Die erste Woche – Es ist auch unsere Küche!

So, hier bin ich. In Yerevan. 2958 Kilometer weg.

Meine erste Woche in Yerevan ist jetzt vorbei. Nachdem ich vor 10 Tagen mitten in der Nacht vom Flughafen abgeholt und bei meiner Gastfamilie abgesetzt wurde, war es anfangs schwierig für mich, meinen Rhythmus zu finden. Eine neue Umgebung, eine neue Sprache, ein neues Klima und vor allem ein neues Bett sind Teil der neuen Welt, in der ich mich nun befinde. Den anderen Freiwilligen in Armenien, Elene, Leonie und Moritz, der mit mir zusammen in der Gastfamilie wohnt, ging es bestimmt nicht anders. Aber jetzt, wo die meisten organisatorischen Angelegenheiten geklärt sind und die Schule, in der ich arbeite, begonnen hat, fängt mein mein Auslandsjahr langsam an, Struktur zu bekommen.

Ich leiste meinen Freiwilligendienst in der 60. Grundschule “Vahan Teryan” ab. An ihr lernen etwa 600 Schüler von der ersten bis zur neunten Klasse. Meine Aufgabe hier ist es, den Deutschunterricht zu unterstützen, indem ich verschiedene Sprach-, Sport- und Musikangebote auf Deutsch anbiete und den Schülern helfe, das deutsche Sprachdiplom zu erhalten.

Als das Schuljahr am Montag begann, war ich erstaunt welchen Stellenwert die Schule in Armenien einnimmt. Die Kinder und ihre Verwandte haben sich alle herausgeputzt, um die Einschulung der Erstklässler zu feiern. Die Jungs trugen Anzüge und die Mädchen ihr bestes Kleid. Es wurden Gedichte vorgetragen, traditionelle armenische Tänze getanzt und den Lehrern wurden von jedem einzelnen Schüler Blumen mit einer herzlichen Umarmung überreicht. Anschließend an die Feierlichkeiten wurde der Unterricht wieder aufgenommen.

Abseits des Unterrichts erkunden Leonie, Elene, Moritz und ich Land und Leute. Die Deutsche Botschaft in Yerevan hat uns am Donnerstag nach Sisian, einem Ort, der etwa 200 Kilometer südöstlich von Yerevan liegt, zu einer Ausstellung armenischer Petroglyphen eingeladen. Petroglyphen sind in Stein gearbeitete Felsbilder aus prähistorischer Zeit.  Hier einige Impressionen:

Die vier Stunden An- und Abfahrt nach Sisian waren da schon abenteuerlicher.

Das Taxi mit dem wir fuhren hatte mit einigen technischen Problemen zu kämpfen. So musste der Fahrer alle zwei Kilometer am Straßenrand halten und das Qualmen unter der Motorhaube stoppen. Auf der Rückfahrt sprang der Motor gar nicht mehr an. Wir strandeten um zehn Uhr nachts an einer Tankstelle, die 10 Kilometer vor Yerevan liegt. Nach einer hitzigen Diskussion mit dem Taxifahrer um den ausstehenden Fahrtpreis, rief er seinen Bruder an, der uns abholen sollte. Er kam nicht. Wir stiegen in ein anderes Taxi und kamen sicher in Yerevan an.

Die Gastfamilie, in der Moritz und ich wohnen, ist sehr groß und sehr herzlich. Man lernt andauernd ein neues Gesicht kennen. Es kommen Leute und es gehen Leute. Sie schlafen hier, verschwinden für einige Tage, um irgendwann doch noch wieder aufzutauchen. Auch wenn Moritz und ich die genauen Verwandtschaftsverhältnisse hier noch nicht ganz durchblicken, versicherte uns der in Deutschland lebende Gastbruder Hovhannes, dass sie alle irgendwie zusammen gehören. Wir fühlen uns hier sehr wohl, obwohl wir einigen Restriktionen ausgesetzt sind. Sich als Mann an der Hausarbeit zu beteiligen gehört sich in Armenien anscheinend nicht. Langsam aber sicher versuchen Moritz und ich die Emanzipation des europäischen Mannes auch in diesem Haus zu etablieren, aber wir merken, dass es noch ein weiter Weg ist. Also warten wir solange, bis die Gastmutter aus dem Haus ist. Erst dann bereiten wir unser Essen selbst zu. Ganz heimlich.

One response to “Die erste Woche – Es ist auch unsere Küche!

  1. Ich darf in meiner Gastfamilie auch nicht helfen oder den Tischdecken oder ähnliches . Sehr gewöhnungsbedürftig. 

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