Hiermit beende ich mit Wehmut meinen Blog.
Ich bin zurück in Deutschland und finde es unangebracht aus der Ferne über Vorkommnisse im Nahen Osten zu schreiben. Das ist einfach nicht authentisch…
Zu guter letzt habe ich ein kleines Sammelsurium an Medienberichten, die im letzten Jahr zusammen kamen. Erstaunlich, wie groß das Interesse an einem kleinen Freiwilligen sein kann. Ich habe mich aber natürlich sehr darüber gefreut und hoffe, dass ich mit meinem Blog und den Artikeln ein Bild aus Jerusalem vermitteln konnte, dass zum einen die schwierige Situation, als auch die Schönheit der Region widerspiegeln konnte. . .
Alles Gute und vielen Dank für die Treue!
Philipp
Süddeutsche Zeitung (30.08.20109)
Süddeutsche Zeitung (29.04.2010)
Antenne Bayern – Menschen am Sonntag (03.10.2010)
Hier gehts zum Podcast…
PAD AKTUELL (Juni 2010)
Spiegel Online (UniSpiegel)
Unterwegs für die Unesco
“In Deutschland habt ihr Uhren, in Kenia haben wir Zeit”
Von Lea Hampel
2. Teil: Philipp Wellmer, 23: “Wo ist jetzt der Nahostkonflikt?”
Philipp Wellmer
“Weil ich gerne im Ausland bin, habe ich nach der Realschule eine Hotelfachausbildung gemacht. Ich dachte, in diesem Bereich bieten sich solche Chancen. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass das nicht das Richtige für mich ist und mein Abi nachgeholt. Als ich danach unbedingt mit einer Organisation ins Ausland wollte, schien Kulturweit das interessanteste Angebot zu haben.
Eigentlich wollte ich nach Rio de Janeiro – auf Jerusalem wäre ich auf keinen Fall gekommen. Schließlich wusste ich über die Region nicht mehr, als was man in den Nachrichten mitbekommt. Als der Vorschlag kam, habe ich erstmal Bildbände angeschaut und im Internet recherchiert. Mir wurde schnell klar, dass das ziemlich interessant ist, wenn auch nicht einladend.
Vor der Sicherheitslage hatte ich Respekt, vor allem vor dem Busfahren. Nach meiner Ankunft hat es aber nur eine Woche gedauert, und ich habe nicht mehr nachgedacht, ob gleich ein Anschlag stattfinden könnte. Zudem habe ich eine ruhige Zeit erwischt. An die vielen Soldaten musste ich mich trotzdem gewöhnen.
Mit meiner Arbeit an der deutschen Mädchenschule in Ostjerusalem, dem arabischen Teil der Stadt, bin ich glücklich. Wir drei Freiwillige geben auf Deutsch Vertretungsstunden in Mathe oder Geschichte, was gerade anfällt. Wir räumen aber auch mal den Müll vom Schulhof, gehen dem Hausmeister zur Hand oder üben mit unserer Band, die wir mit Schülerinnen gegründet haben. Wir haben sogar schon in Flüchtlingslagern in der Westbank gespielt.
Am Anfang war es ungewöhnlich, in einer Mädchenschule zu arbeiten. Mittlerweile ist das normal, auch wenn es manchmal mit den Eltern schwierig ist. Ich könnte mir sogar vorstellen, in Deutschland auf Lehramt zu studieren. In den ersten drei Wochen habe ich mich gefragt: wo ist jetzt der Nahostkonflikt? Mittlerweile weiß ich es, weil ich Menschen von beiden Seiten kenne. Zum Beispiel spielt die Tochter eines hohen Fatah-Beamten in der Band. Weil ich das, was ich hier sehe, spannend finde, habe ich den Kulturweit-Blog initiiert. Darin berichte ich aus Jerusalem – und andere Freiwillige aus ihren Städten.
Weil immer klar war, dass ich das irgendwann machen würde und mir die Atmosphäre hier an der Erlöserkirche so gefallen haben, habe ich mich taufen lassen. An Christi Himmelfahrt, in der Himmelfahrtskirche auf dem Ölberg, das war toll. Besonders mag ich den respektvollen Umgang der Männer miteinander. Der Hausmeister nimmt mich am Arm durch die ganze Schule, während er mir etwas erklärt. Das ist anfangs komisch, aber eigentlich toll.”
Philipp Wellmer ist seit September 2009 in Jerusalem.
Quelle: http://www.spiegel.de/