Wüste Städte, totes Meer – Teil 3

Von Amman nach Alexandria: Every Day I’m Shuffeling

Jordanien ist ganz anders als Ägypten. Aber wirklich komplett. Jordanien ist teuer, sauber, hat kein Wasser, die Autos sind (relativ) modern, ein annehmbarer Teil der Taxifahrer schnallt sich an, die Leute sprechen mehr oder weniger gut englisch. Ja, es gibt auch ein „Downtown“, das noch ein bisschen so ist, wie ich mir eine arabische Stadt vorstelle und es gibt ein Pendant zum Alexandriner Restauran „Mohamed Ahmed“. Sonst hat mich Amman immer wieder an Wuppertal erinnert. Es ist hügelig und irgendwie niedlich. Und das stimmt wirklich! Wenn man einmal von den hochmodernen Wirtschafts- und Hotelvierteln absieht, wo die Häuser wirklich sehr hoch und modern sind, schafft es Amman, mit einer Regelung, die die Höhe der Häuser auf vier Stockwerke begrenzt, auch in innenstadtnahen Vierteln ruhig und putzig zu wirken.

Außerdem hat Amman eine Partyszene. Ich war in den vier Abenden, die ich dort verbracht habe, öfters (richtig) feiern als in meiner gesamten Zeit in Ägypten bisher. Stellvertretend für mehrere Abende möchte ich jetzt den interessantesten beschreiben.

Wir vier Jungs (Vincent und ich in Begleitung von Christian, des Ammaner Kulturweit‘lers und dessen französischen Mitbewohners Valentin) wollen feiern gehen. Idee Nummer eins: Im „Café de Paris“ steigt eine Karaokeparty. Wir stehen alle voll auf Karaoke und fahren dort hin, stehen dann allerdings nicht nur auf Karaoke sondern auch in der Bar, was doof ist. Dann singt der erste Sänger (in einer Lederjacke, auf der groß der Schriftzug „Highway to Hell“ prangt) sehr laut und schief sein offensichtliches Lieblingslied, während der zweite sich zwar leiser aber dafür umso schiefer und mit einer ganzen Reihe an lächerlichen Handbewegungen an „My Way“ versucht, woraufhin wir beschließen, dass Karaoke doch nicht so unser Ding ist, und weiterziehen.

Das nächste Ziel: Die Bar, in der Valentin die letzte Nacht verbracht hat. Er weiß nicht mehr, wie sie war und wo sie ist, daraus schließen wir, dass sie wohl sehr gut sein muss, und helfen ihm sein Gedächtnis wiederzubeleben. Das gelingt, wir finden die Bar – sie hat zu. Als wir wieder herauskommen, zeigt er auf etwas leicht Ekeliges auf dem Boden und sagt: „I don’t want to be disgusting, but I think that that’s mine.“

Wir machen uns auf die Suche nach einer Bar ähnlichen Kalibers, an die sich Christian dunkel zu erinnern meint, ohne Erfolg. Das klingelt das Handy des Franzosen, eine Freundin von ihm ist dran, was wir denn machen und ob wir Lust hätten zu ihr zu kommen, da würde gerade gefeiert. Wir wissen mit uns nichts Besseres anzufangen und sagen spontan zu.

Valentin hat uns nur schlecht darauf vorbereitet, was uns dort erwartet. Angekommen haut uns zuerst der Blick aus dem Wohnzimmer um, von ihr aus muss man, wenn es hell ist, ganz Amman sehen können. Und dann haut uns die Partygesellschaft um: Um uns herum sitzen die versammelten Botschafterkinder der französischen, spanischen, niederländischen und noch einiger anderer Botschaften. Sie sind alle elegant gekleidet, unterhalten sich auf fließendem Französisch und sind genau so, wie man sich Botschaftskinder immer vorstellt, wie aus dem Bilderbuch.

Wir lassen uns davon aber nicht stören sondern trinken genüsslich auf Kosten der Steuerzahler anderer Nationen Bier und rauchen Shisha. Da kommt plötzlich einer der Jungs (17, vielleicht) hereingestürmt: Sein kleiner Bruder (14, 15?) wurde von fünf Arabern angehalten, er hat zweien von ihnen eine rein gehauen und ist weggerannt, man müsse sich sofort für den Kleinen rächen! Die Halbstarken (14 bis knapp 18) sind sofort begeistert, ziehen sich ihre Jacken an und wollen losstürmen. Doch die Mädchen verdrehen nur die Augen und pfeifen ihre kleinen Brüder zurück. Die anderen setzen sich bald darauf auch wieder hin: man wisse ja gar nicht so genau, wen man denn überhaupt zu verprügeln habe.

Der Abend geht weiter, kurz darauf telefoniert die Tochter des Hauses und fragt daraufhin in die Runde: „Nour hat sich ein Zimmer im Marriott gemietet und schmeißt dort eine Party, wollen wir dahin gehen?“ Selbstverständlich auf Französisch. Warum Nour das macht ist nicht so klar, und weil die Partygesellschaft im Marriott aus überwiegend jüngeren zu bestehen scheint, verzichten wir. Leider, es wäre eine weitere lustige Geschichte geworden.

Und nach mehreren solchen Abenden hieß es dann leider wieder – ab nach Hause, die Arbeit ruft. Aber wenn ich in Zukunft noch einmal feiern gehen möchte, dann weiß ich ja jetzt, wo die beste Location Ägyptens ist: Amman.

Jordanisches Arabisch des Tages: Maak fratta? – Hast du Kleingeld?

Zitat des Tages: Erster Partygänger: „Hat jemand Liederwünsche?“ – Zweiter Partygänger: „Ich wünsche mir »S&M« von Rihanna!“ – Dritter Partygänger: „Wer wünscht sich das nicht…“

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