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8. Mrz / Philipp Wellmer

Projekt: Life is not out of tune

Clemens hatte schon zu Beginn des Schuljahres einen Chor gegründet, den wir seit ein paar Monaten durch eine Schulband ergänzt haben. Seither treffen wir uns jeden Freitag mit ein paar Schülerinnen und proben…

Daraus wurde die Idee ein Projekt mit Chor und Band zu starten, um hilfebedürftigen Menschen in den palästinensischen Flüchtlingslagern der Westbank eine musikalische Darstellung zu bieten. Mittlerweile ist das handfest, trägt den passenden Namen “Life ist not out of tune” und wir stehen kurz vor den Auftritten. Hier aber erst einmal ein Überblick, worum es genau geht:

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Ein Flüchtlingslager in der Westbank

In den palästinensischen Gebieten herrscht viel Not! Nicht nur in den Flüchtlingslagern, sondern nahezu in jedem Teil dieses Landes. Gewalt, Diskriminierung, Krankheiten, Arbeitslosigkeit – all das sind Probleme, mit denen viele Palästinenser zu kämpfen haben.

Auch wenn Jerusalem das Zentrum des Nahostkonfliktes darstellt und immer wieder Schauplatz von Gewalt ist, ist diese Not nicht in derart greifbarer Nähe wie etwa in den Flüchtlingslagern der Westbank.

Vor diesem Hintergrund überlegten sich die drei „kulturweit“-Volontäre der Schmidt-Schule, wie sie gemeinsam mit  den Schülerinnen  aus eigenen Kräften Not leidenden Menschen etwas Gutes tun könnten. Da alle drei Freiwilligen Hobby-Musiker sind, entschlossen sie sich, mit Schülerinnen-Ensembles in Flüchtlingslagern,  Krankenhäusern und Schulen in Palästina Konzerte zu geben.

Natürlich sind sich alle Teilnehmenden dessen bewusst, dass sie mit dem Projekt  die Situation der Notleidenden unmittelbar nicht verbessern können, da keine materielle Hilfe geleistet wird. Doch liegt es ihnen umso mehr am Herzen zu zeigen, dass sie an jene denken und sie nicht allein lassen.

Im Vordergrund steht, Notleidenden und Kindern in Form von Konzerten etwas zu schenken. Nicht zu vernachlässigen ist aber auch der pädagogische Aspekt für die Schülerinnen der Schmidt-Schule selbst: im Rahmen des Projektes werden sie an die Wirklichkeit der Menschen im Westjordanland und an deren  Probleme herangeführt. Sie erfahren ihre eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten, anderen zu helfen und solidarisch zu sein.

Schließlich soll mit Hilfe der deutschen Medien auch in Deutschland das Bewusstsein für das tägliche Leben der Palästinenser geschärft werden. Denn durch die Medien wird der Palästinenser entweder als Steinewerfer oder als elendiges Opfer der israelischen Besatzungspolitik dargestellt, selten aber als ganz normaler Mensch wie du und ich.

Quelle: http://schmidtschule.de/ihk-wettbewerb/

Clemens steckt wirklich unendlich viel Arbeit in den Chor. Das Repertoire umfasst von französischen Liedern wie aus dem Film “Die Kinder des Monsieur Mathieu” (hier mein Lieblingsstück) über deutsche Klassiker bis hin zu den arabischen Volksliedern. Die Band mussten wir mittlerweile ein paar mal umschmeißen, da wir allesamt an einem freien Schultag zusätzlich in der Schule sind und leider dabei nicht alle Eltern mitspielten.

Die ersten Konzerttermine stehen schon fest. Unser erster Auftritt wird direkt an der Sperrmauer bei Bethlehem stattfinden. Dort befindet sich das AIDA-Camp. Weiter ist ein Auftritt in der Nähe von Ramallah im Calandia-Camp an einer Schule mittlerweile fix. Auch der Auftritt in einem Krankenhaus und anderen Einrichtungen ist geplant.
Neben den Schülerinnen (Klavier, Oboe, Gitarre, Bongo, Bass) spielt der, mit Talent überschüttete Clemens sein Cello, Matteo rockt mit der Gitarre und ich sitze am Schlagzeug. Bisher sah dieses etwa so aus:

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Ich hatte im Keller der Schule eine alte Fußmaschine, Hi Hat und ein Becken gefunden. Zusammen mit der Keksdose im Wäschebehälter und der Tablot (typisch arabische Trommel) als Base, hörte sich das schon ganz lustig an. Jetzt kommt aber ein aktuelles Bild aus meinem Zimmer:

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Tataaaaaa! – Eigentlich wollten wir uns für die nächsten Monate nur eines ausleihen, aber die Preisdifferenz war so gering, dass sich der Kauf dieses schicken Schlagzeugs wirklich gelohnt hat. Und nun ist die Schmidt-Schule stolzer Besitzer eines Drum-Sets und ich darf mich daran ein bisschen austoben. ;)

Mit unserem Projekt nehmen wir übrigens an einem Wettbewerb zwischen den deutschen Auslandsschulen teil. Wer sich ein bisschen mehr darüber informieren will, findet noch einiges auf der Webseite der Schule:  http://schmidtschule.de/ihk-wettbewerb/

Zu guter letzt noch ein paar Bilder unseres ersten und ziemlich abgefahrenen Auftrittsorts:

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3. Mrz / Philipp Wellmer

Filmtipp: Allahs Bräute

Was geht in den Köpfen der Frauen vor, die sich im Namen des Dschihad für Selbstmordattentate entschieden haben?

3643_0001_Popup1 Zwei Jahre lang hat die Israelin Natalie Assouline im Hochsicherheitsgefängnis Hasharon 120 palästinensische Frauen besucht, die entweder an der Vorbereitung von Selbstmordattentaten beteiligt waren oder selbst vorhatten, als "Märtyrerin" (Shahida) zu sterben und viele andere mit in den Tod zu reissen. Assouline hat aus ihren Besuchen im Gefängnis der "Gotteskriegerinnen" einen weithin beachteten Film gemacht – "Shahida – Brides of Allah".

In einem Interview erklärt Assouline, dass sie – zu einer Zeit als viel über Frauen, die an Selbstmordattentaten beteiligt waren, berichtet wurde – die Wahrheit selbst herausfinden und den Frauen in die Augen schauen wollte. Sie habe ihnen die Frage gestellt, wie das ist, wenn man weit weg von der Familie plötzlich alleine zu Bett gehen muss, um am Morgen wieder mit sich alleine aufzustehen: "Was denken Sie, wie fühlen Sie, wenn Sie an den Preis denken, den Sie jetzt zahlen müssen, wenn sie an die Tat denken, an das Faktum, dass Sie Menschen umgebracht haben?"

Eine Antwort, die wissenschaftlichem oder politischen Eindeutigkeitsansprüchen genügt, hat sie nicht gefunden. Individualität, Komplexität und Widersprüche sind die Stichworte, die von ihr häufig erwähnt werden. Ihr individueller, nicht politisch motivierter Zugang zu den Frauen vermag es, wie viele Filmbesprechungen herausstellen, eindrucksvolle, intime Nahaufnahmen der Frauen zu erstellen, die sich deutlich von den Schablonen und Phrasen unterscheiden, mit denen die Frauen in der Medienberichterstattung gekennzeichnet werden.

Sie selbst habe, "really vulgar women" erwartet, brutale Frauen, ganz so wie es das verbreitete Stereotyp unterstelle. Tatsächlich aber, sagt Natalie Assouline, habe sie wirklich freundliche Frauen getroffen, Frauen, die oft sehr feminin seien. Und genau dieser offenkundige Kontrast zu den mörderischen Taten gehöre zu den widersprüchlichen Komplexitäten, die die Unfähigkeit, diese Taten zu verstehen, auf das Deutlichste vorführe.

Obschon die Filmemacherin neben Begründungen, die auf die Macht von übermächtigen Ideologien verweisen (Stichwort "gehirngewaschen"), auch einfache soziologische Zuordnungen verweigert, etwa eine eindeutige Antwort auf die soziale Herkunft der Dschihadistinnen – "Mittelklasse oder untere Klasse" – , so bringt der Film auch soziale Dynamiken ans Licht, zum Beispiel die "Radikalisierung in der Zelle", wie dies der Kritikerin der SZ auffiel:

"Und (Assouline, Einfg) zeigt, dass diese Gemeinschaft, wie jede andere Gemeinschaft auch, soziale Kontrolle über ihre Mitglieder ausübt: In Hasharon bedeutet das für einige der Frauen eine politisch-religiöse Radikalisierung weit über jene Überzeugungen hinaus, die sie überhaupt erst dorthin gebracht haben."

Quelle: http://www.heise.de/tp/blogs/6/146909

28. Feb / Philipp Wellmer

Danke…

… an den Schweizer Auslandskorrespondent André Marty vom SF für seinen großartigen Blog über und aus Israel (und – ich bestehe darauf – Palästina). Sein Blog ist auf jeden Fall ein Besuch wert – auch wenn es in der Schweiz keine Minaretten geben wird – er war sicher nicht schuld daran. ;)

Und das Geschenk des Tages war sein Artikel vom 29. Januar 2010 mit diesem wunderschönen Song:

28. Feb / Philipp Wellmer

Ohne Worte

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28. Feb / Philipp Wellmer

Update: Krawalle jetzt auch in Jerusalem

Dies ist ein weiteres Update zu den beiden Artikeln Hebron: Nahostkonflikt hautnah und Update: Ausschreitungen in Hebron.

In den letzten Tagen gab es immer wieder Unruhen in der Westbank. Politiker der Fatah und Hamas äußerten, dass die Übername der Abraham-Moschee in Hebron und Rachel’s Tomb bei Bethlehem zur dritten Intifada führen könnte. Der palästinensische Abgeordnete Abu-Ali Yatta schätze die Lage gegenüber Ynet so ein:

It’s typical for the Israelis, every time the need to renew negotiations is brought up, to produce a crisis in order to divert the pressure and attention [...]. One time it’s the Iranian nuclear program, another time it’s the question of these sites, and all of it is aimed at buying time and evading international pressure to resolve the conflict through the establishment of a Palestinian state.

Quelle: ynetnews.com

Dieses Wochenende haben wir wieder palästinensische und jüdische Feiertage. Die Juden feiern Purim, die Moslems den Geburtstag des Propheten Mohammeds  und betrauern den 16. Jahrestag des Goldstein Attentats in Hebron.

Gestern Nacht haben sich etwa 30 palästinensische Jugendliche in der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem verbarrikadiert und begannen heute Morgen mit Steinen israelische Sicherheitskräfte zu attackieren. Daraufhin drangen mehrere Hundert Sicherheitskräfte auf den Tempelberg ein. Auch in den Gassen Ost-Jerusalems scheint es heute immer wieder zu Zusammenstößen zu kommen. Es gibt  Berichte von einigen Verletzten in Jerusalem. Auch in der Westbank wurden drei Palästinenser in ihrem Auto auf dem Weg von Hebron nach Bethlehem angeschossen.

Weiter haben wohl radikale jüdische Organisationen vor, am heutigen Sonntag oder diesen Dienstag am Tempelberg den Grundstein für den dritten Tempel zu legen.

Seit Jahrzehnten bestehen Pläne zur Neuerrichtung des Tempels. Diese werden vor allem von einer kleinen Gruppe von Rabbinern forciert, allerdings vom Großteil der israelischen Bevölkerung sowie wichtigen Rabbinern abgelehnt. Die Neuerrichtung des Tempels würde einerseits den Abriss des Felsendoms und der Al-Aqsa-Moschee erfordern und damit eine Friedenslösung für den Nahen Osten auf längere Zeit unmöglich machen, andererseits herrscht jedoch innerhalb des Judentums die Meinung vor, dass der Bau eines Dritten Tempels erst im messianischen Zeitalter geschehen dürfe. Viele Juden glauben, dass im messianischen Tempel keine blutigen Tieropfer mehr stattfinden werden.

Quelle: Wikipedia – Israelischer Tempel

Diese radikalen Organisationen haben anscheinend den 16. März als den Tag des Wiederaufbaus des Tempels ausgesucht. Muslimische Organisationen fordern dabei ihre Gläubigen auf, in diesen Tagen und am 16. März besonders “wachsam” zu sein.

In der letzten Woche hat man immer wieder gemerkt, dass die Stimmung angespannt ist. Täglich gibt es neue und schlechte Nachrichten, die eine baldige Lösung im Konflikt unwahrscheinlich machen.
Wenn man sich den Verlauf der letzten Jahre ansieht, könnte man dem oben zitierten Abu-Ali Yatta recht geben. Es hat den Anschein, dass Friedensgespräche immer wieder (gewollt) hinausgezögert und unterbrochen werden. Das sich die Lage in nächster Zeit entspannt bezweifle ich.

Besonders gefährlich sind die Extremisten auf beiden Seiten. Wie man auf die Idee kommt, den Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee abreißen zu wollen, um den dritten Tempel zu errichten, kann ich nicht nachvollziehen. Hat schon ein was lächerliches.

Über Hebron gibt es übrigens eine sehr gute Reportage. Diese zeigt den Alltag und die Lage in Hebron ganz gut am Beispiel eines 16 Jähriges Mädchen. Hier die Playlist:

23. Feb / Philipp Wellmer

Update: Ausschreitungen in Hebron

Dieser Artikel ist ein Update für Hebron: Nahostkonflikt Hautnah von heute Nacht.

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Palästinenser in Hebron. Foto: AP

Unser Schulbetrieb ist heute normal weitergegangen. In der Westbank gibt es hingegen z.B. im 12 Kilometer entfernten Bethlehem Generalstreiks, da auch der Rachels Tomb (Rachels Garten) übernommen werden soll. Er gilt dem Judentum als drittheiligste Stätte und als Symbol für die Rückkehr der Juden.
In Bethlehem haben alle Behörden, Schulen, etc. geschlossen.

In Hebron kommt es dagegen gerade zu Auseinandersetzungen. Junge Palästinenser protestieren und schmeißen mit Steinen nach Sicherheitsbeamten und in die von Siedlern bewohnten Gebiete. Bisher wurde dabei jedoch noch niemand verletzt.
Die PLO scheint angekündigt zu haben die Demonstranten zu unterstützen.

Am Sonntag beschloss das israelische Kabinett im gesamten Land verschiedene Stätte zu übernehmen. Der Premierminister fügte diesem Plan auch Rachels Tomb und und die Abraham-Moschee hinzu.
Der UN Spezialbeauftragte für den Nahost Friedensprozess Robert Serry gab daraufhin ein Statement ab:
“Diese Stätten befinden sich auf palästinensischem Land und haben historische und religiöse Bedeutung nicht nur für die Juden, sondern auch für Christen und Muslime.”

Quelle: http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3853290,00.html

23. Feb / Philipp Wellmer

Hebron: Nahostkonflikt hautnah

Ich wollte mir mit diesem Artikel eigentlich Zeit lassen, bis ich in der richtigen Stimmung bin und die richtigen Worte finde. Aus gegebenem Anlass, verzichte ich nun aber auf eine halbe Stunde mehr schlaf und schreibe stattdessen über die Stadt Hebron in der Westbank. Am Ende des Artikels wirst du noch erfahren, was der besagte Anlass ist.

Es war vorletzten Sonntag, also vor etwas mehr als einer Woche, dass ich mich mit Clemens und Matteo auf den Weg nach Hebron gemacht habe. Ich hatte schon vorher viele Geschichten über die Stadt gehört und wollte mich selbst davon überzeugen, was dort vor sich geht.

P1030816 Hebron liegt im Westjordanland und ist eine der ältesten ununterbrochen bewohnten Städte der Welt. Zur Zeit der Kanaaniter war es eine Königsstadt. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass Hebron im 3. Jahrtausend v. Chr. gegründet wurde. Die Stadt wird in der Bibel an zahlreichen Stellen erwähnt.

Die in der Nähe gelegene Höhle Machpela, Höhle der Patriarchen oder Erzvätergrab genannt, (arabisch ‏الحرم الإبراهيمي‎, DMG al-ḥaram al-ibrāhīmī, hebräisch מערת המכפלה ma’arat haMachpela), gilt nach der biblischen Überlieferung als der Ort, an dem Abraham, Sara, Isaak, Rebekka, Jakob und Lea begraben sind. Diese Höhle gilt für den Islam und das Judentum als heilig, so dass Hebron für beide Religionen sehr bedeutend ist. Der israelitische König David soll in Hebron zum König gesalbt worden sein und dort regiert haben, bis er Jerusalem erobert und die Hauptstadt dorthin verlegt haben soll. Der byzantinische Kaiser Justinian I. baute im 6. Jahrhundert eine Kirche über dem Grab, die später von den Sassaniden zerstört wurde. […]

1917, im Verlauf des Ersten Weltkrieges, wurde Hebron britisch besetzt und anschließend Teil des Mandatsgebiets Palästina. 1948 annektierte Jordanien das Westjordanland, und Hebron wurde zu einer jordanischen Stadt, bis Israel im Sechstagekrieg 1967 das Westjordanland eroberte und Besatzungsmacht wurde.

Im Zuge der israelischen Besiedlung des Westjordanlands zogen nationalreligiöse Siedler zunehmend in die Innenstadt Hebrons. Als Vater der Siedlerbewegung in Hebron wird der Rabbi Mosche Levinger angesehen. Wegen der isolierten Lage zogen nur wenige Juden in die z.Zt. ca. 200 Personen (zuzügl. ca. 250 Yeshiva-Studenten) umfassende Altstadtsiedlung, die von der israelischen Armee gesichert wird.

Im Hebron-Abkommen von 1998 einigte sich Israel und die Palästinensische Autonomiebehörde auf eine verwaltungstechnische Teilung der Stadt in den Sektor H1 (palästinenisch kontrolliert) und den Sektor H2 (israelisch kontrolliert). Zwei Jahre nach Ausbruch der Zweiten Intifada kam es auch in Hebron zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften. Seit 2002 kontrollieren israelischen Streitkräfte das gesamte Stadtgebiet (H1 und H2) und verstoßen somit gegen das Abkommen von Hebron. 2005 wurden permanente Überwachungstürme in H1 errichtet sowie Mauern, Zäune und mehr als 100 Straßensperren.

Nach einem Bericht der beiden israelischen Menschenrechtsorganisationen ACRI (Association for Civil Rights in Israel) und B’Tselem mussten Palästinenser aufgrund der Präsenz israelischer Siedler, Soldaten und Polizisten 1014 Wohnungen räumen und mindestens 1829 Geschäfte und Betriebe im Stadtzentrum aufgeben; mindestens 440 davon wurden auf Befehl der Armee geschlossen.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Hebron

Der Wikipedia-Artikel gibt einen kurzen Überblick über Hebron. Hier wohnen ca. 200.000 Palästinenser und etwa 1000 israelische Siedler (nach Angabe eines Siedlers, abweichend von der Wikipedia-Info).
Die Stadt und ganz besonders die oben beschriebene Höhle ist für Moslems ebenso bedeutend wie für die Juden. Sie gilt den Juden als zweitheiligste Stätte und für die Moslems ist es das Grab Abrahams, dem Urvater des Islams.
Die jüdischen Siedler in Hebron leben in einem Teil der Altstadt in unmittelbarer Nähe zu den palästinensischen Familien und deren Häusern. In der Vergangenheit, noch vor der zweiten Intifada, kam es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen beiden Parteien. So etwa 1929 beim Massaker von Hebron, als nach heftigen jüdisch-palästinensischen Zusammenstößen in Jerusalem auch in Hebron 67 Juden getötet wurden.
Oder aber das Goldstein Attentat vom 25. Februar 1994, als der extremistische Siedler  Baruch Goldstein bei einem Morgengebet in der Abraham-Moschee mit einem Sturmgewähr um sich schoss und dabei 29 betende Muslime tötete.
In den letzten Jahren, ganz besonders nach der zweiten Intifada, wurde die Sicherheit der Siedler so schwierig eingeschätzt, dass die Stadt geteilt wurde. Ganze Straßenstriche der Altstadt mit etwa 1800 palästinensischen Geschäften und 1000 Wohnungen sind heute durch Mauern, Stacheldraht und Zäune zu einer Geisterstadt gemacht wurden. Der Grund hierfür ist, dass diese Straßen zu nah an den Siedlern liegen. In den übriggebliebenen Straßen der Altstadt werden über den Gassen Zäune und Tücher gespannt, die den Müll der Siedler auffangen, die oberhalb der palästinensischen Läden leben. Beide Seiten erzählen davon, dass sie mit Steinen beworfen werden. Beide Seiten fordern das alleinige Recht auf Hebron und die Abraham-Moschee.

Die Abraham-Moschee wurde bisher durch eine Türe getrennt. Die eine, kleinere Hälfte der Moschee wurde von den Palästinensern genutzt und die andere Hälte zur Synagoge umfunktioniert. Der Zugang zur Synagoge führt über eine Straße, deren Benutzung für die Palästinenser nicht gestattet ist. Sie wird von ihnen “sari su-hada!” genannt – Übersetzte bedeutet das “Straße – Was soll das?!”.
Vor etwa einer halben Stunde habe ich die Nachricht bekommen, dass heute die gesamte Moschee von den jüdischen Siedlern übernommen wurde. Nach eigenen Recherchen habe ich diese Informationen auch im Internet gefunden:

Diese Artikel gehören zu den ersten Meldungen die ich finden konnte. Aus der Westbank selbst habe ich die Meldung, dass morgen, am Dienstag ein Generalstreik stattfinden wird. Ob wir in Jerusalem auch etwas davon mitbekommen werden, wird sich wohl erst morgen herausstellen. Brisant ist das Thema allemal.
Ganz besonders geht mir dies an die Nieren, da wir erst vorletzten Sonntag noch beide Seiten der Moschee/Synagoge besuchten. Wir unterhielten uns jeweils mit einem Palästinenser und einem orthodoxen Juden. Besonders das Gespräch mit dem Orthodoxen war sehr interessant, er meinte zu uns “One time, all this will be ours”. Bestritten hatte ich das nach den bisherigen Erlebnissen nicht. Aber das es dann doch so schnell geht ist wirklich erschreckend.

Ich werde diesen Artikel updaten, sobald es etwas neues gibt. Ansonsten hier noch Fotos von unserem Ausflug:

19. Feb / Philipp Wellmer

Mossad wird verdächtigt, Hamasführer in Dubai ermordet zu haben

Israels Auslandsnachrichtendienst heißt offiziell Institut für Aufklärung und besondere Aufgaben – auf hebräisch ha-Mossad le-Modiin ule-Tafkidim Meyuhadim – und wird intern kurz "das Institut" genannt – haMossad. Der weltweit berühmt-berüchtigte Geheimdienst wurde 1951 unter Federführung des damaligen Premierministers David Ben-Gurion nach der Gründung des Staates Israel aus konkurrierenden israelischen Nachrichtenorganisationen ins Leben gerufen – Israel sollte sich als wehrhafter jüdischer Staat unter feindlichen arabischen Nachbarn behaupten können.
Früher galt der Kampf des Mossad insbesondere der 1964 gegründeten Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO). Berühmt wurde der Geheimdienst, als er 1960 den nationalsozialistischen Kriegsverbrecher Adolf Eichmann in Argentinien aufspürte und nach Israel entführte, wo er vor Gericht gestellt und verurteilt wurde.
Anders als die deutschen Nachrichtendienste arbeitet der Mossad auch mit Mitteln der Sabotage, verdeckter und psychologischer Kriegsführung und unter Umständen auch mit Killerkommandos. Für solche Spezialoperationen, die den Mythos des Mossad begründeten, ist die Abteilung Metsada zuständig.
Quelle: http://www.spiegel.de/thema/mossad/

mutmassliche Momentan gehen die Vorkommnisse in Dubai durch alle Medien. Scheinbar haben mehrere Mossadagenten in Dubai einen Hamasführer getötet und dabei gefälschte, europäische Dokumente genutzt. Das Thema ist sehr brisant und scheint auch in den Europäischen Ländern für Aufregung zu sorgen. Bisher habe ich hier noch nichts von Unruhen nach dem Tot mitbekommen oder gehört.

Wer sich näher darüber informieren möchte, findet bei Spiegel Online interessante Artikel (http://www.spiegel.de/thema/mossad/) und ein Video (http://www.spiegel.de/video/video-1047588.html) zum Thema.

18. Feb / Philipp Wellmer

Frühlingsgrüße aus Jerusalem

Nachdem ich in letzter Zeit weiter am »kulturweit« Blog gearbeitet habe und dieser ein neues Design mit neuen Funktionen bekommen hat, finde ich nun auch wieder die Zeit ein bisschen in meinen eigenen Blog zu schreiben. Ich habe viel Aufholbedarf und hoffe, dass ich bis ende der Woche das wichtigste zusammen bekomme. Dazu gehört z.B. der Besuch der Stadt Hebron, der wohl zu den eindringlichsten Erlebnissen bisher zählt. Dazu aber bald mehr.
Jetzt erst einmal einen Gruß ins kalte Deutschland ;) mit ein paar aktuellen Fotos unserer angenehmen Wetterlage:

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30. Jan / Philipp Wellmer

Jerusalem bei Nacht

Impressionen eines Streifzugs um 4 Uhr morgen durch die Jerusalemer Altstadt: Grabeskirche, Klagemauer, Felsendom, israelische und palästinensische Altstadt