Geldbeutel weg und 326 Jahre alt…

Liebe Blogleser,

gestern wurde mein Geldbeutel gestohlen, wahrscheinlich auf der Busfahrt zur Schule. Am gleichen Tag war in Ostparaguay ein Gefecht zwischen Landlosen und der paraguayischen Polizei, bei dem es zu mehreren Toten kam: http://www.spiegel.de/​panorama/justiz/​tote-bei-gefechten-zwischen​-bauern-und-polizisten-in-​paraguay-a-839199.html.

So konnte ich also Bekanntschaft mit der hiesigen Polizei machen, die gleichzeitig in diesen Tagen mit der Absetzung ihres Kommandanten und der Aufklärung der Ereignisse in Ostparaguay zu tun hat. Somit ist vielleicht auch verständlich, dass in dem Schreiben, dass aufgesetzt wurde, sich so einige Fehler eingeschlichen hatten. Auf die Bitte hin, ich solle doch noch einmal den Text durchsehen, fand ich zuerst die falsche Passnummer, aber, was eigentlich viel lustiger war, ein Alter von 326 Jahren. Da hab ich mich doch gut gehalten, nicht wahr?

Biometrische Passfotos habe ich auch schon machen lassen, für den Rückreise-Reisepass, hier darf man sogar schmunzeln, solange der Mund geschlossen bleibt. Naja, und am Montag werde ich dann also zur deutschen Botschaft fahren und dort zusammen mit der Verlustmeldung einen neuen Reisepass beantragen, der nur für die Rückreise nach Deutschland gültig ist. Die Kreditkarte ist gesperrt und Geld kann ich mir leihen, also alles nur halb so wild. Ich muss halt in Deutschland alles wieder beantragen, was einige Zeit dauern wird…der Personalausweis ist schließlich auch weg. Immerhin ein Grund, meinen Grundschulfreund in der Gemeinde Rottenbuch mal wieder zu besuchen…

Jetzt hab ich dieses Klischee-Erlebnis also auch hinter mir, Diebstahl in Südamerika, und das ganz ohne Überfall oder Bedrohung mit Messern und Pistolen. Das hätte nun wirklich auch in der Münchner Innenstadt passieren können.

Was mir fehlen wird – was mir fehlt

Jetzt sind es also nur noch 7 Wochen bis zum Rückflug. Schon jetzt vergeht die Zeit wie im Flug. Mit einem lachenden Auge freue ich mich auf das Wiedersehen mit meinen Freunden in Deutschland, mit einem weinenden Auge werden mir die neu gewonnen Freunde hier in Paraguay fehlen, die dann ca. 12000 Kilometer entfernt sind.

Heute möchte ich einmal darüber berichten, was mir eigentlich fehlt, bzw. gefällt am jeweiligen Land. Fangen wir an mit Deutschland:

Freunde, Mietverträge, Ritter Sport, ein ordentlicher Winter mit Schnee, Café´s und Latte Macchiato, …

Aber nun Paraguay:

Freunde, Chipa, Busfahren, die Mentalität, die schönen Blumen, die Unkompliziertheit, die Schüler und Kinder, die Schule, der Mercado cuatro, …

Es gibt bestimmt noch vieles mehr, aber man sieht bereits, dass sich die beiden Länder ziemlich die Waage halten. Somit kann ich eben nicht sagen, was mir besser gefällt. Hoffentlich hab ich noch einmal die Möglichkeit, zurückzukommen.

uuund Umzug!

Tja, sehr spontan, sehr plötzlich, sehr einfach: am Freitag bin ich zum zweiten Mal in Asuncion umgezogen, diesmal in eine WG aus Deutschen und Paraguayern. Da ich aus dem alten Zimmer innerhalb von 2 Tagen raus sollte, hab ich mich im Facebookchat bei Matthias ausgeheult und er meint nur: ach, bei uns ist gerade ein Zimmer frei. Que suerte! Meine Sachen beschränken sich ja auf einen Koffer, einen Rucksack und ein paar Tüten, also war der Umzug auch mit zweimal Busfahren erledigt. Die neuen Mitbewohner sind supernett, Matthias kannte ich ja schon vorher, aber auch mit den anderen versteh ich mich sehr gut.

Am Freitag waren wir meinen Einzug feiern in der “Bayernstube”, mit Braten, Schweinswürschtl und Sauerkraut und viel viel Bier. Leider hat sich nicht jeder so über meinen Ausdruckstanz gefreut wie die Jungs, denn ich hab wohl versehentlich jemand mit dem Arm angestoßen und der muss wohl daraufhin über den Arm einer Paraguayerin gekotzt haben. Naja, verkannte Kunst eben…

Also, gestern dann gleich die nächste Einladung zum Asado bei der Familie von Jose. Alles gut im Moment also, jetzt muss ich nur noch die letzten 8 Wochen hier gut nutzen und möglichst alles noch auf die Beine stellen, was ich mir vorgenommen habe….

Bilder sagen mehr als 1000 Worte…

…und das Hochladen geht schneller als Schreiben. Nachdem ich zwei Monate immer “morgen” bloggen wollte, lieber so:

1. Mein neues Zimmer und meine “Familie”

2. Fantasy on Ice

3. Dia del maestro – Tag des Lehrers

4. Mein Weg zur Schule durch das Paradiso de las Plantas

5. Bolivien und Peru

6. Asuncion

7. Encarnacion und die Resuitenreduktionen in Trinidad

 

 

es la hora de levantarse, la hora es cinco cincuenta y cinco

es la hora de levantarse, la hora es

…so weckt mich eine sehr nette Frauenstimme auf meinem neuen paraguayischen Handy jeden Morgen um 5:55 Uhr. Naja, eigentlich ist das Handy finnisch und von Nokia, aber damit möchte ich mich jetzt nicht aufhalten. Mein deutsches Handy besitzt kein sogenanntes Tri-Quad-Band und funktioniert in Asuncion deswegen nicht. Meine deutsche Nummer ist außerdem abgeschalten. Ich habe mir hier eine Prepaidkarte zugelegt und bin jetzt theoretisch unter +595 (0)983 764 629 erreichbar, besser aber per E-Mail unter veronika.echtler@gmx.net oder per Skype mit dem Namen echt.vroni.

Die Schule

Die Schule im Colegio Goethe Aleman beginnt schon um 7:15 Uhr, deshalb auch die frühe Weckzeit. Es ist im Allgemeinen jedoch üblich, noch früher aufzustehen, so gegen 4:00 Uhr, um die kühlen Morgenstunden zu nutzen. Dafür wird mittags dann eine Siesta gehalten, wenn es der Job erlaubt (die Schule geht meist bis um 16:00 Uhr). Das frühe Aufstehen fällt mir nicht schwer – hört, hört! – weil mein Bio-Rhythmus durch die Zeitverschiebung von plus vier Stunden in Deutschland ganz gut dazu passt. Es wäre also genau so, wie wenn ich in Deutschland um 9:55 MEZ aufstehen würde.

Meine Aufgaben schälen sich die nächsten Wochen noch heraus, an der Schule wird sehr viel Eigeninitiative verlangt, ich muss also auf die Lehrer zugehen und Vorschläge bringen, was ich denn machen könnte. Im Moment sieht es so aus, dass ich im Deutschunterrich assistiere und Konversationskurse in Kleingruppen mache, außerdem habe ich im Musikunterricht schon kleine Rhythmuspattern ausprobiert und ein Kindermusical soll ich auch langfristig auf die Beine stellen. In Sachkunde will ich ein Baumpflanz-Projekt machen mit dem Hintergrund, dass die Kinder mehr über den Sauerstoffkreislauf und die Wichtigkeit von Bäumen lernen. Und außerdem noch etwas über Müllverwertung erzählen. Es gibt in der Sekundaria auch Sozialprojekte an der Schule, vielleicht kann ich da auch einmal hineinschnuppern. Wie gesagt, in der nächsten Woche werde ich einen horario, einen Stundenplan bekommen…ganz schön viel für ein halbes Jahr; mir gefällt es schon jetzt so gut, dass ich am liebsten verlängern würde.

Der Flug

Am domingo, Sonntag dem 26.02. vor genau einer Woche bin ich hier angekommen über Sao Paulo, Brasil nach Asuncion, Paraguay. Ich war nach der Bachelorarbeitsabgabe plus Abschiedsparty plus Packmarathon so müde, dass ich sogar in dem engen Flugzeug schlafen konnte. Außerdem war das Weltmusik- und das Familyfilm-Programm sehr spannend :-)

Jana und Thomas

Mit einem kleinen Schild “Veronika” haben mich Jana und Thomas vom Flughafen abgeholt, ein junges Berliner Lehrerpaar, bei denen ich im Moment im Gartenhaus wohne. Das Gartenhaus war früher für die Putzdame gedacht, aber die beiden sind sehr alternativ und nett und lassen lieber mich drin wohnen. Es gibt da einen Pool, einen kleinen Gasherd, einen Kühlschrank, ein Bett und einen Schrank, alles was man braucht eigentlich…auf Dauer möchte ich mir aber eine andere Wohngelegenheit in Asuncion suche, möglichst in einer paraguayischen Familie, damit ich gezwungen bin, noch mehr Spanisch zu sprechen und zu lernen.

Asuncion

Asuncion hat ca. 500.000 Einwohner und ist als Hauptstadt die größte Stadt in Paraguay http://de.wikipedia.org/wiki/Asuncion. Woran ich mich am meisten gewöhnen muss, ist das Busfahren, weil es überhaupt keine Buspläne gibt. Man muss also durch Fragen herausfinden, wo die Linien hinfahren, manchmal steht es auch vorne am Bus. Und es gibt natürlich auch keine bestimmten Abfahrszeiten, sondern man steht einfach am Straßenrand und wartet. Wenn der Bus kommt, wird mit der Hand gewinkt und eingestiegen. Die Busfahrt kostet, egal welche Strecke, 2,30 Gs. (Guaraní). Der Verkehr ist insgesamt recht chaotisch, das gefällt mir aber. Bis jetzt habe ich auch trotz Verfahren und langem Warten immer wieder nach hause gefunden. Die Paraguayer sind auch sehr hilfsbereit, wenn man nach dem Weg fragt.

Da ich ja so allerhand über Südamerika im Vorhinein gehört hatte, z.B. dass es keine Hygieneartikel für Frauen gibt oder nur sehr teure, hatte ich in meinem Gepäck 3 Packungen OB´s und Binden. Das hat sich aber wohl die letzten Jahre sehr verändert, in den Supermärkten gibt es jetzt wirklich alles. Da hätte ich mal lieber an das Ladegerät für meine Kamera denken sollen. Naja, wer weiß, wofür´s gut ist :-)

Klima

An die Temperaturen um die 35-40 Grad habe ich mich sehr schnell gewöhnt, es ist halt wichtig, immer viel viel zu trinken. Die Einheimischen laufen immer mit einer Kanne “Tedere” herum, das ist so ähnlich wie Mate-Tee, aber mit eiskaltem Wasser, sehr lecker und ein bisschen anregend auch.

Essen

Dieses Wochenende war ich gleich auf zwei “Asados”, also zweimal grillen: einmal bei Jana und Thomas im Garten und dann bei der Familie von Ramona, von der ich später noch berichten werde. So hatte ich den direkten Vergleich zwischen deutscher und paraguayischer Grillkultur. Während die deutschen sich um 8:00 Uhr treffen, um dann mit Salat und Bier gleich essen zu können, treffen sich die Paraguayer erst einmal ab 9:00, es wird viel geredet, dann irgendwann einmal Würste gegrillt und ! ohne jeden Salat nur mit Majo und Ketchup und Weißbrot gegessen.

Ansonsten muss ich ein bisschen über mich selbst lachen, weil ich im Supermarkt am Freitag ernsthaft ganz unten im Regal Essiggurken gefunden habe. Irgendwie hat mir dieses Essiggurkenglas echt ein richtig gutes Heimatgefühl vermittelt :-D

Naja, Vollkornprodukte gibt es natürlich auch nicht und alles wird beim Supermarkt in Tüten getütet. Ich versuche schon immer zu recyclen und die alten Tüten wieder zu verwenden, aber das ist den Paraguyern irgendwie sehr fremd, meistens packen sie dann meine alte Tüte noch zusätzlich in eine neue Tüte. Mülltrennung gibt es selbstverständlich auch nicht, nur die Plastikflaschen geben wir an ein paar Jungs, die sie weiterverkaufen und damit noch ein bisschen Geld dazuverdienen können.

Die Mennoniten in Paraguay

Neben Spanisch und Guaraní, einer indigenen Sprache, wird in Paraguay sehr viel deutsch gesprochen. http://de.wikipedia.org/wiki/Paraguay. Das liegt vor allem an den zahlreichen Mennoniten, einer Volksgruppe, die kurz gesagt über Russland und Kanada nach Paraguay ausgewandert ist. Auch am Colegio Goethe arbeiten einige Mennoniten, u.a. mein Ansprechpartner Herr Dyck, der Leiter der Primaria (Grundschule) http://de.wikipedia.org/wiki/Mennoniten.

Die Männer

Natürlich falle ich mit meinen blonden Haaren in Asuncion auf und es wird schonmal länger geguckt oder auch gepfiffen. Aber mehr auch nicht, ich finde nicht, dass jemand aufdringlich ist. Und  ich bin auch aus dem Alter raus, dass ich auf Angebote eingehe, wenn mir männliche Wesen ganz Paraguay zeigen möchten. Ich genieße im Moment einfach meine Unabhängigkeit so sehr, dass ich Blicke und Angebote dankend ablehne.

Ramonas Familia

Über einen guten Freund in Deutschland habe ich Kontakt mit Ramona, einer jungen Paraguayerin aufgenommen. Sie arbeitet im Kindergarten, spricht nur spanisch und Guaraní und hat eine Schwester, die in Erlangen wohnt und mit einem Deutschen verheiratet ist. Außerdem hat sie einen Mann, einen Hund und drei Kinder. Dieses Wochenende war ich sie besuchen und habe einen ersten Eindruck in eine echte einheimische Familie bekommen. Die Kinder sind ja soooo süß!!!

 

Alles in allem geht es mir einfach sehr sehr gut in Asuncion. Von einem deutschen Musiker auf der Grillfeier habe ich gehört, dass es sich mit Paraguay wie mit Lakritze verhält: entweder man liebt es oder man hasst es. Und ich liebe Paraguay schon jetzt!!!