Was man so finden kann!

1. Mai 2013
von Caroline Stelzer

Ich bin ja nun schon ein alter kulturweit-Hase und denjenigen, die jetzt im Ausland sind und diesen Einträg in der Liste aller neuen Blogbeiträge angezeigt wird, werden sich wundern, wer das ist, die da schreibt.
Ich bin vor über einem Jahr aus Sibirien zurückgekehrt und auch meine Nachfolgerin ist schon länger wieder zu Hause. Ich bin gereist und unruhig gewesen und dann aber in meiner Studentenstadt angekommen. Nein, ich studiere nichts mit Russisch, sondern American Studies. Seltsam, ich weiß. Was solls, I love it!

Der Grund für diesen Blogeintrag ist eigentlich nicht ein Grund, sondern mehrere. Erstens, ich wollte mal wieder bloggen, weil ich es seit zehn Reisen und ebenso vielen Monaten vorhabe. Zweitens, meine Rückkehr nach Russland ist für den Sommer geplant und damit kann ich dann endlich übers Zurückkommen schreiben. Drittens, jemand hat meine Bildergalerie kommentiert, was mich wieder auf meinen Blog aufmerksam gemacht hat. Und viertens,  habe ich tatsächlich was zu erzählen.

Ich kann eine Geschichte darüber erzählen, was man so alles finden kann, wenn man reist.
Natürlich könntet ihr alle eure Geschichten darüber erzählen, was ihr so gefunden habt. Man hört ja die dollsten Dinge, manche haben sich sogar selbst gefunden und wussten dabei noch nicht einmal, dass sie sich verloren hatten. Jaja, so kanns gehen. Hab ich auch erlebt. Nachdem ich mich gefunden hatte, wusste ich dann, dass ich eigentlich mehr bin, als ich dachte das ich war. Findungsgeschichten sind meistens etwas kompliziert. Deshalb mache ich es auch ganz einfach:
Ich habe einen wunderbaren Californier gefunden, der mich nach Russland begleiten wird und die Reise deshalb noch viel aufregender macht. Schon deshalb, weil er weder Deutsch noch Russisch spricht und mich sicher oft zum Lachen bringen wird. Außerdem ist er Vegetarier, hat ein bisschen Angst vor der Kälte (obwohl wir im Sommer hinfliegen) und ist sehr abenteuerlustig. Und ziemlich verrückt nach mir, so wie ich nach ihm.

Gefunden habe ich ihn wie gesagt in Californien, genauer gesagt mitten in der Wüste, umgeben von Bergen und Palmen. Und das war ziemlich überraschend! Was man so alles finden kann, hab ich mir gedacht. Viel überraschender ist allerdings, was man dann auch noch so alles behält von seinen Reisen.
This blog entry is dedicated to him because he shares my passion of travel and is the first person who is actually crazy enough to happily join me on a trip to Sibiria. I know that he will always encourage me to travel and to encounter new things and to be surprised what else is out there for me. Thank you! (Entschuldigt bitte das Englisch, er spricht wie gesagt kein Deutsch. Kurze Übersetzung: Er ist verrückt und deshalb mag ich ihn.)

So, das wars auch schon, was ich zu sagen hatte. Wenn ich mich durch meine Vorlesungen und Seminare durchgewurstelt habe, hoffe ich, über die Hitze im sommerlichen Sibirien klagen zu können.

Ich verabschiede mich bis dahin mit einem: Wer nicht sucht, findet trotzdem. Auf Reisen.

DSC04311

Where the hell are the Kulturweitfreiwilligen?

15. September 2012
Kommentare deaktiviert
von Caroline Stelzer

Erinnert ihr euch an die Videos, in denen ich in Shanghai und Novosibirsk, mit meinen Schülern oder Freunden ziemlich verrückt getanzt habe? Für das kulturweit-Projekt “kulturweit bewegt”? Wer sich nicht erinnert, findet hier Auffrischung: http://kulturweit-blog.de/neuinsibirien/2012/02/09/kulturweit-bewegt-mein-gymnasium/

Tja, nicht nur ich habe seltsam herumgetanzt, sondern viele kulturweit-Freiwilligen an alle möglichen Orten unseres Erdballs haben dasselbe getan, und daraus wurde dieses wundervolle Video. Ich hoffe, nicht nur in mir erweckt es Reiselust. Viel Spaß!

kulturweit bewegt

Wiedersehen – Monterey

11. Juli 2012
Kommentare deaktiviert
Schlagwörter: ,
von Caroline Stelzer

Es fröstelte uns, als wir in Monterey aus dem Auto stiegen. Bei dem Stopp vorher waren anscheinend noch nah genug an der Sierra Nevada dran gewesen, sodass es tierisch heiß war. Hier an den Küste wehte wieder ein rauer Wind, der Himmel war eher grau als blau und die Temperatur deutlich gesunken. Für mich besonders blöd, denn ich hatte mir nicht nur irgendwie einen Schnupfen zugezogen, sondern wollte auch unbedingt fit sein um meine Freundin Kristen zu treffen, die ich eineinhalb Jahre nicht gesehen hatte und die mittlerweile aus Illinois an die Westküste gezogen war. Also schmiss ich ein paar Erkältungskapseln ein und machte mich auf zum Dinner mit ihr und ihrem Freund. Es gab ja so viel zu erzählen, während wir unsere Burger/Pancakes/Burritos in Denny’s Diner mampften.

 

Am nächsten Abend wiederholten wir das Spielchen, nachdem ich den Tag über hauptsächlich matt im Hotelzimmer gelegen hatte. Wir gingen zu einem Hibachi Grill, einem dieser japanischen Restaurants, wo sie vor einem auf einer heißen Platte kochen, dabei eine Show abziehen, Dinge durch die Luft wirbeln, Shrimps in ihrer Hemdtasche oder ihrem Hut verschwinden lassen und den Gästen Fleisch- oder Seafoodstückchen in den Mund werfen. Es war ganz so, wie es in der einen Folge von How I Met Your Mother abläuft, nur leider ohne Barney. Jedenfalls war es ein tolles Erlebnis und das Essen schmeckte auch noch gut.


Danach gingen wir an den vielen Candyshops, Restaurants und Souvenirläden an der Fisherman’s Wharf vorbei und Richtung Ozean, wo ich meine ersten Robben in freier Wildbahn sah. Sie lagen zu vielen auf einem quadratischen Steg, einige schliefen gestapelt auf dem Geländer oder der Plattform, einige tollten herum, schwammen und machte mit ihren typischen Lauten ganz schön Krach. Nass sahen sie aus wie aus grauem Plastik, trocken eher wie braune Filzfiguren.

Und weil auf jedes Wiedersehen ein Abschied folgen muss, brechen wir morgen Richtung Süden auf und werden die berühmte Strecke an der Küste auf dem Highway 1 fahren. Hoffentlich sehe ich nicht nur Kristen, sondern auch die Wärme nicht erst in ferner Zukunft wieder.

Monterey
9. – 11. Juli 2012

Speeding kills Bears – Yosemite National Park

10. Juli 2012
Kommentare deaktiviert
Schlagwörter: ,
von Caroline Stelzer

Wir packten unsere sieben (wohl eher siebzig) Sachen in unserem Mietwagen und fuhren gen Osten. Sobald wir San Francisco und die Bucht verlassen hatten, veränderten sich das Klima und die Vegetation stark. Es wurde heiß, die Landschaft karg und stoppelfeldartig, mit gelben Gras und weiten Flächen, ab und zu ragten Palmen aus der Steppe hervor, Rinderherden grasten auf den Hügeln, alte Metallwindmühlen drehten sich, ab und zu zog eine rotgestrichene Farm mit einem braunen Dach vorbei.

 

Irgendwann erschien der Merced River, den sich durch den Nationalpark und sein Umgebung, unter uns, denn wir befanden uns schon ein Stück im Gebirge. Wir machten Rast zum Tanzen und Einkaufen in Mariposa, das am Ende des Goldrausch Highway 45 liegt und ganz abgedreht typisch amerikanisch ist. Menschen in großen Trucks fuhren zum Einkaufen vor und kauften Chips im Sonderangebot, zwei riesige Tüten für 5 $. Die Angebote waren außen am Supermakrt angeschrieben. Aunt Jemimas Ahornsirup für nur 1,99$.

Der Yosemite National Park liegt nur eine kurze Autofahrt von unserem Hotel entfernt, beim Schwimmen im Pool waren wir schon von hohen Bergen umgeben. Der Park ist 3000 km² groß und bietet neben dem Gebirgen, von dem man stets umgeben ist, unglaublich saftige Wiesen in den schönsten Grüntönen. Das Gras wiegt sich sanft im Wind und sieht so weich aus, dass man sich sofort hineinlegen möchten. Kleine Wildblumen in gelb und lila blühen. Außerdem gibt es tiefe Wälder mit den heimischen Bären, vor denen die Wanderer gewarnt werden, wegen derer alle Abfalleimer mit einer speziellen Klappe gesichert sind und die beschützt werden, weshalb überall gelbe Schilder mit dem Text “Speeding kills bears” an den Straßen stehen. Zwischen den Bergen befinden sich kristallklare Seen und der Merced River fließt mir einigen kleinen Stromschnellen mitten durch den Park.

Das Wasser hatte es uns angetan, also beschlossen wir, Rafting auszuprobieren. Das hört sich wilder an als es eigentlich war, denn die Gebirgsbäche führen jetzt im Juli nicht mehr viel Wasser. Aber es machte Spaß und man konnte die Landschaft aus einer anderen Perspektive sehen. Die Berge waren nicht nur einfach grau, sondern besaßen alle Schattierungen von schwarz bis weiß, mit kupferfarbenene Flächen und einigen grünen Farbkleksen, die von Moos und Ähnlichem stammten. Durch das wenige Gebirgswasser waren die Yosemite Falls auch nicht so beeindruckend, wie sie das sicherlich im Mai sind, aber es machte Spaß, auf den Steinen bis an den Wasserfall heranzuklettern.

El Portal
5. – 7. Juli 2012

 

Some flowers in my hair – San Francisco

10. Juli 2012
Kommentare deaktiviert
Schlagwörter: ,
von Caroline Stelzer

“Ich ging nie durch San Francisco in zerrissenen Jeans. Einmal verrückt sein…” singt Udo Jürgens in “Ich war noch niemals in New York”. Es würde noch eine Weile dauern, bis ich nach New York käme (es steht aber ganz oben auf der Liste), bis dahin wollten meine Familie und ich aber verrückt sein und dreieinhalb Wochen durch Californien mit dem Auto fahren. American Way of Life eben. Von San Francisco geht es bis hinuter nach San Diego, einige Städte, zwei Nationalparks, viel Strand und ein wenig Wüste, ein Besuch bei einer lieben Freundin und ein Abstecher nach Mexico sollten es sein. Am zweiten Juli steigen wir ins Flugzeug. Im Folgenden werden Auszüge aus meinen Tagebuchaufzeichnungen zu lesen sein. Es werden nur flüchtige Eindrücke sein, wie die vielen Orte, die ich besuche, auf mich wirken.

11 Stunden, 15 Minuten, drei Filme und bestimmt eineinhalb Liter Tomatensaft später erklang die freundlich Stimme der Stewardess aus dem Lautsprecher: “Welcome to the United States of America.” Die Golden Gate Bridge war gerade aus unserem Blickfeld verschwunden, als wir auch schon zur Landung angesetzt hatten. Draußen war es windig und sonnig, der Jetlag machte sich schon langsam bemerkbar, für mich war es mitten in der Nacht. Abendessen, Bett.

Die Golden Gate Bridge aus dem Flugzeug

Es sieht am Pier 39 am Fisherman’s Wharf wirklich aus wie im Film mit den vielen Buden mit frischem Seafood, den großen Schildern, auf denen Restaurants angepriesen werden, dem Steurrad mit der großen Krabbe drauf direkt am Ozean udn die Souvenirläden.
Die Gefängnisinsel Alcatraz (der berühmte Gangster Al Capone saß hier fest) ist nicht weit und auf unsere Stadstrundfahrt erfuhren wir alle möglichen interessanten Dinge über sie und die anderen Sehenswürdigkeiten. Das Wasser in der Bucht ist nur ungefähr 13 Grad warm, deshalb war Alcatraz das erste Gefängnis mit Warmwasserdusche, denn die Insassen sollten sich nicht an das kalte Wasser gewöhnen und möglicherweise liechter fliehen können. Alle zwei Wochen stürzt sich jemand von der Golden Gate Bridge in den selbstgewählten Tod. Ich bin wirklich über die Golden Gate Bridge gefahren!

Fisherman’s Wharf

Die Häuser hier sind klein, fein, vornehm und die Grundstückspreise hoch. Mich hat überrascht, dass hier nur 755.000 Menschen wohnen. Die typischen Häuser mit den eckigen Erkern und schmalen Türen, die Feuerleitern an den höheren Gebäuden, die mich an manchen Hollywoodfilm erinnern, die Pastelltöne und die steilen Hügel, die es wirklich in sich haben und einen trotz des eigentlich zu kalten, windigen Klimas dieser Bucht ins Schwitzen bringen. Die Andeutungen der Hippiekultur, Chinatown, das typisch Amerikanische, das Finanzviertel mit seinen Wolkenkratzern, die den Potsdamer Platz alt aussehen lassen und gegen Shanghai nicht ankommen, das alles gefällt mir.

San Francisco und Alcatraz

San Francisco und Alcatraz

Weil heute Amerikas Geburtstag ist, gab es ein farbenprächtiges Feuerwerk über dem Ozean. Ozean, ich sag das wirklich gerne. Mein erster Ozean.
2. – 5. Juli 2012
San Francisco

Ich nehme einmal Berge, Meer und Metropole

30. Juni 2012
Schlagwörter: ,
von Caroline Stelzer

Die zwei Wochen Georgien waren beeindruckend. Ich habe das Gefühl, das Land etwas kennen gelernt zu haben, was auch an unseren Reisezielen lag. Erst verbrachte ich ein paar tolle Tage in Tbilissi. Meine Erlebnisse gebe ich hier in Bildern wider:

Das Bäderviertel. Georgiens Hauptstadt steht auf vielen heißen Schwefelquellen (tibli bedeutet warm)

Das Bäderviertel. Georgiens Hauptstadt steht auf vielen heißen Schwefelquellen
(tibli bedeutet warm)

Die Mutter Georgiens hält in ihren Händen ein Schwert (Abwehr von Feinden) und eine Schale (Gastfreundschaft gegenüber Freunden)

Die Mutter Georgiens hält in ihren Händen ein Schwert (Abwehr von Feinden) und eine Schale (Gastfreundschaft gegenüber Freunden)

Der heilige Georg hoch zu Ross, den Drachen tötend. Am Freiheitsplatz nahe an Noras WG.

Der heilige Georg hoch zu Ross, den Drachen tötend. Am Freiheitsplatz nahe Noras WG.

Georgische Fahnen

Georgische Fahnen

Unvermeidlich, aber macht was her

Unvermeidlich, aber macht was her

Für mich das schönste Gebäude – der Uhrenturm. Mit dem angrenzenden Café wirkt er wie eine Filmkulisse. Atemberaubend schön auch bei Nacht.

Keine Kerzen, sondern eine Süßigkeite aus Traubensaft und Nüssen.

Keine Kerzen, sondern eine Süßigkeite aus Traubensaft und Nüssen.

Dreifaltigkeitskirche

Dreifaltigkeitskirche

Das Kirchgelände ist riesig, mit kleinen Kapellen, Springbrunnen, einem Ententeich und Rosenbeeten.

Das Kirchgelände ist riesig, mit kleinen Kapellen, Springbrunnen, einem Ententeich und Rosenbeeten. Bester Ausblick über die Stadt.

Blick über Tbilissi

Blick über Tbilissi

 

Ich bin mit Nora zusammen mit der Maschrutka nach Kutaisi, einer größeren Stadt im Landesinnerern gefahren, wo wir uns mit Micha trafen. Mich hat drei Monate in Aserbaidschan am Strand gesessen und hat Flamingos gezählt. Klingt komisch, ist aber so. Gewohnt hat er währenddessen in einem kleinen ausgebauten Auto, vorne Sitze, hinten Matratzen-Bett und Stauraum. Micha war so lieb, Nora und mich mitzunehmen und gemeinsam machten wir uns auf nach Swanetien, einer Region im Nordwesten Georgiens, die bekannt für ihren vielen schwarzgrauen Wehrtürmen aus Stein ist, mit denen sich die Swaneten gegen Mongolen und Russen gewehrt haben. Wir fuhren also über Zugdidi, das schon in Swanetien liegt, hinein in die Bergen, mitten hinein in den Großen Kaukasus. Unser erklärtes Ziel war Mestia, ein kleiner Ort nahe der russischen Grenze im Norden.

To be continued….

Tbilisi – The city that loves you

24. Juni 2012
Kommentare deaktiviert
Schlagwörter: ,
von Caroline Stelzer

Die Stadt, die mich liebt.  Besser gesagt wäre: Die Stadt, die mich lieben wird, denn wir beide hatten noch keine Bekanntschaft miteinander gemacht. Schließlich war ich vor 20 Minuten in Tbilissi gelandet und hatte auf meinem Weg vom Flugzeug bis zum Schalter des Beamten, wo das Versprechen in großen schwarzen Lettern prangte, noch nicht viel von der georgischen Hauptstadt gesehen. Natürlich konnte ich auch in dieser kurzen Zeit einige Eindrücke sammeln. Die klebrige Wärme, die mir entgegegenschlug, obwohl es schon Mittnacht war, und die einen angenehmen Kontrast zum Regen in Riga darstellte. Die mir fremde georgische Schrift auf den Werbeplakaten für Carlsberg Bier, diese herrlich verspielten und verschlungenen Buchstaben, die mir Rätsel aufzeigten. Die ungewohnten Sprachfetzen Georgisch unter all dem vielen vertrauten Russisch. Lachende, müde, angespannte und aufgeregte Gesichter, meines wahrscheinlich mit letzterem Ausdruck, man ist entweder in der Fremde oder zu Hause. Ich fühlte mich ein bisschen von beidem, die russische Sprache zeigt immer diese Wirkung und als mich Nora hinter der Gepäckausgabe erwartete, konnte ich mich nicht fremd fühlen.
Nun bin ich über eine Woche in Georgien und konnte die unterschiedlichsten Eindrücke sammeln. Tbilissi hat mir nicht zu viel versprochen, die Stadt liebt mich wirklich, verwöhnt mich mit gutem Wetter, leckerem Essen, Läden zum Bummeln, netten Menschen, guten Bars und Clubs und vor allem mit einem, der Sicherheit, mich verständigen zu können und mich trotz der anderen Sprache nicht zu verirren, Russisch und Englisch sei Dank.
Ich habe aber nicht nur in der entspannten Hauptstadt versucht, Georgien kennen zu lernen, sondern bin durch die Dörfer Swanetiens gefahren, die Region der Wehrtürme im Nordwesten Georgiens, immer die Berge vor der Windschutzscheibe und einen reißenden Fluss im Tal, nur einen Abgrund entfernt. Ich war in Batumi am Schwarzen Meer, wo ich gebadet habe und von Plamen gesäumte Alleen entlanggeschlendert bin. Ich war im kleinen Kaukasus und habe mir in Chulo im Trägerkleidchen die netteste kleine Moschee überhaupt angeguckt zusammen mit Nora in ihren kurzen Hosen und gemeinsam haben wir uns auch in die Seilbahn des Todes gewagt, die mit offenen Türen in einer Höhe von 1700 Metern zum gegenübergelegenen Berg geschaukelt ist. Ich war mit einem Jeep im mit 2200 Metern höchsten bewohnten Dorf Europas, Ushguli, wo wir mit wilden Pferden über die Wiesen gelaufen sind und ich kiloweise Swanetisalz, ein besonderes Gewürz, gekauft habe, dass anschließend das Auto vollgeduftet hat.
Nora und ich sind heute mit dem Nachtzug zurück nach Tbilissi gekommen, wo ich meine letzten Tage in Georgien ganz entspannt verbringen will. Es gibt noch viel zu erzählen und viele Bilder zu zeigen, aber das verschiebe ich auf ein andermal. Jetzt konzentriere ich mich lieber auf die Stadt, die mich liebt und erwidere ihre Liebe.

Nachwamdis!

Warum es weiter geht…

12. Juni 2012
Schlagwörter:
von Caroline Stelzer

Es gibt eine schöne Geschichte aus Afrika. In der fahren ein Europäer und ein Afrikaner in einem Jeep durch die Wüste. Eine weite Strecke. Nach einer Weile macht der Europäer, der den Jeep fährt, eine kurze Rast, um sich die Beine zu vertreten. Der Afrikaner setzt sich an den Wegesrand und blickt den Weg zurück, den sie gekommen sind. Als der Europäer nach kurzer Zeit wieder einsteigt um weiterzufahren, fragt er den Afrikaner: „Warum steigst du nicht ein? Worauf wartest du noch?“ Darauf antwortet dieser: „Dass meine Seele nachkommen kann.“

Was habe ich also die letzten Monate gemacht? Genau das. Ich war hier, wo ich immer war, in meinem Zimmer, meiner kleinen Welt, mit Menschen die gekommen und gegangen sind, mit einigen dieser wertvollen, die schon immer da waren und wohl auch immer da sein werden. Ich habe meine Seele nach meiner weiten Reise nachkommen lassen um mich für die nächsten Reisen zu stärken und mit mir in Einklang zu kommen. Jetzt langsam habe ich das Gefühl, dass sie angekommen ist. Das ich nicht nur da bin, sondern auch vollständig bin. Und es weitergehen kann.

Natürlich, ich habe die letzten Monate gearbeitet, ich habe neue Leute getroffen, neue Dinge ausprobiert, bin an meine Grenzen gestoßen. Vor allem habe ich ein Ziehen im Bauch bekommen und einen Kloß im Hals, wenn ich Blogeinträge von anderen kulturweit-Freiwilligen gelesen habe, wenn mein Blick auf meine Reisführer oder meine Weltkarte gefallen ist. Aber ein paar Wochenendtrips innerhalb von Deutschland haben mein Reisefieber in Zaum gehalten.

Jetzt geht es wieder richtig los und darüber bin ich so froh. Morgen hebt mein Flieger nach Georgien ab und bringt mich direkt in einen Sommer, der es hoffentlich in sich haben wird. Ich werde so viel unterwegs sein, dass es bald wirklich kein Zuhause im eigentlichen Sinne mehr geben wird. Ich werde noch so viel in diesem Sommer erleben, bevor ich dann im Herbst mit dem Studium beginne. Der Blog wird  weiterhin “Neu in Sibirien” heißen, nicht nur, weil meine Reisen viel mit kulturweit-Freiwilligen zu tun haben, sondern auch, weil es eine Metapher für das Neue ist. Für einen Ort, den man bisher nicht kannte und von dem man auch nicht dachte, dass man ihn bald kennen lernen würde. Ich möchte immer wieder neu sein, fremd sein und all dem offen begegnen. Ich möchte die wunderschönen Erlebnisse und Erfahrungen machen, die man nur haben kann, wenn man sich auf etwas völlig Neues einlässt.

Lasst die Reise beginnen.

PS.: Ich hoffe, die Kuriosität des Tages wiederzubeleben. Mal schauen, was die Georgier so auf Lager haben

Diese Nacht

19. April 2012
von Caroline Stelzer

Eine Überschrift, so heißt es, kann man erst über einen Text setzten, wenn dieser Text fertig ist oder man zumindest genau weiß, was er beinhalten wird, wenn man die Gesamtkomposition kennt.
Da ich weder das eine noch das andere behaupten kann, bleibt diese Überschrift leer.
Das Schreiben hat es mir angetan. Ich schreibe gerne, schreibe Briefe, schreibe Emails, Postkarten, Tagebuch, To-Do-Listen, Einkaufszettel, Artikel, fülle Blöcke, Seiten, Hefte, Bücher, Dateien, Köpfe.
Das Schreiben beginnt im Kopf. Das Schreiben endet im Kopf. Hoffentlich.

Das Rattern der S-Bahn, schwarze Tiefen im Fenster.
Neujahrsmorgen in Shanghai, kurz vor 2 Uhr. In einer Bar treffen vier Deutsche und zwei Russen aufeinander. Wir stoßen an. Ein Witz soll den russischen Humor verdeutlichen.
“Ein Russe, ein Amerikaner und ein Deutscher werden jeder alleine in ein Zimmer gesperrt. In diesem Zimmer gibt es nichts, nur vier leere Wände, den Fußboden, die Decke und eine Tür, fast unsichtbar in die Wand eingelassen. Ihnen werden zwei runde, schwere Kugeln aus Platin gegeben. Wer das beste Kunststück vorführt, wird freigelassen. Die Prüfer besuchen zuerst den Deutschen. Er wirft die Kugeln an die Wände, fängt sie wieder auf, rollt sie durchs Zimmer, nichts besonders Spektakuläres. Sie gehen zum Amerikaner. Der jongliert mit den Kugeln und veranstaltet eine Zirkus-Show. Schon besser, weiter zum Russen. Die Tür wird geöffnet, der Russe steht ein wenig schuldbewusst im Zimmer, Die eine Kugel hat er kaputt gemacht, die andere verloren.”
Es ist diese Kunst, etwas Unmögliches zu tun, etwas falsches noch dazu und trotzdem darüber zu lachen. Und zu wissen, dass es weiter geht. Ich habe viel über diesen Witz, der mehr ein Gleichnis ist, nachgedacht. Es ist diese Art von Dingen, die nicht mehr bei mir sind und es sein sollten.
Es ist dieser Humor, der mit einer leichten Traurigkeit einhergeht, einer Melancholie, in der alles höchstens normal, aber niemals gut ist.
Ich sehe es anders. Gut ist eben der Normalzustand, habe ich mir immer gesagt und den gespielten Pessimismus auf gewisse Weise lieb gewonnen.

Eine Nacht in Köpenick.
Wonach klingt sie? Nach dem Rascheln der Kleidung, wenn Menschen vorbeilaufen, dem Geschnatter von zwei Freundinnen, dem Rattern der Straßenbahn auf der Betonbrücke, dem Vorbeirauschen von Fahrradspeichen, dem Dröhnen von Flugzeugen, dem Rauschen des Windes, dem Klappern eines Plastikdeckels auf dem Asphalt, dem Klackern der Absätze.
Wonach riecht sie? Nach dem feuchten Boden und dem Gras, nach Rauch, nach der Kälte und nach dem Sommer, tiefblau und klar riecht sie nach einem Versprechen.
Wonach schmeckt sie? Nach Vergangenem, nach Vertrautem, nach etwas, das man loswerden will.
Wonach fühlt sie sich an? Nach der Weite und nach der Enge, nach der grenzenlosen Freiheit und nach Aufbruch, nach Alltag und nach Fernweh.

Wieso gehe ich nicht weg? Warum nehme ich nicht mein Geld von meinem Konto oder das Konto eben mit und gehe auf die Suche nach etwas, das Ankunft ruft? Was war richtig und wann beginnt das Leben, wie man es sich vorstellt? Warum reise ich nicht kreuz und quer, arbeite, wenn ich Geld brauche, bin umgeben von Dingen, die ich mag, lerne kennen, wer mir gefällt?
Weil ich hoffe, etwas zu finden, möglichst nah an dem, was ich schon gefunden habe. An denen, die ich schon gefunden habe. Es ist nicht viel, aber es ist genug und ich liebe jedes bisschen davon. Und alle.
Manches habe ich nicht gefunden, manches ist passiert. Auch davon will ich nicht weg.
Ich sollte alles verkaufen. Doch wo fange ich an? In allem steckt Erinnerung. Soll ich meine Erinnerung verkaufen? Oder versuchen, sie einzufangen, so klein wie möglich zu konservieren? Durch Schreiben?
Manche Erinnerungen möchte ich gerne verschenken. Aber das geht nicht und wenn es gehen würde, würde ich sie vielleicht irgendwann zurückhaben wollen. Das hoffe ich.

“Wir sehen uns in Ungarn.”

Jetzt habe ich die Überschrift. In den Texten geht es um diese Nacht. Und was ich denke, wie immer. Das war noch nie so wie in dieser Nacht. Das schreibe ich jetzt hin.

“Viel Glück im nächsten Leben!” – Wir sind Alumni

7. März 2012
Schlagwörter: ,
von Caroline Stelzer

Ich habe das Gefühl, nicht nur sechs Monate, sondern eine Ära sind zu Ende gegangen.
Die fünf Abschlusstage am Werbellinsee waren noch einmal wunderschön, motivierend und inspirierend. Ich habe so viele Geschichten von so vielen Leuten aus so vielen Ländern gehört, dass ich das Gefühl habe, selbst ein Stück dort gewesen zu sein. Natürlich durften gruppendynamische Energizer, Selbstreflexion, ausschweifende Werwolf-Spiele und eine schöne Partynacht nicht fehlen.
Wir waren eine verhältnismäßig kleine Runde von 80 Leuten, es war beschaulich, still und gemütlich-kuschelig bei Brandenburger Mittelmäßigwetter. Es hat Spaß gemacht und ich bin traurig, dass das alles vorbei ist. Jedenfalls das Leben als kulturweit-Frewillige. Aber wir haben schon die ersten kulturweit-Alumni-Projekte und -Seminare im Blick, das hat mir ganz viel Kraft gegeben, sodass der Abschied nicht so schwer gefallen ist. Es kommt einfach der nächste Schritt.
Hier nochmal vielen Dank an alle Menschen, die auch dieses Seminar wieder einmal gerockt und mit mir so viel gelacht haben. Ich wünsche allen, dass ihr etwas vorhabt, was euch glücklich machen wird.
Besser, als mit den Worten von Anna Veigel kann ich es nicht sagen: “Viel Glück im nächsten Leben!”

Lasst es krachen!
And so do I.