Z’tesutyun Axperes!

Ziemlich genau die Hälfte meines Freiwilligendienstes ist nun vorbei. Für andere Kulturweitfreiwillige bedeutet das leider auch, dass sie ihre Koffer packen und nach Deutschland zurückkehren, denn sie verbrachten nur ein halbes Jahr im Gastland.

Natürlich wollten Moritz und ich unsere verbleibende gemeinsame Zeit in Armenien besonders intensiv verbringen, also haben wir uns etwas ganz besonderes überlegt: Wir schlossen uns einer Wandergruppe an! Wer mich etwas besser kennt wird nun vielleicht die Stirn runzeln, denn die Wörter “Robin und Wandern” hatten bisher nur, hmm, koexistiert. Jedenfalls, wir trafen uns am ausgemachten Treffpunkt und begegneten wunderbaren Menschen, die wie wir genauso Lust hatten, einen tollen Tag in den Bergen bei Yegheghis zu verbringen. Wenn man durch den tiefen Schnee, der Schuhe und Socken erbarmungslos tränkt, stapft und sich Kilometer für Kilometer dem hochgelegen Kloster nähert, fragt man sich schon, warum die alten Armenier ihre Gotteshäuser so hoch und so abgelegen errichteten. Aber das Gefühl, endlich oben zu stehen und die fantastische Aussicht genießen zu können, lässt jeglichen Groll auf einen amerikanischen Sportschuhhersteller vergessen.

Der Moment des Abschieds musste trotzdem irgendwann kommen. Eines Nachts spürte ich, wie schon so oft, wie Moritz’ Hand unsanft an meiner Schulter rüttelte. Hatte ich wieder einen geplanten Ausflug verschlafen? Oder gar die Wäsche in der Waschmaschine vergessen? Ich öffnete die Augen und sah, wie Moritz mit seinen gepackten Koffern im Flur steht. Wir stehen uns gegenüber. Wir versuchen passende Worte zu finden. Eine Umarmung, noch ein Blick. Er geht hinaus, ich schließe die Tür.

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