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Filmtipp: Waltz with Bashir

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Während unserem Zwischenseminar in Amman, was mittlerweile nun schon über ein halbes Jahr zurück liegt, schauten wir Abends den Film “Waltz with Bashir”. Nach dem Film war klar, dass ich dazu unbedingt einen Filmtipp schreiben müsse, was dann irgendwie wieder untergegangen war. Heute Abend haben wir uns in einer kleinen Runde bei einem israelischen Maccabee-Beer über den Film unterhalten und so möchte ich ihn dir, lieber Leser, hiermit sehr nahe legen.

Ari Vollmann’s ”Waltz with Bashir” erzählt Ari’s eigene Geschichte. 1982 war er bei der Invasion des Libanons auf Seiten Israels dabei und verlor nach dem Krieg all seine Erinnerungen daran. Jahre später interviewt er seine damaligen Kameraden um Klarheit zu bekommen, was damals wirklich geschah. Auf diesen Interviews basiert der animierte Film, der sehr authentisch aufzeigt was Krieg bedeutet und wie er Menschen direkt betrifft und andere mit hinein zieht.

Ein wichtiger Teil des Films beschreibt das Massaker von Sabra und Schatila, das später von den Vereinten Nationen als Genozid gewertet wird. In den beiden palästinensischen Flüchtlingslagern ermordeten christliche Milizen in den drei Tagen vom 16. bis 18. September 1982 Unmengen Menschen. Soweit konnte es jedoch nur kommen, da der damalige Verteidigungs- und spätere Premierminister Israels, Ariel Sharon, erst nach diesen drei Tagen den Befehl gab das Massaker zu stoppen. Nach verschiedenen Angaben kamen bei diesem Völkermord zwischen 800 und 3300 Menschen ums Leben.

 

“Waltz with Bashir” ist ein inhaltlich schrecklicher – Aber großartig aufgearbeiteter Film der sehr nahe geht. Ich würde mich sehr freuen, wenn du ihn dir anschauen würdest und danach vielleicht einen Kommentar zu diesem Artikel hinterlassen könntest. Interessant dazu ist auch die Filmkritik Ein Meilenstein des Kinos: „Waltz with Bashir“ der FAZ, wobei es unzählige Kritiken auch bei Google zu finden gibt.

Hier nun aber erst einmal der Trailer:

Nachtrag: Der erste Kommentar ist schon sehr interessant. Unbedingt lesen… ;)

1 Kommentar

  1. Ich denke, der Film ist in erster Linie für Israelis gedreht worden, da jeder Israeli ob Frau (2 Jahre) oder Mann (3 Jahre) den Militärdienst absolvierte oder absolvieren wird. Es geht darum, wie ich denke, diesen Menschen nicht vor den Kopf zu stoßen, indem man sie als Nazisoldaten abstempelt, als dummen Soldaten oder als begeisterten Mörder, sondern vielmehr darum, das Israelische Volk auf dem Wege der Erkenntniss an die Tatsache heranzuführen, daß es dem Palestinensischen Volk seit 1948 bis heute unrecht antut.

    Der Film zeigt 90% Israelis und bietet so enorm hohes Identifikationspotential. Er ist in seiner Psychologie so taktisch und sensibel, macht so viele Anspielungen, die wir als deutsche kaum verstehen können. Der Film geht so behutsam um, mit der Psyche Israels Angst, als das auserwählte Volk bedroht zu sein, daß jeder Israeli der den Film sieht, entweder nur die Kriegslieder mitgrölt wie : „Heute hab ich Beirut bombardiert“ oder ihm klar wird wie grausam und ungerecht Krieg ist für alle Beteiligten, die für höhere Ziele von Höhergestellten, ihr Leben, ihre Familie, ihr Land, ihre Unschuld und ihren Schlaf auf spiel setzen.
    Wenn ich diesen Gedanken zu Ende denke, schliesse ich aus, daß die Initiatoren von Kriegen, die amerikanisch-jüdischen Geldgeber, sowie deutsche Waffenlieferanten zu Kriegsgegnern werden, da diese von Profit und Eigennutz zu sehr verblendet sind, um Menschlichkeit, Gesetz und Gerechtigkeit ernst nehmen zu können. Aber die Jugend Israels, die schon in der Schule, Jungen wie Mädchen, militärisch ausgebildet werden, als ginge es um sportliche Leistungen, gerade ihnen soll die Realität vom Krieg näher gebracht werden, damit sie Kriegsdienstverweigerer werden und sich womöglich weigern überhaupt in irgendeine militärische oder politische Tätigkeit hineingezogen zu werden, die ungerecht ist. Das wäre, wie ich vermute die höchste Zielsetzung (Tragweite) des Films. Aber genauso wünschenswert wäre es, wenn die Eltern dieser Jugend genauso aufgeklärt durch diesen Film, das Schweigen brechen und endlich Position beziehen, statt das gefährliche Demonstrieren gegen Krieg der Jugend zu überlassen.

    In einem Land wo das arabische Wort für Katastrophe verboten ist, bedarf es allerdings psychologischem Einfühlungsvermögen um gehirngewaschenen Menschen klarzumachen, daß das, was Israel 1948 als „Befreiungskrieg“ bezeichnet, von den Palestinensern mit Recht als „Katastrophe“ bezeichnet wird. Es geht in diesem Konflikt, wie bei zwei alten Nachbarn, einzig darum, einzusehen, daß Unrecht geschah. Da sich Israel bis heute weigert, das Einfallen in fremdes Land, Vertreibung, Gettoisierung, Krieg und Massakker als Unrecht anzuerkennen (damit würden sie sich nämlich die Grundlage ihres Staates sofort entziehen), wird es von keiner Seite aus, je zu sinnvollen, langanhaltenden Friedensverhandlungen kommen. Zwei Lösungen sehen die Palestinenser: Die Zweistaatenlösung (Palestina neben Israel) oder die Einstaatenlösung (Zusammenleben in einem Land mit gemischter Regierung auf der basis einer gemeinsam entwickelten Verfassung, jedoch nur auf der ersten Grundlage, daß Israel zugibt den Palestinensern mit der Gründung Israels Unrecht angetan zu haben).
    Duch den Stil, der Geschichtsfilm, mit Interviewsituationen und einer Rahmenhandlung mischt, gleichzeitig aber noch allgemeiner wird, durch das Mittel der animation, steht der Film exemplarisch, als Antikriegsfilm und als Warnung vor weiteren Kriegen und ihre Auswirkung auf die Überlebenden, da.
    Das Mittel der Animation hat für mich dreierlei Bedeutung:
    Einerseits, wie eingangs erwähnt, ist es Israelis oder Europäern nicht gestattet an Realschauplätzen zu drehen. Zweitens gibt die Animation dem Zuschauer nicht die Möglichkeit zu sagen: „Was für ein fieser Kerl, dieser Schauspieler.“ Es ist klar, die Akteure sind Figuren, doch durch den eindeutigen Bezug zur Realität, könnte es wirklich JEDER sein.
    Drittens ist das Medium ja eigentlich bekannt geworden, durch Disneys Zeichentrickfilme für Kinder mit Tieren und heiterem Happy-End. Dieser Film hingegen kann unverschönt Blut, Leichen, Verstümmelung, Verwesung zeigen, also Krieg. Aber um es nicht enden zu lassen wie eine ausgedachte Geschichte, sind die letzten zwei Minuten, reale dokumentarische Aufnahmen vom Massakker, im Libanoner Getto der Palestinenser und zogen durch das wechseln der Mittel, rasant alles was im Film passierte in die absolut wahrscheinliche Realität, ohne Raum, das Geschehene als unglaubwürdig, übertrieben oder fiktiv abzutuen. In diesen letzten zwei Minuten wurden Leichenberge und schreiende Frauen gezeigt. Also kein Happy-End, dafür eine Auflösung.

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