Udo Jürgens. Hoch 1000. In schlimm.

Heute ist Partystimmung auf dem Kulturweit-Blog: Denn in diesem Blogeintrag geht es um einen sehr wichtigen und essentiellen Bestandteil der serbischen Kultur: Feiern, Feiern und Feiern!

Hier gibt es einen kleinen Blick und eine kleine Hörprobe in ausgewählte serbische Sangeskunst, exquisite Tropfen und die verschiedensten Feste und Feiern.


Davor aber noch ein kleiner Disclaimer:

Dieser Blogeintrag ist nicht für Kinder unter 36 Monaten geeignet, da einzelne Wörter oder Buchstaben verschluckt oder eingeatmet werden können. Überwachung durch Erwachsene ratsam. Des Weiteren könnten vereinzelte Verallgemeinerungen gefunden werden, da natürlich wie in Deutschland auch nicht jeder gleich feiert, sich gleich anzieht, die gleichen Getränke trinkt oder in den Clubs überall nur die gleiche Musik läuft. Hier gebe ich nur meine erlebten Eindrücke wieder – die Realität könnte eventuell anders aussehen- dies bitte beim Lesen differenziert betrachten. Danger of a single story ist hier wieder allgegenwärtig – hier nochmal als Video verlinkt:

Und jetzt viel Spaß beim Lesen. Kann Spuren von Nüssen enthalten.


Erste Klischees vor meiner Abreise

Bevor ich im September nach Zrenjanin geflogen bin, habe ich mich natürlich auch im Internet schlau gemacht, wie es denn in Serbien mit den Gesetzen für Alkohol aussieht und natürlich auch, wie gut man in Serbien feiern kann. Das Ergebnis: Alkohol und Clubs ab 18, und feiern kann man an jedem Tag in der Woche – egal, ob Montag, Mittwoch oder am Wochenende: Party kann man jeden Tag haben!

Die Wahrheit sieht natürlich anders aus: ich weiß zwar nicht, wie oft der Autor der Website oder des Buches feiern war, und wie gerne er dabei alleine in der Ecke von einer Kneipe saß und das „ausgehen“ genannt hat, aber feiern unter der Woche gestaltet sich schon eher schwierig – am Wochenende geht es dafür umso mehr ab! 🙂

Am Freitag und Samstag ist gefühlt die ganze Jugend auf den Beinen, um die Pubs, Bars und Clubs in Zrenjanin unsicher zu machen. Trotz der Tatsache, dass Zrenjanin doch eher eine kleine Stadt ist, haben sich wirklich zahlreiche Clubs, Cafés und Bars angesiedelt, um dort am Wochenende die Türen und Portemonnaies  für die feierwütigen Gäste zu öffnen.

Seitdem ich im September nach Serbien gekommen bin, war ich zugegebenermaßen schon das ein oder andere Mal aus,  natürlich nur, um auch diesen Aspekt der serbischen Kultur kennenzulernen!

„Kosovo ist Serbien. Lalalalala.“

Ein großer Bestandteil des Serbischen Partywesens ist zweifelsohne die „Musik“. Wieso ich das Musik in Anführungszeichen gesetzt habe? Weil man das wirklich schwer als Musik bezeichnen kann!

In den allermeisten Clubs und Bars findet man einfach keine internationale Musik zum Hüften kreisen lassen oder wie sich wie John Travolta in „Saturday Night Fever“ von der Musik mitreißen zu lassen und über die Tanzfläche schweben zu können. Nein, normalerweise läuft dort serbische Volksmusik! Lieder, die einladen zum mitschunkeln, zum Bierglas in die Luft heben und zum sich einander in den Armen zu liegen und laut mitgrölen! Das Schlimmste ist aber: Jedes Lied hört sich einfach gleich an! Bei jedem einzelnen Lied ist ein Akkordeon dabei, ein sechzig Jahre alter Opa gibt einfallslose Texte über Serbien, über die Liebe oder auch über den Kosovo (nein, und diese sind nicht schön!) ab und neben ihm räkelt sich eine möglichst junge blonde Frau mit möglichst wenig Sachen an und versucht verzweifelt, auch mal einen Ton zu treffen.

Wie ihr vielleicht dem Titel dieses Blogeintrages schon entnehmen könnt, kann das manchmal wie Griiiechischer Weiiin klingen – nur in ganz ganz schlimm!

Allerdings muss ich zugeben, dass ich diese Musik am Anfang zwar gewöhnungsbedürftig fand, aber auch irgendwie interessant – inzwischen nervt sie mich aber zu Tode, weil ich sie einfach nicht mehr hören kann und keine Lust habe, jedes Mal alleine am Tisch zu sitzen, weil wieder ein neues serbisches Volkslied kommt und alle sofort in den Chor mit einstimmen, die Getränke in die Luft reißen und sich in den Armen liegen! Das ist tatsächlich einer der Gründe, dass ich mein Ausgehverhalten doch tatsächlich reduziert habe. Wichtig ist aber auch zu sagen, dass es sehr wohl auch Bars gibt, in denen englische Musik (hauptsächlich Rock&Pop) läuft, was ich wirklich so angenehm finde 🙂

Hier findet ihr ein paar erlesene Kostproben von Liedern, die ich bereits sehr häufig auf Partys und Geburtstagen gehört habe! Viel Spaß dabei und denkt dran, Kopfhörer beim Hören aufzusetzen – Pornos sind leichter zu erklären 😀

Das zweite Lied handelt übrigens vom Kosovo – den Link zum Originalvideo erspare ich euch jetzt mal, bis auf Kommentare wie „Kosovo ist Serbien“ findet ihr da gar nichts anderes! Und das dritte und letzte Lied kennt ihr vielleicht noch vom ESC 2010 – und gefällt mir tatsächlich irgendwie 😀

Kleiner interessanter Funfact: Auf dem Pausenhof in der Schule wird in den großen Pausen immer Musik von den Schülern ausgewählt und abgespielt – diese Volksmusik ist dabei aber verboten, wegen der „Verdummung der Schüler“. Passt ganz gut 😀

Von Rakija und anderen alkoholischen Getränken

Da ich hier ja schon ein paar Mal das Hochheben der Gläser und Flaschen angesprochen habe, ist es vielleicht auch ganz interessant, mal zu erfahren, was in den Gläsern drin ist!

Das serbische Nationalgetränk ist zweifelsohne der Rakija: Ein hochprozentiger Obstler mit einem Alkoholgehalt zwischen 40 und 60%, und in etwa gleichzusetzen mit dem griechischen Ouzo. Der brennt einem beim Trinken erstmal alles weg, deshalb haben selbst erfahrene serbische Kampftrinker immer ein Glas Wasser daneben zum Runterspülen. Die in Deutschland wahrscheinlich bekannteste Art ist der Šliwowitz, der aus Pflaumen gewonnen wird. Daneben gibt es aber noch Varianten mit beispielsweise Weintrauben, Birnen, Äpfeln, Pfirsichen und auch Quitten. Rakija wird hier gerne und viel getrunken: Beim Ankommen, zum Anstoßen, zum Essen, zum Anstoßen, zum Verabschieden und natürlich zum Anstoßen! Außerdem  brennen sehr viele Serben ihren Schnaps hinten im Garten oder Hof, sofern sie denn einen haben – das meiste für den Eigenbedarf 😉

Natürlich wird hier nicht nur Rakija getrunken –Bier, welches natürlich nicht so gut wie in Deutschland schmeckt, wird auch konsumiert. Die Preise für Alkohol sind für deutsche Verhältnisse wirklich sehr günstig: Grade an Neujahr, wo ich in Deutschland war, habe ich gemerkt, wie teuer deutsches Bier im Vergleich zum serbischen ist! Während man in einer deutschen Bar mal mindestens drei Euro für ein kleines 0,33l-Pils zahlt, bekommt man hier einen halben Liter Starkbier für etwas knapp über einem Euro. Mit dem Geld, womit man sich in Deutschland zwei-drei Bier kaufen kann, kann man hier in Serbien einen richtig schönen Abend haben! 😀

Und noch ein kleiner Funfact: Frauen bekommen hier ihr Bier aus der Flasche mit einem Strohhalm  serviert, Männer müssen es ganz männlich und maskulin aus der Flasche trinken – die Rollenverteilung ist also klar!

Wie weiter oben schon erwähnt, ist der Verkauf von Alkohol an Minderjährige (also unter 18) in Serbien verboten – das ändert aber trotzdem nichts daran, dass hier auch zwölfjährige Wodka und andere alkoholische Getränke kaufen könnten, wie mir mehrfach zugetragen wurde: Viele der Ladenbesitzer kümmern sich einfach nicht darum, wer da ihren Alkohol kauft, solange sie Geld dafür bekommen – Hauptsache, die Kohle stimmt! Es ist wirklich sehr gefährlich, was grade im Bezug auf Alkohol in Serbien los ist – aber ändern wird man daran leider nichts können!

Stinktier nach der Nacht

Wie mir meine Mentorin erzählt hat, gibt es in Serbien teilweise wohl auch ein Rauchverbot in Lokalen, Cafés und Clubs – das kümmert hier aber wirklich niemanden, es wird einfach munter weitergequalmt. Das führt dann dazu, dass man nach einer langen Nacht seine Klamotten eigentlich direkt verbrennen möchte, weil sie so nach Rauch stinken, als ob man eine ganze Nacht durchgegrillt und sich dabei direkt in die Rauchfahne gesetzt hätte.

Kleider bis zum Bauchnabel!

Die Klamotten sind für sehr viele Jugendliche übrigens sehr wichtig beim Ausgehen: Während sich viele Jungen und Männer ein sehr schickes Hemd anziehen (Ich fühle mich zum Teil mit Jeanshemd echt underdressed), kramen die allermeisten Mädchen und Frauen jedes Mal die schicksten Kleider aus ihrem Kleiderschrank heraus – normalerweise sind diese auch noch sehr kurz (manche gehen gefühlt bis zum Bauchnabel!). Kombiniert mit den höchsten High Heels, einer Tonne Schminke und einer kleinen Tasche ist das Partyoutfit komplett. Hosen sieht man tatsächlich sehr selten auf Partys – zumindest bei Frauen, Männer haben im Idealfall noch eine an 😀

Der wichtigste Bestandteil jeder Party ist aber das Handy, normalerweise ein riesiges Smartphone! Mit diesem werden im Laufe des Abends Milliarden von Bildern und Selfies geschossen, hauptsächlich von sich und seinem Outfit. Manchmal werden sogar eigene Ladekabel oder Aufladestationen mitgebracht, um auch während der Party in den sozialen Netzwerken aktiv sein zu können.  In einer Gruppe von mehreren Mädchen verschwinden die Damen oft für zehn Minuten auf der Toilette, um dort in Heerscharen vor dem Spiegel zu stehen und Fotos von sich sich sich zu machen, um sie anschließend aufwendig zu bearbeiten und wahlweise auf Facebook oder Instagram zu posten. Das ist anscheinend immer der lustigste Teil des Abends – es geht manchen also mehr ums sehen und gesehen werden, als darum, zu tanzen oder Spaß zu haben…

Und hier mal wieder ein kleiner Funfact ohne Fun: Ich bin jetzt seit acht Monaten hier und habe noch kein einziges Mal irgendwo vorgeglüht! Das gibt es hier anscheinend einfach nicht oder ist nicht üblich! Für die etwas älteren Leser meines Blogs: Vorglühen ist das leichte Trinken vor der Party, da das Bier und/oder andere Getränke im Supermarkt günstiger sind als in einer Bar 🙂

Tatsächlich ist es natürlich nicht so, dass es überall in Serbien so abgeht wie in Zrenjanin: Zum Beispiel ist in Subotica am Wochenende einfach gar nix los! Liebe Grüße an Heidi und Laura mal an dieser Stelle – ihr seid echt arm dran 😉

Ein bisschen Heimatfeeling beim Feiern…

Mein absolutes Lieblingsfest bisher war wirklich das (Achtung, Klischeegefahr!) Oktoberfest Anfang November in einer kleinen Bar hier! Eine originale Erdinger-Wimpelkette und ein Erdinger-Plakat sorgten für feinste Wiesnstimmung – zusammen mit teurem importiertem Erdingerbier! Das Beste daran war aber, dass wenn man drei Erdinger bestellte, zwei serbische Madls in originalen Dirndltrachten zu dir an den Tisch kamen und dir einen echten Maßkrug schenkten, der inzwischen bei mir zu Hause in Freiburg einen Ehrenplatz bekommen hat!

Auch wenn das jetzt sehr typisch Deutsch erscheint, aber an dem Abend hatte ich trotz fehlender Blaskapelle viel Spaß und konnte den Serben mal ein wenig die einzige ûnd wahre (!) deutsche Kultur näherbringen 😀

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Sweete 18!

Die allerwichtigste Feier im Leben eines serbischen Jugendlichen ist aber auf jeden Fall der eigene 18. Geburtstag, der in den allermeisten Fällen sehr groß gefeiert wird: Dazu wird oft ein eigenes Restaurant gemietet, die ganze Familie und alle Freunde kommen und feiern zusammen, es gibt unbegrenzt Alkohol (und natürlich auch andere Erfrischungsgetränke) und Essen, und als Gast muss man einfach für gar nichts bezahlen! Sämtliche Kosten werden von der Familie des Geburtstagskindes übernommen und die Feiern sind teilweise wirklich sehr groß – als Gegenleistung für die Feier werden oft Blumen oder Wein neben anderen Geschenken mitgebracht. Ich selber war auch schon auf einigen Feiern, gerade von Leuten aus der Klasse meines Gastbruders, mit denen ich mich sehr gut verstehe – nur dass manche in Deutschland ihren 18. Geburtstag nur mit ein paar Freunden in einem Club oder ähnlichem feiern, können sie nicht so ganz nachvollziehen!

 

Das war der kleine Exkurs in die feierwütige Welt der serbischen Partys – voller Alkohol, Handys, kurzen Kleidern und ganz schlimmer Musik!

Liebe Grüße aus dem momentan leider bewölkten Zrenjanin,

Niklas

P.S.: Der Flug ist gebucht – am 26.04. geht es für ein paar Tage nach Hause – ich freu mich 🙂

 

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