Von der anderen Seite des Klassenzimmers

Immer mal wieder kommt es vor, dass ich gefragt werde, wie alt ich sei, und als Antwort folgt immer, dass ich ja noch so jung sei und wann ich denn den Schulabschluss gemacht hätte. Meine Antwort ist dann immer, dass ich letztes Jahr die Schule beendet hätte. Aber wenn ich genauer darüber nachdenke, natürlich erst nachdem ich das gesagt habe, ist diese Antwort falsch, denn ich habe erst diesen Sommer meine Abiturklausuren geschrieben und somit bin ich auch erst dieses Jahr von der Schule gegangen.

Aber warum kommt dann immer diese falsche Antwort reflexartig aus meinem Mund? – Ich glaube das liegt daran, dass mir diese Zeit so lang vergangen vorkommt, weil in der Zeit vom Abitur bis Jetzt so viel passiert ist.

Aber andererseits, als ich letztens Aufsicht bei den DSD II Prüfungen gemacht habe, hat es mich total an meine eigenen Abiturprüfungen erinnert. Für alle war diese Prüfung extrem wichtig, sie war auch in etwa so lang, wie die Abiturklausuren und alles war so offiziell mit Umschlägen, in denen die Aufgaben waren und es musste Protokoll geschrieben werden, wann er auf Toilette gegangen ist… Es gab nur einen kleinen aber entscheidenen Unterschied, diesmal musste nicht ich die Prüfung schreiben, sondern stand vorne, schaute in die teils verzweifelten Gesichter und musste darauf achten, dass keiner abschreibt oder spricht.

Eine andere Aufgabe, die ich letzte Woche das erste Mal übernommen habe, war der Vertretungsunterricht. Denn kurzfristig ist eine Deutschkollegin ausgefallen und ich sollte den Unterricht in der 8., 9. und 10. Klasse übernehmen. Erst war ich nicht derartig begeistert, weil ich nicht wusste, ob ich das kann, aber dann habe ich es gemacht und es hat ganz gut funktioniert. Wir haben in zwei Klassen über das Thema Medien gesprochen, was sie bereits alle schon einmal behandelt hatten, wodurch sie schon viele Vokabeln kannten und die Sprachbarriere nicht ganz so groß war. Aber es gab trotzdem immer wieder zwischendrin Momente, in denen es schwierig war, weil sie nicht genau verstanden haben, was ich gefragt habe, oder was sie tun sollen, aber mit Händen und Füßen haben sie es dann doch verstanden. Jedoch hat das nur so gut geklappt, weil die Schüler*innen sich große Mühe gegeben haben und mich auch teilweise unterstützt und auf griechisch übersetzt und auch gegenseitig für Ruhe gesorgt haben. Mit der anderen Klasse sollte ich Grammatik für den anstehenden Test wiederholen, was ein wenig schwieriger war, weil ich nur die Übungsblätter hatte und es sehr trocken war, ich ihnen das nicht auf griechisch erklären konnte und sie somit nicht alles verstanden haben und es nicht gerade spannend war. Hinterher war ich froh, dass alles doch so gut geklappt hat und es kein totales Chaos wurde.

Seit dieser Woche ist auch kein Schwimmunterricht in der Grundschule mehr,was bedeutet, dass ich in der Zeit in der Grundschule bei anderen Klassen helfe bzw. mit den Schülern*innen der 11. Klasse die mündliche Kommunikation für die DSD II Prüfung übe. Damit bin ich eigentlich ganz zufrieden, weil ich dann auch etwas zu tun habe und nicht nur im Unterricht sitze und warte, bis mich jemand fragt, ob man das auf Deutsch so sagen kann oder „wie lautet das Synonym zu…?“.

Denn dieses einfach-im-Unterricht-sitzen war vor allem am Anfang, weshalb ich auch lieber in der Grundschule war, weil ich dort mehr helfen konnte, z.B. beim Aufkleben, Schneiden, Malen usw. und im Gymnasium oft nur Grammatik gemacht wurde, wobei ich nichts bzw. nicht viel verstanden habe, weil alles auf griechisch war (auch wenn es für die Eingewöhnung gut war, ist es auf Dauer sehr langweilig). Ein anderes Problem war, dass ich zuerst von den Schülern*innen nicht verstanden wurde, was sich aber mittlerweile verbessert hat, weil sie sich daran gewöhnt haben. Ebenfalls wissen jetzt auch alle meine Deutsch-Kollegen*innen, was sie mit mir machen können bzw. wobei ich helfen kann und wobei eher schlecht. So kann ich nicht gut beim Leseverstehen helfen, weil ich von den deutschen Wörtern nicht die griechische Übersetzung kenne (naja, ich lerne immer mehr Wörter kennen, aber ich bin noch nicht so weit, als das ich diese Aufgabe übernehmen könnte), aber dafür kann ich beim Sprechen und Texte korrigieren helfen.

Insgesamt kann ich immer besser in den Unterricht eingebunden werden und so auch mehr machen und mich nicht die Stunde langweilen, sondern auch wirklich helfen und unterstützen.

2 Comments

  1. Gisela Giersberg

    Liebe Carolin, finde ich toll, was Du so alles machst! Eine Deutschlehrerin zu vertreten ohne Vorbereitung ist schon eine große Leistung! Schön das es Dir Spass gemacht hat! Ich wünsche Dir weiterhin viel Spaß mit den Schülern. Oma Gisela

  2. Petra

    Liebe Carolin,
    auch mir kommt es vor, als sei deine Schulzeit schon eine kleine Ewigkeit her, denn seit deinen Abiturprüfungen hat sich auch zuhause so wahnsinnig viel verändert…. sammle weiterhin viele Erfahrungen und finde Möglichkeiten / Projekte, bei denen du dich gut und mit Freude einbringen kannst. Deine Schüler werden es merken und dir danken! 
    Viel Spaß weiterhin
    😘

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