Update: Krawalle jetzt auch in Jerusalem

Dies ist ein weiteres Update zu den beiden Artikeln Hebron: Nahostkonflikt hautnah und Update: Ausschreitungen in Hebron.

In den letzten Tagen gab es immer wieder Unruhen in der Westbank. Politiker der Fatah und Hamas äußerten, dass die Übername der Abraham-Moschee in Hebron und Rachel’s Tomb bei Bethlehem zur dritten Intifada führen könnte. Der palästinensische Abgeordnete Abu-Ali Yatta schätze die Lage gegenüber Ynet so ein:

It’s typical for the Israelis, every time the need to renew negotiations is brought up, to produce a crisis in order to divert the pressure and attention [...]. One time it’s the Iranian nuclear program, another time it’s the question of these sites, and all of it is aimed at buying time and evading international pressure to resolve the conflict through the establishment of a Palestinian state.

Quelle: ynetnews.com

Dieses Wochenende haben wir wieder palästinensische und jüdische Feiertage. Die Juden feiern Purim, die Moslems den Geburtstag des Propheten Mohammeds  und betrauern den 16. Jahrestag des Goldstein Attentats in Hebron.

Gestern Nacht haben sich etwa 30 palästinensische Jugendliche in der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem verbarrikadiert und begannen heute Morgen mit Steinen israelische Sicherheitskräfte zu attackieren. Daraufhin drangen mehrere Hundert Sicherheitskräfte auf den Tempelberg ein. Auch in den Gassen Ost-Jerusalems scheint es heute immer wieder zu Zusammenstößen zu kommen. Es gibt  Berichte von einigen Verletzten in Jerusalem. Auch in der Westbank wurden drei Palästinenser in ihrem Auto auf dem Weg von Hebron nach Bethlehem angeschossen.

Weiter haben wohl radikale jüdische Organisationen vor, am heutigen Sonntag oder diesen Dienstag am Tempelberg den Grundstein für den dritten Tempel zu legen.

Seit Jahrzehnten bestehen Pläne zur Neuerrichtung des Tempels. Diese werden vor allem von einer kleinen Gruppe von Rabbinern forciert, allerdings vom Großteil der israelischen Bevölkerung sowie wichtigen Rabbinern abgelehnt. Die Neuerrichtung des Tempels würde einerseits den Abriss des Felsendoms und der Al-Aqsa-Moschee erfordern und damit eine Friedenslösung für den Nahen Osten auf längere Zeit unmöglich machen, andererseits herrscht jedoch innerhalb des Judentums die Meinung vor, dass der Bau eines Dritten Tempels erst im messianischen Zeitalter geschehen dürfe. Viele Juden glauben, dass im messianischen Tempel keine blutigen Tieropfer mehr stattfinden werden.

Quelle: Wikipedia – Israelischer Tempel

Diese radikalen Organisationen haben anscheinend den 16. März als den Tag des Wiederaufbaus des Tempels ausgesucht. Muslimische Organisationen fordern dabei ihre Gläubigen auf, in diesen Tagen und am 16. März besonders “wachsam” zu sein.

In der letzten Woche hat man immer wieder gemerkt, dass die Stimmung angespannt ist. Täglich gibt es neue und schlechte Nachrichten, die eine baldige Lösung im Konflikt unwahrscheinlich machen.
Wenn man sich den Verlauf der letzten Jahre ansieht, könnte man dem oben zitierten Abu-Ali Yatta recht geben. Es hat den Anschein, dass Friedensgespräche immer wieder (gewollt) hinausgezögert und unterbrochen werden. Das sich die Lage in nächster Zeit entspannt bezweifle ich.

Besonders gefährlich sind die Extremisten auf beiden Seiten. Wie man auf die Idee kommt, den Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee abreißen zu wollen, um den dritten Tempel zu errichten, kann ich nicht nachvollziehen. Hat schon ein was lächerliches.

Über Hebron gibt es übrigens eine sehr gute Reportage. Diese zeigt den Alltag und die Lage in Hebron ganz gut am Beispiel eines 16 Jähriges Mädchen. Hier die Playlist:

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