Unterwegs II – Kandy

Am Samstagmorgen hieß es für mich einmal wieder früh aufstehen und noch die letzten Sachen zusammenpacken. Um sieben Uhr wollte ich zusammen mit Ines, einer Praktikantin der deutschen Botschaft, von Colombo aus mit dem Zug nach Kandy fahren. Daraus wurde zunächst einmal nichts. Der frühe Zug war bereits ausgebucht, als wir um viertel nach sechs Tickets kaufen wollten. Naja, wir haben schnell umdisponiert, Tickets für den Zug um 8:35 Uhr gekauft und anschließend ausgiebig gefrühstückt und ein wenig die Gegend um Fort Railway Station erkundet. Als es dann losging, machten wir es uns im Observation Car gemütlich. Das ist zwar die 1. Klasse, kostet hier allerdings trotzdem nur Rs. 360 (ca. 2,25€). Das Observation Car befindet sich am Ende des Zuges und hat hinten raus ein großes Fenster. Allerdings nützt dies zum Großteil nur denen, die in der letzten Reihe und somit direkt am Fenster sitzen. Aber auch sonst war es ganz nett und zum Fotografieren waren die anderen Plätze eigentlich auch besser geeignet.

In Kandy angekommen begaben wir uns erst einmal auf die Suche nach einer Unterkunft, was auch relativ schnell erledigt war. Wenn man ein geringes Budget hat, hat man ja auch nicht so hohe Ansprüche, nicht wahr? :-) Nach einem entspannten Tee auf der Terasse ging es dann zu Fuß in die Stadt runter, denn Kandy liegt umgeben von Hügeln, an deren Hängen ein Großteil der Hotels und Guest Houses angesiedelt ist.

Unser erster Eindruck im Stadtzentrum: komisch, wo sind denn die Menschen alle? Dazu muss man wissen, dass am Freitag, dem 13. April 2012, das Singhalesische und Tamilische Neujahr gefeiert wurde. (Einen kleinen Artikel dazu liefere ich bald nach, versprochen!) Tja, auf jeden Fall war es am Samstag sehr ruhig in Kandy. Wir nutzten die Ruhe zum Erkunden und machten uns nach einer Weile auf zum Udawattekele Bird Sanctuary, wo wir eine etwas obskure Begegnung mit dem Wärter am Eingang hatten.

Als treuer Katholik freute er sich, zwei sich als solches bekennende Christen vor sich zu haben. (Randnotiz: Mein persönlicher Eindruck ist, dass viele Sri Lanker – egal welcher Religion oder Bevölkerungsschicht – es nur schwer nachvollziehen können, wenn jemand keinen Glauben hat. Es scheint für viele einfacher nachzuvollziebar zu sein, wenn jemand an einen anderen Gott glaubt.) Auf jeden Fall wollte der Parkwächter, Anton, fast nicht mehr aufhören, mit uns über Gott und die Welt zu reden. Es war ein interessantes, wenn auch etwas skurriles Gespräch und endete damit, dass wir umsonst in das Bird Sanctuary durften.

Leider wurden wir auf unserem Spaziergang vom Regen überrascht. Es fing erst langsam an, bis dann auf einmal der Platzregen mit Gewitter einsetzte. Die Monsunzeit fängt langsam an und Gewitter sind leider inzwischn auf der normalen Tagesordnung. Nach ein paar Minuten Abwarten wurde uns klar, dass es nicht wie erhofft schnell wieder aufhören würde. Es bleibt nur zu sagen, dass wir am Ende völlig durchnässt wieder am Eingang ankamen, durch eine glückliche Fügung ein Tuk Tuk auftauchte und wir dann für einen saftigen Kilomterpreis von besagtem Tuk Tuk in unser Guest House gebracht wurden. Meine Jeans ist immer noch nicht wieder ganz trocken, und wird dies vor ihrer Runde durch die Waschmaschine morgen wohl auch nicht mehr werden…

Aber wir haben uns natürlich nicht vom Regen einschüchtern lassen und sind nach einer kurzen Dusche und mit frischen – trockenen – Klamotten wieder runter in die Stadt gelaufen, um uns die Cultural Show im Kandyan Cultural Centre anzusehen. Es war eine schöne Show mit den traditionellen Kandyan Dances – kein absolutes Muss, aber an einem verregneten Abend wirklich eine lohnenswerte Alternative.

Am Sonntag war in Kandy wieder etwas mehr los – besonders im Tempel der Zahnreliquie, in dem ein Zahn Buddhas aufbewahrt wird. Neben uns und zwei Busladungen voll Touristen waren heute morgen besonders viele Gläubige dort, um zum neuen Jahr Opfer zu bringen. Lotusblüten, Jasminblüten, Frangipaniblüten oder bunt eingepackte  Geschenke für die Priester – eine wahre Pracht von Farben, Klängen und Gerüchen, ein Erlebnis für alle Sinne! Der Zahntempel war für mich das absolute Highlight dieses Trips und ist wirklich ein Muss für jeden Sri Lanka Besucher, der sich nicht nur für Strand und Sonne, sondern auch für die Kultur und Geschichte des Landes interessiert.

So, das war es erst einmal von mir als Touri-Guide. Ich hoffe, das war jetzt nicht alles viel zu detailliert und langweilig. Und falls doch, gibt es jetzt endlich die versprochenen Bilder für euch!

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