Meine Woche in Burjatien

18. Juli 2012
von Sebastian Burkard

Der Brunnen vor dem Staatsbalett in Ulan-Ude - leider kann man die schöne Musik, die gespielt wurde, auf dem Foto nicht hörenUm alle Verwirrung zu nehmen, sollte ich erst einmal klären, was es mit dem Namen „Burjatien“ eigentlich auf sich hat – schließlich kündigte ich ja an, nach Russland zu reisen. Tatsächlich war ich sowohl in Russland, als auch in Burjatien. Dies ist nämlich eine Teilrepublik Russlands und auch die Heimat der Burjaten, die mit den Mongolen einige Ähnlichkeiten haben. Soviel bis jetzt als Vorinformation. Sonntagnachmittags fuhr ich erst einmal mit dem Bus nach Darkhan zu Batsukh, der mir die Möglichkeit gab, mit ihm zusammen nach Russland zu reisen. Er spricht nicht nur fließend Deutsch, sondern auch fließend Russisch, sodass er für mich alles organisierte. Am Sonntagabend erfuhr ich dann, was wir alles in Russland sehen und erleben werden und war von dort an total gespannt auf die Woche.

Der Hauptplatz in Ulan-Ude mit dem großen Lenin-DenkmalEigentlich sollte es am nächsten Morgen um 10:30 Uhr mit einem Reisebus nach Russland gehen, doch dieser war voll ausgebucht, sodass wir einen Kleinbus nehmen mussten. Eine Stunde später kam dieser dann auch und dann begann die Fahrt. Relativ schnell waren wir an der mongolischen Grenze, dann an der russischen Grenze und plötzlich war ich da: in Russland. Gleich ist mir aufgefallen, dass ich nicht mehr in der Mongolei bin. Ich habe blonde Haare gesehen, Kinderwägen, Hausnummern und Kreuze am Straßenrand. Das Ziel der Fahrt war Ulan-Ude, die Hauptstadt Burjatiens. Dort wohnten wir in einem Studentenwohnheim und gleich bei der Ankunft wurde ich von der Hausmeisterin freundlich begrüßt. Sie fing an, mit mir Russisch zu sprechen und als ich nur achselzuckend mit dem Kopf schüttelte und dabei „German“ sagte, lächelte sie und sagte: „Ich habe heute Klassendienst.“ Ich war total überrascht und erfuhr wenig später, dass viele Russen in der Schule Deutsch lernen. In den anderen Tagen begegnete ich noch vielen anderen Russinnen und Russen, die mit mir auf Deutsch sprachen und mir damit immer wieder ein Lächeln auf das Gesicht zauberten.

Wir fünf zusammen im BierhausUlan-Ude selbst ist eine sehr schöne Stadt. Wir haben die Stadt sowohl tagsüber als auch nachts ausgekundschaftet und alle schönen Ecken und Besonderheiten gesehen. Einen Nachmittag haben wir im weitläufigen ethnographischen Museum verbracht, wo gezeigt wurde, welche Nationen in den vergangenen Jahrhunderten in Ulan-Ude und Umgebung gelebt haben und auch wie sie lebten. Batsukh konnte mir viel über die Geschichte der Stadt und die Geschichte Burjatiens erzählen. Doch nicht nur mit Batsukh hatte ich in der Woche viel zu tun, sondern auch mit Lilia und Valia – zwei Burjatinnen, die beide Ärzte sind, eigentlich viel Arbeit hatten und sich trotzdem viel Zeit für mich nahmen, besondere Ecken der Stadt zeigten und mir wirklich ans Herz gewachsen sind. Leider konnte ich kein Russisch sprechen, aber da sie beide Burjatinnen sind, verstehen sie Mongolisch und so konnten wir uns stets unterhalten, ansonsten war Batsukh zum Übersetzen dabei.

Der Baikalsee hatte eine angenehme Temperatur - sogar zum Schwimmen bestens geeignetDie Zeit am Baikalsee war auch total beeindruckend – das Wasser war sogar so warm, dass man Schwimmen konnte. Ich hatte (warum auch immer) meine Badehose zu Hause vergessen, aber wer sich zu helfen weiß, nimmt einfach eine kurze Hose und kann damit auch Schwimmen gehen. Es war wirklich ein wunderschönes Erlebnis, genauso wie die ganze Woche mit stets strahlendem Sonnenschein und richtig heißen Temperaturen in Burjatien mit Batsukh, Lilia und Valia eine tolle Zeit war, die leider viel zu schnell zu Ende gegangen ist. Fotos des einwöchigen Aufenthalts kann man in der Bildergalerie sehen. Beim Abschied sind sogar ein paar Tränen geflossen, es war einfach zu schön in Russland! Ich hoffe sehr, dass ich Batsukh, Lilia und Valia eines Tages wieder sehen werde – entweder in Deutschland oder in Burjatien. In meinem Herzen sind sie auf jeden Fall.