Khor Virap: Auf Gregors Spuren

Vergangenen Freitag sind Moritz und ich zum “Akademischen Symposium anlässlich des 100. Jubiläums der Gründung der Deutsch-Armenischen Gesellschaft” gegangen. Da die Veranstaltung über mehrere Fakultäten der Universität Yerevan verteilt war und wir nicht wussten, an welcher gerade Programm war, hatten wir die Möglichkeit, sämtliche Einrichtungen der armenischen Bildungslandschaft besichtigen. Nachdem wir uns, unter lang anhaltendem Gelächter des Saals, in eine Vorlesung über armenische Sprachgeschichte gesetzt hatten, fanden wir schließlich doch das richtige Gebäude. Dort machten wir auch Bekanntschaft mit Isabel, einer Studentin aus Deutschland, die für einige Wochen Sprachkurse an der Universität Yerevan anbietet. Mit ihr haben wir Sonntag auch einen Ausflug nach Khor Virap gemacht.

Khor Virap ist ein Kloster nahe der türkischen Grenze. Von dort aus hat man einen wunderbaren Ausblick auf den Berg Ararat. An dieser Stelle bietet sich ein kurzer Exkurs zum Ararat an: Der Ararat ist das Nationalsymbol Armeniens und liegt absurderweise auf dem Staatsgebiet der Türkei, mit der Armenien bekanntermaßen ein eher “schwieriges Verhältnis” hat. Vor einiger Zeit empörte sich die Türkei, dass der Ararat im Staatswappen Armeniens abgebildet ist und somit von Armenien vereinnahmt wird, obwohl er auf türkischem Boden liegt. Der damalige Außenminister Armeniens stellte daraufhin infrage, dass Mond und Sterne auf der Flagge der Türkei zu sehen sind, und diese Himmelskörper der Türkei doch auch nicht zustehen. Damit war das Thema wohl auch erledigt. Wie auch immer, der Legende nach war Gregor Lusavorich 15 Jahre lang in einem Kerker eingesperrt, über dem das Kloster später errichtet wurde. Der heilige Gregor, der sich als überzeugter Christ gegen den heidnischen König auflehnte, sollte in seiner Gefangenschaft von seinem Glauben abgebracht werden. Als der König jedoch schwer erkrankte, wurde Gregor auf drängen der Prinzessin freigelassen, denn nur er konnte den König heilen. Gregor kam frei und heilte den König, woraufhin er sich taufen ließ und das Christentum zur Staatsreligion ausrief. Armenien ist noch heute sehr stolz darauf, als erster Staat der Welt das Christentum übernommen zu haben. Dementsprechend wird der heilige Gregor hier sehr heroisiert.

Nahe Khor Virap befindet sich auch die Ruinenstätte von Dvin. Dort stand eine Kathedrale aus dem 4. Jahrhundert, die 400 Jahre später bei einem schweren Erdbeben zerstört wurde. Über diesen historischen Ort wacht heute eine einzige Frau, die versucht, die Ruine wieder aufzubereiten und Fundstücke wie Krüge oder Kunstgegenstände zu erhalten. Ihr Haus liegt direkt neben der Stätte und dort hat sie auch liebevoll ein kleines Museum aufgebaut. Sie hat uns drei  zu Kaffee, Joghurt und Obst eingeladen und wir konnten zum ersten Mal Zeuge der armenischen Gastfreundschaft werden, die in nahezu jedem Reiseführer beschworen wird.

Am gleichen Tag war ebenfalls der armenische Nationalfeiertag. Als Isabel, Moritz und ich am Nachmittag nach Yerevan zurückfuhren, trafen wir uns in der Stadt mit ein paar Germanistikstudentinnen, mit denen sich Isabel bereits angefreundet hatte. Sie führten uns in einen Park, in dem ein Heißluftballon steigen gelassen wurde und wir gingen zusammen zum Republiksplatz. Auf dem Republiksplatz, dem zentralen Ort der Stadt, war eine Bühne aufgebaut, auf der Musik gespielt wurde. Moritz und ich bekamen auch eine Einweisung in den traditionellen armenischen Tanz. Unsere kleinen Finger sind glücklicherweise nicht abgerissen.

4 responses to “Khor Virap: Auf Gregors Spuren

  1. Cooler Blog, Axpers ;-) Schön so viel aus Armenien zu lesen! Gut gefiel mir der Einwand mit den kleinen Fingern – die werden beim Tanzen echt stark beansprucht…

  2. Sehr gut, nehmt alles von der Kultur und den Sehenswürdigkeiten mit =)

  3. Anonym

    Sehr coole Sachen, mit welcher Organisation arbeitet ihr denn zusammen?

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