einem halben Jahr jeden Tag ein wenig vertrauter geworden ist und sich mittlerweile sogar ein bisschen nach „Heimat“ anfühlt. Meine Wohnung, die Lehrersiedlung und die Stadt Meru, auch wenn ich lange noch nicht jede ihrer kleinen Gassen erkundet habe. Auf der anderen Seite freue ich mich aber auch, bald wieder in Deutschland zu sein, meine Familie und meine Freunde wieder zu sehen und einfach mal wieder nicht aufzufallen.

Und dann ist da noch die Dankbarkeit. Ich bin unendlich dankbar! Dafür, dass ich das Privileg hatte, an „kulturweit“ teilzunehmen. Für die Seminare mit unglaublich viel Input und für das kritische Denken, das ich dadurch gelernt habe. Für alle wertvollen Erfahrungen, die ich hier machen durfte, die mich persönlich wirklich weiter gebracht haben. Dafür, dass ich hier so freundlich empfangen wurde und in kritischen Situationen immer liebe Menschen an meiner Seite waren, die mich unterstützt haben. Auf diesem Blog habe ich meist nur über positive Erfahrungen und Erlebnisse berichtet. Und in der Tat, mein Freiwilligendienst war überwiegend von Freude gefüllt und eine Menge erlebt habe ich auch. Allerdings gab es natürlich auch mal Momente, die mich traurig oder sogar wütend gemacht haben. Vor allem waren das die Momente, in denen ich gemerkt habe, dass ich eben doch nicht zu 100% Prozent dazugehöre, auch wenn es sich manchmal so angefühlt hat. Zum Beispiel, wenn ich im Taxi oder auf dem Markt mehr bezahlen sollte, mein Gepäck extra berechnet werden sollte oder meine Hautfarbe automatisch mit Geld gleichgesetzt wurde. Sätze wie „I love you, because you have money.“ oder „Mzungu, be my sponsor!“ haben mich wirklich verletzt. Auf der anderen Seite gab es dann aber auch Situationen, wo ich die Großherzigkeit und Lebensfreude der Kenianer kennen lernen durfte. Als Emmahs Tochter krank war, sind alle LehrerInnen zu ihr nach Hause gekommen, um für sie zu beten und zu singen. Auch über den fröhlichen und lebhaften Gottesdienst habe ich schon öfters berichtet. Und feiern (und tanzen) können die Kenianer auch, das steht auf jeden Fall fest! 😀

Morgen werde ich meine Koffer packen und nach Nairobi fahren. Vier Tage später geht dann mein Flug Richtung Deutschland, wo mein Freiwilligendienst offiziell mit dem Rückkehrer-Seminar enden wird. Die nächste Freiwillige steht schon in den Startlöchern.

Bye bye, Meru! Kwaheri Kaaga! Danke an alle, die Kaaga für mich zu einem Zuhause gemacht haben! Nitawamiss! Ich werde euch vermissen!

Liebe Grüße, eure Lara 🙂

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„Sina matata!“ – Meine Schwester zu Besuch in Meru

„Wow, you look so alike!“ – Diesen Satz habe ich in der letzten Zeit ziemlich oft gehört. Kein Wunder, schließlich war meine Zwillingsschwester Sina hier in Meru zu Besuch. Nachdem ich sie Ende Oktober in ihrem Parish in Sega besucht hatte, wollte sie sich nun auch meine Einsatzstelle anschauen. Es war eine wunderschöne Zeit! Statt vielen Worten möchte ich hier vor allem Bilder sprechen lassen!

Gemeinsam besuchten wir die kleine Stadt Maua, die nördlich von Meru liegt.

In Maua reichen die Teefelder bis an den Stadtrand. Bei einem kleinen Spaziergang auf einen Hügel schauten wir uns diese aus der Nähe an.

Zurück in Meru stärkten wir uns – typisch deutsch – mit Nudeln und Tomatensoße.

Es folgte ein kleiner, aber feiner Spaziergang durch Meru.

Ein Stopp war unter anderem die St. Josephs Cathedral, die wir diesmal auch von innen ansehen durften. Eine schöne Kirche!

Anschließend fand im „Blend“ (eine Bar in Makutano) ein Karaoke-Abend statt. Gegen die Kenianer hatten wir natürlich keine Chance, aber lustig war es allemal!

Am Freitag wanderten wir gemeinsam mit Norah und ein paar Freunden zu den Wasserfällen in Meru. Ein sehr schöner Tag!

Die Hunde Runny und Futsch sind mit dabei!

Abends gönnten wir uns eine super leckere Pizza in Makutano.

Obligatorische Kenia-Freundschaftsbändchen 😀

Am Samstag folgte dann das „Highlight“ von Sinas Besuch bei mir in Meru. Früh morgens machten wir uns mit 8 super netten Kenianern und Kenianerinnen auf den Weg zum Meru Nationalpark. Sowohl die Tiere, als auch die abwechselungsreiche Landschaft waren einfach nur beeindruckend!

Fotostop am „Hippopool“! 😀

Ein Fischadler (?) genießt seine Mahlzeit.

Am Sonntag war die Zeit mit meiner Schwester dann auch schon wieder vorbei.

Danke für die schönen Tage, Sina! Ich wünsche dir alles Gute für deine restliche Zeit in Kenia und freue mich, dich dann im August in Deutschland wiederzusehen! Hab dich lieb! 🙂

Lg Lara

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Schnee am Äquator?!

Schnee am Äquator? Oder doch nur eine optische Täuschung? Diese Frage stellte sich bereits der deutsche Missionar und Afrikaforscher Dr. Johann Ludwig Krapf, als er 1949 als erster Europäer den Mount Kenya bestieg. Seine Botschaft vom Schnee am Äquator stieß damals auf großes Misstrauen. – Auch heute noch???

Wie heißt es so schön: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Also nichts wie hoch da! Na gut, so schnell geht es nun auch wieder nicht. Immerhin ist der Berg ganze 5199 Meter hoch. Der dritthöchste Gipfel, der Point Lenana (4985m), ist im Gegensatz zum technisch anspruchsvollen Batian (5199m) und dem Nelion (5189m) auch für einigermaßen fitte Wanderer zugänglich und sollte somit unser Ziel sein.

Doch zunächst ist eine ausreichende Aklimatisierung erforderlich, um die Höhenkrankheit alias „Mountain Madness“, zu verhindern. So traf ich mich am 26. Januar mit Anne (einer Mitbewohnerin von Chris und Inken), ihrem Kumpel Danny und einem Guide in Nanyuki. Nach einem Besuch im „Nyama Choma“ (Gegrilltes Fleisch) Restaurant machten wir uns also gestärkt auf den Weg zu der berühmten Mau Mau Höhle, die wir nach gut zwei Stunden „Spaziergang“ auch erreichten. Hier hatten sich die kenianischen Freiheitskämpfer „Mau Mau“ während des Krieges um die Unabhängigkeit von den Briten (1952-1960) versteckt. Unser Guide erzählte uns, dass „Mau Mau“ keine kenianische Volksgruppe, sondern eine Abkürzung für „Mzungu Aende Ulaya, Mwafrika Apate Uhuru“ ist, was auf Deutsch soviel bedeutet wie „Lasst die Europäer zurück in ihre Länder gehen, lasst die Afrikaner ihre Unabhängigkeit zurückgewinnen!“. Im Jahre 1959 wurde die Höhle allerdings entdeckt und zerbombt. Daher sind heute nur noch die Überreste zu sehen.

Zurück in Nanyuki aßen wir – unter bettelnden Blicken zweier Katzen – zu Abend, genossen eine (wie sich herausstellte, vorübergehend letzte) Dusche und schliefen schnell ein.

Am nächsten Tag packte ich dann voller Motivation meine Sachen zusammen, frühstückte und schon brachte uns ein Matatu zum Gate. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass wir über die Naro Moru Route aufsteigen, aber hier wird der Plan – wie ich mittlerweile zu genüge festgestellt habe – gerne mal geändert. So folgten wir schließlich der Simion Route über einen breiten Weg bis hin zu unserer ersten Unterkunft auf etwa 3300m. Dort angekommen staunten wir nicht schlecht, wie kalt es schon geworden war, und zogen uns erst einmal in unsere Schlafsäcke zurück. Als ich mich nach einiger Zeit und Überwindung wieder aus dem Schlafsack herausgeschält hatte, konnte ich draußen sogar ein paar Steinbock-artige Tiere beobachten. Auch der Blick auf Nanyuki war echt beeindruckend. Nach einem leckeren Abendessen (Fisch, frittierte Kartoffeln und Gemüse) kamen schließlich noch die Spielkarten auf den Tisch. Das Kartentauschen beim allbekannten Spiel „Arschloch“ wurde hier allerdings ein wenig kenianischer interpretiert. So gab es vor jeder Runde ein saftiges Feilschen um die besten Karten, was zwar nicht regelkonform, aber auf jeden Fall ziemlich witzig war.

Nachdem der Freitag noch ziemlich „entspannt“ war, ging es am Samstag nach dem Frühstück schon etwas mehr zur Sache. Es galt 900 sehr ehrliche Höhenmeter zu überwinden. Ehrlich deshalb, weil es auch immer wieder runter ging, sodass sich die Höhenmeter eigentlich summierten. Dafür entschädigte aber der wunderbare Blick, den wir (fast die ganze Zeit) ins Tal und auf Nanyuki hatten. Den ersten Teil des Weges liefen wir – zu meiner Verwunderung – schon über gefrorenen Boden. Auch nachher war der Berg gewollt, uns einmal seine gesamte Wetterpalette zu präsentieren. Von Sonnenschein, über Wind und Nebel bis hin zu Regen und sogar Hagel, war wirklich alles dabei! Nur von Schnee noch keine Spur. Nachdem wir einen schönen Aussichtspunkt erreicht hatten und einige Fotos mehr auf der Kamera waren, begann nun ein weniger steiler Aufstieg innerhalb einer Schlucht. Dort fiel mir vor allem die außergewöhnliche Vegetation auf. So etwas hatte ich wirklich noch nie gesehen!

Und so liefen wir weiter und weiter und nach einem steilen Schlussaufstieg sahen wir schließlich unser Nachtlager. Na gut, „Nacht“ ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Nach einem sehr guten Abendessen legten wir nur noch schnell unsere Sachen zusammen und gingen dann ins Bett, weil schon um 2:30 Uhr wieder der Wecker klingeln sollte. Wirklich erholsam war die „Bettruhe“ nicht. Ob das nun an der Höhe (wir waren immerhin schon auf 4200m), der Kälte oder an etwa 20 schnarchenden, verschnupften Zimmergenossen lag, kann ich nicht genau sagen. Wahrscheinlich war die Gesamtkombination einfach nicht die Beste! 😀So stiegen wir um halb drei – mehr oder weniger fit – aus den Stockbetten und zogen uns an. Anschließend genossen wir einen warmen Tee und ein paar Kekse, die es doch irgendwie schafften, meine Müdigkeit zu besiegen. Und dann begann der Nachtaufstieg! Ausgerüstet mit Kopflampe und warmen Klamotten nahmen wir die letzten recht steilen 800 Höhenmeter in Angriff. Im Schneckentempo kamen wir der 5000 Meter Grenze immer näher. Das letzte Stück enthielt sogar ein bisschen leichte Felskletterei. Dennoch war es ziemlich anstrengend, denn die Höhe ist auf keinen Fall zu unterschätzen. Auf 5000m ist der Luftdruck schließlich nur noch etwa halb so hoch wie auf Meereshöhe. Völlig fertig, aber überglücklich erreichten wir kurz vor Sonnenaufgang den Gipfel. Es war ein überragendes Gefühl und der Blick war einfach der Hammer! Und nun konnten wir auch mit Sicherheit bestätigen: Ja, hier oben gibt es wirklich Schnee und ja, es ist auch zieeeemlich kalt! 😀 Daher setzte ich ich oben schnell in den Windschatten eines großen Felses und sah der Sonne zu, wie sie sich langsam ihren Weg gen Himmel bahnte. Einfach wunderschön!

Anschließend machten wir noch einige Fotos und genossen die Aussicht, bis sich unsere (kalten) Zehen irgendwann meldeten und uns den Rückweg antreten ließen. Diesen kann ich ganz gut mit dem Wort „slippery“ beschreiben. Der Schnee war inzwischen durch die Sonne ein wenig angetaut, sodass der Abstieg zu einer wahren Rutschpartie wurde. Etwas weiter unten wurde der Schnee dann durch einen echt seltsamen Untergrund ersetzt. Es war quasi eine Sammlung unendlich vieler kleiner vom Boden hochwachsender Eiszapfen. Ich hätte nie gedacht, dass so eine Art „3D-Frost“ überhaupt existiert! Aber der Berg hat mich eines Besseren belehrt…

Und dann gab es endlich ein richtiges Frühstück. Die Anstrengung und das frühe Aufstehen hatten mich unglaublich hungrig gemacht. Als der größte Hunger gestillt war, wollte ich eigentlich nur noch schlafen. Nix da! Es standen noch fünf Stunden und über 2000 Meter Abstieg bis zum nächsten Nachtlager an. Das war echt hart! Auf der Suche nach unserer Motivation wanderten wir also weiter und weiter. Über diese Seite des Berges (wir waren nun auf der Chogoria Route) sagt man, dass sie irgendwie ein bisschen schottisch aussieht. Es gab viele kleine Seen und grasbewachsene „Klippen“. Der aufziehende Nebel gab dem Ganzen etwas Magisches.

Vollkommen erschöpft und am Ende unserer Kräfte kamen wir schließlich zu einem kleinen Campingplatz, wo uns unser Mittagessen erwartete. Dieses tat unglaublich gut und gab mir die Engergie, die ich für die letzten knapp zwei Stunden Wanderung nur zu gut gebrauchen konnte. Der letzte Teil des Weges führte uns nun durch einen schönen Wald, da wir mittlerweile wieder unterhalb der Baumgrenze (auf etwa 3000m) waren. Es sah wirklich schön aus, aber letztendlich freute ich mich kurz darauf einfach nur, als wir nach 13 Stunden unterwegs endlich im Nachtlager angekommen waren. Und das war noch nicht alles! Dieses Camp hatte sogar eine warme Dusche. Auf diese hatten wir die letzten Tage verzichten müssen, sodass die Freude umso größer war.

Am nächsten Tag liefen wir dann noch das kurze Reststück bis zum Parkgate und wurden dort von einem Matatu abgeholt. Nach einem Abschlussfrühstück in Chogoria machte ich mich glücklich und zufrieden wieder auf den Weg zurück nach Meru. Es war eine unglaublich schöne und interessante Zeit! Danke dafür! An Anne und Danny natürlich auch vielen lieben Dank für die tollen Fotos!

LG eure Lara 🙂

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Neuigkeiten aus Meru

Schon Februar! Ich möchte es noch gar nicht so richtig glauben. Der Januar ging einfach unglaublich schnell vorbei! So schnell, dass ich sogar mit dem Blogschreiben gar nicht mehr hinterher gekommen bin. Hier also ein kleiner Überblick über meinen Januar.

Dieser begann mit meiner Rückkehr nach Meru. Einerseits ein seltsames Gefühl, wieder so ganz auf sich selbst gestellt zu sein, nachdem ich in Nairobi quasi 24/7 andere Europäer bzw. Deutsche um mich hatte. Andererseits war es sehr schön zu merken, dass es sich doch ein wenig wie ein „Nach-Hause-kommen“ anfühlte. Da es direkt von Anfang an wieder eine Menge Arbeit gab, fiel mir das erneute Einleben allerdings keinesfallls schwer. Konferenzen standen an, Bücher wurden verteilt, die neuen Form 1 Schülerinnen wurden empfangen und schon zu Beginn des Schuljahres gab es sogenannte „Opening Exams“, bei deren Erstellung und Korrektur ich viel eingebunden war.

Außerdem traf ich Norah wieder (was jetzt auch endlich außerhalb der Schule möglich ist, da sie ja im Dezember die Sekundarschule beendet hat). Wir gingen zusammen durch Meru und setzen uns in den Park, wo wir uns eine Cola gönnten.

Am Samstag lud Norah mich dann zu sich nach Hause ein. Wir besuchten ihre Mutter, die als Schneiderin in Nkubu arbeitet. Sie möchte mir aus meinem Stoff auch ein Kleid und einen Rock nähen! Anschließend spazierten wir noch ein bisschen durch die Stadt, tranken „Maziwa mala“ (frischen, unbehandelten Joghurt) und machten uns dann auf den Weg zu dem Bauernhof, wo Norah wohnt. Während sie mir die Kühe, Schafe, Ziegen, Schweine, Hühner, Hunde und Kaninchen zeigte, lernte ich auch ihren Vater, den Onkel und die Großeltern kennen. Alle waren sehr sehr freundlich. Danach ging es – gemeinsam mit Norahs Schwester – ans Chapati kochen! Während der Teig ruhte, versuchte ich mich außerdem beim Melken. Das war sehr interessant! Nach dem Essen nahm ich ein Matatu zurück nach Meru. Es war ein sehr schöner Tag!

Nkubu von oben!

Maziwa mala – Lecker!

Bohnen in Norah’s Garten!

Chapati kochen – über dem Feuer!

Das Endergebnis!

Am Sonntag machte ich dann einen kleinen Ausflug nach Isiolo, eine Stadt in der Nähe, in der besonders viele Somalis leben. Auch wenn Isiolo nur etwa anderthalb Stunden nördlich von Meru liegt, ist das Klima schon um einiges schwüler. In der Stadt an sich gab es allerdings außer einer Moschee und einer Kirche, wo ich den Gottesdienst besuchte, nicht besonders viel zu sehen. So fuhr ich nach einem leckeren Mittagessen auch schon wieder zurück nach Hause.

Am 21. Januar stand dann eine Hiking Tour zum Nkunga Lake an. Nach dem Frühstuck traf ich mich mit Norah, Eva, Faith, Ian und Spencer in der Stadt, von wo wir uns – nach einem kleinen Einkauf – ein Taxi zum Imenti North Forrest teilten. Dort angekommen führte uns ein ziemlich verlassener und teils sehr rutschiger Weg bis hin zu einem Krater im Wald, wo sich der Nkunga Lake gebildet hatte. Dort ruhten wir uns ein wenig aus. Anschließend ging es „immer der Nase nach“ querfeldein weiter, bis wir am Kraterrand wieder auf einen Weg stießen. Die Aussicht war sagenhaft. Und so „irrten“ wir immer weiter durch den Wald bis wir nach einem „Wow, now we’re officially lost!“ versuchten, wieder den Rückweg anzutreten, was uns nach einiger Zeit auch gelang. Anschließend entspannten wir uns noch ein wenig am See und stiegen dann ins Taxi zurück nach Meru. Auf dem Weg sahen wir sogar einige Elefanten, die vor uns die Straße querten! Ein wunderschöner Ausflug!

von links: Norah, Ian, Faith, ich, Spencer und Eva

querfeldein 😀

Wer genau hinschaut, kann die Elefanten entdecken!

Die nächsten Tage verbrachte ich dann leider – mehr oder weniger – im Bett, da ich es (fragt mich nicht, wie) geschafft hatte, mir bei 25 Grad eine Erkältung einzufangen. Daher schonte ich mich so gut wie möglich, um am 26. Januar wieder fit zu sein. Wieso? Das erfahrt ihr in meinem nächsten Eintrag!

Lg eure Lara 🙂

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„Geh doch dahin, wo der Pfeffer wächst!“

Die Wohnung ist leer, der Kühlschrank ebenfalls. Wieder ein Abschied und damit der Beginn von etwas Neuem. Um elf Uhr, nach einem ausgiebigen Nudelauflauf Frühstück, machte ich mich gestärkt auf den Weg zum Jomo Kenyatta Airport. Natürlich viel zu früh, da mein Flug nach Daressalam schließlich erst um 15:25 Uhr gehen sollte. Aber wie auch immer, jedenfalls traf ich dort schon auf Jana, die aus Kampala angereist war und es blieb noch ein wenig Zeit für ein kleines Nickerchen. Die Flugzeit reichte gerade mal für einen kleinen Snack und einen flüchtigen Blick auf den Kilimanjaro und um 16:40 Uhr konnte ich schließlich auf die ersten Häuser von Daressalam hinunterblicken. Nicht mal 10 Minuten später hatte ich wieder festen Boden unter den Füßen.

Am Flughafen trafen wir dann auf Lena (aus Ruanda) und warteten gemeinsam auf unser Visum. Dessen Vergabe erinnerte mich irgendwie ein wenig an das Austeilen von Klassenarbeiten, da ein Mitarbeiter des Airports alle paar Minuten mit einem Packen von Reisepässen in der Wartehalle erschien und die Namen der Reisenden – mal mehr, mal weniger verständlich – aufrief. Doch auch diese Hürde war bald geschafft, sodass wir uns den Weg zum Ausgang bahnten, wo Timo (aus Äthiopien) bereits auf uns wartete.
Kurze Zeit später hielt unser Taxi dann vor dem Safari Inn Hotel, dass, wie wir schnell feststellten, vor allem bei Backpackern sehr beliebt ist. Überrascht wurden wir nicht nur von den günstigen Preisen, sondern auch von der „Gratis-Sauna“ in unserem Zimmer. (Allerdings fiel uns erst 12 Tage später, als wir das gleiche Zimmer erneut bekamen, auf, dass etwas mit dem Ventilator nicht stimmte.. :D)

Nach einer angenehm kalten Dusche setzten wir uns schließlich in die „Lobby“ und warteten auf Jainaba (aus Malawi), die leider ein bisschen Pech mit ihren Flügen und dem Gepäck hatte und auf Ole (ein Weltwärts Freiwilliger aus Ruanda). Dieser war den ganzen Weg von Kigali mit dem Bus angereist, aber nicht alleine, sondern in Begleitung von „Kaiser Wilhelm“. Wir trauten unseren Augen kaum, als er uns seine kleine Ziege zeigte, die er auf einem Markt im Norden Tansanias gekauft hatte! 😀

Am nächsten Morgen betraten wir – nach einem kleinem Einkauf – die Fähre nach Stonetown, wo wir auch Tobias, einen Mitbewohner von Jana, trafen. Ich hatte im Voraus nicht die besten Geschichten über die Überfahrt gehört und war demnach umso erleichterter, als wir uns in dem modernen Abteil niederließen und auch nach unserer Ankunft in Stonetown noch alle unsere Wertsachen hatten. In der Mittagshitze war es eine echte Qual mit dem ganzen Gepäck durch die Stadt zu „irren“, sodass wir froh waren, als wir endlich im Daladala saßen (quasi das tansanische Matatu, allerdings eher in Form eines LKWs mit Sitzbänken auf der Ladefläche). Die Fahrt dauerte fast zwei Stunden und wir waren so geschafft, dass nach und nach jeder mal wegnickte.

Jambiani – ein kleines „schweizer“ Paradies

Und dann war es soweit. Nachdem wir aufgrund einer doppeldeutigen Wegbeschreibung das ein oder andere Mal an unserer ersten Unterkunft am Jambiani Beach vorbeigelaufen waren, fanden wir sie schließlich doch und wurden sehr freundlich von einem Schweizer begrüßt, der das Haus erst vor kurzem renoviert hatte und uns durch seine lustige Art in den nächsten Tagen noch das ein oder andere Mal zum Schmunzeln bringen sollte. (Vor allem mit seiner kleinen Katze Linda, die er aufgenommen hat.. Das „Linda, was machst du schon wieder für Sachen?“ im schweizer Akzent werde ich echt vermissen :D) Aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls bezogen Jana, Jainaba und ich nur kurz das schön eingerichtete Zimmer, ehe wir uns auf den Weg zum Strand machten, der quasi unmittelbar vor der Haustür begann! Der Strand war wirklich traumhaft schön (wie im Reisekatalog!) und das Meer türkis und warm wie eine Badewanne. So ließ es sich leben! Der einzige Nachteil war, dass dieser Strandabschnitt sehr stark von Ebbe und Flut kontrolliert wurde und man zu bestimmten Zeiten schon mal eine ganze Strecke rauslaufen musste, um in einigermaßen tiefes Wasser zu kommen. Was für Luxusprobleme! 😉

Anschließend gingen wir in das kleine (sehr traditionelle) Dorf, das direkt hinter unser Unterkunft begann, um dort ein paar Früchte für das Abendessen zu kaufen. Es war sehr schön, dass die Region – im Gegensatz zum Norden Sansibars – überhaupt nicht so touristisch überlaufen ist und man auch etwas vom Leben der Einheimischen auf Sansibar mitbekommen kann. Schnell fanden wir einen Dorfladen, der auch eine Menge Früchte im Angebot hatte. Auf dem Rückweg traf ich dann das erste Mal Manina, ein vierjähriges Mädchen aus dem Dorf, die mir ein paar Worte Kiswahili beibrachte. Am Strand verabschiedete ich mich schließlich von ihr, aber es sollte nicht unser letztes Aufeinandertreffen bleiben. Den Abend verbrachten wir entspannt in der Unterkunft, kochten zusammen und bekamen später auch noch Besuch von Lena, Timo und Ole, die sich eine andere Unterkunft teilten, sowie von den zwei Schwedinnen Astrid (Jana’s Mitbewohnerin in Kampala) und ihrer Freundin Sanna, die gemeinsam mit uns Weihnachten feiern wollten.

Und dann war auch schon der 24. Dezember! So wirklich glauben konnten wir es glaube ich alle nicht. Den Morgen verbrachte ich dann (wie auch sonst?!) im Meer und ging danach noch einmal alleine ins Dorf, um mir den kleinen Kleider- und Stoffladen noch einmal genauer anzusehen. Kaum war ich an den ersten Häusern vorbeigegangen, war auch schon Manina wieder an meiner Seite und ließ es sich nicht nehmen, mich bei der Auswahl der Stoffe zu beraten (mehr oder weniger mit Händen und Füßen und ein paar Brocken Kiswahili, da sie keine andere Sprache sprach). Anschließend zeigte sie mir noch kurz, wo sie wohnt, und begleitete mich dann zurück bis zum Strand.

Gegen drei Uhr trafen wir uns dann mit den anderen bei uns zum gemeinsamen Kochen des Weihnachtsessens. Schon viele Wochen vorher stand der Plan, was es geben sollte und so machten sich die unterschiedlichen „Kochteams“ an die Arbeit. Auch die Kinder am Strand merkten, dass dort etwas vorbereitet wurde und schauten uns neugierig zu. Nach einer „Kinderdisco“, mit der wir die inzwischen fast 15 Kinder – tanzend – wieder zurück zum Strand und anschließend nach Hause schickten, war es endlich so weit. Ein großer Holztisch wurde nach draußen auf den Strand gestellt und in gemütlicher Kerzenatmosphäre wurde der erste Gang serviert: eine Kartoffel-Karotten-Suppe, gefolgt von einem erfrischendem Couscous-Salat. Das Hauptgericht war ein Gemüsecurry mit Reis und anschließend kamen noch Bananenmuffins und Bratäpfel mit Eis auf den Tisch! Ein unglaublich leckeres und üppiges Essen, dass zumindest ein bisschen das traditionelle und immer wieder gute Weihnachtsessen bei Oma vertreten konnte.

Nach dem Essen wurde schließlich noch gewichtelt, was mal wieder sehr lustig und schön war! Auf die Weihnachtsmusik währenddessen haben wir allerdings bewusst verzichtet, man muss es ja nicht gleich übertreiben mit Weihnachtsstimmung! 😀 Stattdessen legten wir uns an den Strand und beobachten den wunderschönen klaren Sternenhimmel, als uns auf einmal die bunten Lichter im Süden auffielen: eine Weihnachtsparty! Spontan machten wir uns auf den – nicht immer ganz einfachen  – Weg am Strand entlang und erreichten dann ein kleines Hotel, wo die Party stattfand. Dort wurde Weihnachten dann noch einmal ganz anders „gefeiert“!

Dementsprechend schliefen wir am 25. Dezember erst einmal ein bisschen aus und verbrachten den Tag eher ruhiger am Strand, lasen ein wenig und gingen am Meer entlang spazieren. Am Nachmittag kam Lena zum wohl „traditionellen Resteessen“ vorbei, wobei wir alle ziemlich überrascht waren, dass gar nicht mal so viel übergeblieben war. Beim Abendessen brachten uns die Schwedinnen dann noch bei, was „turtle poo“ in Gebärdensprache bedeutet. Gut zu wissen, wer weiß, wann man das noch einmal braucht! 😀 Am Abend wurde dann vor unserer Unterkunft noch ein Lagerfeuer gemacht, was trotz 2-Lied-Dauerschleife echt ganz gemütlich war!

Am 26. Dezember war dann schon wieder packen angesagt. Die nächsten drei Nächte wollten wir in Bwejuu, einem Strand etwas weiter nördlich, verbringen.

Bwejuu – Reggae, Beach und Pool

Gegen Nachmittag trudelten nach und nach alle (Jana, Jainaba, Timo, Lena, Ole, Tobias, Astrid, Sanna und ein weiterer Schwede namens Oskar) in „Mustafas Place“ ein. Begrüßt wurden wir von Reggaemusik, einem kreativen Weihnachtsbaum aus Kronkorken und einigen Bildern von Bob Marley. Die wirkliche Überraschung war allerdings ein schöner Pool, der natürlich auch direkt ausgestestet wurde! Anschließend lief ich ein bisschen den Strand hoch und runter, um mal ein bischen die „Essenslage“ an diesem noch weniger touristischem Strand auszuchecken. Nur wenige Minuten von „Mustafas Place“ gab es ein ganz nettes Restaurant, das wir am Abend auch direkt austesten wollten. Nichtsahnend setzen wir uns also zu zehnt in das kleine Lokal. Wie konnten wir auch wissen, dass die kleine Küche nur über zwei Kochplatten verfügt und zudem noch zwei Familien (angeblich) vor uns bestellt hatten. Nach 2,5 Stunden wurde schließlich das erste Essen serviert. Besser spät als nie! Und es war auch wirklich lecker! An die „Pole Pole“ (Langsam) – Mentalität, die auf Sansibar wohl besonders verbreitet ist, werde ich mich wohl gewöhnen müssen…

Der nächste Tag begann für den größten Teil der Gruppe eher entspannt, während Jana und Jainaba zum Tauchen rausfuhren und Astrid und Sanna die beiden mit Schnorchelausrüstung begleiteten. Wir ließen es uns stattdessen erst im Pool und anschließend auf der Terasse (beim Versuch, Doppelkopf zu spielen) gut gehen. Später stieß dann auch noch Lennart (ein Mitbewohner von Ole) dazu, der kurz vor Weihnachten den Kilimanjaro bestiegen hatte. Seine Erzählungen waren schon echt beeindruckend! Später nutzten wir die Zeit, um uns mit leckeren Pommes zu stärken und noch ein wenig Frisbee zu spielen. Am Abend gingen wir dann gemeinsam zu einer kleinen Bude am Strand, wo mir ein paar Locals am Vortag ein gutes Angebot fürs Abendessen gemacht hatten. Da es in dem Sinne kein wirkliches Restaurant war, hätten wir uns eigentlich anmelden sollen. Dennoch wurden wir freundlich empfangen und während wir uns noch ein wenig an den Strand setzten und den Sonnenuntergang genossen, wurde über dem Feuer für alle Gemüse und Reis gekocht. Außerdem besorgten die freundlichen Locals für uns alle noch ein bisschen Bier. Im Kerzenschein ließen wir es uns schließlich schmecken. Es war super lecker, auch wenn wir die Besitzer der Bude doch ordentlich überrascht hatten. Wir bedankten uns herzlich und gingen zurück zu Mustafas Place, wo wir den Abend gemütlich mit Juice auf der Terasse und am Pool verbrachten.

Am nächsten Tag ging’s dann für Lena, Timo, Ole und mich zur Blauen Lagune zum Schnorcheln. Begleitet von traditioneller Musik (die der kenianischen übrigens sehr ähnlich ist) wurden wir zum Strand gefahren, wo wir in ein Dhow-Boot stiegen und – durch Muskelkraft angetrieben – zum Riff rausfuhren. Nach kleinen anfänglichen Problemen (mein Schnorchel war abgebrochen) war es umso schöner. Das Riff war echt groß und es gab eine Menge bunter Fische und Korallen zu sehen! Nach etwa einer Stunde trafen wir uns alle wieder am Boot und kehrten – diesmal segelnd – wieder zum Strand zurück. Anschließend gönnten wir uns einen gegrillten Tintenfisch und fuhren dann im Daladala wieder zurück nach Bwejuu. Leider hatten Ole und ich keine Schuhe dabei, was ich bei diesen Temperaturen wirklich keinem empfehlen kann. Da bekommt das Spiel „Der Boden ist brennende Lava“ auf einmal eine ganz andere Bedeutung! Aua!

„Zuhause“ wurde dann erst einmal ein wenig im Pool und/oder Meer entspannt. Danach hieß es „Partytime“! In Paje sollte eine große Party stattfinden. Also liefen wir gemeinsam am Strand bis dorthin, wo wir auch auf zwei nette Australier trafen, die Lennart auf seiner Kili-Tour kennen gelernt hatte. Wir aßen am Strand zu Abend (der beste Fischburger, den ich je gegessen hab!) und gingen dann zur Party. Barfuß im Sand zu tanzen hat schon etwas ganz Besonderes (auch wenn es auf Dauer etwas anstrengend ist)! 😉 Alles in allem war es ein wirklich schöner Abend!

Wie die Zeit rennt! Schon wieder hieß es Sachen packen! Sind wir nicht gerade erst gestern angekommen?! Doch anstatt direkt nach Zanzibar Town zu fahren, schaute ich mir mit Tobias und Timo noch den Jozani Forrest an, der etwa auf der Hälfte der Strecke lag. Im Eintrittspreis war bereits ein – mal mehr, mal weniger – motivierter Guide enthalten, der uns dennoch einige interessante Dinge über den Regenwald und seine Pflanzen und Tiere erzählen konnte. Besondere Highlights waren die – etwas anderen – Apfelbäume, ganze Affenfamilien und ein Mangrovenwald mit vielen kleinen Krabben. Am Ende waren wir uns einig, dass sich der Zwischenstopp auf jeden Fall gelohnt hat!

Stonetown – von engen Gassen, Streetfood, alten Türen und unzähligen Katzen

Nach einer Kokosnuss und einem Bündel Mini-Bananen als Mittagssnack fuhren wir schließlich nach Zanzibar Town, in die Hauptstadt Sansibars, dessen historisches Zentrum „Stonetown“ übrigens seit 2000 zum UNESO-Weltkulturerbe gehört. Dort begann für Timo und mich die kräftezehrende Suche nach einer Unterkunft, die durch die inzwischen wieder prall scheinende Sonne (im Regenwald hatte es dem Namen zur Ehre geregnet :D) nicht gerade einfacher gemacht wurde. Nach einer ganzen Weile und mehreren Zwischenstopps fanden wir schließlich die preiswerte „Manch Logde Vuga“, wo zum Glück noch zwei Betten in einem Vierer-Dorm frei waren. Diese Unterkunft kann ich übrigens allen, die vorhaben, Sansibar zu besuchen, echt empfehlen. So kurz vor Silvester, in der Hauptsaison, noch spontan eine günstige Bleibe finden zu wollen, war hingegen nicht so die beste Idee.. Aber was soll’s, es hat ja geklappt!

Nach einer erfrischenden kalten Dusche, trafen wir Jana, Jainaba, Tobias und Lisa aus Ruanda, die inzwischen auch noch zu uns gestoßen ist, in der Stadt wieder und gingen gemeinsam zum „Lookmaan“, einem Restaurant im Kantinen-Stil, wo man sehr günstig und gut essen und dazu noch eine Menge leckere Säfte trinken konnte. Dementsprechend sollte es nicht unser letzter Besuch dort bleiben. Als wir uns einige Zeit später wieder auf den Weg zurück zum Hostel machen wollten, fiel uns auf, dass es ja eigentlich ganz gut gewesen wäre, sich dessen Namen zu merken. Noch dazu wurde uns jetzt erstmal wirklich bewusst, wie verzweigt Stonetown ist. In den kleinen Gassen, die rechts und links von stets ähnlichen hohen Häusern begrenzt werden, ist es fast unmöglich, die Orientierung zu behalten. So begann eine kleine – von tausenden Katzenaugen begleitete – Odysee, die uns schlussendlich aber doch zum Ziel führte. Wie heißt es doch so schön: „Umwege erhöhen die Ortskenntnis!“ Auf unserem Weg kamen wir übrigens nicht nur an unzähligen Katzen vorbei, sondern sahen auch eine Menge alter, handgeschnitzter Holztüren, die früher sehr typisch für die Region waren. Darüber hinaus erstaunte mich die Tatsache, dass manche Häuser hier doch tatsächlich auch Hausnummern besitzen – ein Phänomen, das mir in Kenia noch nirgends begegnet ist!

Am 30. Dezember stand morgens eine kleine Stadttour an. Wir trafen Lena und Lennart wieder und schlenderten zunächst als große Gruppe ein bisschen durch die Gassen und stöberten durch die unzähligen Souvenirläden. Mit der Zeit verloren wir uns aber ein bisschen aus den Augen und gingen in Kleingruppen weiter. Lena und ich sahen uns schließlich noch die Slave Chambers an. Die Sklaverei war vom 17. bis zum 19. Jahrhundert in Ostafrika sehr verbreitet. Viele Sklaven wurden aus verschiedenen ostafrikanischen Ländern nach Sansibar gebracht und dort auf dem Sklavenmarkt zum Beispiel nach Asien verkauft. Vorher waren sie jedoch etwa drei Tage in den sogenannten „Slave Chambers“ eingesperrt. Diese Kammern kann man in Stonetown mit einem Guide besichtigen. Es war echt erschreckend, die Räume für etwa fünfzig Sklaven zu sehen, in denen wir schon zu viert kaum Luft bekamen, obwohl nachträglich noch ein weiteres Fenster hinzugefügt wurde. Kein Wunder, dass viele Sklaven dort erstickten oder Krankheiten erlagen (als Toilette diente lediglich ein Loch im Boden). Außerdem besichtigten wir ein Denkmal und eine Cathedrale, die von dem Bischof Edward Steere, einem „Freund der Sklaven“, an dem Ort errichtet worden war, wo die Peitsche die starken von den schwachen Sklaven getrennt hatte. Bischof Edward Steere kaufte viele Sklaven und schenkte ihnen die Freiheit zurück. Dann verabschiedeten wir uns von unserem Guide und sahen uns noch eine Ausstellung zu diesem Thema an.

Nachdem wir die anderen im Lookmaan wiedergetroffen hatten, machten wir uns gestärkt auf den Weg zur Prison Island. Die Überfahrt mit dem Boot dauerte etwa zwanzig Minuten und hatte irgendwie etwas Magisches. Als die „Remember“ das Ufer der kleinen Insel erreichte, eröffnete sich uns der Blick auf einen wunderschönen Strand. Doch bevor wir uns dort entspannten, wollten wir uns noch die Riesenschildkröten ansehen, die 1919 dort angesiedelt wurden. Inzwischen sind es bestimmt hundert Tiere, einige fast 200 Jahre alt. Vor allem die ganz jungen Schildkröten waren wirklich süß! Als wir genug gesehen hatten, kühlten wir uns im Wasser ein wenig ab und legten uns dann an den Strand. So lässt es sich leben! Anschließend ging es auf der „Remember“ wieder zurück zur Hauptinsel, wo wir in einem indischen Restaurant zu Abend aßen. Quasi als „Nachtisch“ besuchten wir danach den bekannten „Foodmarket“, wo ich mir einen Zuckerrohrsaft und die traditionelle „Zanzibar Pizza“ mit Nutella und Bananen gönnte. Wahrscheinlich ein unterbewusster Versuch, den inneren Wunsch nach einem Weihnachtsmarkt-Crepe irgendwie zu kompensieren. Ein voller Erfolg! Auf die Kalorien von „Pizza“ und Saft möchte ich an dieser Stelle lieber nicht eingehen! 😀

An Silvester ging es für uns dann dahin, wo der Pfeffer wächst, oder besser gesagt: zu einer Gewürzplantage. Schließlich ist Sansibar sehr bekannt für seine Vielfalt an Gewürzen. Um kurz nach neun holte uns ein Taxi in Stonetown ab und brachte uns zu einer Plantage im Inneren der Insel. Dort wurden wir freundlich empfangen und bekamen jeder eine Blätter-Tüte in die Hand gedrückt. Im Laufe des Rundgangs füllte sich diese mit immer mehr Gewürzen, die wir erschmecken, erriechen und/oder ertasten konnten. Außerdem erfuhren wir, wofür die unterschiedlichen Gewürze – Zimt, Koriander, Pfeffer, Vanille, Zitronengras, Nelken, Muskatnuss, Ingwer, Chili, um nur einmal ein paar zu nennen – gebraucht werden. Oft können auch verschiedene Teile der Pflanzen unterschiedliche Funktionen erfüllen und alles ist für irgendetwas gut oder eben nicht gut. So erfuhren wir z.B. von einer Pflanze, dessen Wurzeln junge Frauen zur illegalen Abtreibung benutzen. Neben den Gewürzen waren auch eine Menge Früchte auf der Plantage zu finden, wie beispielsweise Guaven, Kokosnüsse, Pampelmusen oder Jackfruits. Im Anschluss wurden uns Kronen aus gewebten Bananenblättern geschenkt (vielleicht ein bisschen touristisch, aber ganz witzig) und es gab eine kleine Kostprobe der frischen Früchte. Auf einem Tisch lagen außerdem noch zahlreiche Gewürze zum Verkauf aus. Ein sehr interessanter Ausflug!

Wenig später wurden wir wieder vom Taxi abgeholt und zu einer Bucht im Norden gebracht, wo wir den Nachmittag verbrachten. Fazit: Ganz nett, aber nicht mit den Stränden in Jambiani und Bwejuu zu vergleichen! Und dann hieß es: Ein letztes Mal zu Abend essen im Jahr 2016. Dieses Jahr mal ein etwas anderes Silvesteressen. Wer braucht schon Raclette oder Haxe, wenn es auch ein frischer Mango-Lemon-Lassie und ein leckerer Burger tut? Gut gestärkt (und mehr oder weniger aus dem Restaurant vertrieben, da hier – auch an Silvester – viele Restaurants schon um 22 Uhr dicht machen) schlenderten wir also am Meer entlang erneut zum Food Market, wo ich diesmal allerdings auf die „Zanzibar Pizza“ verzichtete; der Burger war wirklich sättigend gewesen!

Und dann ging es weiter zum „Floating Restaurant“, einer Bar, die auf Holzstelzen bis ins Meer reingebaut ist. Dort wollten wir gemeinsam den Jahreswechsel feiern. Wir bestellten uns einen Cocktail und warteten auf den Countdown, der allerdings 2-3 Minuten zu früh gestartet wurde. Ich schob es auf eine falsch gestellte Uhr, war aber umso überraschter, als mir meine Schwester, die Silvester in Malindi (an der kenianischen Küste) gefeiert hatte, zwei Tage später auch von einem verfrühten Countdown berichtete. Wie auch immer. Jedenfalls starteten wir kurze Zeit später – gemeinsam mit ein paar Franzosen am Nachbartisch, die auch gemerkt hatten, dass da etwas nicht stimmte – unseren eigenen Countdown ins neue Jahr 2017!

An dieser Stelle wünsche ich euch allen ein frohes, gesegnetes und erfolgreiches neues Jahr und ganz viel Glück und Gesundheit für 2017!

Für uns startete das neue Jahr dann auf der Tanzfläche mit Blick auf’s Meer. Auch wenn die Musik nicht so ganz unserem Geschmack entsprach, war es eine unglaublich schöne Atmosphäre. Später verließen wir das „Floating Restaurant“ und liefen am Strand entlang, wo uns eine Strandbar mit Lagerfeuer ins Auge fiel. Auch hier verbrachten wir noch einige Zeit, bevor wir uns dann auf den Weg nach Hause machten und schnell einschliefen. Dieser Abend hat mir gezeigt: Auch ein Silvester ohne Feuerwerk und in einer etwas anderen Umgebung hat eindeutig etwas zu bieten!

Erst als wir am Neujahrsmorgen gemeinsam beim Frühstück im Coffee House saßen und ich meinen Crepe mit Zwiebeln und Rührei genoss, wurde mir langsam bewusst, dass die Zeit auf Sansibar nun schon wieder fast vorbei ist. Schon kurz darauf nahmen wir unser Gepäck und machten uns auf den Weg zur Fähre.

In Daressalam angekommen, bezogen wir wieder das Safari Inn Hotel, ruhten uns etwas aus und machten dann noch einen kleinen Rundgang durch die Stadt. Kurz vor Ende der Öffnungszeit konnten wir so auch noch einen Blick ins Nationalmuseum werfen. Im Vergleich zu dem in Nairobi war die Ausstellung allerdings echt enttäuschend. Es gab sehr schöne Räumlichkeiten, die meiner Meinung nach allerdings viel zu wenig genutzt werden. Auch eine richtige Struktur war nicht wirklich vorhanden. Einen ganzen Tag kann man hier (im Gegensatz zu dem in Nairobi) nicht verbringen. Trotz allem habe ich noch ein paar interessante Dinge über die Geschichte Tansanias gelernt, sodass es doch keine verschwendete Zeit war. Hier gibt’s Potential nach oben!

Nach einem guten Abendessen im Chef’s Pride in Daressalam, verbrachten wir einen entspannten letzten Abend in der größten Stadt Tansanias (die übrigens nicht die Hauptstadt ist) und gingen früh schlafen.

Und am nächsten Morgen saß ich auch schon im Flieger zurück nach Kenia, wo ich von einem – wie ich finde – angenehmen, nicht ganz so schwülen Klima empfangen wurde. Zurück in meiner ostafrikanischen Heimat! Ich blicke auf einen wunderschönen Urlaub zurück und möchte mich bei allen bedanken, die diese Zeit für mich zu etwas ganz Besonderem gemacht haben! Ein ganz lieber Dank geht natürlich auch an Jana für die tollen Fotos!

Fröhliche „Nicht-mehr-ganz“-Neujahrsgrüße aus dem sonnigen Kenia!

Eure Lara 🙂

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Weihnachten in Kenia :)

Ein Gastbeitrag meiner Freundin und ehemaligen Deutschschülerin Norah aus Meru zum Thema „Weihnachten in Kenia“:

Weihnachten ist immer eine schöne Zeit – überall auf der Welt.Verschiedene Leute feiern diesen Tag unterschiedlich. In Kenia sind viele Dinge typisch an Weihnachten:

  1. Manche Leute gehen zur Kirche, wo sie Weihnachtslieder singen, nachdem der Priester fertig ist.
  2. Verwandte treffen sich, um zusammen zu feiern. Während dieser Zeit gibt es viel zu essen und zum trinken.
  3. Leute kochen viel. Chapatis sind sehr typisch. Hähnchen, Mukimo, Reis, Nudeln u.a. werden auch gekocht. Nyama choma ist auch sehr typisch.
  4. Leute kaufen neue Kleidung. Ich weiß nicht warum genau, aber jeder möchte etwas Neues anziehen, besonders die Kinder.
  5. Wenn du Geld hast,dann kannst du einen Urlaub machen, obwohl es sehr teuer sein kann. Meistens fahren Leute nach Mombasa und in die Masai Mara.
  6. Man kann auch mit Freunden und Familie in ein Hotel gehen und sich ausruhen, besonders vom Nachmittag bis spät in die Nacht.
  7. In der Nacht sind die Clubs und Diskos geöffnet. Leute trinken viel Bier, deswegen gibt es viele Unfälle. Sie tanzen auch gern.

Insgesamt verbringen die Kenianer verbringen viel Zeit mit Familie und Freunden an Weihnachten.

Was ich besonders mag

  1. An diesem Tag kann ich so viel Essen wie möglich essen. Es gibt viele Sorten von Essen und Getränken, aber ich esse, was ich besonders mag.
  2. Ich darf  mich bis etwa 8:00 Uhr mit Freunden treffen und bekomme ein bisschen Geld für was ich kaufen möchte.
  3. Außer Sonntags, haben meine Eltern nur an Weihnachten und an Neujahr frei. Ich mag es sehr, Zeit mit meinen Eltern zu verbringen. Wir bleiben einfach zu Hause und schlafen am Nachmittag oder gucken Filme. Wer Lust hat, darf gehen, wohin er möchte.
  4. Leute sind immer sehr glücklich an Weihnachten. Sie streiten weniger, verbringen mehr Zeit zusammen und teilen, was sie haben.

Ich denke, dass Weihnachten in Kenia und in Deutschland unterschiedlich ist.

  1. In Kenia gibt es keinen Schnee wie in Deutschland.
  2. Leute tauschen nicht so viele Geschenke wie in Deutschland.

Was gleich ist

  1. Verwandte und Familie verbringen mehr Zeit zusammen.
  2. Leute sind immer sehr glücklich.
  3. Leute geben viel Geld für Essen und Geschenke aus.

In diesem Sinne:

Krismasi njema! Frohe Weihnachten! 🙂

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Stadttour durch Nairobi oder „Warum Reiseführer Gold wert sind“

Was tun an einem Samstag Vormittag? Ach ja, irgendwo waren da doch noch die Fotos von Cathrin’s Reiseführer. „Für einen Stadtundgang ist ein halber bis ganzer Tag einzuplanen.“ – Perfekt! Also kurz die Sachen zusammengepackt und los geht’s Richtung Innenstadt.

Feststellung Nummer 1 des Tages: In den Bussen in Nairobi muss man immer genug Kleingeld dabeihaben. Hatte ich bisher auch immer; leider nur bisher! Da der Conductor mir nicht so viel Rückgeld geben wollte (obwohl er genug hatte), schmiss er mich kurzerhand aus dem Bus. Irgendwo im Nirgendwo ließ sich zum Glück ein Mpesa-Shop auftreiben, wo mir ein Mango-Trinkpäckchen bzw. dessen Rückgeld endlich ausreichend Kleingeld für eine problemlose Weiterfahrt bescherte.

In der Innenstadt angekommen, führte mich mein „Guide“ alias „schlauer Schmierzettel“ als erstes zum Stanley Hotel, eines der besten Hotels von Nairobi, das am östlichen Ende der Kenyatta Avenue liegt. Ich staunte nicht schlecht, als ich nach einer kurzen Sicherheitskontrolle das pompöse Gebäude betrat und mir zahlreiche Auszeichnungen und Preise direkt ins Auge fielen. Im Hotel gibt es eine Fotosammlung, die die lange Geschichte des Hotels – auch während der Kolonialzeit (s. Foto unten) – erzählt. In jeder Etage stieß ich auf weitere Fotos und Gemälde und die Sicht über die Stadt wurde immer beeindruckender, je höher ich kam. Früher gab es vor dem Hotel übrigens eine Fieberakazie, die von den Siedlern quasi als schwarzes Brett benutzt wurde. Ankündigungen wurden einfach an die Rinde genagelt. Der alte Baum wurde allerdings im Rahmen von Renovierungsarbeiten gefällt. Die neu gepflanzte Akazie reicht zurzeit allerdings höchstens für eine Handvoll Post-It’s. 😀

Der Blick auf die Kenyatta Avenue!

Anschließend ging ich direkt gegenüber ins lange nicht so pompöse Oakwood-Hotel. Doch auch dieser Ort war etwas besonderes. Nicht aufgrund von Bildern oder Luxus-Suiten, sondern wegen des uralten Aufzuges, den es dort gibt und der immer noch im Einsatz ist. Aber seht selbst!

Wer weiß, was das oben für ein Gerät ist, darf es gerne in die Kommentare schreiben. Ich konnte es nicht herausfinden, aber es sah interessant aus! 😀

Aber erst mal genug von Hotels. Nun ging es an die frische Luft, entlang der Moi Avenue Richtung Norden, an vielen Geschäftshäusern im anglo-indischen Stil vorbei. Früher waren diese Häuser alle typisch grau, heute sind sie zum Teil bunt bemalt. Dennoch ist auf dem Gibel oft noch der ursprüngliche Name des Hauses zu lesen. Die Säulenarkarden, die es vor einigen Gebäuden gibt, sollten ursprünglich vor der prallen Äquatorsonne schützen, bieten heutzutage allerdings zusätzlich einen Geschäftsraum für Schuhputzer und Straßenhändler.

Die Khoja Moschee, die ebenfalls an der Moi Avenue liegt und wohl sehenswert sein soll, war allerdings leider geschlossen. So ging ich weiter zum Jeevanjee Garden, wo es eine Marmorstatue von Queen Viktoria zu bestaunen gibt – oder auch nicht… Denn warum auch immer fand ich lediglich den Sockel vor, auf dem sie hätte stehen sollen, von der guten Dame war allerdings weit und breit keine Spur. Stattdessen hier ein Foto der Skulptur von Alibhai Mulla Jeevanjee, nach dem der Garten benannt ist.

Weiter führte mich der Weg an der Universität und dem National Theatre vorbei, zum Norfolk Hotel und somit gleich zur zweiten Feststellung des Tages: Auch in Nairobi gibt es Fachwerkhäuser (wenn auch sehr wenige). Hätte ich trotzdem nie gedacht. Und noch weniger hätte ich vermutet, in dem Hotel auch noch eine Sammlung alter Gefährte aus der Kolonialzeit zu finden. Zwei Handkarren/Kutschen, ein Traktor und ein altes Auto waren im schönen Innenhof zu bestaunen. Allerdings muss ich sagen, dass die Lebkuchenhäuser in der Eingangshalle des Hotels den Gefährten (zumindest aus meiner Sichtweise) ein wenig die Show stohlen. Leider nur gucken, nicht anfassen… Doch eins ist sicher: Ohne Reiseführer hätte ich hier nie hingefunden!

Blick von der Straßenüberführung auf die Universität!

Anschließend ging’s dann eher ins asiatische Geschäftsviertel Nairobi’s und zum City Market. Als ich den Markt betrat, landete ich zuerst in der Fleisch- und Fischabteilung, was schon ziemlich gewöhnungsbedürftig war und ich keinem Vegetarier unbedingt empfehlen würde. Überall hing und lag Fleisch und Fisch und Körbe mit den dazugehörigen Innereien standen daneben. Dementsprechend roch es in dieser Halle auch recht streng. Und so war ich doch froh, in der nächsten Abteilung auf die Blumen und Gemüseabteilung zu stoßen. Außerdem hatte der City Market noch eine kleine Galerie sowie Souvenirstände und ausgestelltes Handwerk zu bieten.

Schräg gegenüber warf ich einen Blick auf die schöne Jamia Moschee, die ich allerdings auch nicht betreten durfte, da dort gerade geputzt wurde. So widmete ich mich lieber dem neoklassistischen Nachbargebäude, das die McMillan Memorial Library beherbergt. Als ich so durch die Bücherreihen schlenderte, fand ich sogar ein deutsches Physikbuch, das sich wohl irgendwie dorthin verirrt hatte… Sachen gibt’s!

Die schöne Jamia Moschee!

Wer liegt denn da rum?!! Meine Entdeckung auf dem Dachboden der Bibliothek, ein kleiner Schreckmoment 😀

Und dann stieß ich auch schon wieder auf die Kenyatta Avenue, gewissermaßen die Prachtstraße Nairobi’s, allerdings gleichzeitig auch super rüselig. Vorbei an weiteren Kolonialbauten, wie zum Beispiel dem Kipande House mit seinen auffälligen Türmchen, das früher als Lagerhaus der Eisenbahngesellschaft genutzt wurde, kam ich zum Posta Office und somit zu meiner dritten, nicht so schönen Erkenntnis des Tages: Auch das Posta Office zählt zu „militärischen und öffentlichen Einrichtungen“, die man demnach ohne Genehmigung nicht fotografieren darf. Ich dachte, dass sich das „öffentliche Einrichtungen“ eher auf Regierungsgebäude u.ä. bezieht, aber scheinbar ist das nicht der Fall. So hatte ich eine kleine Auseinandersetzung mit einem Wachmann (hier „Askari“ genannt), kam aber zum Glück glimpflich aus der Sache wieder raus, indem ich alle Fotos löschte, die ich von der schönen Fassade des Gebäudes gemacht hatte. Auch nach einem Monat in Nairobi ist es also immer noch möglich, in Fettnäpfchen zu treten! Ab jetzt werde ich dreimal drüber nachdenken, was ich fotografiere und was besser nicht!

Nach dem Schreck ging ich erstmal im Uhuru Park ein wenig spazieren und sah den Kindern zu, wie sie freudestrahlend auf den verschiedenen Fahrgeschäften saßen, die im Park aufgebaut worden waren. Nach einer kleinen Runde um den „Nairobi-See“ machte ich mich dann auf die Suche nach der All Saints Cathedral, die ich mir gerne anschauen wollte und wurde schnell fündig. Die Kirche ist Teil eines ganzen Komplexes, wo es außerdem ein Restaurant, kleine Meetingräume und ein Auditorium gibt. An sich ist sie gut mit deutschen Kirchen zu vergleichen. Allerdings waren an den Wänden zusätzlich einige Bildschirme angebracht, die ein Livebild des Rednerpults zeigten, sodass dieses auch von hinten gut zu sehen war.

Die letzte Station meiner spontanen Stadttour war schließlich der City Square, ein großer Platz, an dem eine ganze Menge wichtiger Gebäude liegen, wie die City Hall, das High Court, das Kenyatta Conference Centre mit dem KICC Tower (wo ich mit Johanna schon war), das Parlamentsgebäude (gut an der großen Uhr zu erkennen) und das Mausuleum. Da dort gerade ein Gospelkonzert stattfand, war der Platz allerdings größtenteils abgesperrt. So ging ich noch einmal „in Ruhe“ auf den Massai Market und machte mich anschließend auf den Rückweg nach Hause.

Was sonst noch so geschah:

Am Sonntagmorgen wollte ich auch in Nairobi einmal eine Messe besuchen. So machte ich mich zu Fuß auf die Suche nach der Baptist Church, die irgendwo auf der Ngong Road liegen sollte. Auf dem Weg traf ich einen freundlichen Mann aus Mombasa und unterhielt mich mit ihm eine ganze Weile über Sprache, Optik (er war Optiker) und Trump. Kurz bevor ich die Suche nach der Baptist Church aufgeben und Google Maps um Rat bitten wollte, sah ich auf der linken Straßenseite die Good Shepherd African Gospel Church, wie der Name schon sagt, eine afrikanische Gospelkirche, wo gerade auch zufällig ein Gottesdienst begann. Und der war wirklich schön! Der Gospelgesang, begleitet von einem Schlagzeug, zwei E-Gitarren und einem Keyboard, wurde nur ab und zu durch ein sehr leidenschaftlich vorgetragenes Gebet unterbrochen. Der helle Raum war voller Emotionen. Anschließend folgte eine Bibelstelle, ein Weihnachtssong (mit Lyrics auf den Bildschirmen neben dem Altar, sodass mitgesungen werden konnte) und dann eine recht lange Predigt. Zum Schlusssegen erhoben sich alle von den Bänken und nahmen sich an die Hand (und das bei einer rappelvollen Kirche!), um den Segen dann gemeinsam zu sprechen. Es war ein sehr schönes Erlebnis und toll, Teil dieser Gemeinschaft zu sein!

Nun sind es nur noch vier Tage bis Weihnachten! Euch allen weiterhin eine besinnliche Adventszeit und schöne Weihnachtstage!

Eure Lara 🙂

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Spontan nach Nakuru

Als ich mich am Samstagmorgen verschlafen im Bett aufrichtete, hatte ich mich schon auf einen entspannten Tag in Nairobi eingestellt. (Wie konnte ich auch ahnen, dass ich nur anderthalb Stunden später im Matatu nach Nakuru sitzen würde.) Ein Whatsapp-Anruf meiner lieben Zwillingsschwester Sina durchkreuzte schließlich jenen Plan, indem wir beschlossen, uns – etwa auf der Hälfte zwischen Sega und Nairobi – in Nakuru zu treffen. Also schnell die Sachen gepackt und auf zur Accra Road, wo die Matatus abfahren. Die Fahrt dauerte etwa 4 Stunden und war dank eines netten Sitznachbars sehr kurzweilig. Als ich gegen 17 Uhr in der viertgrößten Stadt Kenias ankam, war Sina noch unterwegs, da ihre Anbindung nicht ganz so gut ist wie meine. Also begab ich mich schon mal auf Suche nach einer Unterkunft, die auch schnell im „Care Guesthouse“ gefunden war (Foto: Blick aus dem Fenster unseres Zimmers).

Nach einem kleinen Einkauf nahm ich schließlich Sina in Empfang und amüsierte mich mit ihr über die verdutzten Gesichter der umstehenden Kenianer. Kurz darauf wurden wir auch gleich in ein Gespräch mit zwei coolen Verkäuferinnen verwickelt, in dem ich meine erworbenen Kiswahili Kenntnisse direkt anwenden konnte. Nach einem kurzen Aufenthalt im Guesthouse machten wir uns auf die Suche nach einem Abendessen und wurden nur zwei Stockwerke tiefer fündig. Das prall gefüllte Restaurant machte einen guten Eindruck auf uns. Was wir aber erst später herausfanden, war, dass etwa 98% der Gäste lediglich da waren, um Premier League zu schauen (vor allem Arsenal Fans gibt’s hier sehr viele). Das Essen würde ich dementsprechend eher in die Kategorie „aufgewärmt“ schieben und die tatsächliche Auswahl war auch nicht mit der auf der Speisekarte zu vergleichen. Dennoch war es vollkommen in Ordnung und die Bedienung überaus freundlich. Anschließend gönnten wir uns noch einen Erdbeershake im Yava House und ließen den Abend mit Kartenspielen und netten Gesprächen ausklingen.

Der nächste Morgen begann für uns recht früh. Leider so früh, dass noch keinerlei Geschäft oder Bäckerei auf hatte und somit ein trockenes Andazi als Frühstück herhalten musste. Mehr oder weniger gestärkt machten wir uns dann auf den Weg zum 2278m hohen Menengai Krater, dem sechsgrößten Vulkankrater der Welt. Seinen Namen hat der Krater übrigens von einer blutigen Schlacht zwischen zwei Massai Clans im Jahr 1854. „Menengai“ ist Maa und bedeutet soviel wie „Ort der Leichen“.
Der Weg führte uns von Nakuru aus zunächst durch nette kleine Alleen und dann meist durch kleine Dörfer, wo wir herzlich begrüßt wurden. Dann folgte – an einem Fußballfeld mit Eseln als Torhüter 😀 – der im Reiseführer beschriebene Rechtsknick. Nach einer weiteren Linkskurve eröffnete sich uns schließlich die Sicht in den Krater, der einen Durchmesser von etwa 12 Kilometern hat. Dementsprechend hatten wir einen weiten Blick ins Riftvalley, der auf dem Weg zum offiziellen Viewpoint immer beeindruckender wurde. Neben einigen überteuerten Souvenirständen stießen wir dort auch auf einen Wegweiser zu den verschiedensten Städten und Orten der Welt, der vom Rotary Club dort errichtet worden ist. Nach einem obligatorischem Fotostop zogen wir uns zum Picknick auf die ruhigere Südseite des Berges zurück und genossen die Aussicht.

Danach machten wir uns wieder auf den Rückweg und wurden ein Stück im Auto von einer netten kenianischen Familie (die übrigens ursprünglich aus Meru kamen) mitgenommen. Das restliche Stück bis zum Guesthouse ließ sich dann recht schnell zu Fuß bewältigen. Dementsprechend waren wir schon früh zurück und beschlossen kurzerhand, noch einen Trip zum Lake Elementaita, der quasi zwischen dem Lake Nakuru und dem Lake Naivasha liegt, zu machen. Die Matatu-Suche stellte sich als gar nicht so leicht heraus, doch mit Hilfe zwei freundlicher Kenianer saßen wir schließlich doch im richtigen Fahrzeug, dass sich dann auch noch schneller füllte als gedacht. Auf Höhe des Lake Elementaitas angekommen, zeigte uns der Matatufahrer noch schnell den Weg, den wir nehmen sollten. Nach einer Viertelstunde erreichten wir schließlich den See. Wir waren positiv überrascht, da wir nicht vermutet hatten, dass man kostenlos so nah an den See rankommt. Am Ufer verweilten wir ein wenig und folgten dann oberhalb des Sees einem Pfad, der uns durch zahlreiche Kakteen und Aloe Vera Pflanzen führte. Außerdem hatten wir einen guten Blick auf den See und könnten in der Ferne auch einige Flamingos erahnen.

Als der Pfad endete, nahmen wir einen weiteren Weg zurück zur Hauptstraße. Dieser führte uns durch ein sehr schönes Dorf, wo eine Menge Kinder auf der Straße spielten. Es war so schön, ihnen dabei zuzusehen. Und dann erreichten wir bald den Highway. Nach einer kleinen Stärkung an einem Kiosk, fuhren wir zurück nach Nakuru.

Montag war dann Jamhuri Day. „Jamhuri“ ist Kiswahili und bedeutet Republik. Der Jamhuri Day erinnert demnach jedes Jahr an den Tag, an dem Kenia die Unabhängigkeit gewann und zur Republik wurde, nämlich am 12. Dezember 1963. Zunächst war davon aber kaum was zu spüren. Die Stadt schien zu schlafen und auch die sonst so geschäftige Straße mit den vielen kleinen Läden, an der unser Guesthouse lag, war überraschend ruhig. Erst am späten Vormittag sahen wir eine kleine Parade.

Zuvor hatten wir in einer französisch angehauchten Bäkerei gefrühstückt und schlenderten anschließend ein wenig durch die Stadt. Mehr oder weniger zufällig fanden wir einen riesigen Markt, wo von Kleidung über Tabak bis hin zu frischem Obst und Gemüse so ziemlich alles verkauft wurde. Anschließend machten wir uns auf den Rückweg und tranken noch einen leckeren Mangosaft. Und dann war es auch schon wieder Zeit, sich zu verabschieden. An der Matatu-Station trennten sich unsere Wege. Sina, es war super schön, dich wiederzusehen und ich habe das Wochenende mit dir sehr genossen! 🙂

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Halbzeit – Auf zum Zwischenseminar!

​Kaum zu glauben, dass die Hälfte meiner Zeit in Kenia schon vorbei ist! Zum einen bedeutet das für mich, dass mir ein zuvor unbekanntes Land fast drei Monate lang jeden Tag etwas vertrauter geworden ist. Ich kenne meine Schülerinnen, weiß, wo ich in der Stadt die besten Chapatis essen kann und dass ich mir keine Sorgen machen muss, wenn es am Straßenrand mal ein kleines Feuer gibt. Zum anderen bedeutet das aber auch, dass nun das Zwischenseminar ansteht. Eine Möglichkeit, dem Alltag für ein paar Tage zu entfliehen und aus etwas Distanz einen Blick auf die bisherige Zeit zu werfen. Noch dazu kommt natürlich der Austausch mit den anderen Freiwilligen, die teils ähnliche Erfahrungen machen und gemacht haben. 

Und so war ich voller Vorfreude, als ich am Mittwochnachmittag mit Theresa, Isabelle und Sebastian im Taxi nach Karen saß, dem Stadtteil Nairobis, in dem das Seminar stattfinden sollte. Vor Ort wurden wir von unseren Trainerinnen Jana-Lou und Vicky sehr herzlich empfangen. Am Abend stieß auch noch Peter aus dem kulturweit-Büro hinzu, der das Seminar mit uns verbringen wollte. Sowohl vom Seminargelände und den Räumlichkeiten (perfekte Duschen! :D) als auch vom Essen war ich wirklich positiv überrascht. Dass das Frühstück nicht so der Renner war, war überhaupt nicht tragisch, da es zum Chai kurz darauf meist leckere Maandazi, Süßkartoffeln und einmal sogar Pancakes gab. Aber genug vom Essen! 

Nach und nach trudelten also alle Freiwilligen ein, die mit dem Flugzeug, per Bus oder einfach nur mit dem Taxi angereist waren. Nach der obligatorischen Namensrunde starteten wir mit unseren Erwartungen an das Seminar. Neben einer weiteren Vertiefung der Themen vom Vorbereitungsseminar (Rassismus, Kolonialismus, Feminismus) und einer Einsatzstellenreflexion wurde vor allem der generelle Austausch oft genannt. So besprachen wir kurz den vielversprechenden Wochenplan und ließen den Abend dann, nach einer kleinen Einheit zum Thema „Wohlfühlort“, in gemütlicher Runde ausklingen. 

Über dem nächsten Tag stand die Überschrift „Entwicklungshilfe“. Dazu waren zwei externe Referenten eingeladen, eine Leiterin eines Waisenhauses in Kakamega und ein Kenianer mit einem sehr interessanten Ansatz zum Thema „Entwicklungshilfe“. Wir beschäftigten uns mit Fragen wie: Was verstehen wir unter Entwicklungshilfe? Müssen wir wirklich jemanden „entwickeln“? Ist „aid“ wirklich das richtige Wort, oder alles nur Eigennutz? Was kann nachhaltig getan werden? Müssen wir überhaupt was tun? Fragen über Fragen, die zum Nachdenken anregen. Und genau das sollen sie auch. Ich erinnere mich an das Vorbereitungsseminar. Die Wichtigkeit des Bewusstseins. Sich immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass man Privilegien hat und zu überlegen, was man mit ihnen macht. „Don’t come to talk, come to listen.“ war für mich ein zentrales Zitat des Seminars, das mich auch in Hinblick auf die zweite Hälfte meines Freiwilligendienstes noch einmal nachdenklich gestimmt hat. Wo habe ich den Menschen wirklich ein offenes Ohr geschenkt, habe ihnen zugehört, sie erzählen lassen? Wo war ich vielleicht zu laut? Auch in Bezug auf die „Entwicklungshilfe“ könnte es vielleicht hilfreich sein, erst einmal zuzuhören bzw. sich zu informieren, was wirklich sinnvoll ist. Der Ansatz des zweiten Referenten ist es u.a., die Firmen vor Ort zu stärken und sie so wettbewerbsfähiger zu machen. Wenn ich hier sehe, was mit einem Teil der Kleidung passiert, die wir in Deutschland in den Altkleiderkontainer werfen, bin ich echt ratlos. Kleidung von H&M und Co ist hier auf zahlreichen Kleidermärkten zu finden und sind so billig, dass sie den lokalen Produzenten das Leben schwer machen.

Und dann ist da noch eine weitere Frage, die ich seit des Seminars mit mir rumtrage. Ist mir Kenia nun (ein wenig) bekannt? Oder bin ich immer noch eine Fremde im Land? Inwiefern kann ich die Menschen überhaupt verstehen? Ist unsere Herkunft nicht zu verschieden für einen Austausch ganz ohne Barrieren? Am Samstagmittag sahen wir den Film einer Freiwilligen, die während ihrem Freiwilligendienst in Südafrika Aufnahmen von den Studentenprotesten im Land gemacht hat und immer wieder auf starke Ablehnung gestoßen ist (http://m.spiegel.de/sptv/spiegeltv/a-1118597.html). „Deine weiße Hautfarbe beschützt dich. Aber wir als Schwarze, wir leiden hier. Wir haben nichts. Du kommst her und filmst uns als wären wir Tiere. Ich bin wütend, sogar jetzt gerade. Aber wenn das der einzige Weg ist, meine Botschaft mitzuteilen, erniedrige ich mich dafür. Dann bin ich dein Affe, du hörst meinen Schmerzen zu, dann sprichst du darüber oder was auch immer. Aber ich denke nicht, dass das irgendwas ändern wird. Bis unsere Leute sich zusammentun und wir bekommen, was uns zusteht.“ Ein Zitat aus dem Film.  Vielleicht müssen wir einfach akzeptieren, dass es Räume gibt, in die wir als privilegierte Weiße nicht reinkommen, die für uns verschlossen bleiben.

Am Freitag stand dann auch schon der Ausflugstag an. Vormittags besuchten wir gemeinsam das National Museum, wo es außer einer Sammlung von ausgestopften Tieren u.a. eine interessante Ausstellung zur Geschichte Kenias gab. Es gab so viel zu sehen, dass man dort eigentlich noch viel länger hätte bleiben können. Zum Mittagessen gingen wir in ein äthiopisches Restaurant, wo uns Sarah und Timo (Freiwillige in Äthiopien) natürlich die besten Tipps geben konnten. Für mich war es das erste äthiopische Essen und es hat mir wirklich gut geschmeckt. Vor allem war es – im Vergleich zum meist recht faden kenianischen Essen – sehr lecker gewürzt. 

Anschließend blieb uns die Wahl, ob wir eine Art Gallery oder das Giraffencenter besuchen möchten. Ich entschied mich für Letzteres und es war wirklich schön. Das Giraffencenter wurde 1983 von einem amerikanischen Ehepaar zum Schutz der Rothschild-Giraffe gegründet und soll außerdem die kenianische Jugend für den Naturschutz begeistern. Auf einer hohen Terrasse konnten wir die Giraffen streicheln und füttern. Besonders amüsant waren ihre blauen und glitschigen Zungen. Außerdem erfuhren wir in einem kleinen Vortrag, wie man weibliche von männlichen Giraffen unterscheidet (anhand der Hörner) und dass sie trotz ihrer Größe (bis zu 5,80m) wie wir Menschen nur sieben Halswirbel haben. 

Anschließend spazierten wir auf der gegenüberliegenden Straßenseite noch ein wenig durch einen Wald, wo plötzlich der größte Käfer, den ich je gesehen hab, beschloss, sich auf meiner Hose niederzulassen. Nach einem ersten Schreckmoment war ich echt beeindruckt von seinem glänzenden Chitin-Panzer. Anschließend ging es mit dem Bus wieder zurück zum Seminargelände, wo am Abend noch zwei verschiedene Filme angeboten wurden. Ich entschied mich für „XXY“, einen argentinischen Film, der sich mit dem Thema Intersexualität beschäftigt. 
Am Samstag war dann schließlich Zeit zur Einsatzstellenreflexion. In zwei Kleingruppen stellte jeder seine Einsatzstelle vor und es wurde auch über Probleme gesprochen und gemeinsam nach einer Lösung für diese gesucht. Den Nachmittag widmeten wir der Planung unseres Freiwilligenprojektes, ein kleines Projekt, das von jedem/jeder kulturweit-Freiwilligen während des Auslandsaufenthaltes durchgeführt werden kann bzw. sollte. Aber hierzu bald mehr.

Am Abend stand schließlich das mittlerweile wohl fast schon traditionelle Zwischenseminars-Wichteln an. In schöner Kerzenatmosphäre stellten alle ein kleines Mitbringsel aus ihrem Einsatzland auf den runden Tisch in der Mitte. Nun wurde durch Würfeln in zwei Runden ausgeknobelt, wer welches Geschenk bekommen sollte. Das war wirklich lustig! Am Ende hielt ich super leckere Kessala Chips (aus Maniok) und Ginger Bonbons aus Kamerun in den Händen! 🙂 Wir saßen noch lange zusammen und ließen den Abend gemeinsam (und auch mit ein paar Weihnachtsliedern) ausklingen. 

Am Sonntag war auch schon der letzte Tag des Seminars. Nach einem „Open Space“, der für Kurzfilme, Volleyball und Yoga genutzt wurde, kamen wir ein letztes Mal zur Reflexion zusammen. Im Anschluss verwandelte Vicky uns in einen kleinen A cappella Chor, indem wir nach kurzer Übung vielstimmig „Don’t worry, be happy “ performten. Gar nicht mal so schlecht. Zum Abschied ließen wir Wunschblumen aufblühen (eine schöne Methode s. Foto). 

Nach einem letzten Mittagessen trennten sich dann unsere Wege. Es war ein sehr gelungenes Seminar, dass mir noch einmal viel neuen Input gegeben hat. Außerdem war der Austausch mit den anderen Freiwilligen wirklich interessant und bereichernd. Man sieht sich dann auf dem Abschluss Seminar im Februar! Danke an alle, besonders aber auch an Jana-Lou, Vicky und Peter, für die schöne Zeit! 🙂

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Von Hippos, Pumbas und einem grünen Vulkan

„Nur zum Zwischenseminar nach Kenia? Warum nicht dort auch ein bisschen Urlaub machen?“ Das dachten sich mehrere Freiwillige und so saß – einige Zeit und eine Whatsappgruppe später – eine gemischte Gruppe mit Freiwilligen aus Ghana, Togo, Kamerun, Äthiopien, Ruanda und Kenia am Sonntagmorgen im Matatu zum Lake Naivasha, einem Süßwassersee im Rift Valley Kenias. Schon auf der Fahrt tauschten wir uns lebhaft über unsere Einsatzländer aus. „Gibt es bei euch auch Chapati?“ „Wie sieht die Landschaft aus?“ „Ist dort Linksverkehr?“ „Wie gefällt dir deine Arbeit?“ usw… Es war super schön, die anderen Freiwilligen wiederzusehen und sich mit ihnen auszutauschen. Und so ging die knapp zweistündige Fahrt zum Camp Carnelley’s an der Südseite des Lake Naivasha’s auch wirklich schnell vorbei.

Dort angekommen, stellten wir nur kurz unsere Sachen ab und gingen dann runter zum See, der direkt an das Camp grenzt. Zuerst fielen mir die vielen Wasserhyazinthen auf, die ich schon auf dem Viktoriasee gesehen habe und die den Fischern auch hier das Leben schwer machen. Man sah gut, wie der wacklige Steg, der durch die Wasserpflanzen führte, immer wieder verlängert worden war.

Nach kurzer Absprache entschieden wir uns dafür, eine Bootstour auf dem See zu machen. Und das war ein voller Erfolg! Da wir das Hinweisschild „Beware of hippos“ nicht allzu ernst genommen hatten, waren wir umso verblüffter, als wir ein Flusspferd nach dem nächsten im Wasser liegen sahen. Deren ganze Masse wurde uns aber erst bewusst, als unser Steuermann auf eine kleine Grasfläche am Ufer zuhielt, auf der ein Flusspferd gerade sein Mittagessen einnahm. Wirklich beeindruckende Tiere!

Vielleicht nicht so groß, aber mindestens genauso interessant waren die unterschiedlichen teils bunten (Wasser-) Vögel, die sich auf den Bäumen im oder am Wasser niederließen. Der Steuermann schien es als eine Art Herausforderung zu betrachten, möglichst nah an die Vögel heranzufahren, ohne diese zu verschrecken, was ihm echt gut gelang.

Und dann entdecken wir plötzlich einen langen Hals vor einem Baum in etwas Entfernung! Zweifelsohne eine Giraffe; und kurz darauf noch zwei weitere.  Wir hielten an und sahen ihnen zu, wie sie am Baum knabberten. Kurz darauf entdecken wir weitere Giraffen vor einem Gewächshaus. Durch den Kontrast waren sie vom See aus wirklich gut zu erkennen. Gewächshäuser findet man rund um den See übrigens eine ganze Menge. Dort werden zahlreiche Blumen gezüchtet und anschließend in alle Welt exportiert. Leider wird für die Bewässerung der Pflanzen so viel Wasser aus dem See verbraucht, das der Wasserstand ständig abnimmt.

Nach etwa einer Stunde ging’s dann mit „Vollspeed“ zurück zum Anlegeplatz. Dabei spritzte allerdings so viel Wasser ins Boot, dass wir trotz des guten Wetters fast ein wenig froren.

Zurück im Camp aßen wir erstmal ausgiebig zu Mittag. Ich bestellte ein Swahili Curry mit Reis und Chapati und dazu frisch gepressten Saft. Einfach köstlich! Da es nun anfing zu regnen, saßen wir noch eine ganze Weile zusammen bis ich mich am Nachmittag mit Theresa, Timo und Sebastian auf die Suche nach einem Supermarkt machte. In Naivasha wurden wir nach einiger Zeit fündig und kauften Frühstück und Wasser für den kommenden Tag.

Der Montagmorgen begann für mich dann in aller Frühe mit einer eiskalten Dusche. Ob das an der Dusche oder an meiner Unfähigkeit, sie zu bedienen, lag, kann ich euch leider nicht sagen. Dennoch war es irgendwie frustrierend als ich von den Anderen hörte, wie schön warm es doch gewesen ist (zumindest eine Zeit lang). 😀 Trotzdem konnte das meine gute Laune keineswegs trüben, denn heute sollte es zum Hellsgate Nationalpark gehen. Nach einem gemeinsamen Frühstück und mit Lunchpaketen im Rucksack ausgestattet, machten wir uns auch schon auf den Weg zum Gate, wo wir uns Fahrräder liehen. Der Hellsgate Nationalpark ist nämlich einer der Parks, die man auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden kann. Vielleicht erinnert ihr euch an meinen Eintrag vom Diani Beach, wo quasi eine „Reifenpanne“ auf die Nächste folgte. Die Fahrräder hier machten allerdings einen sehr guten Eindruck und – soviel kann ich vorwegnehmen – sie kamen am Ende des Tages auch alle wieder heil am Gate an.

Schon nach wenigen Metern sahen wir die ersten Antilopen und Warzenschweine (von uns liebevoll „Pumbas“ genannt). Auch die Landschaft an sich mit den hohen Felsen und dem Grasland war wirklich beeindruckend. Nicht umsonst ist der Park auch ein Paradies für Kletterer. Wir fuhren weiter und sahen wenige Zeit später auch die ersten Zebras, die sich zum Teil wie Models an den Wegrand stellten. An einem Wasserloch entdeckten wir dann außerdem eine Herde Wasserbüffel. Denen wollten wir lieber nicht zu nahe kommen und warteten so lieber eine Weile, als einige von ihnen – begleitet von einer riesigen Staubwolke – den Weg querten. Etwas erstaunt waren wir, als wir später eine einzelne Giraffe antrafen, denn es gab kaum hohe Bäume und nach einem kurzen Austausch über unser Biologie-Wissen waren wir uns außerdem (mehr oder weniger) sicher, dass Giraffen normalerweise in Gruppen leben. Und so fuhren wir weiter und weiter – immer der Nase nach – und unterbrachen unsere Tour nur durch ein paar Fotopausen. Es war für mich sehr schön, den Park mit dem Fahrrad zu erkunden, da ich so das Gefühl hatte, viel näher bei den Tieren zu sein, als wenn ich im Auto sitzen würde. Und so ein bisschen Sport kann bei dem fettigen Essen hier schließlich auch nicht schaden. 😀

Nach etwa zwei Stunden erreichten wir eine KWS (Kenyan Wildlife Service) Station und gleichzeitig das Eingangstor zum „Hellsgate“, nach dem der Park benannt ist. Hier machten wir eine kleine Pause, wo wir trotz des Schildes „Beware of the baboons“ leider eine Banane an einen Affen verloren. Diese waren echt frech, aber irgendwie auch niedlich.

Da sich keiner von uns so wirklich informiert hatte, was genau das „Hellsgate“ ist, durchquerten wir das Eingangstor schließlich umso gespannter. Es folgte ein kleiner Abstieg (der selbst mit Birkenstocks ganz gut zu bewältigen war, wie Isabelle eindrucksvoll bewies). Anschließend führte der „Weg“ durch ein Flussbett, das links und rechts von großen Felsen begrenzt war. Nach anfänglicher Skepsis war es echt ein Erlebnis, über die Felsen zu klettern und durchs Wasser zu waten.

An einer Abzweigung wählten wir aus dem Bauch heraus einen Weg und standen nach einer kleinen Klettereinlage mit Seil schließlich… in einer Sackgasse. Während wir uns für ein Selfie aufstellten, entschieden wir, dass das das Hellsgate sein muss. Ob es das wirklich war, weiß ich bis heute nicht. In Deutschland hätte es wahrscheinlich eine Menge Hinweisschilder, eine Infotafel und ein Logbuch gegeben. Andere Länder, andere Sitten…

Jedenfalls machten wir kurze Zeit später kehrt und probierten auch noch den anderen Weg aus. An einem schönen Felsen legten wir eine Mittagspause ein und ruhten uns ein wenig aus. Danach ging es noch weiter, an einer „Dusche“ und heißen Quellen vorbei, bis wir schließlich auf einen Exit Point stießen. Also, Schuhe an und hoch da! Schon nach dem ersten kleinen Anstieg hatte man einen schönen Blick auf die Schlucht, aber die Aussicht von ganz oben war kaum zu übertreffen. Erstmal ein Selfie!

Nach einer kurzen Pause machten wir uns dann wieder auf den Rückweg zum Hellsgate-Eingangstor und schließlich auch mit den Fahrrädern zurück bis zum Gate. Der „Hellsgate National Park“ ist ein unglaublich schöner und vielfältiger Nationalpark, der auf jeden Fall eine Reise wert ist!

Aber reisen macht hungrig. So nahmen wir das nächste freie Matatu Richtung Town, in dem ich eine nette Dame kennen lernte, die uns ein gutes traditionelles Restaurant zeigte. Die lange Wartezeit wurde durch die Qualität des Essens auf jeden Fall gerechtfertigt. Mein Githeri (Eintopf u.a. aus Bohnen und Mais) und die Kochbananen (Matoke) waren wirklich lecker! Was ich aber bis heute nicht verstehe, ist, warum der Kellner mir zwei Flaschen Tusker statt einer gebracht hat, während alle anderen nur ihr bestelltes Getränk bekommen haben. Das ist nicht das erste Mal, dass mir das hier in Kenia passiert – seltsam. Satt, zufrieden, aber auch erschöpft machten wir uns schließlich auf den Weg zurück zum Camp.

Lange hatten wir überlegt, was wir am letzten Tag noch machen möchten und auch am Dienstagmorgen selbst war alles noch etwas rüselig. Letztendlich fanden wir dann aber – dank einem sehr freundlichen Gateman – einen Matatufahrer, der uns zum Mount Longonot, einem Vulkan in der Nähe des Sees, bringen wollte. Dort angekommen, bezahlten wir die KWS-Gebühr und machten uns auf den Weg Richtung Krater. Während es zunächst noch recht flach war, folgten nachher immer wieder echt steile Stücke. Je höher wir kamen, umso beeindruckender wurde die Aussicht über das Land, den Lake Naivasha und die Ngong Hills im Süden. Und dann kamen wir oben an. Was uns dort erwartete, hatte glaube ich keiner vermutet. Der Krater war mit Gras und lauter kleinen Bäumen gefüllt und daher komplett grün. Während unsere Kekse die Runde machten, genossen wir den guten Blick, den man dort oben hatte. Anschließend liefen wir noch ein wenig um den Krater herum. Eine ganze Umrundung schafften wir leider nicht, dafür war die Zeit zu knapp. Dennoch hat mir auch dieser Ausflug super gut gefallen.

Zurück am Gate, wartete der Matatufahrer schon auf uns und nach einer kurzen Verhandlung war dieser auch bereit, uns für einen guten Preis bis nach Nairobi zu bringen.

Am Mittwochmorgen machte ich dann mit Theresa, Isabelle und Sebastian noch eine kleine Stadttour durch Nairobi, wo wir unter anderem den Stoffladen noch einmal besuchten. Und dann hieß es auch schon Sachen packen fürs Seminar!

Ein schöner Kurzurlaub geht zu Ende! Danke an alle für die schöne Zeit! 🙂

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